where it turns autumn and evening
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beautiful but tortured
30.03.2021, 16:31
Kalypso glaubte an das Schicksal. Weniger in dem romantischen Sinne, wo das Schicksal doch so oft stellvertretend für die Liebe zwischen zwei Menschen vermittelte und sie zusammenführte, aber viel mehr in dem Sinn, dass die Welt einem höheren Sinn unterlag. Ob die Geisterwelt nun unmittelbaren Einfluss in das Denken und Handeln der Menschen hatte, würde Kalypso nicht beschwören. Sie war sich jedoch überzeugt, dass manche Menschen unter ihnen ganz sicher ihren Weg durch die Geister vorbestimmt bekamen. Dass sie zu höherem auserwählt waren. Kalypso selbst glaubte nicht, dass sie zu diesen Menschen zählte. Das hing vermutlich auch damit zusammen, dass Spiritualität und Tradition in der Feuernation so eng miteinander verwoben war, dass es sich wie eine natürliche Gesetzmäßigkeit anfühlte, dass diejenigen von schicksalshafter, höherer Bedeutung auch eben jene waren, die dazu geboren waren zu herrschen. Das Schicksal der Mätresse hatte nie in den Sternen gestanden und keiner hätte es in den Schatten erkennen können, die das Feuer warf – davon war sie überzeugt. Sie hatte sich selbst den Weg an den Hof gearbeitet und sie selbst war es die jeden Tag und zu jeder Sekunde ihrer eigenen strengsten Kontrolle unterlag, um an Ort und Stelle bleiben zu dürfen. Da war kein Vertrauen darin, dass das Schicksal sie dort behalten wollte, wenn sie sich nicht immer und immer wieder als würdig bewies. Man könnte meinen, dass die Mätresse stolz auf sich war. Stolz darauf, dass sie es aus dem Fischerdorf gehabt hatte. Stolz, dass sie einen eigenen kleinen Mythos um sich gesponnen hatte. Stolz, auf Schönheit, Wissen und Loyalität, die sie in sich vereinte. Aber am Ende war es doch Kalypso, die selbst am geringsten über sich dachte. So wäre auch jedes Mitgefühl dafür, was sie sich gefallen lassen musste, bei ihr an der falschen Adresse. Es war ihr zwar durchaus bewusst, dass ihre Stellung als Frau, als Nichtbändigerin, als Hure und als Adelsdame, zu der sie nicht geboren war, in vielerlei Hinsicht einer gewissen Unterdrückung unterlag – oft genug wurde sie sich dem schmerzlich bewusst gemacht – aber da war kein Quell in der Mätresse dagegen zu rebellieren. Sie war sich dem bewusst und deswegen konnte sie innerhalb dieser Grenzen agieren. Kalypso war nicht stolz genug, um ihren Willen gegen die Regeln der Gesellschaft zu wenden. Stattdessen fügte sie sich ein, fand ihren Platz. Und obwohl Kalypso ein großes Verständnis, einen umfassenden Blick auf andere Menschen und ihre jeweiligen Situationen hatte, war sie alles andere als verständnisvoll für jene. So war sie der Überzeugung, dass es eine große Demütigung für den Prinzen des Erdkönigreichs gewesen sein musste, dass er mit der Prinzessin verlobt worden war, die einst mit einem der namenhaftesten Verräter der Feuernation das Bündnis der Ehe hatte eingehen wollen. Seiner Schwester hingegen war die Ehre zuteil geworden als Symbol des Friedens den Mann zu heiraten, indessen Namen sich eines Tages die Geschichte neu schreiben würde. Und sie schien glücklich darüber. Das war doch mittlerweile unverkennbar. Kalypso überraschte das nicht. Vielmehr war es die Frage, was der General an der eselsohrigen Prinzessin zu finden schien, die die Mätresse manchmal noch umtrieb.
