Are we dancing after death?
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forget-me-not
13.07.2021, 02:16
Seinen Zustand als nervös zu beschreiben, wäre noch untertrieben gewesen – wobei auch jedes andere Wort dafür nicht zutreffend genug gewesen wäre. Er war nicht einfach nur nervös oder verängstigt, er war so viel mehr als das und vor allem zu viel, als dass er es jemals in Worte fassen können würde. Und wenn doch, wo sollte er dann anfangen? Bei der sich zuspitzenden Lage, zwischen der Feuernation und dem Erdkönigreich, welche unweigerlich Einfluss auf die Stimmung innerhalb von Ba Sing Se hatte? Den Stadtwachen, welche ihn als Luftbändiger enttarnt hatten und sicherlich nur darauf warteten, dass er ihnen wieder über den Weg lief? Oder doch lieber bei den Geistern, welche an ihm zu zerren und zu reißen versuchten, als wäre er nicht mehr als eine zu ihrem Vergnügen geschaffene Marionette? Es gab so viele Dinge, welche durch den Kopf des blassen Luftbändigers schwebten und doch schien ihm die Welt erst jetzt, wo Cuchulainn ihn für eine Reise mit seinem Schüler verlassen hatte, gänzlich auf den Kopf zu fallen. Dabei hatte jener ihn nicht nur einmal gefragt, ob er alleine in dem Kwoon zurechtkommen würde, und noch viel öfter hatte Jhaan dazu angesetzt ihn diesbezüglich zu beschwichtigen. Zu diesem Zeitpunkt war Jhaan aber auch wirklich davon ausgegangen, es zu schaffen. Auch wenn die Tage nicht leichter wurden, glaubte er doch damit zurecht zu kommen – sowohl mit seiner Gefühlswelt, als auch seinem gesundheitlichen Zustand, der wie eh und je zu schwanken schien. Er redete sich ein, zurecht zu kommen. Scheiterte wie so oft daran, um Hilfe zu bitten, weil er schon längst nicht mehr daran glaubte, dass es dort etwas gab, was ihm wirklich helfen konnte. Nur um sich am Ende des Tages; spätestens, wenn die Geister sich in der Dunkelheit wieder nach ihm zehrten, selbst dafür zu verfluchen.
Keine einzige Nacht war seit dem Aufbrechen von Cuchulainn und Ezekiel vergangen und Jhaan könnte nicht weniger glauben, dass all die Sicherheit und Geborgenheit, welche er in dem Kwoon und Ba Sing Se gefunden hatte, innerhalb kürzester Zeit um ihn herum zerbrach. War er am Morgen, nach ihrem Abschied, noch voller Energie gewesen und hatte sich um die Pflanzen im Hinterhof des Kwoons gekümmert, in der Hoffnung, dass jener bei Cuchulainns Rückkehr in seiner schönsten Pracht blühen würde, hatte es kaum bis Mittag gedauert, bis das Gefühl von Sicherheit sich allmählich von ihm verabschiedet hatte. Alleine der Gedanke, ohne Streicher auf die offene Straße treten zu müssen, hatte ihm genug Angst eingejagt, um dafür zu sorgen, dass er bis in den späten Nachmittag damit gewartet hatte, dem Markt einen Besuch abzustatten, auch wenn sein Magen zu diesem Zeitpunkt bereits lauter gegrölt hatte, als ein Himmelsbison. Das Abbinden der verräterischen Tätowierungen hatte ihm auch nur wenig Sicherheit wiedergeben können – vielmehr hatte es ihm noch einmal unter die Nase gerieben, wie offensichtlich es war, dass er nicht hierhergehörte und noch viel weniger willkommen sein würde. Und dann waren dort die vielen Menschen gewesen, die ihm noch immer so fürchterlich fremd waren, dass ein etwas grimmiger Blick in seine Richtung genügte, um dafür zu sorgen, dass er noch etwas mehr, als ohnehin schon, in sich zusammensackte. Kein Wunder, dass er es selbst mit Streicher an seiner Seite immer