where it turns autumn and evening
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beautiful but tortured
05.06.2021, 14:42
Ambition war für Kalypso die größte Tugend und sie hatte nie Bewunderung für ein weiches Herz empfunden. Sie konnte empathisch agieren, weil sie über die Jahre gelernt hatte Menschen und ihre Bedürfnisse zu lesen. Für viele hinterließ sie so durchaus das Bild einer feinfühligen und wertschätzenden Frau, aber Mitgefühl empfand sie nicht. Das war eine Qualität, die vor allem bei dem weiblichen Geschlecht, oft als begehrens- und erstrebenswert galt. Für Kalypso war Mitgefühl ein schleierhaftes Geheimnis, zu dem sie absolut keinen Zugang hatte. Sie sah auch keine Stärke darin, nichts, was in ihrer Betrachtungsweise der Welt eine dienliche Wesenseigenschaft eines Herrschers wäre. Und so war es wohl gut, dass sie sich von dem Titel und Ansehen des Prinzen blenden ließ, denn sie hätte keine Achtung für seinen gutherzigen und wenig strebsamen Charakter. Aber es ging ja auch nicht darum, dass Prinz Ishar bei ihr einen guten Eindruck hinterließ. Es ging eigentlich nie darum, was oder wen Kalypso für richtig oder gut befand. Und obwohl sie sich selbst durchaus als ambitionierte Frau beschreiben würde, war sie in dem Ansehen ihrer Stellung doch nicht mehr als schicksalsergeben, demütig. Für viele mochte das ein Widerspruch sein, aber im Grunde glaubte Kalypso aus tiefstem Herzen an die Richtigkeit von den Strukturen und Positionen ihrer Gesellschaft. Dazu gehörten eben das stille Einverständnis mit ihrer eigenen Machtlosigkeit und das geübte Schlüpfen in ihre Rolle als unterhaltsamer Zeitvertreib. Und es hatte ja durchaus seine Vorteile, dass sie derart klein gehalten wurde. Kaum eine andere Adelsdame konnte sich so freimütig und spielerisch bewegen. So waren die meisten von ihnen doch eher steif und eher elegant. Was ihnen als unschicklich ausgelegt würde, galt bei der Mätresse des Feuerlords als charmant. Natürlich fand Kalypsos Freimütigkeit auch bloß in einem angemessenen Maß statt. Eine herzliche Fassade, die wortgewandt und gewitzt wirkte, aber dennoch streng einem Kodex untergeordnet war, was man von ihr erwartete. So war es für sie auch nicht ungebührlich den Prinzen des Erdkönigreichs auf die abgeschiedene Insel des Phönixbaums zu entführen und dafür die Schuhe auszuziehen, um über den wackligen Steg zu balancieren, anstatt steif unter einem Pavillon träge Gespräche zu führen. Zu viel der höfischen Gepflogenheiten hatten die Blonde immer gelangweilt und tatsächlich genoss sie Ausflüge wie diese.
Vorsichtig und geschickt balancierte sie einen Fuß vor den anderen, während das Holz sanft unter ihrem Gewicht nachgab und das Wasser ihre Knöchel umspielte. Der Saum ihres Kleides sog sich mit Wasser voll, färbte den weißen Stoff ungleichmäßig dunkler. Die Hände hatte Kalypso dabei in Höhe der Hüfte leicht von sich gestreckt, um das Gleichgewicht zu wahren und wanderte so spielerisch leicht bis zur Mitte des Sees. Ihr macht das nicht zu ersten Mal, nicht wahr? So geschickt, wie Ihr euch anstellt… Kalypso war Prinz Ishar gegenüber im klaren Vorteil. Nicht nur war sie schon einige Male über diesen Steg gelaufen. Sie war auch leichter, kleiner und hatte zudem ein hervorragendes Körpergefühl. Es gab wenige Dinge, bei denen Kalypso sich mit Mittelmäßigkeit zufrieden gab – auch wenn es Lappalien waren wie das Balancieren über einen morschen Steg. Sie lachte leise und der helle Klang ihrer Stimme gehörte zu den wenigen Geräuschen in der vollkommenen Stille dieses mystischen Orts. Sie warf einen vorsichtigen Blick über ihre Schulter und besah Prinz Ishar seiner tölpelhaften Versuche das Gleichgewicht zu halten. Das Wanken seines ungeschickten Schritts konnte die Mätresse unter ihren eigenen Füßen spüren, wenn der seilerne Steg ungleichmäßig von der einen Seite zur anderen kippte. Ich wünschte nur…whow!...ich könnte das selbe von mir…behaupten. Es blieb bloß zu hoffen, dass der Prinz nicht ins Wasser fiel. Das würde ihr sicher nicht gut angerechnet werden. Ein klatschnasser Prinz, der anstatt eines schönen Ausflugs über ein unfreiwilliges Bad zu berichten hätte. Auch wenn Kalypso sich nicht besonders gewaltvoll