the beating of a heart that i hid beneath the floor
|
◇
liberty or death
20.12.2021, 00:10
« Und während Zhira mit seligem Lächeln seiner Rede zu lauschen vorgab, wie alle zustimmend den Kelch hob und Zustimmung heuchelte, wenn es angebracht war, erbrach sie sich innerlich. Mehrfach. Stellte sich vielleicht sogar vor, wie sie dem Führer der Nation direkt ins Gesicht spie. »
![]() no time for second chancesI survive on bourbon, blood, and backward glancesAnd so, the scene beginsIhre Schritte hallten von den hohen Wänden aus dunklem Stein zu ihnen herab. Vom anderen Ende des langen Ganges waren Stimmen und Gelächter zu vernehmen; sie waren vermutlich unter den letzten Gästen, die bei den Feierlichkeiten eintrafen. Nicht, dass es Zhira sonderlich interessierte. Viel lieber würde sie schlicht und ergreifend gar nicht auftauchen. Aber es war egal, was sie wollte oder nicht wollte, natürlich war es das. Der Zweck war wichtiger als der Willen von sämtlichen Individuen, die für ihn kämpften. Und auch, wenn Rune und sie in diesem Moment nicht etwa in schweren Rüstungen auf dem Kriegsfeld fochten, sondern in viel zu teuren Kleidern die Hallen des Palastes auf dem Weg zu einem Festmahl durchquerten, waren sie doch genauso für besagten Zweck im Einsatz. Hier, um der Einladung Zosins Folge zu Leisten und die Ankunft vom Erdprinzen Ishar und seinem Gefolge zu zelebrieren. Den feinsten Wein trinken und den edelsten Braten essen, an einem Tisch mit dem roten Drachen, der mit dem Blut Unschuldiger an seinen Händen prahlte. Anstoßen mit den Menschen, die eine blutjunge, unerfahrene Frau an dieses Monster verkauft hatten, um ihre eigenen Hälse zu retten. Unbeschwert plaudern und lachen, während die Bürger aller Nationen unter den Handlungen eben dieses Feuerlords litten, der diese „Festlichkeiten“ veranstaltete. Es ekelte sie an. Alles. Und trotzdem wusste Zhira, dass eben solche Ereignisse zum Bewahren hübscher Fassaden und dem Bau von Allianzen essenziel waren – was wiederum die grundlegend für den Zweck war, der diesem Grauen endlich ein Ende bereiten würde. Also ging die Erbin nichtsdestotrotz weiter still neben Rune den Gang entlang, atmete an dessen Ende nur noch einmal tief durch, bevor sie schließlich durch die großen Flügeltüren schritt und die Höhle der falschen Drachen und feigen Dachsmaulwürfe betrat. Hunderte Kerzen und Feuer erhellten den großen Saal mit warmem Licht, ließen die dunkelpurpurne Wildseide ihres hochgeschlossenen, dunkelpurpurnen Kleides in einem rötlichen Ton glänzen. Die Wände waren geschmückt mit aufwändig gestickten Wandteppichen, bildeten verschlungene Drachen und Rosen ab – das Symbol, welches man zum Bild der morbiden „Einheit“, die heute zelebriert wurde, erklärt hatte. Die lange Tafel auf der anderen Seite des Saales war bereits mit dem feinsten Besteck gedeckt, Bedienstete standen an den Rändern, um den noch umherstehenden Gästen bereits kleine Häppchen anzubieten und – natürlich – Wein nachzuschenken. Innerlich lachte Zhira auf: sie würde sich den Abend nicht einmal schöntrinken können, denn Trunkenheit war das letzte, was sie für einen klaren, berechnenden Kopf gebrauchen konnte. Es wunderte sie jedenfalls nicht mehr im Geringsten, warum ihr Vater so oft zum Alkohol gegriffen hatte, wenn er von solchen Abenden nach Hause gekommen war. Anstatt länger in Gedanken zu verweilen, galt es nun jedoch, die hübsche Maskerade auszuführen und zu sozialisieren, so zuwider es ihr auch war. Mit höflichem Lächeln auf den dunklen Lippen begrüßte sie die ihr übergestellten in angemessener Reihenfolge, beginnend mit der Verneigung vor Ares und seiner Frau (wenn sie ihm auch stattdessen lieber in die arrogante Visage gespuckt hätte). Förmlich stellte man sie den Gästen aus dem Erdkönigreich vor, wie es sich gehörte, mit noch mehr Verneigungen und noch mehr hübschen Floskeln der Höflichkeit. Dann folgten