Are we dancing after death?
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girlbossing 2 close 2 the sun
14.07.2021, 12:28
Zwischen all den brodelnden Kesseln in Ba Sing Se, war es leicht gewesen, zu verdrängen, wie es um Jhaan stand. Leicht zu verdrängen, und doch nicht zu vergessen; nicht einmal das Chaos konnte vollkommen ausmerzen, in welcher Gefahr sich der Luftbändiger befand, und welche Geister in ihm spukten. Und doch fragte sich Ikharus, was die Geister schon bedeuteten, wenn die sehr viel imminentere Gefahr, aufgeknüpft, geköpft oder gevierteilt zu werden, wie ein Damoklesschwert über einem schwebte. Es half nicht mit der Angst, die er am Tage gut unter Kontrolle hatte, ihn jedoch bei Nacht einholte. Dann fühlte er sich plötzlich jeglicher Kontrolle beraubt, selbst jeglicher Illusion von Kontrolle, die er sich sonst machte. Und der heutige Tag war besonders einschneidend gewesen; wobei man zugeben musste, dass er das mittlerweile beinahe jeden Tag behauptete.
Doch dieser Tag insbesondere ... war so lang gewesen, dass er sich nicht einmal mehr an den Morgen erinnerte. Er bemühte sich aber auch nicht darum, die einzelnen, grob auseinander gerissenen Stücke des Tages ordentlich zusammenzufügen, auch wenn er das vermutlich tun sollte. Sei es auch nur, um vor der Himitsu seine Hände in plausibler Unschuld waschen zu können. Aber dafür war es noch zu früh, noch konnte er sich darauf nicht konzentrieren, weil er den Weg gewählt hatte, sich erst einmal das Hirn aus dem Schädel zu trinken. Die Erinnerung damit zu verunreinigen, als wenn er die vom aufgeriebenen Pöbel in Windeseile hochgezogene Hinrichtung jemals würde vergessen können. Der Mann, den sie schamlos aufgeknüpft hatten, war schuldig gewesen, sofern Feuerbändiger und Spitzel zu sein bereits für einen Schuldspruch ausreichte (was es tat; seien wir ehrlich: in der Feuernation waren schon Menschen für weniger zum Tode verurteilt worden), Ikharus wusste das. Wusste es mit ebensolcher Gewissheit, wie er wusste, dass auch er schuldig war. Dass er dort oben hätte stehen sollen. Wer würde bei alledem nicht versuchen, sich bewusstlos zu trinken, hm? Er wollte vergessen, und das für mehr als nur für eine Nacht. Wollte vergessen, wie brutal die Willkür zuschlagen konnte, wollte seine Teilnahme am Ganzen vergessen, ebenso wie den Anblick von Yotas unschädlich gemachten Händen, von seinem gestreckten, in einem unnatürlichen Winkel gebogenen Hals und dem blutunterlaufenen Gesicht, das dunkel wie eine schmerzhafte Blessur oder wie eine zerquetschte Pflaume ausgesehen hatte. Er wollte die Augen vergessen, die wie Kerne aus seinem Fleisch gequpollen waren ... Ikharus hatte schon viele Menschen leiden und noch mehr sterben sehen, aber eine Erhängung hatte etwas ekelerregend Brutales an sich, etwas unerträglich Menschliches, das Bändiger als auch Nichtbändiger einander gleichmachte. Es spielte keine Rolle, welches Element Yota gehorcht hatte, denn als Sündenbock hatte ihm dies am Ende auch nichts mehr geholfen und selbst wenn er ein Nichtbändiger gewesen wäre, hätte dies seinen Tod weder verzögert noch aufgehalten. Das Schlimmste, das Ikharus sich nicht in Erinnerung rufen wollte, war jedoch, dass er Yota hätte retten können. Aber weder hatte die Himitsu dazu den Auftrag gegeben, noch hatte er in dem Moment sein Leben aufs Spiel setzen wollen. Fast so, als