where it turns autumn and evening
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beautiful but tortured
10.04.2021, 00:04
Kalypso war schlau und konnte mit Worten hervorragend umgehen. Selten sagte sie etwas, das ihrem Gegenüber negativ aufstieß – außer sie intendierte genau das, was höchstens der Fall war, wenn sich ihre Wege mit dem ungehobeltesten Schandmaul der Nation kreuzten. Ihre Worte könnten scharf schneiden wie ein Messer, schließlich las sie andere Menschen gut. Sonst wäre ihr gar nicht möglich ihre Worte in goldene Kleider zu hüllen und ihrem Gegenüber sanft und unsichtbar zu imponieren. Ihre Schmeicheleien waren nicht so simpel und einfältig wie die vieler Damen am Hof, die von sich behaupteten im gesellschaftlichen Spiel zu glänzen. Kalypso war schlicht besser darin. Und es wäre höchst unangemessen gewesen, wenn sie den Prinzen an einem Ort wie diesen mit gähnender Leere und glanzlosen Geschichten begegnet gewesen wäre. Wenn sie das Dummchen spielen würde – obwohl ihr diese Rolle durchaus gut in das naiv anmutende Gesicht stand – und damit nicht nur sich selbst in ein Licht rücken würde, in dem sie sich nicht gefiel, sondern auch die Feuernation auf ein denkbar ungebührliche Weise repräsentieren würde. Außerdem hatte Prinz Ishar ihr nicht in den wenigen Augenblicken gespiegelt, dass er von ihr die schweigsame Rolle forderte, die seinen Geschichten lauschte. Also nahm sie die nicht ein und ließ ihn darüber wundern, dass eine Frau wie sie nicht bloß hübsch lächeln konnte. Es lag sogar ein Hauch Anerkennung in seinem Lächeln als er ihre Worte zustimmend abnickte. Anerkennung war etwas, nach dem Kalypso lechzte. Nicht in derselben Tragweite wie vor etlichen Jahren, zumindest zirkulierte die Sehnsucht danach weniger um ihre eigenen Person, sondern vielmehr um die Ideale und Wünsche ihrer Nation, aber noch immer stimmte die Mätresse das Wohlwollen höher Gestellter zufrieden. Sie würde den Prinzen des Erdkönigreiches niemals auf dasselbe Podest wie die Royalität der Feuernation stellen, aber eine gewisse Ehrfurcht empfand sie auch für ihn. Das sehe ich, wie Ihr. Die Welt verändert sich schnell, teilweise auch zu schnell, dass träge Konstrukte nicht mithalten können und ein Ungleichgewicht entsteht. Ich bin mir sicher, dass die größten und ältesten Traditionen unserer Nationen sich durchaus gleichen. Einen Moment sinnte sie über seine Worte nach. Vor allem weil Kalypso widersprach, dass sich die die beiden Nationen ähnelten. So war das Feuer doch jedem anderen Länderstreif über Weiten überlegen. Aber es ließ sich nicht von der Hand weisen, dass Gesellschaft sich voneinander beeinflussen ließen, sich veränderten und annäherten. Es war auch der Weg, den Zosin gewählt hatte, in dem er das Bündnis zwischen Ares und der Rosenprinzessin beschlossen hatte. Und wenn dem nichts entgegenstehen würde, was es wieder entzwei brach, dann würde das Schicksal wohl oder übel so sein, dass die Länder vom Austausch nicht nur profitierten, sondern sich auch verändern würden. Für das Erdkönigreich bedeutete das gewiss Fortschritt. Alles, was Kalypso über das grüne Land wusste, wusste sie aus Büchern. Von Geschichten von Händlern und Botschaftern, aber nicht von jemanden, der an seiner Spitze aufgewachsen war. „An welche Tradition denkt Ihr dabei?“, fragte sie interessiert und warf ihm einen Blick von der Seite zu, der von dem sanften Lächeln begleitet war, das immer an ihren Lippen klebte. Vielleicht ergibt sich irgendwann die Möglichkeit, dass der Hof der Feuernation uns im Erdkönigreich besuchen wird. Wer weiß? Das Lächeln wurde breiter und in ihren blauen Augen glänzte begierige Überraschung. Kalypso hatte zu wenig von der Welt gesehen und zu viel über sie gelesen, um kein Interesse für sie zu haben. Sie war an den Hof gekettet und manchmal liebte sie es dort. Keinen anderer Winkel der Feuernation würde sie lieber ihr Zuhause nennen und sicherlich war sie auch nicht von Fernweh und Reiselust getrieben wie andere. Aber die zehrende Langeweile machte die Vorstellung für eine Weile fort von hier zu sein reizend. „Das wäre schön.“ Keine Floskel – so klang die volle, weiche Stimme zumindest nicht.
