Are we dancing after death?
|
◇
girlbossing 2 close 2 the sun
11.09.2021, 15:18
Jhaan pulte in der Erde herum, während Ikharus kurz davor stand, zu implodieren. Es half nicht, dass Jhaan ihm keine richtige Antwort mehr geben wollte, sondern seine Stimme, wie als habe er sie zur Genüge an ihn verschwendet, wieder in sich zurückzog. Das Schweigen war ihm bekannter, und vermutlich sollte es auch weniger Angriffsfläche bieten — aber Ikharus funktionierte so nicht. Nur, weil man ihn anschwieg, hieß das nicht, dass er aufhörte, zu fragen, zu provozieren, oder eben zu streiten.
Das Problem war, dass Jhaan noch nie sonderlich großes Interesse daran gehabt hatte, mitzustreiten. Stattdessen hatte er von Kindesbeinen an einen Gegenpol zu ihm gebildet, war der seichte, beschwichtigende Regen zu seiner glühenden Sommerhitze gewesen, die allem und jedem den Nacken krebsrot brennen wollte. Auch in diesem Augenblick entpuppte sich Jhaan als der Schlichter, der seine Fürsorge jedoch nicht Ikharus, sondern dem Tongefäß zukommen ließ. Als wenn es irgendwen interessierte, dass diese verfickte Flasche kaputt gegangen war! Bereits wie er die Scherben zusammensammelte und dann vor dem Haufen saß, als müsse er auch dieses Rätsel lösen, machte Ikharus fuchsteufelswild — denn eigentlich verlangte der Himitsu danach, dass er Jhaans Aufgabe war. Er war es, der danach verlangte, dass man ihn reparierte, selbst wenn er trotzig jede Hand wegschlug, die sich ihm mit heilender Absicht näherte. Ikharus ließ sich neben ihn zurück ins Beet fallen, aber ein Zugeständnis war dies nicht. Denn es war unmöglich für ihn, sich an diese Seite von Jhaan zu gewöhnen, weil es auch unmöglich war, sich an etwas zu gewöhnen, das man nicht verstand. Und er verstand wahrlich nicht, wie Jhaan in einer Nacht um Rettung, um einen Grund zu überleben flehen konnte, nur um im nächsten Augenblick gefasst und abgeklärt so zu tun, als sei sein Tod eine unüberwindbare Tatsache, an der es nichts mehr zu rütteln gab. Ikharus verstand es nicht, obwohl er selbst ebenso Schnitte in seinem Denken aufwies — er kompartmentalisierte nicht minder. Mal war er Himitsu, mal war er Schwarze Krähe, aber ebenso war er Akhilles Sohn und ein Spalt seines Kerns hörte noch immer auf den Namen Khivi. Keine der Fassaden, in die er sich hüllte, schien mit der anderen mehr als nur sein Aussehen gemeinsam zu haben. Zugleich war eine Existenz nur einer von ihnen ohne die anderen Seiten, auch wenn sie sich nicht miteinander vertrugen, unmöglich. Also sollte er es verstehen, aber nein. Etwas in ihm versperrte sich diesem; vielleicht, weil er dann auch akzeptieren müsste, und das wiederum war das Einzige, was noch unmöglicher war. Jhaan wusste also nicht, ob er nach Hause wollte — das allein hätte Ikharus beinahe ein Augenrollen entlockt, doch stattdessen verfinsterte sich sein Blick, sobald Jhaan die Frage kaum hörbar zurück in seine Richtung drängte. Willst du denn? »Der Tempel ist nicht mein Zuhause«, ist es nie gewesen. Im Gegensatz zu Jhaan, hatte er keine Bindung mehr zu den Brüdern, und das war ein Grund, den er nicht aufzulisten brauchte. Der Luftbändiger hingegen … was konnte er schon für Gründe dafür haben, einsam und allein in Ba Sing Se zu sterben, anstatt unter seinesgleichen? Eine Weile schwieg er und beobachtete Jhaan schließlich dabei, wie jener sich erhob und irgendetwas von Kälte faselte, die Ikharus nicht fühlen konnte. Alles, was in ihm brodelte, ließ ihn gleißend und bedrohlich brennen wie eine blaue Flamme. Dennoch erhob er sich, schüttelte im schwerfälligen Gehen aus seiner Hose und folgte Jhaan wortlos hinein in den Kwoon. Als wäre dies vollkommen normal, vielleicht war es das mittlerweile auch. Über den langhaarigen, peinlich ernsten Kwoonmeister machte er sich dabei nur noch weniger Gedanken — er konnte nicht da sein, denn sonst wäre Jhaan viel zu ängstlich gewesen, den Feuerbändiger hineinzulassen. Apropos Scham … »Schämst du dich zu sehr? Willst du deswegen nicht zurück … weil es dir peinlich ist, zu sterben?