where it turns autumn and evening
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beautiful but tortured
29.03.2021, 21:12
Für Menschen, die gerne glaubten was sie sahen, konnte Kalypso der vielleicht schönste Zeitvertreib der Feuernation sein. Die weichen Gesichtszüge, die von goldenen Locken eingerahmt waren, hatten perfektioniert einen verstohlenen, sanften Schein von den gehobenen Mundwinkeln bis hoch zu den meerblauen Augen zu werfen. Ein Gesicht, das dazu einlud gemalt zu werden oder über es die süßesten Lieder zu singen. Die Lippen waren immer rot. Nicht künstlich geschminkt, sondern so als hätte sie ein paar Sekunden zuvor Beeren gegessen oder das Blut aus einem Herzen getrunken. Kalypso war ungewöhnlich blass für die Feuernation und doch strahlte sie absolut nichts Farbloses aus. Es umgab sie eine eigentümliche Leichtigkeit, eine untypische Herzlichkeit für eine Adelsdame. Sie war jemand, den man gerne ansah. Jemand, den man gerne zuhörte. So war es nicht sonderlich verwunderlich, dass Zosin sie nicht allzu selten auswählte seinen gehobenen Gästen Gesellschaft zu leisten. Die gehobenen Gäste – das war der Besuch aus dem Erdkönigreich. Kalypso hielt nicht viel von dem Erdkönigreich. Von keinem seiner Einwohner, gleich ob normaler Bürger oder Ken Shou höchstpersönlich. Keine persönlichen Differenzen waren der Grund dafür, schlicht die ausgeschlossene Überlegenheit der Feuernation, deren Vergötterung Kalypso sich mit Leib und Seele verschrieben hatte. Aber weil es Zosins Interesse war den Frieden zu wahren und Freundschaft zwischen den beiden Nationen zu knüpfen, war es auch im Interesse der Mätresse eben dies zu gewährleisten. Sie war für diesen Nachmittag mit keinem geringeren als dem Prinzen des Erdkönigreichs auf einen Spaziergang durch eine der prächtigsten Örtlichkeiten der Nation verabredet. Auch wenn Kalypso nicht viel von Menschen aus dem Erdkönigreich hielt, so spielte Ishar doch in die Karten, dass die blonde Frau Ehrfurcht und Bewunderung für diejenigen hatte, die Macht und Einfluss besaßen. Natürlich waren diese nicht mit Entscheidungsträgern der Feuernation zu vergleichen – das war ausgeschlossen, aber Kalypso war auch nicht von großartiger Abneigung erfüllt. Es war ein willkommener Wechsel in ihrem Alltag, der sie sonst so oft durch Routine langweilte und die Leere in ihrem Herzen weiter aushöhlte. Wie eine ausgezerrte, verdorrte Wüste, in der nichts keimte und lebte. Nichts außer die brennende Leidenschaft für ihr Volk.
In getrennten Kutschen waren Prinz und Mätresse umgeben von Wachen zu dem kleinen Waldstück fernab von Capital City angereist. Kein Wald, den der Prinz wohl aus seiner Heimat kannte, denn er blühte nicht aus sattem Grün. Die Bäume waren karg und schlank. Dürre braunschwarze Bäume, die sich in mannigfaltigen Ästen und wenig Blattwerk erhoben. Als wäre dieser Wald einst ausgebrannt und zurück blieben bloß verkohlte Bäume. Der Boden war hell aus beinahe weißen Sand und wenig ertragreich, sodass kaum Leben sich aus der Erde emporheben konnte, die das Land hätte erblühen lassen können. Doch im Herzen des tristen Waldes lag ein wahrer, prächtiger Schatz. Kalypso trug ein weißes Kleid mit weiten Ärmeln und einem hübsch fallenden Rock, der wie sanfte Wellen jeden ihrer leichten Schritte umspielte. Um die Taille war das Kleid mit einem roten Seidenband enger geschnürt – gewiss, keines der aller prächtigsten Kleider, die der Prinz in den letzten Wochen zu Gesicht bekommen hatte, aber praktisch für den Spaziergang, der weit mehr Schritte verlangte als das ständige Flanieren durch die Gärten des Hofes. Sie waren eine Weile gelaufen und Kalypso hatte Prinz Ishar versprochen, dass der Weg sich lohnen würde und hoffentlich würde er das bemerken in diesem Augenblick als sich vor ihnen eines der schönsten Naturspiele offenbarte. Sie waren an einen See angekommen. Weit und still lag er da, umgeben von den kargen, dunklen Bäumen. In seiner Mitte jedoch ragte ein riesiger Baum empor. Jahrhunderte, vielleicht Jahrtausende alt. Der Stamm war dick und perlweiß. Seine Krone erhob sich wie ein Dach weit über den See und sein Blattwerk war ganz unnatürlich, denn es bestand aus zahllosen, filigranen Blättern, die in dieser farblosen Landschaft herausstachen. Die Blätter leuchteten in der Farbe von dunklem, satten Rot. Vereinzelt fielen die blutroten Blätter in kreisenden, tänzelnden Bewegungen von dem Baum hinab und schwammen für einen kleinen Augenblick auf der Wasseroberfläche bevor sie versanken. „Das ist der Phönixbaum.