hinge er doch an seinem Leben, sei es auch nur ein klitzekleines bisschen oder eben im Angesicht eines aufgepeitschten Pöbels, für dessen erhitzte Gemüter er ebenfalls ein kleeeines bisschen Verantwortung trug. Nur ein kleines bisschen. Nicht genug, als dass sowohl Erd- als auch Feuernation ihn als Intrigenspinner verurteilen würde, oder? Diese Gedanken kreisten durch seinen Kopf; kreisten durch die Sterne wie Geier, die auf seinen Leib hinabschielten und hofften, einfach nur hofften. Die Erde unter seinem Körper war warm, wie von einem Puls am Leben erhalten, während der Himmel trocken und wie aufgeladen war: eine elektrisierte Spannung lag in der Luft, die sich auch nicht davon vertreiben ließ, dass sich Jhaans verschwommene Gestalt vor seine Augen schob. Ich bin kein Geist, widersprach er ihm, woraufhin Ikharus schwer die spannungsgeladene Luft in seine Lunge sog. "Dann benimm dich doch nich wie einer", nuschelte er mit schwerer Zunge, bevor die Worte trockener und trockener auf seiner Zunge wurden. "... dann sieh mich nicht an, als wären wir beide schon tot." Natürlich hatte er ihn erkannt, hatte ihn nicht wirklich für einen Geist gehalten, auch wenn er sich noch immer nicht daran gewöhnt hatte, Jhaan mit abgebundenen Tätowierungen zu sehen. Die Verbände waren ein Schutz, auf den der Luftbändiger nicht verzichten konnte oder gar durfte, und doch verschob sich durch sie sein Aussehen, veränderte sein Gesicht: er wirkte wie jemand, der um sein Leben kämpfte. Und Jhaan mochte vieles sein, aber das war er nicht. Er war kein Kämpfer, war es noch nie gewesen. Somit waren die Verbände auch nichts als eine Farce, sie boten Schutz, von dem Ikharus längst wusste, dass Jhaan ihn nicht mehr wirklich haben wollte, oder? Er sehnte sich noch immer nach seinem Zuhause, sehnte sich nach Freiheit - aber die gab es für ihn im Leben doch gar nicht. Ikharus ließ den ausgestreckten Arm mit der Tonflasche in der Hand wieder auf seine Brust sinken, sobald klar wurde, dass Jhaan natürlich nicht seiner Aufforderung nachkommen und mit ihm trinken würde. Stattdessen legte sich der Luftbändiger neben ihm ebenfalls auf den Rücken und starrte hinauf zu den Sternen, während Ikharus den Kopf drehte und wiederum Jhaan betrachtete. Sah, wie seine Haut denselben Matten nicht-Glanz besaß, wie der Mond. Hast du es auch gesehen? "Natürlich", antwortete Ikharus tonlos. "Das hätte ich sein können ... kannst du's dir ausmalen?" Für den Bruchteil einer Sekunde erlaubte er die trockenen Worte durch die darauffolgende Stille knistern zu lassen, bevor der Himitsu seinen Oberkörper mit den Ellenbogen im Rücken abstützte und sich leicht aufrichtete und fragte: "Was ist mit dir? Hast du weggeschaut? Du hast weggeschaut, nicht wahr?" Es machte ihm scheinbar nichts aus, sich in diesem Augenblick über Jhaan lustig zu machen, auch wenn sein Lachen bitter und hohl klang, als wäre es verzweifelt auf der Suche nach einer unbeweglichen Macht, die es würde aufhalten können. Oder auf der Suche nach dem eigenen Echo. "Weißt du, ich hab schon schlimmeres gesehen", gestand er nun, und für einen grässlichen Augenblick schoss die Erinnerung an den Blutadler durch seinen Kopf, dessen Umsetzung er ein einziges Mal beigewohnt hatte. Einmal und nie wieder. Ein schmerzhaftes Zucken ging durch Ikharus' Körper, und ruckartig ließ er sich zurück auf den Rücken fallen, schob