where it turns autumn and evening
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beautiful but tortured
22.04.2021, 15:45
Während des Aufenthalts der Besucher auf dem Erdkönigreich hatte Kalypso so manche nette Bekanntschaft gemacht. Das ein oder andere freundliche Gespräch geführt und sie hatte sogar vereinzelt Interesse an den fremden Leuten. Gewiss war sie sich, dass jeder einzelne von ihnen ihrem Charme erlegen war, sobald sie mit ihr in ein Gespräch verwickelt waren. Und sie war auch dem Prinzen nicht abgeneigt. Da waren kein Gram und kein böser Gedanke ihm gegenüber. Kalypso genoss den Spaziergang sogar auf ihre Art. Aber ohne Zweifel würde sie nicht einmal mit der Wimper zucken, wenn sich eines Tages jeder von ihnen der Vorherrschaft der Feuernation beugen müsste. Da konnte sie Prinz Ishar noch so charmant und seine Gesellschaft noch so angenehm finden, am Ende floss auch nichts Weiteres als Dreck durch seine Adern und er war dem Feuer ihrer geliebten Nation weit unterlegen. Kalypso lauschte seinen Worten über die ähnlichen Traditionen des Erdkönigreichs und der Feuernation. Dass sie sich in der Hochhaltung des Ehebundes glichen und Festlichkeiten auf denselben Tagen fielen. Ihr war ebenso bewusst wie ihm, dass es weit hässlichere Ähnlichkeiten gab und viele der Unterschiede gravierend waren. Aber es war nicht im Sinne Zosins Zwietracht zwischen den beiden Nationen zu schüren und sowohl sie als auch Prinz Ishar schienen sich dieser Regel kompromisslos hingegeben zu haben. Tanzten in dem höflichen Gespräch über jede unangenehme Realität herum und ließen die klaffende Alpträume, die der Krieg hinterlassen hatte, bescheiden aus. Kalypso hielt das für richtig. Wenn es denn tatsächlich so sein sollte, dass die Zukunft der beiden Länder sich enger ineinander verschränkte, dann war dieses langsame Herantasten richtig und angemessen. Und es wäre fatal bloß in die Vergangenheit zu schauen und sich den negativen Gefühlen hinzugeben, die dort zum Leben erweckt worden waren. Außerdem war das schlicht nicht Kalypsos Platz. Sie führten zwar ein eher ernstes Gespräch, aber sie war Gesellschafterin um eine schöne Atmosphäre zu gestalten, nichts Weiteres. Sie hatte ihm ihre ganze Aufmerksamkeit geschenkt, während er erzählte. Jedem Wort, jeder kleinen Mimik, jeder Geste. Das tat sie immer in Gesprächen und vermutlich redeten deshalb viele andere Menschen so gern mit ihr, weil für den Augenblick nichts anderes zu existieren schien …
Ihr Gespräch war weitergezogen. Hin zu dem See. Zu seiner Geschichte und dem Glauben, der damit verbunden war. Dass die Feuernation in ihren Traditionen und in ihrer Geschichte oft so eng mit der Geisterwelt verbunden war, sprach für Kalypso nur noch viel stärker dafür, dass dieses Land und ihr Volk besonders waren. Bedeutungsvoller, schicksalstragender, beeindruckender. Und sie glaubte daran. Nicht nur an die magischen Geschichten, sondern auch an diejenigen, die von Schrecken und Horror gezeichnet waren. Daran, dass manche Menschen besser und wichtiger waren als andere. Ihr Glaube war Kraft, aber sie war ihm auch willenlos ergeben. Sie hielt das für richtig. Aber die Mätresse wusste auch, dass weniger spirituelle Menschen diese Geschichten für absurd hielten. Also fragte sie Prinz Ishar danach. Das stünde mir nicht zu. Kalypso lachte. Ein schlicht erfreutes Lachen. Euer Vertrauen in diese wundersame Geschichte hat sicher etwas äußerst Ernstes an sich. Es albern zu finden, wäre selbst…oder gerade für einen Prinzen unangemessen, findet ihr nicht? Sie sah zu ihm. Der Prinz war wirklich ausgesprochen freundlich. „Ich bin nicht eitel genug, um davon beleidigt zu sein. Aber ich danke Eurem Anstand, dass Ihr solch einem Gedanken keinen Einlass gewähren würdet.