in the shadow of the moon
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melancholic pain in the ass
24.09.2021, 20:22
Er interessierte sich nicht unbedingt dafür wie edelmütig oder liebevoll gefärbt die Motive Inuris waren, sich dem anzuschließen, wofür Runes Herz brannte. Vermutlich wäre er auch nicht in der Lage dazu es zu verstehen. Zwar liebte er seine Familie, zumindest seine beiden jüngsten Geschwister recht aufrichtig und von Herzen, aber die reinste und vollkommenste Form der Liebe, die er je empfunden hatte, war seiner Ideologie unterlegen. Dass Inuris Liebe zu ihrer Familie ihr Antrieb war, war für ihn wichtiges und berechenbares Wissen. Es war gut, dass er das über sie wusste. Und es war gut, dass sie über ihn wusste, dass er nichts höher rechnen würde als die eigenen ideologische Werte, die sein Handeln und Denken stets bestimmten. Aber für die Sache war es auch recht irrelevant, was die beiden antrieb und es war gut, dass sie einanders Motive kannten. Die Vertrautheit zwischen ihnen, dass sie Verbündete in einer so brüchigen Zeit waren, beruhte nicht auf Zuneigung, aber auf Ehrlichkeit. Der Ehrlichkeit, dass sie einander ein Mittel zum Zweck waren. Und das hielt Rune für stärker als jede zwischenmenschliche Macht. Es war sein Fluch und seine Stärke, dass er solcherlei Dingen wenig Wert beimaß. Und er war sich dem bewusst, schmerzlich. Rune trug den Namen Verräter nun seit einigen Jahren und er würde ihn wohl nie wieder von seiner blassen Haut fortwaschen können. Vielleicht wollte er das auch nicht. Es war nicht der Verrat an seiner Nation, die ihm wie ein schwerer Schatten auf dem Herzen lag, aber der Verrat an Eurybia, der ihn bis an sein Lebensende begleiten würde. Gleichgültig, wie nah dieses war oder nicht. Er wusste, dass Inuri nicht zu dergleichen fähig wäre. Aber er glaubte, dass sie aus den Schatten der royalen Bequemlichkeit verlassen würde, sobald das Wohl ihrer Familie und ihr eigenes auf dem Spiel standen. Die Zeiten waren brüchig. Fragil. Während manche idiotische Stimmen, den albernen Titel des roten Drachen, glorifizierten und eine Zukunft unter seinen Schwingen wünschten, manche Zosin für den Feuerlord hielten, der auf ewig die Geschichte dieser Zeit bestimmte, waren da so viele Stimme der Unzufriedenheit. Ein Chor unterschiedlicher Beweggründe und Motive, die sich weder von dem alten Greis noch von dem störrischen Hohlkopf vertreten fühlten. Stimmen und Köpfe, die sich nach einer neuen Vision sehnten.
Eine Weile hatte Rune gewartet, in der Nacht und Dunkelheit, bis die hochgewachsene Gestalt Inuris in sein Blickfeld trat. Er erkannte sie, weil er mit ihr rechnete. Kein anderer hätte wohl in diesen einfachen Kleidern und der verhüllten Silhouette die Frau gewähnt, die royales Blut in den Adern trug. Was auch immer das bedeuten mochte. Sie trat nahe an ihn und begrüßte ihn mit leiser Stimme. Ob es noch weit wäre? Rune schüttelte seicht den Kopf. „Bloß wenige Minuten.“ Sie hakte ihren Arm unter seinen und augenblicklich fühlte sich seine Gliedmaße ein wenig steif an. Es war ihm zu nah. Rune hatte sich immer an traditionellen Gepflogenheit gestört, die in seinen persönlichen Raum eingriffen, aber in derlei Hinsicht war er kein großartiger Rebell. Er ignorierte also das ungelenke Gefühl von seiner Schulter bis zu den Fingerspitzen und schritt mit Inuri an seiner Seite fort von der schmalen Hafenstraße zur Küste. „Es wird sicherlich nicht auffallen, wenn wir die Kapuzen nicht abnehmen.