Are we dancing after death?
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forget-me-not
14.07.2021, 20:25
Er wirkte wie jemand, der um sein Leben kämpfte, aber das tat er nicht. Nicht mehr und vielleicht hatte er es auch niemals getan. Zumindest nicht, seit er sich bewusst geworden war, wie hoffnungslos es um seine Gesundheit stand, aber auch zuvor war er kein Kämpfer gewesen. Erst recht nicht, nachdem Khivi den nördlichen Lufttempel verlassen und Jhaan verzweifelt nach einem Sinn für seine Existenz gesucht hatte, als wäre jene vollkommen bedeutungslos ohne den älteren Feuerbändiger. Er hatte nicht gewusst, wohin mit sich selbst, und wenn man bedachte, dass er kaum älter als vierzehn Jahre gewesen war, war dies im Grunde auch vollkommen in Ordnung gewesen, doch auch in den Jahren danach hatte Jhaan sich schwer damit getan, seinem Leben eine ernsthafte Bedeutung zu geben und etwas zu finden, wofür es sich zu kämpfen lohnte. Da war die Welt der Geister gewesen, aber jene hatte ihn eher noch tiefer in sein Verderben gestoßen, als ohnehin schon und jetzt… jetzt hatte er wieder nichts. Konnte sich nicht einmal an die Geister klammern, welche er so lange verehrt hatte, nur um letztendlich einsehen zu müssen, dass jene genauso grausam waren, wie die meisten Menschen. Wofür verdeckte er die Tätowierungen auf seiner Haut? Wofür tat er nicht einfach das, wonach er sich scheinbar so sehr sehnte, und gab sein Leben gänzlich auf? Wenn es nicht für ihn war, konnte man dann überhaupt behaupten, er täte es für andere; für Cuchulainn und vielleicht sogar für Khivi, wenn er doch im Grunde nicht mehr tat, als nötig, um sie nicht in Schwierigkeiten zu bringen? Am Ende war es doch vermutlich nicht mehr, als seine Angst vor dem Tod, welche ihn vor dem bewahrte, was früher oder später ohnehin eintreten würde. Es war nur eine Frage der Zeit – die Zeit, welche sich in Ba Sing Se immer schneller zu nähern schien -, bis er auffliegen und nicht nur sich selbst, sondern auch all jene, für welche er in seiner Feigheit behauptet hätte, das hier überhaupt zu tun, mit in den Abgrund reißen würde. Und das machte es nicht besser. Eher im Gegenteil. Aber Jhaan hatte noch nie den Mut besessen, um auch nur für sich selbst einzustehen. Dass er nun nicht einmal mehr davor zurückschreckte, Außenstehende mit in seine Misere zu reißen, zeigte nur, wie egoistisch der ach so sanfte Luftbändiger mittlerweile geworden war. Ja, vielleicht hatte er es sogar mehr, als der hingerichtete Himitsu-Agent verdient, inmitten des Marktplatzes an den Pranger gestellt zu werden. Wegen Leuten wie ihm hatten sie dieses ganze Dilemma mit dem drohenden Krieg doch überhaupt erst, oder nicht..?
Jhaan wollte kein Geist sein, aber er wollte auch nicht länger in dieser Welt verweilen. Er wollte nicht leben, aber er wollte auch nicht sterben, doch das Einzige, was ihm dazwischen blieb, war sich gedanklich in eine andere Welt zu flüchten. Somit war es keine Seltenheit, dass der Luftbändiger scheinbar stundenlang Löcher in die Luft starrte, weil alles unerträglich schien, bis auf seine Träume. Er meditierte nicht, so wie er es früher getan hatte, und wirklich zu schlafen schien er auch nicht. Aber anwesend war sein Geist auch nicht. Stattdessen schwebte er durch seine ganz eigenen Welten und flüchtete vor jedem noch so sanften Hauch der Realität. Nur heute nicht. Heute konnte er noch so lange versuchen, seinen Geist von all den tatsächlichen Welten abzukapseln, es funktionierte nicht. Immer wieder drängten sich die geschundenen Bilder des Feuerbändigers vor seine Augen. Ließen Übelkeit in ihm emporsteigen, aber vor allem war dort eine Frage, welche er sich immer und immer wieder stellte: was, wenn es Khivi gewesen wäre? Was hätte er gemacht, wenn es der Mann, den er liebte; der ihm eine Berechtigung zum Existieren gab, gewesen wäre? Vermutlich nichts. … dann sieh mich nicht an, als wären wir beide schon tot. Jhaan erwiderte nichts. Keine Entschuldigung. Keine Rechtfertigung darüber, dass sie doch beide im Grunde schon so gut wie tot waren, wenn man die politische Lage betrachtete. Er legte sich einfach nur im Stillen neben Khivi ins Gras und wünschte sich, er könnte für immer dort so liegen bleiben. Mit dem Blick in die Sterne und einer betäubenden Leere im Kopf, doch vor allem letzteres schien ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Bevor er sich selbst daran hindern konnte, verließ die Frage, ob Khivi das gleiche wie er gesehen hatte, auch schon seine Lippen. Das hätte ich sein können… Kannst du’s dir ausmalen? „Ja.