Eure Geschichte fasziniert mich, sie hat etwas sehr Philosophisches an sich. Sie erinnert mich an die Einigungskriege meines Landes vor vielen Hundert Jahren. Wenn Kalypso sich nicht irrte, dann hatte ein König während der Einigungskriege einen der Schutzgeister ermordet. Was den Prinzen daran an diese Geschichte erinnerte, der ganz offensichtlichen eine Ehrerbietung der Geister unterlag, wollte der Mätresse nicht unbedingt einleuchten. Aber wenn er in dem Glauben sein wollte, dass die dilettantische Geschichte mit ihren banalen Kreuzungen und Bedeutungen des Erdkönigreichs, dieser Erzählung, dann war es nicht der angemessene Ort und Kalypso nicht die richtige Person dies in Frage zu stellen. Also ließ sie für einen Moment der Nachdenklichkeit die Augen über die Oberfläche des Sees wandern. Das Schauspiel der Natur war wunderschön. Sonderbar in jedem Fall und nicht ansatzweise so facettenreich wie die blühende, bunte Natur an anderer Stelle war. Dies war ein Ort, der durch seine majestätische Einfachheit beeindruckte. Durch das Spiel aus Vergänglichkeit und Leben, das vollkommen autonom von allem funktionierte, was einige Meilen entfernt war. Die Flora hier hatte etwas unberührtes, beinahe unschuldig und zart. „Das ist der Sinn solcher Geschichten, nicht wahr? Wie wir sie deuten und wie wir ihre Bedeutung auf die Gegenwart übertragen können. Es ist ein schönes Gedankenspiel, wie viele verborgene Gemeinsamkeiten wohl existieren.“ Sie sah nicht zu ihm bei ihren Worten. Der Blick war weiter auf das Wasser gerichtet als würde sie vollkommener Ruhe und Nachdenklichkeit diese Worte aus dem See fischen oder als hätte der Wind sie an ihre Ohren getragen. Dabei war nichts davon nicht wohl überlegt. Kalypso konnte ahnen, dass es ein großer Teil des Erdkönigreichs und des Hofstaates skeptisch der neuen Heimat ihrer Prinzessin gegenüber stand. Und sicher hatte die Hinrichtung ihrer Zofe nicht bei jedem nach Gerechtigkeit angemutet und vielmehr ein grausames Bild über das Leben hier gezeichnet. Kalypso wollte mit dem Prinzen nicht darüber sprechen, natürlich nicht. Aber sie wollte sehr wohl in Zosins Sinne handeln und das Band zwischen den beiden Nationen enger knüpfen. Und das funktionierte besser, wenn man sich darauf besann, wie viel man noch nicht übereinander wusste und dass die Chance bestand positiv überrascht zu werden. Als die Stimme des Prinzen wieder erklang, drehte Kalypso das Gesicht wieder zu ihm. Mit diesen freundlichen, grünen Augen war er gewiss auch Stoff etlicher Geschichten seines Königreiches. Verkörperte möglicherweise genau das, was man in einem Prinzen sehen wollte. Ob er in diese Rolle gewachsen war oder ob er sie eingenommen hatte, wie die zweite Haut, die sein Name und sein Blut eng wie ein Gefängnis um seinen Körper schloss? Im Grunde hatte doch niemand von höherer Geburt die Chance etwas anderes zu sein, als genau das, was man von ihm erwartete. Kalypso hatte Menschen darunter straucheln sehen und andere die unter ihrem Schicksal aufblühten. Unweigerlich stellte sie sich die Frage zu welcher Sorte Prinz Ishar gehörte. Glaubt Ihr daran? „Ja.