Are we dancing after death?
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forget-me-not
10.10.2021, 15:21
Auf gewisse Art und Weise waren sie nicht mehr, als der Scherbenhaufen in Jhaans Händen. Wenn man es so betrachtete, war das, was auch immer genau genommen dort zwischen ihnen war, nicht mehr, als die vereinzelten Bruchstücke eines Ganzen, welche sie - oder zumindest Jhaan - immer wieder zusammenzusetzen versuchten. Die ersten paar Male ließe sich der zerbrochene Ton vielleicht noch zur ursprünglichen Form zusammensetzen, doch die Narben zwischen den einzelnen Fragmenten waren unverkennbar und irgendwann würden Stücke fehlen, bis es unmöglich war, an den Punkt zurückzukehren, an welchem sie begonnen hatten. Das Gefäß, welches Khivi in seiner Wut zerschmettert hatte, mochte noch zu retten sein, doch sie? Waren sie nicht schon längst verdammt? Zumindest Jhaan war sich über das aussichtslose Schicksal bewusst, welches ihm zuteil wurde - aber wenn er so darüber nachdachte, erschien ihm Khivis nicht weniger hoffnungslos. Wenn er sich in Erinnerung rief, was die Menschen mit dem Mann getan hatten, welcher am frühen Mittag an den Pranger gestellt worden war, kam ihm das Schicksal, welches Khivi drohte, noch viel schrecklicher als sein eigenes vor, denn Geister konnten grausam sein, doch die waren Monster versteckten sich noch immer in der Menschenwelt.
Der Tempel ist nicht mein Zuhause, entgegnete Khivi ihm auf die Gegenfrage, ob er denn zurück in den nördlichen Lufttempel wollte. Wirklich überraschen tat ihn Khivis Reaktion nicht. Im Grunde hätte er sich diese Frage auch im Stillen selbst beantworten können, doch das hatte er nicht. Warum? Weil dort noch immer ein kleiner, unfassbar naiver Funken in ihm war, der darauf hoffte, eines Tages eine andere Antwort auf diese Frage zu erhalten. Oder vielmehr auf die Fragen, welche sich zwischen seinen Worten versteckten und es doch nicht über seine Lippen schafften. Wenn der Tempel nicht sein Zuhause war, was war es dann? Und warum war er nicht dort, sondern stattdessen in dieser Stadt, die doch eigentlich nur nach seinem Leben trachtete? Hatte er wirklich keine andere Wahl, als ebenso wie Jhaan in Ba Sing Se zu vergehen? So sehr Jhaan auch eine Antwort auf diese Fragen wollte, wagte er es doch nicht, sie auszusprechen. Statt weiter auf das Thema einzugehen, richtete der dürre Luftbändiger auf und faselte etwas davon, dass es kalt wurde, ehe er sich dicht gefolgt von Khivi in das Innere des Kwoons bewegte. Schämte er sich? War es ihm peinlich zu sterben? Fragte man Jhaan, was ihn dazu bewegt hatte, den nördlichen Lufttempel zu verlassen, wäre es seine erste Antwort gewesen, dass er es nicht ertragen hatte, mit ansehen zu müssen, wie die Menschen um ihn herum litten, weil sie ihm nicht helfen konnten. Dabei war es mit den Menschen, die er in dieser Stadt kennen gelernt hatte, kaum anders. Eher im Gegenteil, vielmehr schmerzte es noch mehr, wie viel Hoffnung sie ihm noch entgegen brachten. Aber in Ba Sing Se ließ er all dies über sich ergehen. Hielt es aus. Warum? Weil es ihn am Ende des Tages doch nicht so sehr beschämte, wie wenn es seine Brüder waren, die ihn mit diesen mitleidigen Blicken beäugten. Ein Glück, dass ihm dieses Mitleid zumindest von Khivi erspart blieb. Jhaan gab ihm schon wieder keine Antwort, auch wenn er unter der Betonung von Khivis Worten leicht zusammenzuckte und drohte, ein paar der Porzellanstücke fallen zu lassen. Um zu verhindern, dass sie noch mehr zu Bruch gehen konnten, legte Jhaan den Scherbenhaufen auf dem einzigen, niedrigen Tischchen, welches sich im Raum befand, ab, während Khivi nicht nur weiter die Kammer mit Worten füllte, sondern sich auch einmal durch jene bewegte, ehe er die gegenüberliegende Schiebetür erreichte und jene ohne weiteres Zögern zur Gänze aufschob. Vielleicht sollte er ihn davon abhalten, einfach so durch den Kwoon zu spazieren - insbesondere, wenn man bedachte, wie mutwillig Khivi diesen beim letzten Mal doch in Flammen gesteckt hatte -, doch mehr, als ihm einen etwas verlorenen Blick hinterher zu werfen, während sein Kopf schon wieder zu Brummen begann, tat Jhaan nicht. Wie betäubt stand der junge Luftbändiger inmitten des Zimmers. Wiederholte die Worte des anderen gedanklich immer wieder, bis ihm ein gänzlich anderer Gedanke kam. “Wie viel aus unserem Traum war echt?” Der Traum. Schon wieder war es dieser verdammte Traum, an welchem Jhaan hängen blieb und von welchem er doch eigentlich wusste, dass er kaum mehr als der miserable Scherz eines Geistes war. “Wird der nördliche Tempel auch angegriffen?” Oder wurde er dies schon längst? War Jhaan einer der wenigen Überlebenden oder doch nichts anderes, als ein Geist? Hatte Khivi ihn vielleicht wirklich getötet? Mit einem zittrigen Einatmen senkte Jhaan den Blick auf eine seiner Hände. Blass wie der Mond, stach sie selbst in der nur spärlich beleuchteten Kammer im starken Kontrast hervor, und als er sie in einer leicht wischenden Bewegung einmal hin und her schwenkte, war es, als würde ihr eine zweite auf geisterhafte Art und Weise folgen. “Du hast mich getötet.” Kein Vorwurf. Lediglich eine genuschelte Feststellung, ehe er wieder nach Khivis Blick suchte. herkunft Ba Sing Se
stand Standlos
alter 27 Jahre
gender Männlich
bändigung Luft
beruf Sänger
größe 1,77
erscheinung
Meistens gehüllt in einen weitläufigen Umhang, erkennt man zunächst nicht besonders viel von Jhaan, denn selbst sein Gesicht wird zu einem Großteil von der hellen Kapuze verdeckt, um allem voran seine Luftbändiger-Tätowierungen zu verstecken, auch wenn seine Haare ihm mittlerweile ein Stück über die Stirn gehen. Erhascht man dann aber doch mal einen Blick auf die Gestalt von 1,77m, welche sich darunter verbirgt, fällt einem zunächst wohl am meisten auf, wie kränklich der junge Mann doch wirkt. Nicht nur das dezent eingefallene Gesicht wird von einer besorgniserregenden Blässe und dunklen Schatten unter den so müde wirkenden Augen geziert, sein ganzer Körper wirkt mit dem schmächtigen Aufbau fast schon so, als würde er unter der nächsten Krafteinwirkung einfach zerbrechen.
Abgesehen von dem oftmals eher kränklich wirkenden Erscheinungsbild macht Jhaan aber allem voran einen sanften Eindruck. Gerade das Gesicht mit den weichen Zügen wirkt oftmals auf Anhieb sympathisch auf einen und spätestens, wenn die schmalen Lippen sich zu einem Lächeln verziehen, kommt man gar nicht drum herum, es zu erwidern oder sich zumindest von dessen seltsam beruhigender Ausstrahlung anstecken zu lassen. Dabei hatte es fast schon etwas Ironisches an sich, wie beruhigend er auf andere wirken konnte, wenn in seinem Inneren doch nichts als Chaos herrschte.
gespielt von Alex
(sie/ihre) |
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