You take the things you love and tear them apart
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purified pain
06.01.2023, 15:35
Elysandres Verhalten erweckte in Eurybia den Anschein, dass die Rothaarige den Verstand verloren haben musste. Irgendetwas war auf jeden Fall in sie gefahren, das die Prinzessin weder verstand, noch was sie der anderen entlocken konnte. Sie waren doch beide nicht dafür bekannt, nach Abenteuer zu suchen, und doch schien es ihre Cousine heute auf genau das anzulegen. Dabei war Eurybia die letzte Person, die so etwas wie ein Abenteuer ertragen konnte, bedeutete es doch, dass man ein Stück weit die Kontrolle abgab. Und bei aller Liebe zu Elysandre, wollte Eurybia ihr diese Macht nicht geben. Nein, wenn Spaß zu haben hieß, die Kontrolle abzugeben, würde die Prinzessin von Omashu bis zu ihrem Tod ein freudloses Leben führen müssen.
»Eine Bäckerei im Mittleren Ring zu besuchen klingt angenehmer als … das hier«, schnaufte Eurybia leise und fragte sich, warum Elysandre und sie nicht das hätten unternehmen können, anstatt in Kleidern, die ihnen nicht gehörten und die sich ungewohnt billig am Körper anfühlten, über das Gelände eines Nachtzirkus’ spazierten, der wiederum Menschen aller Art anlockten. Auch Menschen wie den Grobian, der sie angepöbelt hatte und dessen Stimme sie so dermaßen hatte zurückzucken lassen, dass sie wie ein kleines Kind, auf der Suche nach der Hand der Mutter, wieder nach Elysandres Arm griff. »Sag bloß, dir schlackern bei dem Ton nicht die Ohren …«, wisperte sie. Aber dann ließ sie sich von ihrer Cousine weiter ziehen, zumindest ein klein wenig dankbar, dass die Frau die Führung übernahm. Eurybia hätte allein wahrlich nicht gewusst, wo sie ohne Elysandre hätte hingehen oder auch nur hinsehen sollen. Obwohl es sich um einen Nachtzirkus handelte, waren die Zelte, zwischen denen sich die Menschen drängten, bunt erleuchtet. Feuerwerk knallte durch die Luft, die einerseits von schwefeligem Rauchgeruch erfüllt war und andererseits zuckrig duftete — an den unterschiedlichen Ständen wurden etwage Leckereien von Verkäufern feilgeboten, die allesamt kostümiert waren. Gruselige Farbmuster verunstalteten ihre Gesichter, erweckten eine Fremdartigkeit, die sich mit nichts vergleichen ließ, was Eurybia bis zu diesem Zeitpunkt erlebt hatte. Wie aus einer anderen Welt waren selbst die Akzente, die die Sprache der Marktschreier durchwirkten; keiner schien dem anderen gleich zu sein. Es war verwirrend, es war aufregend, und Eurybia fühlte sich überhaupt nicht wohl, sondern kam sich eher vor, als habe man sie in einen unkontrollierbaren Traum versetzt. Etwas zu trinken zu suchen, klang nach einer furchtbaren Idee, und doch wäre Eurybia dem nicht abgeneigt gewesen. Doch wieder änderte Elysandre mittendrin ihre Meinung und schleifte ihre Cousine stattdessen ein paar Meter weiter, an den nach heißem Apfelwein duftenden Ständen vorbei, hin zu einer Apparatur, die einer Eisenbahn ähnelte, nur auf deutlich kleinerem Raum. Betätigt wurde sie von ein paar Erdbändigern mit hochgekrempelten Ärmeln. Ihre Gesichter waren kalkweiß mit Kreide eingeschmiert, die Augenbrauen tintenschwarz bemalt, und an ihren Schläfen glänzte der Schweiß. Eurybia schüttelte vehement mit dem Kopf, als die Erdachterbahn an ihnen vorüber ratterte, mit Kindern und Erwachsenen darin, die ganz grässlich schrien. »Was ist das für eine Todesmaschine … nein, Lysie. Nein.« Grob entwand sich Eurybia ein weiteres Mal dem Griff der Rothaarigen und drehte sich auf dem Absatz um. »Ich weiß nicht, was mit dir los ist, aber ich habe keinerlei Todessehnsucht. Lass uns … lass uns lieber etwas trinken, ja.« herkunft Ba Sing Se
stand Königsfamilie - Erde
alter 25 Jahre
gender Weiblich
bändigung Erde
beruf Prinzessin
größe 1,74
erscheinung
Eurybia ist noch immer schön anzusehen, selbst wenn ihre eisige rühr-mich-nicht-an Ausstrahlung die meisten Menschen erfolgreich auf Abstand hält. Wenn es sich einrichten lässt, bevorzugt es die Frau mit dem knochenbleichen Teint und dem goldenen, langen Haar, gar nicht erst wahrgenommen zu werden - in einem mit Menschen angefüllten Raum zu verschwinden, wäre ihr Traum. Doch als älteste Tochter von Balon, König von Omashu, ist ihr dies nie vergönnt gewesen. Auf Schritt und Tritt wird sie von Blicken verfolgt, die es ihr zur Angewohnheit haben werden lassen, eine gläserne Kälte wie ein zweites Gesicht über dem ihren zu tragen. Nur selten sieht man die blasierte Maske aufbrechen; zu lächeln scheint ihr unangenehm zu sein, obwohl sich erst bei diesem Gemütszug zeigt, wie hübsch ihr voller Mund tatsächlich ist, wie tief die Grübchen sich in ihre Wangen graben ... aber beim Lächeln zeigt sich auch die kleine angeborene Lücke zwischen ihren Vorderzähnen, für die sie von Kindesbeinen an von anderen Kindern am Hof verspottet wurde.