“, erklärte Kalypso mit einem sanften Blick zu ihrer Seite, an der der Prinz des Erdkönigreichs spazierte. Sie hatten eine Weile gebraucht, um hier her zu kommen. „Im Winter leuchtet sein Blätterkleid in strahlendem Rot, aber jetzt wenn die Tage wärmer und die Sonne umbarmherziger wird, sterben die Blätter und fallen in den See.“ Sanft wogen sie vom leichten, warmen Wind hin und her, aber alle trafen das Ziel des klaren Sees. „Dort sinken sie an den Boden und zerfallen in kleine Ranken, die sich wie Algen ganz träge und langsam im Wasser hin und her bewegen. Es sieht aus als würde der See unter Wasser in Flammen stehen." Ein Lächeln stahl sich bei den Worten auf die vollen Lippen der Mätresse und fast ein wenig scheu und vorsichtig sah sie zu dem Prinzen als wolle sie sich vergewissern ihn mit der Geschichte nicht zu langweilen. Noch musste Kalypso sich schließlich ein wenig an den Prinzen herantasten, herausfinden, was ihm gefiel und wie sie sich zu präsentieren hatte. Unsicherheit imponierte vielen Männern. Wenn Kalypso sie mit ein wenig Vorsicht dazu einlud ihr Sicherheit zu schenken als wäre sie ein verletztes Rehkitz und ihr Gegenüber so ganz natürlich und nebenbei in die Position des Stärkeren erhob. Tatsächlich hatte die Mätresse keinerlei Unsicherheit darüber, dass das wunderschöne Naturspektakel hier nahe des Herzens der Feuernation langweilig sein könnte. Und für den Geist, der sich an der Schönheit dieses Anblickes nicht erfreuen könnte, hatte Kalypso tatsächlich nicht viel übrig. Aber so funktionierte ihr Spiel nicht. Sie strotzte nicht vor Selbstsicherheit, wirkte nicht unangenehm stolz oder unnahbar. Sie war das lächelnde Mädchen, das ein wenig über die Schönheit der Natur wusste und damit ihrem Gegenüber imponieren wollte, ohne langweilig zu sein und ohne etwa einschüchternd mit dem eigenen Wissen zu wirken. Mit einem blassen Fingerzeig deutete sie auf eine Stelle ein wenig entfernt, wo der See flach war und ein kurzer weißer Sandstreif zum näher treten einlud. „Ihr werdet das erkennen können, wenn wir dem See näher kommen.“, versprach sie mit honigsüßer Stimme und meinte damit natürlich die dunkelroten Algenranken, die am Seegrund durch das glasklare Wasser zu erkennen waren. herkunft Capital City
stand Adel
alter 28 Jahre
gender Weiblich
bändigung Luft
beruf Mätresse
größe 1,58
erscheinung
Kalypso ist schön. Sie ist auf eine Art schön, die Menschen dazu bringt sie anders zu behandeln, als würde sie allein durch ihr Äußeres ein besserer Mensch sein. Das honigblonde Haar fällt in dicken Locken über ihren Rücken und ihre Augen sind von einem klaren, himmlischen Blau. Wenn ihr Gesicht ruhig schlummert, hat es fast einen melancholischen Zauber, der gebrochen wird sobald sich die sinnlichen Lippen zu einem Lächeln strecken. Ihre Haut hat eine vornehme Blässe und ihre zierliche, weiche Figur lässt schnell erahnen, dass sie noch nie große körperliche Arbeit leisten musste. Sie ist nicht größer als 158cm und mit ihrem Auftreten ist sie zwar eitel und oft extravagant, aber würde eigentlich nicht sonderlich aus Masse hervorstechen. Unter den zahllosen Schönheiten am Hof mag sie nur eine von vielen sein, keine besondere – trotzdem hat Kalypso das Talent, völlig gleich wo sie steht, zum Mittelpunkt des Raumes zu werden. Wie ein Feuer in kalter Nacht, dem man sich nicht nähert weil es so schön brennt, sondern weil es Wärme schenkt. Fast eine absurde Vorstellung, wenn man den Kern von Kalypsos Wesen erfasst hat, aber ihre Ausstrahlung ist von nichts anderem gezeichnet als spielerischer Herzlichkeit. Wie eine Umarmung und ein Lächeln, wie von Sonnenlicht geküsst zu sein.
Es gibt nur seltene Augenblicke, in denen Kalypso ihr Auftreten nicht unter Kontrolle hat. Etwas, das nicht unbedingt auffällt, denn die Art wie sich präsentiert, passt oft so gar nicht zu den höflichen, kühlen Gebräuchen am Hof. Sie bringt ein anderes Temperament und andere Launen mit, die ausgelassen und wild wirken können. Trotzdem ist Kalypso sich ihrer Stellung sehr bewusst und kann sich, wenn ihr Gegenüber und seine Stellung das fordert ernst und nachdenklich zeigen. Eine dressierte Kunstfigur, wenn man so will, unter deren vornehmer Kleidung blasse Narben am Rücken von ihrer Geschichte erzählen.
gespielt von jui
(sie/ihr) |
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