where it turns autumn and evening
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beautiful but tortured
29.06.2021, 13:41
Obwohl Kalypso bildhafte, schmuckvolle Fantasien über den Tod hatte, hatte sie immer Schwierigkeiten damit gehabt sich den eigenen vorzustellen. Sie hatte am Hof etliche Hinrichtungen gesehen, den letzten Schmerz der die Gesichter verzerrte. Angst und Hoffnung, wenn die Todgeweihten ihrem Schicksal entgegen traten. Sie würde auch niemals den überraschten Gesichtsausdruck des Mannes in der Parfümerie vergessen als sie ihm das eigene Messer in den dicken Wanst gedrückt hatte. Kalypsos Gedanken waren voll davon. Voll morbider Sehnsüchte und grausamer Traumgebilde. Aber ihr eigener Tod schien von diesen Fantasien gänzlich unberührt zu sein. Hatte sie sich erträumt den Märtyrertod zu sterben? Hatte sie sich gewünscht in den Armen des Mannes zu sterben, den sie liebte? Hatte sie damit gerechnet ihr irgendwann der royalen Willkür zu erliegen und für ein Vergehen zu sterben, das sie nicht begangen hatte? Kalypso wusste es in diesem Moment nicht mehr. Nur hatte sie in jedem Fall geglaubt von einem überwältigenden Gefühl niedergedrückt zu werden: Angst, Reue, Wahnsinn. Kalypso fühlte beinahe gar nichts. Das Adrenalin dämpfte den Schmerz in ihrem Bauch und als sie scharf die Luft einsog als das Messer in ihren Hals schnitt, fühlte sich paralysiert. Dumpf, taub und leer. Untertöne der Furcht waberten wie bedrohliche Schatten durch ihren Geist, aber brachen nicht hervor. Ihr Herz schlug wie eine gewaltige Trommel gegen ihre Brust und durch ihre Gedanken zog sich nur diese eine Gewissheit: Sie war noch nicht bereit hierfür. Es gab zu viele Dinge, die noch ungesagt waren. Es gab zu viele Möglichkeiten, die sie nicht ergriffen hatte. Es gab zu viel, das sie noch nicht erlebt hatte. Kraftlos sammelten sich ein paar wenige Tränen in ihren Augen und liefen stumm ihre Wange hinab. Sie konnte den Atem des Vermummten spüren, das Heben seiner Brust. Ihr trüb gewordener Blick war irgendwie lose auf den Prinzen gerichtet, der zu Boden gefallen war und ihren Namen schrie. Zwei Mal. Sie wollte wütend auf ihn sein. Wütend, dass dieser Narr nichtsnutzig auf dem Boden kniete, anstatt sich in Sicherheit zu bringen. Er kniete in dem Dreck, der er war. Und sein gesamtes Königreich mit ihm – nichts als Schmutz. Widerliche, schmutzige Maden. Wertlos. Unfähig. Erbärmlich. Würden die blauen Augen nicht von einer schwächelnden Leere durchzogen, dann hätte dort Verachtung geglitzert. Um sie herum herrschte eine seltsame Atmosphäre. Der Boden hatte gezittert – so hatte es sich angefühlt. Und von den Ästen des dicken Baumes fielen die blutroten Blätter als wäre ein plötzlicher Herbst über dem See eingezogen. Das Messer an ihrer Kehle, das so zielsicher ihren Hals hatte aufschneiden wollen, entfernte sich von ihrer blassen Haut. Sie hörte den Mann hinter ihr leise keuchen. Die Finger seiner Hand an ihrer Schulter bohrten sich fester in ihr Fleisch und sie konnte spüren, wie der Arm mit der Klinge unnatürlich zitterte als würden die Muskeln sich gegen eine unsichtbare Kraft stemmen. Während dieser kurzen Augenblicke hörte ihr Bauch nicht auf zu bluten. Der rote Fleck auf dem weißen Kleid wurde immer größer und sie spürte die warme Flüssigkeit klebrig und dick an ihrem Körper hinunterlaufen. Und dann waren da Flammen. Für einen Sekundenschlag dachte sie an den Namen, den sie im Herzen trug und Hoffnung brach es ihr direkt entzwei. Er war nicht hier. Er hätte das nicht zugelassen. Der Schmerzensschrei des Mannes kreischte durch ihre Ohren als sie die Hitze hinter sich wahrnahm und der Geruch von verbranntem Fleisch beißend in ihre Nase stieg. Die Hitze und der Schrei verklangen und bloß eine Sekundenschlag lang hielt der Vermummte sie noch an der Schulter fest, dann zuckte der grobe Griff zurück. Für einen kurzen Moment hielt die Mätresse sich noch auf den Beinen. Auf den weichen Zügen lag ein verstörender Ausdruck ängstlicher Leere. Die blauen Augen, obsessiv und anhänglich wie sie waren, hatten sich nicht von Prinz Ishar gelöst, dessen Armseligkeit sich in ihren Blick brannte wie ein Stempel aus heißem Eisen Haut und Fleisch brandmarken konnte. Ein wankender Schritt, dann brach Kalypso zusammen.