eigentlich die Gäste aus der Feuernation, die Zhira bereits kannte – größtenteils weiterer Adel und „wichtige“ Militärsmänner und Berater. Doch noch bevor es dazu wirklich kommen konnte, folgte das verheißungsvolle Klopfen von Fäusten auf Rüstung und alle Stimmen im Raum verstummten ... Der Feuerlord, seine Lady und seine Mätresse betraten den Raum und die Häupter verneigten sich tief. Was folgte, waren Zosins große Worte des „Stolzes“ und der „Freude“, die man über diesen Abend empfände. „Verbündete“ und „Gemeinsamkeit“ waren auch darunter. Und während Zhira mit seligem Lächeln seiner Rede zu lauschen vorgab, wie alle zustimmend den Kelch hob und Zustimmung heuchelte, wenn es angebracht war, erbrach sie sich innerlich. Mehrfach. Stellte sich vielleicht sogar vor, wie sie dem Führer der Nation direkt ins Gesicht spie. Völlig absurd, insbesondere wenn man bedachte, wie trocken und gehalten die Bändigerin stets agierte – doch hatte sie schon früh gelernt, dass eine angemessene innere Fantasie essenziell war, wenn man solch heuchlerische Veranstaltungen und große Reden von Menschen, die mehr Monster als Mensch waren, mit (weitestgehend) gesundem Verstand überstehen wollte. Und als wenigstens dieser Spuk dann endlich vorbei war, und alle lächelnd in die Hände klatschten, das ein oder andere „Hört, hört!“ und „Ehre dem Feuerlord!“ gerufen wurde, wurde die Ablenkung dann auch etwas einfacher: denn es wurde zu Tisch gebeten. Ihre hasserfüllten Gedanken mit angemessener Eleganz verbergend, ging Zhira zu dem Sitzplatz herüber, zu dem sie gewiesen wurde. Natürlich hatte jeder wie immer seinen designierten Platz, je nach Wichtigkeit und Gefallen näher oder ferner vom Feuerlord. Und da die Erbin zwar nicht adlig war und ihr Vater in Ungnaden gestorben, aber durch die Waffenproduktion und das Vermögen ihrer Familie trotzdem noch hoch geschätzt, war ihr Platz an der Hälfte des Tisches … und zu ihrer bitteren Enttäuschung weit entfernt von Rune, den man ans Ende, zu den Rängen vom Hofarzt Bai und anderen eher ungnädig angesehenen Persönlichkeiten, verwiesen hatte. Welch Ironie, dass Zhira sich dort, unter denen, die die „Außenseiter“ unter der Elite sein sollten, so viel wohler fühlen würde. Dennoch ging sie brav weiter zu ihrem Platz, der unter sicherlich unausstehlichen Personen war, allerdings taktisch durchaus nützlich, um die Pläne der Tyrannen, die sie als eine von ihnen abtaten, mitzubekommen. Sie saß gerade für einen Moment und ließ ihren Blick über die große Runde gleiten, als neben ihr der Stuhl zurückgezogen wurde und sich jemand setzte. Wie es nun mal angemessen war, wand die Blitzbändigerin sich zu ihrem neuen Sitznachbarn um, um höflich lächelnd zur Begrüßung leicht zu nicken … da erblickte sie den Mann und prompt wurde aus dem simulierten Lächeln glatt ein tatsächliches. Eine nette Überraschung, die zumindest um der Sentimentalitäts Willen den Abend sicherlich wenigstens etwas erträglicher gestalten würde. „Der weiße Drache …“, murmelte sie lächelnd, während sie zu den geradezu leuchtenden Augen hochsah, die man niemals verkennen konnte, „Heute Abend sitze ich also neben einer wahren Legende“ Ein höfliches Nicken, welches eine bewundernde Verneigung andeutete – eigentlich durchaus sarkastischer, als man es von außen vermuten würde. Das Lächeln wurde zu einem zarten Grinsen, als Zhira wieder aufsah. „Womit habe ich diese Ehre nur verdient?“ herkunft Capital City
stand Oberschicht
alter 29 Jahre
gender Weiblich
bändigung Feuer
beruf Inhaberin
größe 1,69
erscheinung
169cm - lockiges, dunkelbraunes Haar - unter den dunklen, beinahe schwarzen Augen zeichnen sich meist Augenringe ab - schlanke, schmale Statur - olivfarbene Haut - lächelt selten - kleidet sich tendenziell in weinroten und auberginefarbenen, wenig geschmückten Kleidern
gespielt von Elle
(sie/ihre)
◇
weißer Drache
20.12.2021, 23:40
“Und wenn du wieder da bist, musst du mir alles bis ins kleinste Detail genau erzählen”, drang die Stimme seiner Schwester an Aphelions Ohren, während er den Kragen seines Hemdes unter der Jacke zurecht zupfte und doch nicht umhin kam, sich ohne seine Uniform seltsam entblößt zu fühlen. Sicherlich hatte es etwas Befreiendes an sich, nach getaner Arbeit die schweren Panzer abzulegen und in etwas zu schlüpfen, was ihn nicht kontinuierlich daran erinnerte, wie viel Blut auf indirekter, aber auch direkter Weise an seinen Händen klebte, aber es war eine Sache, wenn er dies in seinen eigenen vier Wänden tat; an einem Ort, an welchem er sich wohl fühlte und welchen er vielleicht sogar als sein Zuhause betiteln würde - und es war eine komplett andere Sache, wenn man von ihm verlangte, in diesem ungezwungenen Aufzug unter jene Leute zu treten, bei denen selbst ein Lächeln nicht mehr als eine Maskerade war. Kein Lachen und schon gar keines der Worte, welche ihnen über die Lippen kamen, wurden auch nur von einem Funken Ehrlichkeit begleitet. Unterhielt man sich in einem Moment gut mit ihnen und glaubte, dass sie einem freundlich gesinnt waren, konnte man sich sicher sein, dass es nicht lange dauern würde, bis sie jegliche Informationen gegen einen verwenden würden - und sei es nur, indem sie sich hinter hervorgehaltener Hand einen Spaß daraus machten, über ihn herzuziehen. Die Suche nach etwas Aufrichtigkeit war auf einem Fest, wie dem heutigen, vollkommen vergebens. Auf gewisse Art und Weise glich es mehr einem Schauspiel, als einem Zusammentreffen zweier Nation, zur Feier ihres Friedens.
“-vor allem, wie sie ausgesehen hat! Man munkelt ja, sie wäre schwanger… Ich meine, warum sonst sollte man ihre Familie eingeladen haben? Ganz bestimmt nicht zum Wein verkosten”, plapperte Astraea weiter vor sich hin, wobei Aphelion sie kurz mit einem etwas skeptischen Blick bedachte. “Du scheinst dich ja neuerdings brennend für diesen ganzen Tratsch zu interessieren…” “Das ist kein Tratsch, das ist einfach nur Interesse daran, was um uns herum passiert - kann sich ja nicht jeder wochenlang auf See absetzen und alles ignorieren, so wie du!” “Mhh.” Ein Glück, dass ihm die Zeit fehlte, um sich nun in einer Diskussion mit seiner Schwester zu verlieren, auch wenn es ihm durchaus einen Stich in die Brust versetzte, dass sie scheinbar davon ausging, dass er nichts von dem, was zurzeit in der Welt geschah, mitbekam - oder er vielmehr davor flüchtete. Dass er mehr denn je mitten im Geschehen steckte; ihm der Ernst der Lage erst kürzlich durch den blutrünstigen Mord an drei seiner Soldaten im Hafen von Ba Sing Se wieder bewusst gemacht worden war, wollte er ihr zwar durchaus mitteilen - aber er konnte nicht. So falsch, wie es sich auch anfühlte, ihr gegenüber Geheimnisse zu haben, durfte er ihr nicht von dem berichten, was er in den vergangenen Wochen mitbekommen und erlebt hatte. Geschweige denn, was für Gedanken sich dadurch allmählich immer stärker in seinem Kopf manifestiert hatten. Es war zu ihrem eigenen Schutz. Und mit etwas Hoffnung nur vorübergehend, aber für den Moment blieb ihm nichts anderes übrig, als ihren Vorwurf hinzunehmen, ehe er sich auf dem Weg zum Palast des Feuerlords machte, um sich dort einer noch viel größeren Maskerade hinzugeben. Wie falsch sich das doch anfühlte. Nicht nur, so zu tun, als wäre er tatsächlich gerne dort, sondern auch mit den anderen zu speisen und zu trinken, als würde ihre Welt nicht mitten in einem Krieg stecken, dessen Frieden nicht mehr als ein Aufschub der Zeit war. Damit, dass man ihm Freundlichkeit und Wohlgesinntheit vorheuchelte, konnte Aphelion noch umgehen - wenn man es so sah, war er in dieser Sache meistens nicht viel besser, als sein gegenüber -, aber dass sie alle unter den Tisch schoben, welch Grausamkeiten sie überhaupt zu diesem Festmahl veranlassten, verdarb ihm nicht nur jeglichen