the beating of a heart that i hid beneath the floor
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liberty or death
18.01.2022, 17:05
Es war ein seltsames Gefühl. Zhira und Aphelion hatten sicher schon hunderte Male am gleichen Tisch gesessen, miteinander geplaudert und gelacht, und dennoch sahen sie einander mit diesem höflichen doch distanzierten Lächeln an, das sich für Bekanntschaften im Adel so gehörte. Bekanntschaften - vielleicht waren sie auch einfach nicht mehr als das, egal, wie viele heitere Tage sie in ihrer Kindheit zusammen mit ihren gemeinsamen Freunden und Freundinnen verbracht hatten. So war es doch mit jedem Menschen aus diesem alten Umfeld, den sie als Kind zu ihren engsten Freundschaften, ja, gar als Familie gezählt hatte: wenn man sich in der Öffentlichkeit sah, nickte man sich höflich zu, lächelte nett, tauschte vielleicht noch ein paar Floskeln des Gesellschaftens aus und ging dann weiter seinen eigenen Weg. Es lagen wohl einfach zu viele Jahre, gar Jahrzehnte zwischen der Gegenwart und dem, was einmal gewesen war. Und so gern Zhira auch zu diesen unbeschwerten Tagen zurückkehren würde, war es doch ein unveränderlicher Fakt, dass das nicht möglich war. Ihre Kindheit war lang vorbei, schien ganze Lebzeiten zurückzuliegen, und damit waren es auch die einst so innigen Verbindungen, die sie gepflegt hatte.
Dennoch waren da Gefühle, die nicht so einfach zurückzulassen waren. Sie schienen eingraviert in ihr Herz, von all den Narben kaum zu unterscheiden, doch spürbar, wenn man nur bedächtig genug mit den Fingerspitzen darüberstrich. Und so, wie sie die Zeichen der Liebe, die sie einst für Rune empfunden hatte, noch immer spüren konnte, fand sie auch jetzt die der warmen, familiären Freundschaft, die sie mit Aphelion verbunden hatte. Und doch waren sie als die erwachsenen Menschen, die sie heute waren, nicht viel mehr als Fremde. Die Jahre, die sie von der Vergangenheit trennten, hatten Zhira doch geradezu neu erschaffen, sie war die, die sie damals gewesen war – und das gleiche galt sicherlich auch für Aphelion. Vom kleinen Mädchen zur verwaisten Geschäftsführerin der Waffenproduktion, vom freundlichen Nachbarsjungen zum drachentötenden Admiral … Der Bändigerin entging nicht, wie ihr Gegenüber ganz leicht die Miene verzog, während sie seinen Titel aussprach, ganz so, als würde es ihm selbst missfallen, daran erinnert zu werden. Überraschender Weise passte das vollkommen in die Gravur, die sie vom kindlichen Aphelion in ihrem Herzen trug. Damals hätte er keiner Fliege wirklich etwas zu Leide tun, ganz sicher kein unschuldiges, uraltes Wesen wie einen Drachen auch nur verletzen wollen. Und doch hatte er es getan. Er hatte einen Drachen getötet und in dem daraus entstandenen Ruhm gebadet, ganz egal, wie gequält er nun auch dazu dreinblickte. Ein Teil von Zhira verurteilte ihn dafür, war sogar wirklich enttäuscht gewesen, als sie damals die Neuigkeiten von seinem Triumph erfahren hatte. Sie wusste, dass sie dabei eine verdammte Hypokritin war, schließlich hatten die Waffen, die sie entwarf, die sie herstellen und vertrieben ließ, sicherlich weit mehr als ein einziges Leben auf dem Gewissen. Das hieß jedoch nicht, dass die Idealistin in ihr deswegen aufgehört hatte, zu existieren – sie war durchaus nach wie vor da, vermutlich sogar stärker denn je, nur versteckter und mit der größten Menge an Abscheu für niemand geringeren als … sich selbst. Auf Aphelions