einen Arm über seine Augen, als könnte der Druck auf den geschlossenen Lidern die Erinnerung auslöschen. "Die Hinrichtung war ja noch harmlos dagegen. Hm, vielleicht bitte ich auch um den Strick, wenn es soweit ist. Und dann ... dann solltest du hinsehen, du solltest ganz genau hinschauen, Jhaan. Wenn du wegschaust, bist du kein Mann, würde mein Vater sagen. Bisschen hohl, aber wahr ..." Er lachte wieder, diesmal klang es irritierend amüsiert, dann schüttelte er mit dem Kopf und ließ seinen Arm wieder von seinem Gesicht an seine Seite sacken, wo seine Schulter viel sanfter, als seine Worte zuvor, die des Luftbändigers streifte. herkunft Ba Sing Se
stand Mittelschicht
alter 27 Jahre
gender Männlich
bändigung Feuer
beruf Agent
größe 1,78
erscheinung
Ikharus’ Äußeres wirkt auf seine Mitmenschen ebenso anziehend wie sein Inneres abstoßend; im Zusammenspiel formen seine provokante Natur, die scharfkantigen Züge seines Gesichts und der athletische Körper einen in sich verstrickten Mann, der ebenso oft auf Zuspruch wie auf Ablehnung stößt — je nachdem, wie dick das Fell seiner Mitmenschen tatsächlich ist (oder wie oberflächlich sie sind). Es lässt sich durchaus behaupten, dass der Feuerbändiger schön ist mit seinen hübschen mokkafarbene Augen, die dunkel wie ein schlammiges Moor mit besorgniserregender Tiefe sein können, oder aber hell wie mit Milch versetzter Schwarztee, glimmende Herausforderung im Blick.
Von seinen geschwungenen Lippen perlt so selten ein ehrliches Wort, dass man meinen könnte, sie sollten von Natur aus dunkel und böse aussehen — doch das tun sie nicht. Viel zu gern verziehen sie sich zu einem (zugegebenermaßen manchmal bissigen) Lächeln, das doch immer ein wenig verschmitzt aussieht, während ein wahres Lächeln, das seine Grübchen zum Vorschein und seine Augenfältchen zum Ausfächern bringen würde, es selten bis nie auf sein Gesicht schafft. Dafür zügelt er sich selbst zu sehr, ist zu verstrickt in alles Negative, das sich auch in seinen oft vor der Brust verschränkten Armen und dem energischen, ungeduldigen Gang widerspiegelt. Er ist ein Mann fahriger Natur, jegliche Lässigkeit ist erzwungen, vielmehr wirkt er verspannt, wie als würde er sich ständig gegen etwas stemmen, während er, entgegen jeglichen Sehnens nach Sanftheit, grob durch die Weltgeschichte marschiert. Wenn er frustriert ist, reibt er sich exzessiv den Nacken oder rauft sich die Haare, bis die (momentan) mittellangen Strähnen konfus von seinem Kopf abstehen. Den einstigen Dutt aus langem, seidig schwarzem Haar hat er als Himitsu zugunsten der Tarnung aufgegeben — ebenso wie er sich nicht länger in die typische Uniform des Militärs der Feuernation kleidet, sondern sich je nach Aufenthaltsort anpasst. Unter seiner Kleidung verbirgt der 1,78m hohe Feuerbändiger eine Brandnarbe am Sternum, die sein Halbbruder Aeneas ihm im Laufe einer Trainingseinheit zugefügt hat — kleinere wie größere Narben haben sich über die Kriegsjahre hinweg dazugesellt, jedoch nichts Langwieriges. Selbst davon, beim versehentlichen Feuerbändigen im nördlichen Lufttempel beinahe von Jhaans Himmelsbison zerquetscht worden zu sein, hat er sich erstaunlich gut erholt — er hat von der Gehirnerschütterung nur seelische Narben (aufgrund der Demütigung) davongetragen.
gespielt von Chulia
(Name als Pronomen) |
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