Appetit, es widerte ihn auch an. Aber mehr als hinter einem aufgesetzten Lächeln einen mitleidigen Blick zu der jungen Prinzessin zu werfen, welche einen der größten Preise hierfür zahlen musste, konnte er in diesem Moment nicht tun. Der Rede des Feuerlords lauschte er nur halbherzig, verlor er sich doch recht schnell wieder mit den Gedanken bei seiner Schwester und dem schlechten Gewissen, welches sich ihr und auch seinen Eltern gegenüber allmählich immer schwerer auf seine Schultern legte. Aber ehe er sich noch mehr Vorwürfe, als ohnehin schon, machen konnte, erklärte Zosin seine Rede auch schon für beendet und man begann sie ihren Plätzen zuzuweisen. Daran, dass man ihn trotz seines Statuses als Admiral und weißen Drachen eher an den Rand der Militärgrößen ihrer Nation setzte (wobei er dadurch noch immer recht mittig am Tisch saß), hatte er sich schon längst gewöhnt. Was ihn vielmehr überraschte, war die Erkenntnis, wen man direkt neben ihn gesetzt hatte, denn kaum, dass er den Stuhl zurückgezogen und einen etwas genaueren Blick auf die Frau, welche sich sogleich zu ihm drehte, erhaschen konnte, war es niemand anderes als Zhira, welche ihn mit einem Lächeln begrüßte. Der weiße Drache, murmelte sie und auf Aphelions Gesicht vermischte sich das sanfte Lächeln mit einem eher gequälten Ausdruck, der nur allzu deutlich verriet, wie sehr ihm dieser Titel eigentlich missfiel. Wäre es nicht Zhira, welche er zumindest noch grob aus ihren Kindheitstagen kannte, hätte er sich dies wohl kaum erlaubt. “Seid Ihr Euch sicher, dass es sich dabei um eine Ehre handelt? Ich habe ja gehört Legenden sind schrecklich langweilige Gesprächspartner, weil sie von nichts anderem reden können”, versuchte er sich selbst ein wenig auf den Arm zu nehmen, während er sich endlich neben ihr auf dem Stuhl niederließ und gedanklich nicht entscheiden konnte, ob er sich nun darüber freute, neben Zhira zu sitzen, oder nicht. Auf der einen Seite war es angenehm, zumindest neben jemanden zu sitzen, der einem jedenfalls im Ansatz vertraut war - auf der anderen Seite wusste er nach all den Jahren, die sie nichts mehr miteinander zu tun gehabt hatten, aber auch nicht so recht, wie er mit ihr umgehen sollte. War es zu viel des Guten, ihr die gleichen Höflichkeitsfloskeln entgegen zu bringen, wie er es bei den meisten anderen anwesenden Gästen auch getan hätte, oder waren sie noch immer so vertraut miteinander, dass sogar ein “du” angebracht gewesen wäre? Unsicher ließ Aphelion die goldenen Augen kurz über die anderen Gäste, welche in ihrer direkten Nähe saßen, gleiten, dann wand er sich wieder ihr zu. “Aber es ist mir eine Ehre, neben Euch sitzen zu dürfen. Wie geht es Euch?” Von dem Tod ihres Vaters hatte er selbstverständlich mitbekommen, aber er vermied es bewusst, sie nun ausgerechnet darauf anzusprechen - sie war mit Sicherheit nicht hier, um selbst fast ein ganzes Jahr später noch Mitleidsbekundungen zu sammeln. Die würden ihre Situation als frischgebackene Unternehmenserbin nun auch nicht verbessern. herkunft Capital City
stand Adel
alter 34 Jahre
gender Männlich
bändigung Feuer
beruf Admiral
größe 1,95
erscheinung
Es war nicht unbedingt immer das schneeweiße Haar, welches ihm länglich etwas über die Schultern fiel, oder die goldenen Augen, die einen den Blick auf Aphelion richten ließen, denn auch ohne diese fiel der junge Admiral mit seiner Größe von ganzen 1,95m auf. Noch dazu kam eine recht breitgebaute und muskulöse Statur, die in Kombination mit der Größe wohl einschüchternd wirken konnte. Auch das Gesicht wirkte auf den ersten Blick eher grimmig, dabei genügte nur ein genauer Blick in seine Augen, um zu erkennen, wie er sich tatsächlich fühlte. Und spätestens, wenn er lächelte, war es schwer, ernsthaft Angst vor ihm zu haben, war es doch ein äußerst warmes Lächeln, bei welchem sich sogar ein paar Grübchen in seinen Wangen bildeten.