Frage hin, ob sie sich denn sicher sei, dass es sich um eine Ehre handele, weil Legenden doch bekanntermaßen oft sehr langweilige Gesprächspartner mit keinem anderen Thema als ihrem eigenen Ruhm waren, verzog Zhira die Lippen also vom höflichen Lächeln zu einem schiefen Schmunzeln. Einerseits, weil es sich unfassbar komisch anfühlte, von ihm mit einem „Euch“ adressiert zu werden. Andererseits, weil sie diesen Grad an gewissermaßen selbstkritischen Humor nicht wirklich erwartet hatte – und er mit seiner Aussage dennoch vollkommen richtig lag. Allein an dieser Tafel hätte Zhira in mindestens vier verschiedene Richtungen auf einen Mann zeigen können, der die fleischgewordene Bestätigung dafür war. Um mit ihrem Blick nicht gerade genau das zu tun, sah sie still schmunzelnd für einen Moment auf ihren Schoß, in dem zur Vorbereitung auf das Mahl ihre Serviette ausbreitete. Ihre Augen fanden zurück zu Aphelion, während er weitersprach. „Aber es ist mir eine Ehre, neben Euch sitzen zu dürfen.“ - fast noch lachhafter, als seine Aussage davor, was sich durch ein unweigerliches Zucken der linken Augenbraue im Gesicht der Brünette ausdrückte. „Wie geht es Euch?“ Endlich. Eine unverfängliche Frage … zumindest, wenn man sie so oberflächlich beantwortete, wie sie gestellt worden war. Und natürlich tat Zhira genau das, während die Bediensteten wie eifrige Ameisen die opulenten Gerichte auf den Tisch vor ihnen brachten. „Mir geht es gut, ich danke Euch. Wie könnte es auch anders sein, mit einer solchen“ – sie gestikulierte leicht zu den dampfenden Speisen vor ihnen, die ihr insgeheim über deren Ausmaß die Übelkeit in den Magen trieben – „Varietät an Köstlichkeiten.“ Eigentlich war es viel zu viel Essen für die Menge an Menschen, die anwesend waren. Nur die Vorstellung, wie viele hungernde Bürgerinnen und Bürger man damit versorgen konnte, war geradewegs obszön. Insbesondere, wenn man bedachte, dass die (sicherlich exorbitante) Menge an Resten eher noch an fett gefütterten die royalen Haustiere gehen würde als an die armen Seelen, die am anderen Ende der Stadt am Hungerstuch nagten. Doch nichts davon fand auch nur Ausdruck in Zhiras Ausstrahlung. Nein, in diesem Kreise musste sie die schützende Ignoranz vorgeben, die von ihrer Position erwartet wurde. „Und wie geht es Euch?“, stellte sie dann die floskelartige Gegenfrage, „Ich muss sagen, ich bin überrascht, dass Ihr allein hier seid.“ Und um klarzustellen, dass sie nicht etwa eine Frauenbekanntschaft als Begleitung erwartet hatte, fügte sie leicht lächelnd hinzu: „Ohne Astraea.“ herkunft Capital City
stand Oberschicht
alter 29 Jahre
gender Weiblich
bändigung Feuer
beruf Inhaberin
größe 1,69
erscheinung
169cm - lockiges, dunkelbraunes Haar - unter den dunklen, beinahe schwarzen Augen zeichnen sich meist Augenringe ab - schlanke, schmale Statur - olivfarbene Haut - lächelt selten - kleidet sich tendenziell in weinroten und auberginefarbenen, wenig geschmückten Kleidern
gespielt von Elle
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the beating of a heart that i hid beneath the floor - von Zhira - 20.12.2021, 00:10
RE: the beating of a heart that i hid beneath the floor - von Aphelion - 20.12.2021, 23:40
RE: the beating of a heart that i hid beneath the floor - von Zhira - 18.01.2022, 17:05
RE: the beating of a heart that i hid beneath the floor - von Aphelion - 03.03.2022, 14:56
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