“ Dann beantwortete sie seine Frage mit einem Lachen in der Stimme. „Ich fürchte, dies zu bewerten stünde mir nicht zu.“, wiederholte sie seine Wortwahl mit einem freundlichen Lächeln in der Stimme. Unangemessenes Gedankengut. Das war eine komplexe Angelegenheit und sicherlich kein Thema für sie und den Prinzen der fremden Nation. Es war in jedem Fall schwierig über Gedanken ein Urteil zu fällen – wie viel Schaden konnten sie anrichten? Ein jeder müsste sich vor Gericht stellen, wenn Gedanken ausreichend und verheerend genug wären, um jemanden einer Sünde oder einer Strafe zu bezichtigen. Das waren sie nicht und Kalypso war zu pragmatisch und nicht romantisch genug, um dem Glauben zu verfallen, dass die meisten Menschen frei von unangemessenen Gedanken waren. Aber es waren auch Gedanken, in denen falsche Ideologien, Überzeugungen und Pläne keimten. Es waren auch ihre Gedanken, die sie plagten und an ihr zerrten. Vieles wäre gewiss einfacher, wenn sie ein wenig dümmer wäre. Kalypso würde mit Freuden jede einzelne Facette ihrer Herkunft verleumden und auslöschen. Von sich aus sprach sie nicht über ihre Heimat und sie glaubte durchaus das Mädchen aus dem Fischerdorf längst hinter sich gelassen zu haben. Aber es gab doch das ein oder andere Merkmal, das verriet, dass sie nicht auf Seidenkissen in Rosengärten aufgewachsen war, denn zimperlich war die Mätresse nicht. Sie hatte mit Bedauern bemerkt, wie ihre Muskeln über die Jahre am Hof verkümmert waren. Zwar war sie nie eine besonders abenteuerlustige Frau gewesen, die sich gerne mit schwerer Arbeit beschäftigte – ganz im Gegenteil –, aber sie hatte ohne Probleme den ganzen Tag in Bewegung an der frischen Luft verbringen können. Es war eine Leichtigkeit gewesen die Klippen am Strand von dem kleinen Dorf zu erklimmen und sie hatte sich in der Heimlichkeit der Nacht mit den anderen Kindern aus dem kleinen Ort auf anliegende Handelsschiffe stehlen können. War allein über die Reling geklettert und hatte leichtfüßig die Beine beim Wettrennen mit den anderen über den Boden jagen lassen. Jetzt konnte sie keine Kutsche verlassen ohne Hilfe über eine höflich gereichte Hand geboten zu bekommen. Für keinen Preis der Welt würde sie ihr Leben mit ihrem alten tauschen wollen. Aber es war manchmal ermüdend jeden kleinsten Fingerstreich abgenommen zu bekommen als wäre man zu zart für die Realität. Prinz Ishar hingegen zierte sich scheinbar allein bei der Vorstellung sich die Füße nass machen zu können. Misstrauisch beäugte der Prinz den Steg. Aus welchem Grund baut man eine derartige Brücke? Man wird unweigerlich nass, wenn man sie zu überqueren versucht. „Sie ist kein allzu großer Eingriff in die Natur.