in the shadow of the moon
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melancholic pain in the ass
02.01.2022, 12:56
Dies war nicht Runes Habitat. Eine Vielzahl der Leute, die sich hier versammelt, würden ihm vor die Füße spucken, erkannten sie ihn. Es waren Menschen, die über Jahre der ideologischen Propaganda der Politik zu Nationalisten heran erzogen worden waren, die für ihr Land brannten und für all das, was es bedeuten mochte. Stolz, Vorherrschaft, Stärke. Was auch immer. Rune teilte die Meinung der Anwesenden nicht, verachtete sie sogar, aber er erkannte, dass sie über Jahre mit dem Glauben gefüttert worden waren, dass die Feuernation etwas besseres war. Dass sie Herrschaft und Unabhängigkeit verdiente. Dass sie Reichtum und Fortschritt verkörperte. Dafür waren die Söhne, Väter und Männer der Anwesenden gestorben. Dafür waren sie in den Krieg gezogen und hatten Fahnen gehisst. Und nun hatte Zosin einen Friedensvertrag mit dem verfeindeten Erdkönigreich geschlossen und ihren Helden mit einem Spross eben dieser Landsleute verheiratet. Der rote Salamander, der zum Symbol der Feuernation geworden war, nun nicht mehr als ein Günstling des Erdkönigreichs. Eine Hure der falschen Nation.
Inuri und Rune waren in den Schatten geschützt, nahe der kühlen Steinwand, vor den meisten Blicken verborgen. Selbst das in Fetzen gerissene Licht der Fackeln und der Feuerschalen erreichte sie nicht. Die versammelten Mengen der Menschen hüllte sich in Schweigen als auf die provisorische Bühne eine Gruppe von Leuten schritt. Rune warf einen Blick zu Inuri. Das Gesicht war in ihre Kapuze gehüllt, in Schatten verkleidet, aber der ernste und aufmerksame Blick war nach vorne gerichtet. Er zweifelte nicht daran, dass die royale Dame ebenso wenig wie er den Hassreden abgewinnen konnte. Er hielt sie nicht für jemanden, der hinter dem ideologischen Gedanken stand, dass die Feuernation über allem anderen stand. Er hielt sie auch nicht unbedingt für eine Frau, die die Strukturen zerschlagen wollte und ein System bauen wollte, das nicht ausschließlich auf Repression und Lügen baute. Aber er hielt Inuri sehr wohl für eine schlaue Frau, die wusste, dass sie Unterstützung und Bündnisse brauchte, um ihr eigenes Wohlergehen und das ihrer Familie zu sichern. Und dafür hielt er sie für genauso pragmatisch wie sich selbst. Rune war ein Machiavellist. Ihn widerten die Worte der Sprecher an. Ganz gewiss wollte Rune keinen Staat, in dem weiter darüber schwadroniert wurde, dass die Feuernation ja so überlegen und erhaben sei. Aber er sah das Potential, denn was hier geschah war eine Abkehr der Ideologisierung der beiden führenden Kräfte der Nation, die Rune fallen sehen wollte. Eine Abkehr von Zosin und von Ares. Die Leute schrien und suchten nach einer neuen Konstante. Einem anderen Ideal. Und er war arrogant genug, um zu glauben, dass sie mit der richtigen Rhetorik leicht zu beeinflussen und zu lenken waren. Der Widerstand brauchte mehr Leute. Er brauchte mehr Kraft und Energie. Selbst wenn diese aus einer Motivation kam, die er nicht telte. Der Blitzbändiger hatte vor diese kleinen Versammlungen zu bündeln und zusammenzuführen. Er selbst konnte das nicht. Dafür brauchte er jemanden. Ein neues Symbol einer anderen Politik. Einem anderen Versprechen für eine bessere Welt. Jemand, der die Menschen hinter und unter sich versammeln konnte, weil sie das Erbrecht dazu hatte. Rune spürte den Blick von Inuri auf sich und lehnte sich leicht zu ihr. Leise flüsterte er, nahe an ihrem Ohr: „Überall in der Nation sammeln sich Leute wie hier.