“ Voller Überzeugung glaubte sie daran. Und trotzdem hoben sich die Augenbrauen neugierig in die Höhe und sie die Augen glänzten amüsiert. „Findet Ihr das albern?“, neckte sie und lachte. Die schwere, melancholische Stimmung war von ihrem Lachen von einem Moment auf den anderen durchschnitten. Darf man die Insel des Phönixbaums denn betreten. Ich würde ihn mir sehr gerne mal ansehen. Es war schön, dass der Prinz Interesse an der Kultur und der Geschichte dieses Ortes zeigte. Selbst wenn er damit nichts anfangen konnte, so war doch der dicke Baum allein ein Anblick, den man nicht jeden Tag zu Gesicht bekam. „Dort vorne ist ein Steg ins Wasser gelassen.“ Ein blasser Fingerzeig deutete auf ein paar Hölzer, die mit Seilen verbunden auf der Oberfläche schwammen. Es war keine feste Brücke, sondern ein wackliger Parcours. Die Füße würde man sich gewiss nass machen und keine Person konnte mit eleganter Anmut darüber schreiten. Aber es war den Weg wert. herkunft Capital City
stand Adel
alter 28 Jahre
gender Weiblich
bändigung Luft
beruf Mätresse
größe 1,58
erscheinung
Kalypso ist schön. Sie ist auf eine Art schön, die Menschen dazu bringt sie anders zu behandeln, als würde sie allein durch ihr Äußeres ein besserer Mensch sein. Das honigblonde Haar fällt in dicken Locken über ihren Rücken und ihre Augen sind von einem klaren, himmlischen Blau. Wenn ihr Gesicht ruhig schlummert, hat es fast einen melancholischen Zauber, der gebrochen wird sobald sich die sinnlichen Lippen zu einem Lächeln strecken. Ihre Haut hat eine vornehme Blässe und ihre zierliche, weiche Figur lässt schnell erahnen, dass sie noch nie große körperliche Arbeit leisten musste. Sie ist nicht größer als 158cm und mit ihrem Auftreten ist sie zwar eitel und oft extravagant, aber würde eigentlich nicht sonderlich aus Masse hervorstechen. Unter den zahllosen Schönheiten am Hof mag sie nur eine von vielen sein, keine besondere – trotzdem hat Kalypso das Talent, völlig gleich wo sie steht, zum Mittelpunkt des Raumes zu werden. Wie ein Feuer in kalter Nacht, dem man sich nicht nähert weil es so schön brennt, sondern weil es Wärme schenkt. Fast eine absurde Vorstellung, wenn man den Kern von Kalypsos Wesen erfasst hat, aber ihre Ausstrahlung ist von nichts anderem gezeichnet als spielerischer Herzlichkeit. Wie eine Umarmung und ein Lächeln, wie von Sonnenlicht geküsst zu sein.
Es gibt nur seltene Augenblicke, in denen Kalypso ihr Auftreten nicht unter Kontrolle hat. Etwas, das nicht unbedingt auffällt, denn die Art wie sich präsentiert, passt oft so gar nicht zu den höflichen, kühlen Gebräuchen am Hof. Sie bringt ein anderes Temperament und andere Launen mit, die ausgelassen und wild wirken können. Trotzdem ist Kalypso sich ihrer Stellung sehr bewusst und kann sich, wenn ihr Gegenüber und seine Stellung das fordert ernst und nachdenklich zeigen. Eine dressierte Kunstfigur, wenn man so will, unter deren vornehmer Kleidung blasse Narben am Rücken von ihrer Geschichte erzählen.
gespielt von jui
(sie/ihr) |
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