“, erklärte Kalypso wertungslos das Offensichtliche. Die Entscheidung, ob es ihm die nassen Füße wert war, schien schnell entschieden zu sein. Schon streifte er sich die Stiefel von den Füßen und hüpfte auf einem Bein, was einen ausgesprochen albernen Anblick bot, während sich eine seiner Wachen an ihn wand. Kalypso distanzierte sich höflich von dem Gespräch und dem Prinzen, der sich seiner Schuhe entledigte. Ihr fiel auf, dass er seine Gefolgsleute mit Vornamen und Anrede ansprach. Etwas, das keinem der Würdenträger in der Feuernation im Traum einfallen würde. Sie verstand nicht, wieso er das machte. Kalypso selbst sprach viel mit Bediensteten, merkte sich ihre Sorgen und war stets freundlich. Das tat sie mitnichten deshalb, weil es sie ernsthaft scherte, wessen Mutter gerade krank war oder weil sie die Gedanken eines dilettantischen Boten so interessant fand. Für sie war Beliebtheit nützlich. Aber der Prinz brauchte nicht so zu handeln. Vielleicht war er wirklich einfach freundlich. Seltsam. Sie drehte sich erst wieder zu dem Prinzen als er sie ansprach. Aber manchmal seid ihr zu verkopft. Sicher begleitet mich die Dame, nicht wahr? Sie lächelte und nickte. „Selbstverständlich.“ Kalypso streifte sich die Seidenpantoffeln von den blassen Füßen, die denkbar unbequem für einen langen Spaziergang waren, aber dem Fuß eine hübsche, schmale Silhouette gaben. Sie würde sich die Füße blutig laufen ohne zu jammern oder zu klagen. Nötig war das allerdings bisher nicht. Kurz wanderte ihr Blick zu den Wachen. Sie würden in ihren schweren Rüstungen unmöglich den Steg passieren können. Zumindest nicht solange sich der Prinz und sie darüber hangelten. Aber an einem Ort wie diesem sorgte Kalypso sich ohnehin nicht. Sie hob die Röcke leicht an und setzte den Fuß ins Wasser. herkunft Capital City
stand Adel
alter 28 Jahre
gender Weiblich
bändigung Luft
beruf Mätresse
größe 1,58
erscheinung
Kalypso ist schön. Sie ist auf eine Art schön, die Menschen dazu bringt sie anders zu behandeln, als würde sie allein durch ihr Äußeres ein besserer Mensch sein. Das honigblonde Haar fällt in dicken Locken über ihren Rücken und ihre Augen sind von einem klaren, himmlischen Blau. Wenn ihr Gesicht ruhig schlummert, hat es fast einen melancholischen Zauber, der gebrochen wird sobald sich die sinnlichen Lippen zu einem Lächeln strecken. Ihre Haut hat eine vornehme Blässe und ihre zierliche, weiche Figur lässt schnell erahnen, dass sie noch nie große körperliche Arbeit leisten musste. Sie ist nicht größer als 158cm und mit ihrem Auftreten ist sie zwar eitel und oft extravagant, aber würde eigentlich nicht sonderlich aus Masse hervorstechen. Unter den zahllosen Schönheiten am Hof mag sie nur eine von vielen sein, keine besondere – trotzdem hat Kalypso das Talent, völlig gleich wo sie steht, zum Mittelpunkt des Raumes zu werden. Wie ein Feuer in kalter Nacht, dem man sich nicht nähert weil es so schön brennt, sondern weil es Wärme schenkt. Fast eine absurde Vorstellung, wenn man den Kern von Kalypsos Wesen erfasst hat, aber ihre Ausstrahlung ist von nichts anderem gezeichnet als spielerischer Herzlichkeit. Wie eine Umarmung und ein Lächeln, wie von Sonnenlicht geküsst zu sein.
Es gibt nur seltene Augenblicke, in denen Kalypso ihr Auftreten nicht unter Kontrolle hat. Etwas, das nicht unbedingt auffällt, denn die Art wie sich präsentiert, passt oft so gar nicht zu den höflichen, kühlen Gebräuchen am Hof. Sie bringt ein anderes Temperament und andere Launen mit, die ausgelassen und wild wirken können. Trotzdem ist Kalypso sich ihrer Stellung sehr bewusst und kann sich, wenn ihr Gegenüber und seine Stellung das fordert ernst und nachdenklich zeigen. Eine dressierte Kunstfigur, wenn man so will, unter deren vornehmer Kleidung blasse Narben am Rücken von ihrer Geschichte erzählen.
gespielt von jui
(sie/ihr) |
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