« Ikharus betonte das letzte Wort besonders, weil es ihm so unangenehm war, es auszusprechen — er musste dem Gewichtung verleihen, es hart und schmerzhaft zu einer Waffe formen, um es überhaupt über die Lippen gepresst zu bekommen. Er zog den Kopf ein und betrat Jhaans niedrige Kammer, doch zur Ruhe kam er nicht, wanderte von der winzigen Feuerstelle zur anderen Schiebetür, die in den kühlen Flur führte, und stierte einmal hinaus. »Ich könnte dich zurück zu ihnen bringen. Bis zum Fuß des Tempels bring ich dich, und dann—« Weiter wusste er aber nicht, schob die Schiebetür stattdessen angriffslustig zur Gänze auf und ließ Jhaans Kammer hinter sich. »Zeig mir mal dein neues Zuhause, in dem dir das Sterben egal geworden ist, Jhaan.« herkunft Ba Sing Se
stand Mittelschicht
alter 27 Jahre
gender Männlich
bändigung Feuer
beruf Agent
größe 1,78
erscheinung
Ikharus’ Äußeres wirkt auf seine Mitmenschen ebenso anziehend wie sein Inneres abstoßend; im Zusammenspiel formen seine provokante Natur, die scharfkantigen Züge seines Gesichts und der athletische Körper einen in sich verstrickten Mann, der ebenso oft auf Zuspruch wie auf Ablehnung stößt — je nachdem, wie dick das Fell seiner Mitmenschen tatsächlich ist (oder wie oberflächlich sie sind). Es lässt sich durchaus behaupten, dass der Feuerbändiger schön ist mit seinen hübschen mokkafarbene Augen, die dunkel wie ein schlammiges Moor mit besorgniserregender Tiefe sein können, oder aber hell wie mit Milch versetzter Schwarztee, glimmende Herausforderung im Blick.
Von seinen geschwungenen Lippen perlt so selten ein ehrliches Wort, dass man meinen könnte, sie sollten von Natur aus dunkel und böse aussehen — doch das tun sie nicht. Viel zu gern verziehen sie sich zu einem (zugegebenermaßen manchmal bissigen) Lächeln, das doch immer ein wenig verschmitzt aussieht, während ein wahres Lächeln, das seine Grübchen zum Vorschein und seine Augenfältchen zum Ausfächern bringen würde, es selten bis nie auf sein Gesicht schafft. Dafür zügelt er sich selbst zu sehr, ist zu verstrickt in alles Negative, das sich auch in seinen oft vor der Brust verschränkten Armen und dem energischen, ungeduldigen Gang widerspiegelt. Er ist ein Mann fahriger Natur, jegliche Lässigkeit ist erzwungen, vielmehr wirkt er verspannt, wie als würde er sich ständig gegen etwas stemmen, während er, entgegen jeglichen Sehnens nach Sanftheit, grob durch die Weltgeschichte marschiert. Wenn er frustriert ist, reibt er sich exzessiv den Nacken oder rauft sich die Haare, bis die (momentan) mittellangen Strähnen konfus von seinem Kopf abstehen. Den einstigen Dutt aus langem, seidig schwarzem Haar hat er als Himitsu zugunsten der Tarnung aufgegeben — ebenso wie er sich nicht länger in die typische Uniform des Militärs der Feuernation kleidet, sondern sich je nach Aufenthaltsort anpasst. Unter seiner Kleidung verbirgt der 1,78m hohe Feuerbändiger eine Brandnarbe am Sternum, die sein Halbbruder Aeneas ihm im Laufe einer Trainingseinheit zugefügt hat — kleinere wie größere Narben haben sich über die Kriegsjahre hinweg dazugesellt, jedoch nichts Langwieriges. Selbst davon, beim versehentlichen Feuerbändigen im nördlichen Lufttempel beinahe von Jhaans Himmelsbison zerquetscht worden zu sein, hat er sich erstaunlich gut erholt — er hat von der Gehirnerschütterung nur seelische Narben (aufgrund der Demütigung) davongetragen.
gespielt von Chulia
(Name als Pronomen) |
Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste