Are we dancing after death?
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girlbossing 2 close 2 the sun
29.12.2021, 01:00
Ikharus zu fragen, wer er war und wofür er stand, war für Ikharus noch unangenehmer als Farbe beim Trocknen zuzusehen. Die Untätigkeit machte ihn mindestens genauso aggressiv wie die Frage, was er eigentlich vom Leben verlangte. Zu viel, war vermutlich die treffendste Antwort. Zu viel, denn er bekam niemals genug. Wer er war, war ihm jedoch selbst ein Rätsel. Und doch hätte er eine vorgefertigte Antwort parat: er war Feuerbändiger. Das war das Einzige, das ihm niemand hatte nehmen können. Das, was ihn im Lufttempel angeblicher Toleranz zu einem Aussätzigen gemacht hatte (nein, er sah nicht ein, dass es an seinem Charakter gelegen haben könnte), war das Einzige, das er mit Sicherheit wusste und dem er sich verschrieb. Feuerbändiger zu sein bedeutete für ihn auch, seiner Nation die Treue zu schwören und jene zu halten. Aber selbst Ikharus wusste, dass zum Selbstbild mehr als das Element, das man bändigte, gehörte. Er wusste, dass sein Weigern, die Frage tiefer in sich dringen zu lassen, daher rührte, dass er sonst nur wenig besaß. Oft genug stellte man sogar seine Treue infrage, legte ihm seine sonderbare Herkunft zum Nachteil aus — sowohl in seiner Familie war er ein Fremdkörper, als auch bei den Himitsu. Selbst im Militär, so verklärt er seine ziemlich qualvolle Zeit als Rekrut auch sah, war er außen vor gewesen — wieso also sich darüber definieren?
Aber er war Feuerbändiger. Er war ein Sohn seiner Nation. Und er war stolz darauf, denn sonst besaß er nicht viel. Ikharus versuchte das jedoch nicht zu erklären, denn er glaubte nicht daran, dass Jhaan dies verstehen konnte. Schon gar nicht würde er es verstehen, solange der Feuerbändiger seine Hand um seine Kehle schloss, als würde er ihm die Luft abdrücken wollen. Dabei wollte er nur das Blut am blassen Hals verbergen, das Jhaan mit seinen Fingern dort verschmiert hatte. Er wollte sich nicht schlecht fühlen — nicht schlechter, als auch so schon. Ihm war nicht klar, wie er Jhaan nicht das gleiche Recht einräumte, und als es ihm einfiel und er die Hand wieder von dessen Hals nahm, wie als habe er all das gar nicht gewollt, war es schon zu spät. Jhaan blinzelte schwer ins Nichts, während Ikharus ein verqueres Lächeln auf seine Lippen zwang. Natürlich konnte er es nicht retten, nicht einmal mit dem Witz, der Jhaan nicht einmal unter anderen Umständen zum Lachen gebracht hätte. Ikharus’ Witze waren weniger auf die Erheiterung anderer ausgelegt, mehr auf sein eigenes Vergnügen. Nur dass er selbst auch nicht mehr ehrlich lachte, sondern ernüchtert mit dem Handrücken auf das Lächeln auf seinen Lippen drückte, bis es verschwand. Ernüchtert lauschte er Jhaans Schlussfolgerung. Du gehörst zu ihnen. Da war es wieder, die Trennung zwischen ihnen, diese unüberbrückbare Kluft. Das Wir und Sie vereinte sie nicht gegen einen gemeinsamen Feind, sondern zerrte sie auseinander. Zu ihnen. Träge nickte Ikharus, zuckte zur gleichen Zeit mit den Schultern, wobei sein Umhang sich plötzlich besonders schwer anfühlte. War seine Verkleidung der Ballast oder das, was Jhaan nun endlich sah? Er gehörte zu ihnen, zu jenen, die den Tempel von Jhaans Brüdern in Schutt und Asche gelegt hatte. Selbst wenn er nicht wortwörtlich dabei gewesen war, hatte er hinter der Entscheidung gestanden. Mehr als das. Etwas in seinem Inneren wollte in sich zusammenfallen, wenn er daran dachte, welche Informationen er preisgegeben hatte, um den Angriff möglich zu machen. Auch ohne dich hätten sie einen Weg gefunden. Nein, nicht sie … wir. Und doch suchte ihn diese Schuld heim, selbst wenn er sich einredete, er trüge keine. Denn der Angriff war gerechtfertigt gewesen. Ikharus wrang seine Hände ineinander, dann zuckte er nochmals mit den Schultern. »Wenn sie keinen Angriff geplant hätten, hätte sie auch niemand angreifen und an der Umsetzung hindern müssen«, antwortete er im Brustton der Überzeugung. Er glaubte daran, er musste daran glauben. Er weigerte sich aber auch schlicht und einfach, eine Alternative in Betracht zu ziehen. »Erschreckt dich das, Jhaan? Traust du es niemandem deines Volkes zu, Grausamkeit im Herzen zu tragen?