where it turns autumn and evening
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beautiful but tortured
06.06.2021, 22:59
Ob die Hinrichtung von Shallan unnötig grausam gewesen war, ließ sich in Kalypsos Augen durchaus diskutieren. Eine Diskussion frei von emotionalen Sichtweise und persönlicher Befindlichkeiten, selbstverständlich. Dass der Tod der Magd von Prinzessin Soraya gerechtfertigt war, stand außer Frage. Die spannende Frage für Kalypso wäre vielmehr, ob diese Form der Grausamkeit und Brutalität besonders wirksam gewesen war für die Nachricht und Mahnung, die Ares damit hatte vermitteln wollen. Aber dies war kein Gespräch, keine Abwägung, die Kalypso zu führen hatte. Sie war keine Beraterin. Ihre Meinung, ihre Ansicht zählte nichts. Und ein Gespräch wie ein solches würde sich vor allem nicht zwischen ihr und dem Prinzen des Erdkönigreichs gehören. Aber selbstverständlich war Kalypso der absoluten Überzeugung, dass die hinterhältige Mörderin des Erbens, der den Frieden zwischen den beiden Nationen noch verbindlicher geschlossen hätte, mit nichts anderem als dem eigenen Leben für ihren Verrat zu zahlen hatte. Welche Beweggründe auch immer in dem Kopf des jungen Mädchens vorgegangen waren, Dummheit schützte vor Strafe nicht. Es war also nicht bloß angemessen, sondern auch gut, dass der Vorfall galant verschwiegen wurde. So wären die Ansichten der beiden doch spätestens hier vollkommen auseinander geraten. Stattdessen waren beide nun auf der Insel des Phönixbaums angekommen und konnten über dessen imposante Schönheit staunen. Wenig elegant war Prinz Ishar auf dem Boden angekommen, machte einen Schritt in ihre Richtung und ließ den Blick wandern. Er hatte eine herrlich eindeutige Mimik. Seine Augen weiteten sich als er von dem Bild eingenommen wurde, was sich vor ihm bot. Es war durchaus charmant, dass er so offen auf seinen Zügen zu tragen schien, was in seinem Kopf vor sich ging. Das war eine Qualität, eine Eigenschaft, die Kalypso selbst vollkommen fremd war. Vermutlich waren die Zügel über ihre Mimik so fest in ihre Hände verwachsen, dass sie die Kontrolle darüber nicht einmal abgeben könnte, wenn sie es wollte. Nur in wenigen, seltenen Augenblicken. Sie beobachtete ihn aufmerksam dabei, wie er die Augen wandern ließ und lächelte. Überwältigend. Kalypso neigte den Kopf leicht zur Seite und ein wenig Zufriedenheit nistete sich in ihre feinen Züge. Ohne Frage war dieser sakrale Ort überwältigend. Es erschien beinahe unwirklich und greifbar wie sehr er von Bedeutung und Wissen längst vergangener Zeiten gezeichnet war. Was für ein beeindruckender Baum. Spürt Ihr diese Ladung in der Luft? Als würde hier die Zeit still stehen. Seine Worte waren sehr treffend, auch wenn er in seiner Interpretation scheinbar nicht auf die offensichtliche Präsenz der Geister, die diesen Ort hüteten, kam. Seltsam, wie man umgeben von dieser dicken, zähen Macht seinem Ursprung gegenüber doch so blind sein konnte. Lächelnd ließ Kalypso die blauen Augen wandern. „Als ich zum ersten Mal hier zu Besuch war, meinte Feuerlord Zosin zu mir, dass es sich anfühlt als würde jedes Flüstern, jedes Wort und jeder Gedanke noch in der Luft hier nachklingen. Ich glaube das ist sehr wahr.“ Für einen kleinen Moment war da eine stille Nachdenklichkeit in die Mätresse eingekehrt und sie wollte diese besondere Auro, diesen wunderschönen Ort nahe des Herzens der Feuernation gebührend genießen. Die Stille und die Kraft, die in dieser Ruhe lag, ganz in sich aufnehmen. Fast hätte sie die Augen geschlossen als sie eine plötzliche Bewegung wahrnahm. Kurz gefolgt von dem dumpfen Geräusch des Aufpralls als ein Mann in dunkle Stoffe gehüllt nicht unweit von ihnen auf dem Boden ankam. Eine Klinge glänzte in seiner Hand. Jede seiner schnellen Bewegung schrie Präzision und Entschlossenheit, verhieß Unheilvolles. In Kalypsos Brust schloss sich ein unbestimmtes, zielorientiertes Gefühl in ihr Herz. Sie dachte nicht darüber nach. Als ihr Blick den Mann mit dem vermummten Gesicht traf und er in einer geschmeidigen Bewegung das Seil des Steges durchtrennte, reagierte Kalypso instinktiv. Der Vermummte richtete gerade den Kopf auf und zog das Messer zurück, um damit auf den Prinzen des Erdkönigreichs zu zielen, da war sie schon nach vorn gerannt. Der glänzende Dolch flog in einer präzisen, geraden Linie auf Prinz Ishar zu, da griff die Mätresse nach seinem Handgelenk, um ihn zurück und sich selbst vor ihn zu ziehen. Es war ein Sekundenschlag. Ein Sekundenschlag, in dem sich ihre Beine einfach in Bewegung gesetzt hatten und sie eine Entscheidung getroffen