Are we dancing after death?
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girlbossing 2 close 2 the sun
14.10.2021, 00:21
Forsch wie eh und je verschaffte sich Ikharus Zugang zum Kwoon. Jhaan mochte ihn hereingebeten, ihn eingeladen haben, aber selbst der Feuerbändiger wusste, dass sich diese Einladung lediglich auf Jhaans winzige Kammer beschränkte — er entschied sich lediglich dazu, diesen Fakt zu ignorieren, was auch nichts ungewöhnliches war. Es galt, zu kaschieren, wie wenig er hierhin gehörte. Das ging eben am besten damit, dass man sich anstellte, als würde der Laden einem gehören. So hatte er es damals schon auf dem Hof seines Vaters in der Kolonie gehandhabt; man hatte ihm keine Zugeständnisse gemacht, nein, er hatte lautstark nach ihnen verlangt. Und wenn man einmal damit durchkam, glaubte man, es müsse immer so gehen.
Es spielte keine Rolle, wie zerbrochen sie waren, weil Ikharus sich auch davon nicht aufhalten ließ. Im Gegensatz zu Jhaan besaß er nicht die Geduld, angestoßene Utensilien zu reparieren oder benutzte Herzen flicken zu wollen. Er war viel besser darin, den Schmerz zu vergrößern; er war viel zu oft der Verursacher, selbst wenn er felsenfest vor sich selbst behauptete, er sei nicht der Quellsprung. Er hatte sich immerhin nicht alles ausgesucht. Er hatte Jhaan weder als Erstes von sich gestoßen, noch war auf seinem Mist allein Unterdrückung und (in seinen Augen sowieso berechtigter) Genozid gewachsen. Er fühlte sich nicht schuldig, nicht er. Er konnte doch nichts dafür, so viel Macht besaß eine einzelne Person doch gar nicht. Und wenn sie schon dabei waren: auch die zerbrochene Tonflasche war ein unausweichliches Resultat gewesen. Wenn er nicht nach ihr getreten hätte, wäre sie trotzdem irgendwann kaputt gegangen. Der einzige Unterschied war die Zeit. Zeit. Das war es doch, was sie nicht besaßen und doch mit nachlässiger Ungeduld verprassten. Einmal mehr bewies sich, dass Ikharus starr nach vorn starrte, oder höchstens mal zerstreut zur Seite, aber Jhaan? Jhaan blickte immer nur hinter sich, als könne er nicht glauben, dass er in seinem eigenen Leben Spuren hinterlassen hatte. Als würde er prüfen müssen, wie tief sie gingen, und als bräuchte er jeden Beweis, den er kriegen konnte, um sich ihrer Existenz zu vergewissern. Wie viel aus unserem Traum war echt? Ikharus, der zu sehr damit beschäftigt gewesen war, mit Worten zu provozieren und dann Anstalten zu machen, aus Jhaans Kammer hinein in den dunklen, fremden Flur zu schlüpfen, hatte nicht einmal bemerkt, wie sehr der Luftbändiger unter den Worten seines einstigen besten Freundes litt. Wie er zuckte. Wie er auf die abgelegten Scherben starrte und sich fragte, wie man etwas Fragiles davor bewahrte, zerstört zu werden. Nur um es dann selbst auseinanderzureißen. »Versuchst du mich zu provozieren?« Ein dunkler Blick kehrte zischelnd wie von gespaltenen Schlangenzungen getragen vor seiner eigentlichen Person in die Kammer zurück. Eine Hand legte er an die Schiebetür, der Rücken drückte sich in den Rahmen — nun war er weder hier noch dort, während Jhaan dennoch verlorener, halbgarer inmitten seiner Kammer stand und auf seine Hände starrte, als wenn sie die Provokation ausgesprochen hätten, nicht seine Kehle, nicht seine Lippen, nicht er eben. Musste er wirklich immer noch auf dem Traum herumhacken? Wusste er nicht, dass er Ikharus, der sowieso schon eine dauerschwelende Lunte war, noch absichtlich entzündete? Zugegebenermaßen klangen die nächsten Worte jedoch nicht wie eine Provokation — nicht wie ein Zündeln mit einem aggressiven Mann, sondern wie eine Observation, die Ikharus eiskalt erwischte. Mit einem Mal fröstelnd hob er die Schultern an. »Woher soll ich das wissen?«, fuhr er auf und stieß sich dann aus dem Türrahmen ab, um sich stattdessen beinahe achtlos auf Jhaans Bett zu pflanzen und forsch, vor allem jedoch wie selbstverständlich, seine Schuhe abzustreifen und hart auf den Boden zu pfeffern. »Ich bin doch nur ein einfacher Fischer …«, oder so was in der Art, »soll ich etwa spekulieren?