Sie ist es gewohnt, dass man sie nicht nur an ihren Handlungen, sondern als Prinzessin von Omashu auch an ihrem Aussehen misst, und hat sich doch nie mit den hohen Erwartungen anfreunden können, die an sie gehegt werden. Irgendetwas an Eurybia wirkt immer fehlplatziert, selbst wenn sie sich makellos präsentiert - irgendetwas passt nicht, ist immer zu sehr. Entweder ist sie zu blass, zu kalt, der Kiefer zu breit, die Augen zu wässrig blau, das Lächeln zu angestrengt, die Haltung zu steif, die Bewegungen zu kontrolliert, die Worte zu gewollt und der Geist dahinter zu wild, zu aufsässig, zu über alle Maßen gierig. Wenn man sie betrachtet, sieht man in ihrem Gesicht die Schönheit, mit der auch die Königsgemahlin Noe, ihre Mutter, gesegnet wurde, und doch fehlt es ihr an jener Leichtigkeit, an ihrer Grazilität. Die einzigen Male, in denen sie sich tatsächlich nicht fremd in ihrem Körper und den eigenen Bewegungen fühlt, ist beim Bändigen - doch wie es sich für eine Prinzessin gehört, hat man sie nie im Kampf unterrichtet, sondern lediglich im Kreieren schöngeistiger Kleinigkeiten, ebenso wie im Tanz mit dem Element. So wie auch sie nur Zierde ist, ihre Bildung und ihr Geist nur zum Locken und Binden eines passenden Ehemannes dienen, ist auch ihr Bändigen nichts weiter als das: eine Zierde ohne großartigen Nutzen. Dass sie die Erde wie einen festen Mantel um einen Menschen schließen und jenen zerquetschen könnte, sich dies schon oft ausgemalt hat, ist und bleibt eine Unaussprechlichkeit - denn eine Prinzessin würde solche Gedanken doch niemals hegen, sie nicht im Stillen in ihrem Kopf hin- und herrollen lassen, die Fantasie mit ihr füttern, nein.
Hinter der Fassade erscheint Eurybia wie ein Schatten, verborgen und verzerrt hinter milchigem Glas. Die Kleider der immerneuesten Mode mögen ihren Körper umhüllen, teure Stoffe sie zieren, Handschuhe aus fein gesponnener Seide sie vor Berührungen bewahren, und doch ist sie der Zierde lästig, ist sie es leid, nur ein Ausstellungsstück zu sein, das sich nur durch ein paar gnadenlos giftige Worte und der Eiszeit in ihrer Stimme Gehör verschaffen kann. Sie will aufstoßen, will sauer im Mund jener Menschen schmecken, die es wagen, in sie hineinbeißen zu wollen - zugleich scheut sie davor zurück, will mehr wie ihre heißgeliebte Mutter sein, mehr gar wie die sonnige, ihr nah am Herzen liegende Shallan - und wird doch unweigerlich keinen Erwartungen, weder ihren eigenen, noch denen anderer, gerecht.
gespielt von Chulia
(Name als Pronomen) |
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You take the things you love and tear them apart - von Eurybia - 06.11.2022, 23:11
RE: You take the things you love and tear them apart - von Elysandre - 22.11.2022, 17:44
RE: You take the things you love and tear them apart - von Eurybia - 24.11.2022, 18:55
RE: You take the things you love and tear them apart - von Elysandre - 20.12.2022, 14:08
RE: You take the things you love and tear them apart - von Eurybia - 06.01.2023, 15:35
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