Aber daran dachte sie in diesem Augenblick nicht – obwohl Kalypsos fragiler Verstand durchaus in der Lage dazu war dutzende Gedanken gleichzeitig zu fassen. Ich bin wahrlich beeindruckt! Was für ein wunderschöner und zugleich imposanter Ort. Prinz Ishar bedachte Kalypso mit einem Lächeln und es war nicht zu leugnen, dass in seinem Gesicht zumindest ein Hauch Überwältigung abzulesen war, der in jedem Fall angebracht für einen Ort wie diesen war. Die Mätresse erwiderte sein Lächeln und sanfte Grübchen bohrten sich in ihre Wangen als wäre sie diejenige, die erfreut darüber war, dem Prinzen etwas zu zeigen, dass ihm gefiel. Sie erinnerte sich selbst gut daran, wie sie das erste Mal den Phönixbaum besucht hatte und wie sich ihre Brust eng vor Achtung und Begeisterung geschnürt hatte. Der gesamte Wald hat etwas Unheimliches, aber sehr Faszinierendes an sich. Zeugt von einer ganz anderen Schönheit als der, Eurer grünen, fruchtbaren Böden am Hafen und ringsherum. Kalypso stimmte ihm zu. Es gab Menschen, die das karge Land hier nicht in seiner ganzen Schönheit wahrnahmen. Die offensichtlich schönen Häfen der Feuernation waren sicherlich einfacher zu lieben und zu bewundern. Kalypso liebte ihr Land, aber sie hatte über die Jahre den Gefallen an dem offensichtlich Schönen verloren. Es gab ihr nichts. Sie mochte die Abgründe, das Groteske, das Zerbrechliche an der Schönheit der Dinge. Nicht ihre Pracht. Prinz Ishar war ein ansehnlicher Mann. Höflich und freundlich – gewiss alles woraus die Geschichten edler Prinzen in Büchern und Liedern geschrieben waren. Zumindest war er das auf den ersten Blick. Hat dieser Ort eine spirituelle Bedeutung für Euer Volk? Ich selber bin zugegebener Weise der Geisterwelt nicht besonders zugewandt, aber ich hörte, dass die Feuernation bis heute Wert auf alte Traditionen legt. Ein Ort wie dieser hier hat für Eure Leute sicher eine Bedeutung. Nun, immerhin war er sich seiner Unzulänglichkeiten bewusst. Die Geisterwelt war schließlich das Fundament auf dem ihre Welt gebaut war – es hatte beinahe etwas mit Ignoranz zu tun die Augen vor ihrer Bedeutung zu verschließen. Aber es sollte Kalypso nicht kümmern, ob der Prinz seinen eigenen Geist vor diesen Dingen lieber verschließen wollte. Wichtiger war es einen guten Eindruck für sich und für ihre Nation zu hinterlassen – gerade, weil Kalypso sich selbst den Narren nicht aufbinden musste, dass der Friede zwischen den beiden Nationen von fragiler Natur war. Sie nickte, während die beiden sich langsam dem See mehr und mehr näherten. „Es hat etwas Friedliches sich an manchen Traditionen festzuhalten, wenn die Welt sich um uns doch so rasant verändert, aber nicht alles hält ewig und es wäre eine verpasste Möglichkeit nicht voneinander zu lernen. Ich weiß zu wenig über die Traditionen des Erdkönigreichs.“, gestand die Mätresse, obwohl sie vermutlich mehr wusste als man von ihr erwarten würde. Sie hatte viel Zeit über Bücher versunken verbracht und Prinzessin Soraya glänzte nicht ausschließlich durch gähnende Langeweile. Natürlich hielt Kalypso die meisten Bräuche und Traditionen des Erdkönigreichs für minderbemittelt und zurückgeblieben, aber Unwissen war nie etwas, das die Mätresse bestrebt hatte. Und es war durchaus fair, wenn sie ihr Wissen mit dem Prinzen teilte, wenn er ihr die ein oder andere Geschichte über seine Heimat erzählen würde. Aber noch hatte der Phönixbaum genug Sprächstoff zu liefern. „Es heißt, dass die schwarzen Bäume einst in voller Pracht in dem Land geblüht haben. Empfindliches Gewächs, das sich nur unter viel Licht am Leben und Gedeihen halten konnte. Vor Jahrtausenden sollte eine Sonnenfinsternis die Verdammnis der Bäume bedeuten. Der Geist des Sees und Schützer des Waldes soll als kein Licht mehr den Boden hier berührt hat die Leben der einzelnen Bäume zu einem vereint haben. Sie mussten sterben, um den Phönixbaum sein Leben zu schenken, der auch die tiefste Finsternis übersteht.