seltener gewagt hatte, den Kwoon zu verlassen. Aber ohne die Wolfshündin und Cuchulainn war auch der Kwoon nicht mehr, als ein paar fremde Wände, zwischen welchen Jhaan verzweifelt nach einem Zuhause suchte. Es geschah wie von selbst, dass Jhaan sich von dem ganzen Trubel der Menschen mitreißen ließ. Viel zu schnell brachte ihr natürlicher Strom ihn von seinem Ziel ab, ließ ihn etwas weiter nördlich gehen, in Richtung des größeren Marktplatzes, wohin es an diesem Tag besonders viele zu treiben schien. Warum, wurde einem spätestens mit einem Blick auf das Podest inmitten des Platzes ersichtlich. Dabei wollte Jhaan gar nicht hinsehen. Spätestens als die Anklage des Mannes zwischen all den anderen Stimmen seine Ohren erreichte, wollte er den Blick abwenden, doch er schaffte es nicht. Aus alter Gewohnheit wollte er die Geister um Vergebung für den Fremden bitten, obwohl er in den Augen der anderen wohl nicht mehr als ein dreckiger Spion war, welcher es verdient hatte, an den Pranger gestellt zu werden – aber auch dies schaffte Jhaan nicht und so starrten seine blässlich-braunen Augen viel zu lange hinauf zu dem Fremden, ehe es eine ihn überkommende Übelkeit war, welche ihn in die Knie zwang. Jhaan wusste nicht, wann oder wie er es zurück in den Kwoon geschafft hatte, noch, was er in all den Stunden, die zwischen dem Nachmittag und der mittlerweile längst angebrochenen Nacht, getan hatte. Irgendwann war es Rui gewesen, welcher ihn aus seiner Starre gerissen hatte, indem er ihm mit seinen winzigen Lemurenhänden eine Mondpfirsich vor die Lippen gedrückt hatte, als könnte er schon wieder spüren, dass Jhaan etwas Essen musste. Dennoch hatte es eine schiere Ewigkeit gedauert, bis Rui ihn davon hatte überzeugen können, endlich zumindest einen Bissen von der Mondpfirsich zu nehmen, aber als er noch ein zweites Mal von der Frucht abbeißen wollte, waren es die gedämpften Geräusche aus dem Hinterhof, welche Jhaan innehalten ließen. Für einen Moment rührte er sich kein Stück. Versuchte im Stillen auszumachen, ob ihm nun bereits in der ersten Nacht ein paar Diebe einen Besuch abstatteten oder es sich doch nur um die Hirngespenster in seinem Kopf handelte, welche wieder für Radau sorgten. Spitzte die Ohren und lauschte, ehe es die überaus naive Hoffnung darauf, dass Cuchulainn und Streicher vielleicht schon wieder zurück waren, war, welche ihn dazu animierten, sich (wenn auch etwas schwerfällig) aufzurichten. Dass er noch immer die Binden, welche seine Tätowierungen verdeckten, trug und lediglich den weiten Hut von Cuchulainn abgesetzt hatte, fiel ihm dabei erst auf, war aber vermutlich auch gar nicht so schlecht, wenn man bedachte, dass er keinen Schimmer hatte, wer oder was dort im Garten auf ihn wartete. Als würde er sich auf einer hauchzarten Eisschicht bewegen, machte Jhaan vorsichtige Schritte in Richtung der hinteren Tür des Kwoons und schob jene zunächst nur einen Zentimeter breit auf, als könnte er durch jenen Spalt überhaupt irgendetwas in dem beinahe stockdüsteren Garten erkennen. „Cuchulainn? Streicher?