“ Der Wind riss an ihren Kleidern. Die salzige Seeluft war an dieser Nacht von einem unbarmherzigen Charakter. Rune hielt die andere Hand an den dunklen Stoff seines Mantels, um sicher zu gehen, dass sein Kopf bedeckt und sein Gesicht verhüllt blieb. Sie gingen nahe an den steilen, rauen Steinklippen. Je weiter sie an dem Strand entlang ging, umso schmaler wurde der Weg von Ufer zu den Steinwänden. Bei den letzten Schritten traten Runes Stiefel durch niedriges Wasser, während er Inuri geschützt an den Klippen entlang gehen konnte. Außer dem Rauschen des Meeres und dem Flüstern des Windes war nichts zu hören. Außer dem kühlen Licht des Mondes und den weichen Silhouetten der Nacht war nichts zu hören. Und doch blieb Rune stehen. Vor ihnen war ein schmaler Durchgang zweier aneinander gestürzter Klippen. Man konnte es von außen nicht erkennen, aber hier öffnete sich ein schmaler Weg in eine Bucht, die umschlossen von Gestein war und in der sich die geheime Veranstaltung traf, zu der Rune Inuri führen wollten. Er hielt noch einmal inne. Seine Lunge fühlte sich mit salziger Meerluft. Es war riskant. Jegliche Treffen, die irgendwie staatsfeindliches oder kritisches Flüstern in sich bargen, bedeuteten auch Gefahr. Aber so sicher er sich war, dass weder er noch Inuri eine Razzia zu befürchten hatten oder gar erkannt werden würden, so wenig konnte er doch die Zukunft vorhersagen. Also gab er sich und ihr einen Moment der Stille, bevor er die leise Stimme wieder hob. „Seid Ihr bereit?“ herkunft Capital City
stand Oberschicht
alter 34 Jahre
gender Männlich
bändigung Feuer
beruf Berater
größe 1,81
erscheinung
Wenn Rune den Mund nicht aufmacht, dann könnte man meinen, dass ihn das Gefängnis gänzlich gebrochen hat. Dem kantigen Gesicht mutet eine bittere Melancholie an und sein seltenes Lächeln erscheint immerzu zäh und hoch ironisch. Sein Auftreten unterliegt einem spöttischen Ernst. Jede Geste und jede Mimik zeichnet eine nahezu zwanghafte Gleichgültigkeit. Trotzdem ist ihm sein elitärer Hintergrund anzuerkennen, denn Rune ist die Arroganz eines reichen Pinkels noch immer in den Leib geschrieben. Seine Kleidung ist immerzu hochwertig und ordentlich. Obwohl er ein recht guter Feuerbändiger ist, ist seine Waffe der Wahl die Sprache, weshalb er nie in Rüstung oder dergleichen gekleidet ist. Das schwarze Haar trägt er an den Seiten kürzer, manchmal fällt es ihm in das blasse Gesicht.
Wie jeder in seiner Familie hat Rune blaue Augen. Manchmal blass und trüb wie Nebel, manchmal stechend und kühl wie Eis. Rune ist 181 cm groß und seine Statur weder besonders hager, noch besonders trainiert. An den Armen und Schultern sind seine Muskeln vom Bändigen definiert, sonst wirkt er eher schlaksig. Auf dem Rücken hat er einige schlecht verheilte Brandnarben von seiner Auspeitschung – die einzigen Anzeichen darauf, dass er sein Leben nicht durchgängig mit goldenem Löffel im Mund verbracht. Besonders die eleganten Hände mit den langen Fingern weisen auf sein schreiberisches Talent und seinen Status als Gelehrter hin. Obwohl er nun nicht unbedingt danach aussieht, ist sein Gesicht in der Feuernation noch immer eines, das danach lechzt geschlagen zu werden.
gespielt von jui
(sie/ihr) |
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in the shadow of the moon - von Rune - 18.08.2021, 16:12
RE: in the shadow of the moon - von Inuri - 21.08.2021, 13:28
RE: in the shadow of the moon - von Rune - 24.09.2021, 20:22
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