Are we dancing after death?
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forget-me-not
29.08.2021, 22:38
Gefasst. Kontrolliert. Beherrscht. Nichts an ihm fühlte sich wirklich so an. Jhaan fühlte sich nicht, als besäße er auch nur noch einen Funken Halt und wenn er doch so wirkte, dann nur, weil er sich allmählich an das Gefühl des endlos wirkenden Falls gewöhnt zu haben schien. Dabei sprach das Zittern seiner Finger beim Aufsammeln der Tonscherben eine ganz andere Sprache, als die Nüchternheit in seiner Stimme, und ließ viel eher deutlich werden, wie unsicher er sich tatsächlich fühlte. Die einzige Fassung, welche er noch besaß, war jene, welche verhinderte, dass er unter diesem Kontrast gänzlich zerfiel und selbst jene befand sich in einem stetigen Auf und Ab und schien nur noch auf den richtigen Moment zu warten, um sich ebenfalls in die grundlose Dunkelheit zu stürzen. Khivis Worte waren dabei wie winzige Windstöße, welche ihn immer wieder anschubsten und weiter an die Kante zu drängen versuchten - auch jetzt. Doch Jhaan klammerte sich an das Aufsammeln der Scherben. Ließ das weil ich das nicht hören will an seinen Ohren vorbeigleiten, als wäre er nun derjenige, der nicht hören wollte und auch auf das hab ich das jemals zuvor gewollt erhielt Khivi in diesem Augenblick nicht mehr als ein “mhh” als Antwort. Hatte Jhaan eben noch nicht davor zurück geschreckt, Khivi mit seinen Worten entgegen zu treten, verfiel er nun wieder in altbekanntes Schweigen, in welchem er auch die kleinsten Überreste der Tonflasche aus der Erde zu pulen versuchte. Irgendwie beruhigte ihn das; hatte ihn schon immer beruhigt. Nicht unbedingt das Aufräumen - eigentlich war er ja noch nicht einmal ein besonders ordentlicher Mensch -, aber eine Aufgabe zu haben, auch wenn sie noch so winzig war. Vielleicht war es aber auch die Gewohnheit, mit welcher er Khivis Chaos stets zu beseitigen versuchte, welche zumindest einen Teil der Wogen in seinem Inneren zu glätten vermochte.
Ich will nicht nach Omashu. Die letzte Scherbe fand ihren Weg zwischen seine blassen Finger. Ich will nicht in den Süden. Die Trümmer waren wieder beisammen. Bildeten ein unlösbares Puzzle und doch setzte der Luftbändiger sich in den Kopf, es zusammensetzen zu wollen. Mit ein wenig Geschick und Zeit… Vielleicht würde er es wieder zu dem zusammenfügen können, was es einst gewesen war, auch wenn die Spuren der Zerstörung ebenso wenig von dem Tongefäß zu verwischen waren, wie von ihm. Khivi ließ sich wieder neben ihn fallen, legte die Arme auf seinen Knien ab, und Jhaan hob endlich den Blick vom Scherbenhaufen, um ihn wieder auf den Feuerbändiger zu richten, der sich alles andere als gefasst gab. Vielmehr tobte er - wenn auch noch in einem begrenzten Rahmen - vor sich her. Vor Wut, Angst, Frust. Jhaan maßte sich selbst nicht an, in dem anderen lesen zu können. Zumindest nicht in diesem Augenblick. Wirkte vielmehr etwas verloren, wie er den Älteren nun anstarrte, bis sein Kopf seine Worte verarbeitet hatte und… trotzdem keine Antwort fand. Wollte er nicht nachhause zurück? Zurück zu den Menschen, zwischen denen er aufgewachsen war; welche ihm Halt gegeben hatten und doch… am Ende des Tages nie auf die gleiche Art und Weise, wie Khivi es getan hatte? “Weiß nicht”, schlich sich seine Antwort so leise über seine Lippen, dass selbst der Wind sie zu übertönen drohte. “Willst du denn?” Zurück nachhause… mit Khivi zusammen würde es sich vielleicht wirklich so anfühlen, als würde er nachhause zurückkehren, doch ohne ihn hatte der nördliche Lufttempel bereits in den vergangenen Jahren nur noch wenig mit einem Zuhause gemeinsam gehabt. Zugleich war es die unendliche Fürsorge seiner Brüder dort gewesen, welche Jhaan überhaupt fortgetrieben hatte. Er hatte es einfach nicht mehr ertragen; hatte sich viel lieber alleine in seinem Selbstmitleid suhlen wollen und jetzt… saß er hier und fürchtete sich vor nichts mehr, als dem alleine sein. Eine Sekunde lang erlaubte er sich noch, nach Khivis Blick zu suchen, dann klaubte er den Scherbenhaufen möglichst vorsichtig auf und stemmte sich wackelig zurück auf die Beine. “Es wird zu kalt.” Ein Nuscheln, dann tapste er zurück in Richtung der noch offen stehenden Schiebetür, nur um kurz vor jener Halt zu machen und sich doch wieder zu Khivi herumzudrehen. “Kommst du mit rein?” Oder wollte er noch weiter das Beet zerstören, welches Jhaan über die vergangenen Wochen gepflegt hatte? herkunft Ba Sing Se
stand Standlos
alter 27 Jahre
gender Männlich
bändigung Luft
beruf Sänger
größe 1,77
erscheinung
Meistens gehüllt in einen weitläufigen Umhang, erkennt man zunächst nicht besonders viel von Jhaan, denn selbst sein Gesicht wird zu einem Großteil von der hellen Kapuze verdeckt, um allem voran seine Luftbändiger-Tätowierungen zu verstecken, auch wenn seine Haare ihm mittlerweile ein Stück über die Stirn gehen. Erhascht man dann aber doch mal einen Blick auf die Gestalt von 1,77m, welche sich darunter verbirgt, fällt einem zunächst wohl am meisten auf, wie kränklich der junge Mann doch wirkt. Nicht nur das dezent eingefallene Gesicht wird von einer besorgniserregenden Blässe und dunklen Schatten unter den so müde wirkenden Augen geziert, sein ganzer Körper wirkt mit dem schmächtigen Aufbau fast schon so, als würde er unter der nächsten Krafteinwirkung einfach zerbrechen.
Abgesehen von dem oftmals eher kränklich wirkenden Erscheinungsbild macht Jhaan aber allem voran einen sanften Eindruck. Gerade das Gesicht mit den weichen Zügen wirkt oftmals auf Anhieb sympathisch auf einen und spätestens, wenn die schmalen Lippen sich zu einem Lächeln verziehen, kommt man gar nicht drum herum, es zu erwidern oder sich zumindest von dessen seltsam beruhigender Ausstrahlung anstecken zu lassen. Dabei hatte es fast schon etwas Ironisches an sich, wie beruhigend er auf andere wirken konnte, wenn in seinem Inneren doch nichts als Chaos herrschte.
gespielt von Alex
(sie/ihre) |
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