“, folgte es dann in die Nacht geflüstert, ehe er die Tür weiter aufschob. Gerade genug, um sich durch sie hindurch nach draußen zu schieben, wo ihm der kühle Nachtwind übers Gesicht strich und unweigerlich einen Schauer durch den Körper jagte. Zwei winzige Schritte, dann blieb er wieder stehen und suchte im faden Licht des Mondes nach der Gestalt, welche so viel Lärm gemacht hatte. War sich unsicher, ob er sich wünschte, dass sie echt war, oder nicht doch lieber nur eine Einbildung, ehe sein Blick auf eines der noch am wenigsten bewachsenen Beete fiel. Oder vielmehr die Person, welche sich es zwischen der Erde und den nun etwas zerquetschten Keimlingen gemütlich gemacht hatte. Ein erschrockenes Zusammenzucken, welches ihn aber auch erst richtig zurück ins Hier und Jetzt riss, durchzog Jhaans Körper und dann… war er sich nicht sicher, ob Khivis Anblick ihn erfreute oder nicht doch eher noch mehr beunruhigte. Trink mit mir, is ein Tag zum Feiern. […] Komm schon, Geister müssen auch trinken. „Ich bin kein Geist“, widersprach Jhaan ihm mit viel zu schwacher Stimme, auch wenn selbst für ihn allmählich offensichtlich war, dass er äußerlich immer mehr mit einem Geist Konkurrenz machte. Nicht, dass er dies in irgendeiner Art und Weise wollte… Oder..? Wenn er so darüber nachdachte, klang es gar nicht mal so schlecht, aus dieser Welt zu flüchten. Nur ob die Geisterwelt wirklich der Ort war, an dem er fand, was ihm fehlte, war fraglich. Erst recht jetzt, wo er immer mehr den Glauben an die Geister und ihre Gutmütigkeit zu verlieren schien. Du bist hier, weil ich es so will, schossen ihm noch einmal die Worte des Kerls durch den Kopf, der gerade betrunken seine Blumen zerquetschte, und auch, wenn er die Tonflasche des anderen nicht entgegen und noch viel weniger einen Schluck von jener nahm, ließ Jhaan sich im nächsten Moment auch schon am Rande des Beetes nieder und legte sich wie selbstverständlich neben ihn ins Gras. Starrte hinauf zu den Sternen. Und konnte sich fast schon einbilden, sie wären wieder Vierzehn und Zuhause im nördlichen Lufttempel. Nur, dass es hier kein Gefühl von Geborgenheit gab. Nicht einmal mehr im Entferntesten. Ob das Grund zum Feiern war? „Hast du es auch gesehen?“ herkunft Ba Sing Se
stand Standlos
alter 27 Jahre
gender Männlich
bändigung Luft
beruf Sänger
größe 1,77
erscheinung
Meistens gehüllt in einen weitläufigen Umhang, erkennt man zunächst nicht besonders viel von Jhaan, denn selbst sein Gesicht wird zu einem Großteil von der hellen Kapuze verdeckt, um allem voran seine Luftbändiger-Tätowierungen zu verstecken, auch wenn seine Haare ihm mittlerweile ein Stück über die Stirn gehen. Erhascht man dann aber doch mal einen Blick auf die Gestalt von 1,77m, welche sich darunter verbirgt, fällt einem zunächst wohl am meisten auf, wie kränklich der junge Mann doch wirkt. Nicht nur das dezent eingefallene Gesicht wird von einer besorgniserregenden Blässe und dunklen Schatten unter den so müde wirkenden Augen geziert, sein ganzer Körper wirkt mit dem schmächtigen Aufbau fast schon so, als würde er unter der nächsten Krafteinwirkung einfach zerbrechen.
Abgesehen von dem oftmals eher kränklich wirkenden Erscheinungsbild macht Jhaan aber allem voran einen sanften Eindruck. Gerade das Gesicht mit den weichen Zügen wirkt oftmals auf Anhieb sympathisch auf einen und spätestens, wenn die schmalen Lippen sich zu einem Lächeln verziehen, kommt man gar nicht drum herum, es zu erwidern oder sich zumindest von dessen seltsam beruhigender Ausstrahlung anstecken zu lassen. Dabei hatte es fast schon etwas Ironisches an sich, wie beruhigend er auf andere wirken konnte, wenn in seinem Inneren doch nichts als Chaos herrschte.
gespielt von Alex
(sie/ihre) |
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