« Könnte er, aber wohl war ihm dabei offensichtlich nicht. Überhaupt war er nicht begeistert davon, dass Jhaan es so dastehen ließ, als hätte Ikharus auch nur irgendetwas damit zu tun gehabt. Er lag damit zu nah an der Wahrheit dran. Im Grunde bohrte er eine giftgetränkte Fingerspitze in eine Wunde, die schon seit Monaten eiterte. Jhaan suchte wieder nach seinem Blick, aber Ikharus weigerte sich, ihn zu erwidern. Dabei konnte er ganz genau fühlen, wo Blick auf Haut traf, auf Wangen, die sich verspannten, auf Kiefer, die scharf hervortraten, weil Ikharus die Zähne so fest aufeinanderbiss. Du hast mich getötet. »Es war nur ein Traum.« Wie oft hatte er das schon gesagt? Wenn er es so sagte, klang es fast, als sei nichts davon echt gewesen, nichts davon tatsächlich geschehen — was nicht stimmte. Ares war so ‘echt’ gewesen, dass Ikharus bis heute noch die Eingeweide schmolzen, wenn er daran zurückdachte. Der brennende Tempel war ‘echt’ gewesen — nur die genaue Lage, die Menschen … austauschbar. Puppenartig. Nicht ganz wahrheitsgetreu. Wie oft wollte Jhaan ihn noch damit quälen, ihn zu einer Entschuldigung zwingen? »Diese Welt tötet jeden Tag Menschen; die Geister lassen es jeden Tag zu. Denen machst du auch keine Vorhaltungen — warum also mir? Warum ausgerechnet mir, Jhaan?« Nun hob Ikharus doch den Blick, bevor er »Was willst du noch von mir hören?« schnaubte und sich rücklings auf das Lager sacken ließ, mit den Händen seine pochenden, ziependen Augenlider bedeckend. herkunft Ba Sing Se
stand Mittelschicht
alter 27 Jahre
gender Männlich
bändigung Feuer
beruf Agent
größe 1,78
erscheinung
Ikharus’ Äußeres wirkt auf seine Mitmenschen ebenso anziehend wie sein Inneres abstoßend; im Zusammenspiel formen seine provokante Natur, die scharfkantigen Züge seines Gesichts und der athletische Körper einen in sich verstrickten Mann, der ebenso oft auf Zuspruch wie auf Ablehnung stößt — je nachdem, wie dick das Fell seiner Mitmenschen tatsächlich ist (oder wie oberflächlich sie sind). Es lässt sich durchaus behaupten, dass der Feuerbändiger schön ist mit seinen hübschen mokkafarbene Augen, die dunkel wie ein schlammiges Moor mit besorgniserregender Tiefe sein können, oder aber hell wie mit Milch versetzter Schwarztee, glimmende Herausforderung im Blick.
Von seinen geschwungenen Lippen perlt so selten ein ehrliches Wort, dass man meinen könnte, sie sollten von Natur aus dunkel und böse aussehen — doch das tun sie nicht. Viel zu gern verziehen sie sich zu einem (zugegebenermaßen manchmal bissigen) Lächeln, das doch immer ein wenig verschmitzt aussieht, während ein wahres Lächeln, das seine Grübchen zum Vorschein und seine Augenfältchen zum Ausfächern bringen würde, es selten bis nie auf sein Gesicht schafft. Dafür zügelt er sich selbst zu sehr, ist zu verstrickt in alles Negative, das sich auch in seinen oft vor der Brust verschränkten Armen und dem energischen, ungeduldigen Gang widerspiegelt. Er ist ein Mann fahriger Natur, jegliche Lässigkeit ist erzwungen, vielmehr wirkt er verspannt, wie als würde er sich ständig gegen etwas stemmen, während er, entgegen jeglichen Sehnens nach Sanftheit, grob durch die Weltgeschichte marschiert. Wenn er frustriert ist, reibt er sich exzessiv den Nacken oder rauft sich die Haare, bis die (momentan) mittellangen Strähnen konfus von seinem Kopf abstehen. Den einstigen Dutt aus langem, seidig schwarzem Haar hat er als Himitsu zugunsten der Tarnung aufgegeben — ebenso wie er sich nicht länger in die typische Uniform des Militärs der Feuernation kleidet, sondern sich je nach Aufenthaltsort anpasst. Unter seiner Kleidung verbirgt der 1,78m hohe Feuerbändiger eine Brandnarbe am Sternum, die sein Halbbruder Aeneas ihm im Laufe einer Trainingseinheit zugefügt hat — kleinere wie größere Narben haben sich über die Kriegsjahre hinweg dazugesellt, jedoch nichts Langwieriges. Selbst davon, beim versehentlichen Feuerbändigen im nördlichen Lufttempel beinahe von Jhaans Himmelsbison zerquetscht worden zu sein, hat er sich erstaunlich gut erholt — er hat von der Gehirnerschütterung nur seelische Narben (aufgrund der Demütigung) davongetragen.
gespielt von Chulia
(Name als Pronomen) |
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