“ Tat er schließlich schon längst. Das Gesicht des fremden Feuerbändigers war wie von selbst mit dem von Khivi ersetzt worden und umso intensiver verfolgten Jhaan die Bilder dessen. „Ich hab nicht weggeschaut“, widersprach Jhaan Khivi, klang jedoch immer kläglicher. Aber es war ja die Wahrheit. Er hatte wirklich nicht weggeschaut. Zumindest nicht bis zu dem Moment, in welchem er gar keine andere Wahl gehabt hatte, als den Blick abzuwenden, weil sein Magen sich gegen ihn gestellt hatte. Ein Wunder eigentlich, dass er überhaupt mehr als ein trockenes Würgen über die Lippen gebracht hatte, wenn man bedachte, wie wenig er selbst vor Cuchulainns Abreise herunterbekommen hatte… Khivis seltsam hohles Lachen genügte aber auch, damit der Luftbändiger noch etwas blasser um die Nase herum wurde. Wenn das so weiter ging, würde er sich tatsächlich noch in Luft auflösen, aber leider war die Unsichtbarkeit noch weit entfernt und wurde auch von Khivis Worten nicht schneller herbeigeführt. Stattdessen wurde Jhaan allmählich erneut übel, aber er traute sich auch nicht, die Augen zu schließen, in der Hoffnung, dass es ihm dann besser gehen würde. Lieber richtete er seine Konzentration auf die unterschiedlichen Formationen der Sterne, als würde er irgendetwas von Astronomie verstehen und damit nicht einfach nur versuchen, die Vorstellung von einem hängenden Khivi aus dem Kopf zu bekommen. „Meinst du, es gibt einen Ort, an dem wir leben können?“, stellte er die Frage in den Raum, als wäre es nicht vollkommen naiv, zu glauben, dass sie beide überleben würden. Dass er selbst überleben und nicht irgendwann seine Gesundheit ihm einen Strich durch die Rechnung machen würde. „In meinen Träumen gibt es diesen“, faselte er weiter vor sich hin, ehe er sich zu Khivi drehte. Ihm in das noch unversehrte Gesicht blickte, nur um dann doch die mondblassen Finger auszustrecken und vorsichtig über die Stirn und hinab zu den Wangen des anderen strich, als müsste er sich damit versichern, dass er wirklich wohl auf war. „Aber nicht hier. Nicht in dieser Welt und erst recht nicht in der, der Geister.“ Die Hand senkte sich. Fiel zwischen ihnen in den Rasen. „Zumindest nicht für mich.“ Aber Khivi? Er stand offiziell auf der Seite der größeren Macht. Er hatte eine Chance zu überleben. Nicht unbedingt in Ba Sing Se, aber mit Sicherheit in der Feuernation. „Warum bist du noch hier, wenn diese Stadt deinen Tod bedeutet?“ herkunft Ba Sing Se
stand Standlos
alter 27 Jahre
gender Männlich
bändigung Luft
beruf Sänger
größe 1,77
erscheinung
Meistens gehüllt in einen weitläufigen Umhang, erkennt man zunächst nicht besonders viel von Jhaan, denn selbst sein Gesicht wird zu einem Großteil von der hellen Kapuze verdeckt, um allem voran seine Luftbändiger-Tätowierungen zu verstecken, auch wenn seine Haare ihm mittlerweile ein Stück über die Stirn gehen. Erhascht man dann aber doch mal einen Blick auf die Gestalt von 1,77m, welche sich darunter verbirgt, fällt einem zunächst wohl am meisten auf, wie kränklich der junge Mann doch wirkt. Nicht nur das dezent eingefallene Gesicht wird von einer besorgniserregenden Blässe und dunklen Schatten unter den so müde wirkenden Augen geziert, sein ganzer Körper wirkt mit dem schmächtigen Aufbau fast schon so, als würde er unter der nächsten Krafteinwirkung einfach zerbrechen.
Abgesehen von dem oftmals eher kränklich wirkenden Erscheinungsbild macht Jhaan aber allem voran einen sanften Eindruck. Gerade das Gesicht mit den weichen Zügen wirkt oftmals auf Anhieb sympathisch auf einen und spätestens, wenn die schmalen Lippen sich zu einem Lächeln verziehen, kommt man gar nicht drum herum, es zu erwidern oder sich zumindest von dessen seltsam beruhigender Ausstrahlung anstecken zu lassen. Dabei hatte es fast schon etwas Ironisches an sich, wie beruhigend er auf andere wirken konnte, wenn in seinem Inneren doch nichts als Chaos herrschte.
gespielt von Alex
(sie/ihre) |
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