hatte ohne auch nur einen einzigen Gedanken der Abwägung zu nutzen. Kalypso war der festen Überzeugung, dass manche Leben mehr wert waren als andere. Sie war der festen Überzeugung, dass das Schicksal den Adel auf der Welt auswählte und in die richtigen Positionen legte. Kalypso war eine gehorsame, treue Dienerin ihrer geliebten Nation. Es war keine Frage, dass sie alles für sie gab. Dass sie diente und sich aufopferte für das größere Wohl, für die rechtmäßige Ordnung der Welt. Es war keine Frage, dass sie das auch für Prinz Ishar tat. Der silberne Dolch traf sie unterhalb der rechten Brust, bohrte sich durch das Fleisch, zwischen die Rippen und verletzte dabei den Knochen. Ein Keuchen entglitt ihrer Kehle ehe Kalypso den plötzlichen schneidenden Schmerz wirklich realisierte. Adrenalin pumpte durch ihren Körper und ließ ihr Herz wild gegen ihre Brust schlagen wie einen eingesperrten Vogel. Ihre Beine begannen zu straucheln, aber bevor sie den Halt verlieren konnte, hatte der Vermummte ein paar lange Schritte auf sie zu gemacht. Eine der kräftigen Hände legte er auf ihre Schultern und mit der anderen zog er die Klinge aus Kalypsos schmalen Körper. Der weiße Stoff färbte sich in Windeseile blutrot. Aus einem kleinen Fleck von ihrer Brust ausgehend erstreckte sich innerhalb von Sekunden ein unförmiger, blutroter Fetzen über das Weiß. Kalypso, die Blutleere. Kalypso, die weiße Schlange. Ein Tropfen schien sich durch den dicken Stoff über die Haut einen Weg auf den Boden gebahnt zu haben und für einen winzigen Moment glaubte Kalypso ein Beben, ein zorniges Zittern der Wurzeln, über die sie gestolpert war, unter sich zu spüren. Aber vermutlich war das bloß eine Verwechslung. Denn kaum, dass der Vermummte das Messer aus ihrem Körper gezogen hatte, riss er die Mätresse an der Schulter herum und strauchelnden Schrittes folgte sie dem Befehl seiner Bewegung. Ihr Rücken war gegen seine Brust gedrückt und nun stand Kalypso Prinz Ishar gegenüber. Ihr Blick hing für einen verwirrten Moment an ihm. Dann drückte der Vermummte das Messer an ihre Kehle und die scharfe Klinge schnitt in ihren weißen Hals. Der Mann war nicht auf Spielereien aus. Er war auch nicht an Gnade interessiert. Er wollte den Tod des Prinzen des Erdkönigreichs und er war bereit für sein Ziel jedes Opfer zu nehmen. „Ihr tragt ihren Tod auf dem Gewissen, dreckige Made.“, knurrte der Vermummte und war bereit mit einer einzigen, eleganten Bewegung die Kehle Kalypsos durchzuschneiden.
herkunft Capital City
stand Adel
alter 28 Jahre
gender Weiblich
bändigung Luft
beruf Mätresse
größe 1,58
erscheinung
Kalypso ist schön. Sie ist auf eine Art schön, die Menschen dazu bringt sie anders zu behandeln, als würde sie allein durch ihr Äußeres ein besserer Mensch sein. Das honigblonde Haar fällt in dicken Locken über ihren Rücken und ihre Augen sind von einem klaren, himmlischen Blau. Wenn ihr Gesicht ruhig schlummert, hat es fast einen melancholischen Zauber, der gebrochen wird sobald sich die sinnlichen Lippen zu einem Lächeln strecken. Ihre Haut hat eine vornehme Blässe und ihre zierliche, weiche Figur lässt schnell erahnen, dass sie noch nie große körperliche Arbeit leisten musste. Sie ist nicht größer als 158cm und mit ihrem Auftreten ist sie zwar eitel und oft extravagant, aber würde eigentlich nicht sonderlich aus Masse hervorstechen. Unter den zahllosen Schönheiten am Hof mag sie nur eine von vielen sein, keine besondere – trotzdem hat Kalypso das Talent, völlig gleich wo sie steht, zum Mittelpunkt des Raumes zu werden. Wie ein Feuer in kalter Nacht, dem man sich nicht nähert weil es so schön brennt, sondern weil es Wärme schenkt. Fast eine absurde Vorstellung, wenn man den Kern von Kalypsos Wesen erfasst hat, aber ihre Ausstrahlung ist von nichts anderem gezeichnet als spielerischer Herzlichkeit. Wie eine Umarmung und ein Lächeln, wie von Sonnenlicht geküsst zu sein.
Es gibt nur seltene Augenblicke, in denen Kalypso ihr Auftreten nicht unter Kontrolle hat. Etwas, das nicht unbedingt auffällt, denn die Art wie sich präsentiert, passt oft so gar nicht zu den höflichen, kühlen Gebräuchen am Hof. Sie bringt ein anderes Temperament und andere Launen mit, die ausgelassen und wild wirken können. Trotzdem ist Kalypso sich ihrer Stellung sehr bewusst und kann sich, wenn ihr Gegenüber und seine Stellung das fordert ernst und nachdenklich zeigen. Eine dressierte Kunstfigur, wenn man so will, unter deren vornehmer Kleidung blasse Narben am Rücken von ihrer Geschichte erzählen.
gespielt von jui
(sie/ihr) |
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