« War er nicht der beste Beweis dafür, dass es durchaus möglich war? Immerhin war er mit ihren Lehren groß geworden — und nun sieh ihn dir an! Er sollte nichts fühlen, nicht einmal Reue. Und doch war dort etwas neben der Unanrührbarkeit, mit der er Fakten aussprach; etwas, das durch Jhaans Blick, ob unbeabsichtigt oder nicht, schon seit Wochen neue Wurzeln schlug. »Das heißt nicht, dass der Angriff gerecht … war«, presste er hervor, wie als würde es ihn unerträgliche Schmerzen bereiten, eine solch halbgare Erkenntnis, die sich bereits wie Verrat anfühlte, auszusprechen. Unruhig tanzte sein Blick dabei über Jhaans Gesicht, und wieder hob er eine Hand, diesmal jedoch langsamer — abwartend, ob Jhaan zurückzucken würde —, und sobald er sich halbwegs sicher war, dass Jhaan nicht um sein Leben fürchtete, strich er das länger gewordene Haar aus Jhaans Stirn. Federleicht zogen seine Finger dabei über das Luftbändigertattoo, wobei er selbst nicht verstand, warum sich dabei alles in ihm zusammenzog. »Dieser Krieg ist noch immer nicht vorbei, Jhaan … Das weißt du, oder? Deswegen kehrst du nicht zurück zu deinen Brüdern. Deswegen darfst du nicht zurückkehren.« Oberflächlich gesehen mochte der Krieg vorbei sein, das wussten sie alle, aber … wenn man sich an dem Ort befand, an dem er war, mit dem Menschen, den er liebte und zugleich zu hassen gelernt hatte, wusste man auch, dass es ein Frieden zum Schein war. Und so sehr sich Ikharus auch zu den Krähen zurückwünschte, so sehr er auch hoffte, Jhaan wäre durch einen üblen Zufall bei dem Angriff auf den südlichen Lufttempel umgekommen, gab es doch auch einen unermesslich großen Teil seines Wesens, der sich genau davor fürchtete. Der dies nicht ertragen hätte -- sofern er denn jemals davon erfahren hätte. herkunft Ba Sing Se
stand Mittelschicht
alter 27 Jahre
gender Männlich
bändigung Feuer
beruf Agent
größe 1,78
erscheinung
Ikharus’ Äußeres wirkt auf seine Mitmenschen ebenso anziehend wie sein Inneres abstoßend; im Zusammenspiel formen seine provokante Natur, die scharfkantigen Züge seines Gesichts und der athletische Körper einen in sich verstrickten Mann, der ebenso oft auf Zuspruch wie auf Ablehnung stößt — je nachdem, wie dick das Fell seiner Mitmenschen tatsächlich ist (oder wie oberflächlich sie sind). Es lässt sich durchaus behaupten, dass der Feuerbändiger schön ist mit seinen hübschen mokkafarbene Augen, die dunkel wie ein schlammiges Moor mit besorgniserregender Tiefe sein können, oder aber hell wie mit Milch versetzter Schwarztee, glimmende Herausforderung im Blick.
Von seinen geschwungenen Lippen perlt so selten ein ehrliches Wort, dass man meinen könnte, sie sollten von Natur aus dunkel und böse aussehen — doch das tun sie nicht. Viel zu gern verziehen sie sich zu einem (zugegebenermaßen manchmal bissigen) Lächeln, das doch immer ein wenig verschmitzt aussieht, während ein wahres Lächeln, das seine Grübchen zum Vorschein und seine Augenfältchen zum Ausfächern bringen würde, es selten bis nie auf sein Gesicht schafft. Dafür zügelt er sich selbst zu sehr, ist zu verstrickt in alles Negative, das sich auch in seinen oft vor der Brust verschränkten Armen und dem energischen, ungeduldigen Gang widerspiegelt. Er ist ein Mann fahriger Natur, jegliche Lässigkeit ist erzwungen, vielmehr wirkt er verspannt, wie als würde er sich ständig gegen etwas stemmen, während er, entgegen jeglichen Sehnens nach Sanftheit, grob durch die Weltgeschichte marschiert. Wenn er frustriert ist, reibt er sich exzessiv den Nacken oder rauft sich die Haare, bis die (momentan) mittellangen Strähnen konfus von seinem Kopf abstehen. Den einstigen Dutt aus langem, seidig schwarzem Haar hat er als Himitsu zugunsten der Tarnung aufgegeben — ebenso wie er sich nicht länger in die typische Uniform des Militärs der Feuernation kleidet, sondern sich je nach Aufenthaltsort anpasst. Unter seiner Kleidung verbirgt der 1,78m hohe Feuerbändiger eine Brandnarbe am Sternum, die sein Halbbruder Aeneas ihm im Laufe einer Trainingseinheit zugefügt hat — kleinere wie größere Narben haben sich über die Kriegsjahre hinweg dazugesellt, jedoch nichts Langwieriges. Selbst davon, beim versehentlichen Feuerbändigen im nördlichen Lufttempel beinahe von Jhaans Himmelsbison zerquetscht worden zu sein, hat er sich erstaunlich gut erholt — er hat von der Gehirnerschütterung nur seelische Narben (aufgrund der Demütigung) davongetragen.
gespielt von Chulia
(Name als Pronomen) |
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