“ Das Überleben des Stärkeren. Die Natur, die Geister – jede Geschichte funktionierte auf diese Weise und berechtigte die Logik dahinter. Kalypso Stimme hatte bei der düsteren Erzählung den heiteren Klang verloren und für einen Moment mutete dem zarten Gesicht eine Melancholie an, die der Mätresse zumeist fremd war und die sie auch in diesem Moment nicht spürte. Aber wenn der Prinz den Ort so schon als unheimlich empfand, dann wollte sie ihn nicht stärker mit der Geschichte ängstigen. Sie traten näher an den See heran. Leise knirschte der weiße Sand unter ihren Füßen und vor ihnen offenbarte sich der ruhige See in seiner Schönheit. „Es ist ein heiliger Ort. Kein Mensch und kein Tier lebt hier und man sagt nichts stirbt hier.“ Kalypso war in die Hocke gegangen und ließ die blassen Fingerspitzen über die warme Wasseroberfläche tanzen. Durch das klare Wasser konnte man an dem Boden die tiefroten Algen wabern sehen, wie Glut. „Nur der Phönixbaum stirbt und erwacht hier Jahr für Jahr.“ Kalypso sah zu dem Prinzen hinauf und lächelte sanft, während ihre Augen vielleicht ein wenig amüsiert, vielleicht ein wenig ehrfürchtig über die Sage funkelten. „Das ist zumindest die Geschichte, die man sich erzählt.“ Ein wenig von ihnen entfernt war ein Steg aus dunklem Holz in das Wasser gelassen, der die Möglichkeit bot zur Mitte des Sees auf der kleinen Insel, wo der Baum seine Wurzeln schlug und diese tief ins Wasser reichten, zu gelangen. herkunft Capital City
stand Adel
alter 28 Jahre
gender Weiblich
bändigung Luft
beruf Mätresse
größe 1,58
erscheinung
Kalypso ist schön. Sie ist auf eine Art schön, die Menschen dazu bringt sie anders zu behandeln, als würde sie allein durch ihr Äußeres ein besserer Mensch sein. Das honigblonde Haar fällt in dicken Locken über ihren Rücken und ihre Augen sind von einem klaren, himmlischen Blau. Wenn ihr Gesicht ruhig schlummert, hat es fast einen melancholischen Zauber, der gebrochen wird sobald sich die sinnlichen Lippen zu einem Lächeln strecken. Ihre Haut hat eine vornehme Blässe und ihre zierliche, weiche Figur lässt schnell erahnen, dass sie noch nie große körperliche Arbeit leisten musste. Sie ist nicht größer als 158cm und mit ihrem Auftreten ist sie zwar eitel und oft extravagant, aber würde eigentlich nicht sonderlich aus Masse hervorstechen. Unter den zahllosen Schönheiten am Hof mag sie nur eine von vielen sein, keine besondere – trotzdem hat Kalypso das Talent, völlig gleich wo sie steht, zum Mittelpunkt des Raumes zu werden. Wie ein Feuer in kalter Nacht, dem man sich nicht nähert weil es so schön brennt, sondern weil es Wärme schenkt. Fast eine absurde Vorstellung, wenn man den Kern von Kalypsos Wesen erfasst hat, aber ihre Ausstrahlung ist von nichts anderem gezeichnet als spielerischer Herzlichkeit. Wie eine Umarmung und ein Lächeln, wie von Sonnenlicht geküsst zu sein.
Es gibt nur seltene Augenblicke, in denen Kalypso ihr Auftreten nicht unter Kontrolle hat. Etwas, das nicht unbedingt auffällt, denn die Art wie sich präsentiert, passt oft so gar nicht zu den höflichen, kühlen Gebräuchen am Hof. Sie bringt ein anderes Temperament und andere Launen mit, die ausgelassen und wild wirken können. Trotzdem ist Kalypso sich ihrer Stellung sehr bewusst und kann sich, wenn ihr Gegenüber und seine Stellung das fordert ernst und nachdenklich zeigen. Eine dressierte Kunstfigur, wenn man so will, unter deren vornehmer Kleidung blasse Narben am Rücken von ihrer Geschichte erzählen.
gespielt von jui
(sie/ihr) |
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