Sie bekam nicht mit, dass der Attentäter flüchtete. Nur, dass zwei Wachen mit einem Mal an ihrer Seite waren und ihre Verletzung notdürftig versorgten. Die Hand der einen Wache umfasste Kalypsos Kiefer. Genau einschätzen konnte sie nicht, ob der Griff federleicht oder fest war. Nur undeutlich und verschwommen konnte sie die Züge des Mannes erkennen, der sich den Helm vom Kopf gezogen hatte und nun mit leiser, eindringlicher Stimme auf sie einredete. Was sagte er da? Das sonst so klare, aufmerksame Blau ihrer Augen blickte trüb und wässrig. Es fiel ihr ausgesprochen schwer sich auf die Laute zu konzentrieren, die seine Stimme da von sich gab und diese Laute zu Worten zusammenzusetzen. Das Gesicht der Mätresse war kreidebleich und ihre Lippen hätten jede Farbe verloren, wenn sie sich nicht mit einem gedrungenen Hüsteln Blut übers eigene Gesicht spucken würde. Jemand drückte mit den dicken Stoffen ihrer Kleider auf die Wunde unterhalb ihrer Brust, vermutlich um das Blut zu stoppen. Ihre Augen weiteten sich wegen der plötzlichen Intensivierung des Schmerzens, der vom Druck ausgelöst wurde und ein dumpfes, gequältes Stöhnen verließ ihre Lippen. Vorhin hatte sie sich noch bemüht den Blick zu fokussieren, aber jetzt vielen die Lider schwerfällig hinab und die Spannung wich aus jedem ihrer Muskel. Zurück blieben ein eisiges Gefühl der Leere und ein Schmerz, den sie gar nicht so richtig begreifen konnte. Eine schwere Taubheit zog sich durch ihre Glieder und ein unendliches Gefühl der Schwäche machte sich in ihrem Körper breit. Sie wollte die Augen schließen und dem verführerischen Sog nachgeben, der sie lockend in Schlaf und Finsternis ziehen wollte. Die Hand um ihren Kiefer fasste fester zu und die Finger, die sich an ihre Wange drückten, begannen sacht ihren Kopf zu schütteln. Ihre Lider flatterten und sie konnte aus den eindringlich gesprochenen Worten an sie die Forderung herausfiltern, dass sie wach bleiben sollte. Wozu?, wollte die Mätresse fragen, der es in diesem Moment außerordentlich schwer fiel einen logischen Gedanken zu fassen. Sie wollte die Hand heben und die Hand fortschieben, die sie so unangenehm im Gesicht festhielt. Aber stattdessen ließ sie regungslos, dass sich Arme behutsam unter ihren Körper schoben und sie langsam hochhoben. Irgendjemand wurde angewiesen vorauszureiten und einen Heiler zu holen. Es wurde ein bestimmter Name genannt, den sie schon einmal gehört hatte, aber sie wusste nicht mehr welches Gesicht zu ihm gehörte. Müde ließ sie den Blick wandern. Das Atmen fiel ihr schwer und war begleitet von einem hässlichen, röchelnden Klang. Sie die Äste des Phönixbaums, die für diese Jahreszeit ungewöhnlich kahl waren. Die blutroten Blätter wirbelten in dem sanften Wind. Es war ein wunderschöner Anblick. Die Rüstung der Wache machte mit jedem Schritt Lärm und um sie herum waren Stimmen, die sie nicht wirklich wahrnahm. Abwesend hing ihr Blick an den kreisenden Blättern, die für sie durch die Luft wirbelten, um irgendwann in den See zu fallen. Sie wollte nicht fort von hier. Aber sie wollte, dass der Schmerz endete. herkunft Capital City
stand Adel
alter 28 Jahre
gender Weiblich
bändigung Luft
beruf Mätresse
größe 1,58
erscheinung
Kalypso ist schön. Sie ist auf eine Art schön, die Menschen dazu bringt sie anders zu behandeln, als würde sie allein durch ihr Äußeres ein besserer Mensch sein. Das honigblonde Haar fällt in dicken Locken über ihren Rücken und ihre Augen sind von einem klaren, himmlischen Blau. Wenn ihr Gesicht ruhig schlummert, hat es fast einen melancholischen Zauber, der gebrochen wird sobald sich die sinnlichen Lippen zu einem Lächeln strecken. Ihre Haut hat eine vornehme Blässe und ihre zierliche, weiche Figur lässt schnell erahnen, dass sie noch nie große körperliche Arbeit leisten musste. Sie ist nicht größer als 158cm und mit ihrem Auftreten ist sie zwar eitel und oft extravagant, aber würde eigentlich nicht sonderlich aus Masse hervorstechen. Unter den zahllosen Schönheiten am Hof mag sie nur eine von vielen sein, keine besondere – trotzdem hat Kalypso das Talent, völlig gleich wo sie steht, zum Mittelpunkt des Raumes zu werden. Wie ein Feuer in kalter Nacht, dem man sich nicht nähert weil es so schön brennt, sondern weil es Wärme schenkt. Fast eine absurde Vorstellung, wenn man den Kern von Kalypsos Wesen erfasst hat, aber ihre Ausstrahlung ist von nichts anderem gezeichnet als spielerischer Herzlichkeit. Wie eine Umarmung und ein Lächeln, wie von Sonnenlicht geküsst zu sein.
Es gibt nur seltene Augenblicke, in denen Kalypso ihr Auftreten nicht unter Kontrolle hat. Etwas, das nicht unbedingt auffällt, denn die Art wie sich präsentiert, passt oft so gar nicht zu den höflichen, kühlen Gebräuchen am Hof. Sie bringt ein anderes Temperament und andere Launen mit, die ausgelassen und wild wirken können. Trotzdem ist Kalypso sich ihrer Stellung sehr bewusst und kann sich, wenn ihr Gegenüber und seine Stellung das fordert ernst und nachdenklich zeigen. Eine dressierte Kunstfigur, wenn man so will, unter deren vornehmer Kleidung blasse Narben am Rücken von ihrer Geschichte erzählen.
gespielt von jui
(sie/ihr) |
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