dazu zwingen musste eine schöne Zeit zu mimen, so war doch der vorrangige Gedanke hinter jedem ihrer Worte, jedem Lächeln und jeder Geste, dass der Prinz einen positiven Eindruck von der Feuernation gewann. Das hatte Zosin ihr aufgetragen. Manche Gemüter hatten geschäumt, nachdem die Dienerin von Prinzessin Soraya, die Bastardschwester von Prinzessin Eurybia, vor wenigen Tagen ihren rechtmäßigen Tod gestorben war. Mehr denn je galt es nun das Bündnis der beiden Nationen enger zu knüpfen und es nicht zerbrechen zu lassen. Und nichts war Kalypso wichtiger als Zosins Erwartungen und Wünschen Folge zu leisten. „Das klingt beinahe danach als müsstet Ihr diesem Ort einen weiteren Besuch abstatten.“, erwiderte die Mätresse mit einem lächelnden, unverbindlichen Klang in der Stimme. Kalypso machte die letzten Schritte auf dem Steg, dann berührten ihre Füße weißen Sand. Die kleine Insel war vollkommen unberührt von menschlichen Veränderungen. Über den Sandboden erstreckte sich das imposante Wurzelwerk des Baumes. Geschlungene Adern aus tiefstem Braun, die sich manchmal dick wie Stämme vom Boden erhoben und manchmal filigrane Schleifen zogen. Dazwischen wuchsen zarte Pflanzen mit kleinen, weißen Blüten. Je weiter die Insel zur Mitte, zum Phönixbaum reichte umso dichter wurde das wirr-verschlungene Wurzelwerk. Wie verdorrte Innereien. Der Stamm des Baumes war so dick und breit, dass sich dahinter sogar eine kleine Hütte verstecken könnte. Hier und da fielen die tiefroten Blätter des Baumes hinab, schwammen an der Wasseroberfläche, um dann langsam zu ertrinken. Der Wind wisperte sein leises Lied durch das Geäst. Es war unmöglich diesen Baum nicht als lebendiges Wesen zu begreifen – so lebhaft und stark war seine Präsenz. Kalypso drehte sich zu Prinz Ishar und auf ihren Lippen lag das einnehmendste Lächeln, das noch jeden Frischverliebten an seiner Loyalität und Treue hätte zweifeln lassen können. „Ich fürchte, mir fehlen angemessene Worte um Euch hier willkommen zu heißen.“ Und obwohl in diesem Augenblick alles so friedlich und einsam erschien, waren die beiden nicht allein. herkunft Capital City
stand Adel
alter 28 Jahre
gender Weiblich
bändigung Luft
beruf Mätresse
größe 1,58
erscheinung
Kalypso ist schön. Sie ist auf eine Art schön, die Menschen dazu bringt sie anders zu behandeln, als würde sie allein durch ihr Äußeres ein besserer Mensch sein. Das honigblonde Haar fällt in dicken Locken über ihren Rücken und ihre Augen sind von einem klaren, himmlischen Blau. Wenn ihr Gesicht ruhig schlummert, hat es fast einen melancholischen Zauber, der gebrochen wird sobald sich die sinnlichen Lippen zu einem Lächeln strecken. Ihre Haut hat eine vornehme Blässe und ihre zierliche, weiche Figur lässt schnell erahnen, dass sie noch nie große körperliche Arbeit leisten musste. Sie ist nicht größer als 158cm und mit ihrem Auftreten ist sie zwar eitel und oft extravagant, aber würde eigentlich nicht sonderlich aus Masse hervorstechen. Unter den zahllosen Schönheiten am Hof mag sie nur eine von vielen sein, keine besondere – trotzdem hat Kalypso das Talent, völlig gleich wo sie steht, zum Mittelpunkt des Raumes zu werden. Wie ein Feuer in kalter Nacht, dem man sich nicht nähert weil es so schön brennt, sondern weil es Wärme schenkt. Fast eine absurde Vorstellung, wenn man den Kern von Kalypsos Wesen erfasst hat, aber ihre Ausstrahlung ist von nichts anderem gezeichnet als spielerischer Herzlichkeit. Wie eine Umarmung und ein Lächeln, wie von Sonnenlicht geküsst zu sein.
Es gibt nur seltene Augenblicke, in denen Kalypso ihr Auftreten nicht unter Kontrolle hat. Etwas, das nicht unbedingt auffällt, denn die Art wie sich präsentiert, passt oft so gar nicht zu den höflichen, kühlen Gebräuchen am Hof. Sie bringt ein anderes Temperament und andere Launen mit, die ausgelassen und wild wirken können. Trotzdem ist Kalypso sich ihrer Stellung sehr bewusst und kann sich, wenn ihr Gegenüber und seine Stellung das fordert ernst und nachdenklich zeigen. Eine dressierte Kunstfigur, wenn man so will, unter deren vornehmer Kleidung blasse Narben am Rücken von ihrer Geschichte erzählen.
gespielt von jui
(sie/ihr) |
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