in the shadow of the moon
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melancholic pain in the ass
18.08.2021, 16:12
In seinen Träumen einer besseren, gerechteren Welt begann eine Verantwortung, der sich Rune bis heute nicht lossagen konnte. Er hatte unter Philosophen der ganzen Welt gelernt. Mönche aus den Lufttempeln, Gelehrte des Erdkönigreichs und der Feuernation und von Nomaden der Wasserregionen. Menschen mit kritischen Gedanken und Stimmen, die ihm in seiner Erziehung innerhalb von Capital City nicht begegnet waren. Es schien ihm so als hätte über die Jahre seines Studiums das Sehen neu gelernt. Und nun konnte er seine Augen nicht länger verschließen. Selbst wenn er sich danach gesehnt hätte aufzugeben und sich geschlagen zu geben, so wie er in aller Öffentlichkeit den Anschein machte, dann hätte dies den Blitzbändiger in unendliche Depression und Verbitterung gestürzt. Schlimmer noch als seine Tiefs gegenwärtig waren. Jeder konnte ihm die Ohnmacht ansehen. In den Schatten unter seinen Augen, dem spöttischen Zug um seine Lippen und der generellen Erschöpfung, die er wie einen bitteren Schatten überall mithin trug. Er sah aus wie ein gebrochener Mann, der seine letzten Kräfte zusammensammelte, um sich mit dem eigenen Schicksal zufrieden zu geben. Aber in Wahrheit fühlte Rune sich nicht gänzlich machtlos. In Wahrheit barg Rune eines der kostbarsten Güter der Welt in seinem Herzen: Hoffnung. Und das politische, brüchige Klima spielte ihm in die Karten. Jahre der Propaganda, die Krieg als einen der ehrbasten Schrecken in die Nation gebracht hatten und die Köpfe seiner Landsleute zu selbstgerechten Nationalisten sozialisiert hatte, verblasste durch den plötzlichen Friedenskurs nicht. Sicher, die Teile der Welt, die unter dem Krieg gelitten hatten, atmeten auf. Sie hatten Zeit endlich zu verarbeiten, welcher Schmerz und welche Verluste, sie über Generation traumatisieren würden. Aber wenn in den Kolonien nach Vergeltung geflüstert wurde und Rune von Informanten vermittelt wurde, dass sich etliche Bürger des Erdkönigreichs von ihrer Regierung verraten fühlten und überall in der flüchtige Luftbändiger um ihr Leben bangten, dann keimte weltweit Rebellion. Und auch in der stolzen Feuernation waren längst nicht alle Menschen blind glücklich mit den Entscheidungen Zosins. Nicht nur diejenigen, die Rune als Gleichgesinnte wahrnahm und sich nach einem neuen System sehnten, reihten sich in den Chor der Frustrierten. Auch diejenigen, die Jahre im Krieg von Eroberung und Herrschaft geträumt hatten, sollten sich plötzlich zufrieden geben, dass ihr geliebter Nationalheld eine Prinzessin aus dem Erdkönigreich geheiratet hatte und er und Zosin damit Frieden brachten. Eine nette Idee. Rune war kein Denker von netten Ideen. Er war ein Denker brillanter Visionen. Er war zu schlau, um glücklich zu sein. Also ruhte er nicht. Auch nicht heute in dieser nebligen, sternlosen Nacht.
Inuri. Eine Frau, die verdammt dazu war im Schatten ihres Bruders zu leben und damit eine Schattenexistenz wie Rune eine geworden war. Natürlich nicht ansatzweise so – schließlich lebte sie doch in der Opulenz ihres Namens, ihres Standes, ihrer Blutlinie. Doch heute hatte er sie gebeten sich mit ihm in den Schatten eines ablegenden Gebiets am Rande von Capital City zu treffen. Einer ihrer Soldaten diente seit etlichen Jahren als Informant zwischen den beiden, die in aller Öffentlichkeit nichts miteinander zu tun hatten. Unter diesem Nichts waren Briefwechsel, Gedankenaustausche, Bündnisse und nicht zuletzt auch eine Form von Vertrauen versteckt. Ein Vertrauen, das vielleicht nur damit zu begründen war, dass ihr Kontakt ihrer beider Leben kosten könnte. Und doch gehörte die royale Frau keiner Fremdheit an. Nicht für Rune. Er war in einen dunklen, zerschlissenen Mantel gehüllt. Die Kapuze hing ihm in die Stirn und verbarg sein Gesicht unter düsteren Schatten. Ein Schal war um seine Schultern gewickelt, damit auch Kinn und Kiefer hinter den dunklen Stoffen verschwand. Die eisblauen Augen beobachteten aufmerksam die Umgebung und als sich eine Silhouette langsam, bedächtig auf ihn zu bewegte, trat er von der Hausmauer fort. Normalerweise hätte er sich durchaus vor der hochwohlgeborenen Frau verneigt – so war er trotz allem Herrschaftshass ein Mann der Etikette. Aber in der verborgenen Dunkelheit, wo die beiden um ihre Zusammenkunft Geheimnisse knüpften, sollte keine Geste etwas über die beiden preisgeben. Als sie nahe genug an ihn herangekommen war, neigte also bloß den Kopf. Ein leichtes Nicken zur Begrüßung. „Schönen Abend“, lächelte er mit weicher, tiefer Stimme. Kaum mehr als ein Wispern. „Irgendwelche Vorkommnisse oder Begegnungen auf Eurem Weg hierher?“ herkunft Capital City
stand Oberschicht
alter 34 Jahre
gender Männlich
bändigung Feuer
beruf Berater
größe 1,81
erscheinung
Wenn Rune den Mund nicht aufmacht, dann könnte man meinen, dass ihn das Gefängnis gänzlich gebrochen hat. Dem kantigen Gesicht mutet eine bittere Melancholie an und sein seltenes Lächeln erscheint immerzu zäh und hoch ironisch. Sein Auftreten unterliegt einem spöttischen Ernst. Jede Geste und jede Mimik zeichnet eine nahezu zwanghafte Gleichgültigkeit. Trotzdem ist ihm sein elitärer Hintergrund anzuerkennen, denn Rune ist die Arroganz eines reichen Pinkels noch immer in den Leib geschrieben. Seine Kleidung ist immerzu hochwertig und ordentlich. Obwohl er ein recht guter Feuerbändiger ist, ist seine Waffe der Wahl die Sprache, weshalb er nie in Rüstung oder dergleichen gekleidet ist. Das schwarze Haar trägt er an den Seiten kürzer, manchmal fällt es ihm in das blasse Gesicht.
Wie jeder in seiner Familie hat Rune blaue Augen. Manchmal blass und trüb wie Nebel, manchmal stechend und kühl wie Eis. Rune ist 181 cm groß und seine Statur weder besonders hager, noch besonders trainiert. An den Armen und Schultern sind seine Muskeln vom Bändigen definiert, sonst wirkt er eher schlaksig. Auf dem Rücken hat er einige schlecht verheilte Brandnarben von seiner Auspeitschung – die einzigen Anzeichen darauf, dass er sein Leben nicht durchgängig mit goldenem Löffel im Mund verbracht. Besonders die eleganten Hände mit den langen Fingern weisen auf sein schreiberisches Talent und seinen Status als Gelehrter hin. Obwohl er nun nicht unbedingt danach aussieht, ist sein Gesicht in der Feuernation noch immer eines, das danach lechzt geschlagen zu werden.
gespielt von jui
(sie/ihr) |
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RE: in the shadow of the moon - von Inuri - 21.08.2021, 13:28
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