“ Rune war gut informiert über alle widerständigen Bewegungen im Land. Sie waren zerstreut und manchmal trennten sie ideologische Welten. So wie hier. Der Kern seines Widerstands, also der der Leute mit denen Rune sich umgab und von einer Revolution träumte, würde vielleicht keinen großen Unterschied zwischen der Rhetorik dieser Leute und dem Narrativ der Herrschaft erkennen. Aber der Blitzbändiger war dahingehend pragmatisch geworden. Die Nation lag im Aufruhr und irgendjemand würde das zu eigenen Gunsten nutzen. Es war besser, wenn er das tat als irgendein Patriot. „Noch sind sie nicht mehr als kleine Lauffeuer, nichtssagend und bedeutungslos. Sie haben keine Kraft und kein Futter, um stärker zu brennen. Bald schon nicht mehr als Glut und Asche..“ Rune musterte den Sprecher, der gerade die Faust in die Luft hob und zornig die Frage in den Raum wirft, wofür sie all die Jahre gekämpft haben, wenn sie nun vor dem Erdkönigreich buckeln und ihre Feinde wie Freunde begrüßen. Sie zu ihren Weibern machten und sich von ihnen Erben schenken lassen. Der Mann machte eine ungelenke Metapher, darüber, dass Ken Shou sich mit seiner Tochter in die Blutlinie der Herrschaft verwurzelt hatte. Die Menschen begannen zu tuscheln. Manche gröhlten ihre Zustimmung. Andere schüttelten ihren Kopf. Dies war ein Haufen von Leuten, die ihre Orientierung verloren hatten. Den genommen worden war, was Zosin über Jahre propagiert hatte und die mit dem neuen Frieden nichts anzufangen wussten. Die vielleicht ihre Identität auf den Krieg gebaut hatten und plötzlich akzeptieren sollten, dass das Erdkönigreich ihr Freund war. Sie verloren Vertrauen und Achtung. Aber sie waren untereinander unstet, sich uneinig und ohne Führung. Rune schnaubte leise. „Sie sind enttäuscht, vielleicht irritiert“, wisperte er. „Und sie lechzen nach einer neuen Ikone, einer verlässlicheren Ideologie.“ herkunft Capital City
stand Oberschicht
alter 34 Jahre
gender Männlich
bändigung Feuer
beruf Berater
größe 1,81
erscheinung
Wenn Rune den Mund nicht aufmacht, dann könnte man meinen, dass ihn das Gefängnis gänzlich gebrochen hat. Dem kantigen Gesicht mutet eine bittere Melancholie an und sein seltenes Lächeln erscheint immerzu zäh und hoch ironisch. Sein Auftreten unterliegt einem spöttischen Ernst. Jede Geste und jede Mimik zeichnet eine nahezu zwanghafte Gleichgültigkeit. Trotzdem ist ihm sein elitärer Hintergrund anzuerkennen, denn Rune ist die Arroganz eines reichen Pinkels noch immer in den Leib geschrieben. Seine Kleidung ist immerzu hochwertig und ordentlich. Obwohl er ein recht guter Feuerbändiger ist, ist seine Waffe der Wahl die Sprache, weshalb er nie in Rüstung oder dergleichen gekleidet ist. Das schwarze Haar trägt er an den Seiten kürzer, manchmal fällt es ihm in das blasse Gesicht.
Wie jeder in seiner Familie hat Rune blaue Augen. Manchmal blass und trüb wie Nebel, manchmal stechend und kühl wie Eis. Rune ist 181 cm groß und seine Statur weder besonders hager, noch besonders trainiert. An den Armen und Schultern sind seine Muskeln vom Bändigen definiert, sonst wirkt er eher schlaksig. Auf dem Rücken hat er einige schlecht verheilte Brandnarben von seiner Auspeitschung – die einzigen Anzeichen darauf, dass er sein Leben nicht durchgängig mit goldenem Löffel im Mund verbracht. Besonders die eleganten Hände mit den langen Fingern weisen auf sein schreiberisches Talent und seinen Status als Gelehrter hin. Obwohl er nun nicht unbedingt danach aussieht, ist sein Gesicht in der Feuernation noch immer eines, das danach lechzt geschlagen zu werden.
gespielt von jui
(sie/ihr) |
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in the shadow of the moon - von Rune - 18.08.2021, 16:12
RE: in the shadow of the moon - von Inuri - 21.08.2021, 13:28
RE: in the shadow of the moon - von Rune - 24.09.2021, 20:22
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RE: in the shadow of the moon - von Rune - 15.11.2021, 14:58
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RE: in the shadow of the moon - von Rune - 14.06.2022, 18:48
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