gespielt von Alex
(sie/ihre)
◇
liberty or death
18.01.2022, 17:05
Es war ein seltsames Gefühl. Zhira und Aphelion hatten sicher schon hunderte Male am gleichen Tisch gesessen, miteinander geplaudert und gelacht, und dennoch sahen sie einander mit diesem höflichen doch distanzierten Lächeln an, das sich für Bekanntschaften im Adel so gehörte. Bekanntschaften - vielleicht waren sie auch einfach nicht mehr als das, egal, wie viele heitere Tage sie in ihrer Kindheit zusammen mit ihren gemeinsamen Freunden und Freundinnen verbracht hatten. So war es doch mit jedem Menschen aus diesem alten Umfeld, den sie als Kind zu ihren engsten Freundschaften, ja, gar als Familie gezählt hatte: wenn man sich in der Öffentlichkeit sah, nickte man sich höflich zu, lächelte nett, tauschte vielleicht noch ein paar Floskeln des Gesellschaftens aus und ging dann weiter seinen eigenen Weg. Es lagen wohl einfach zu viele Jahre, gar Jahrzehnte zwischen der Gegenwart und dem, was einmal gewesen war. Und so gern Zhira auch zu diesen unbeschwerten Tagen zurückkehren würde, war es doch ein unveränderlicher Fakt, dass das nicht möglich war. Ihre Kindheit war lang vorbei, schien ganze Lebzeiten zurückzuliegen, und damit waren es auch die einst so innigen Verbindungen, die sie gepflegt hatte.
Dennoch waren da Gefühle, die nicht so einfach zurückzulassen waren. Sie schienen eingraviert in ihr Herz, von all den Narben kaum zu unterscheiden, doch spürbar, wenn man nur bedächtig genug mit den Fingerspitzen darüberstrich. Und so, wie sie die Zeichen der Liebe, die sie einst für Rune empfunden hatte, noch immer spüren konnte, fand sie auch jetzt die der warmen, familiären Freundschaft, die sie mit Aphelion verbunden hatte. Und doch waren sie als die erwachsenen Menschen, die sie heute waren, nicht viel mehr als Fremde. Die Jahre, die sie von der Vergangenheit trennten, hatten Zhira doch geradezu neu erschaffen, sie war die, die sie damals gewesen war – und das gleiche galt sicherlich auch für Aphelion. Vom kleinen Mädchen zur verwaisten Geschäftsführerin der Waffenproduktion, vom freundlichen Nachbarsjungen zum drachentötenden Admiral … Der Bändigerin entging nicht, wie ihr Gegenüber ganz leicht die Miene verzog, während sie seinen Titel aussprach, ganz so, als würde es ihm selbst missfallen, daran erinnert zu werden. Überraschender Weise passte das vollkommen in die Gravur, die sie vom kindlichen Aphelion in ihrem Herzen trug. Damals hätte er keiner Fliege wirklich etwas zu Leide tun, ganz sicher kein unschuldiges, uraltes Wesen wie einen Drachen auch nur verletzen wollen. Und doch hatte er es getan. Er hatte einen Drachen getötet und in dem daraus entstandenen Ruhm gebadet, ganz egal, wie gequält er nun auch dazu dreinblickte. Ein Teil von Zhira verurteilte ihn dafür, war sogar wirklich enttäuscht gewesen, als sie damals die Neuigkeiten von seinem Triumph erfahren hatte. Sie wusste, dass sie dabei eine verdammte Hypokritin war, schließlich hatten die Waffen, die sie entwarf, die sie herstellen und vertrieben ließ, sicherlich weit mehr als ein einziges Leben auf dem Gewissen. Das hieß jedoch nicht, dass die Idealistin in ihr deswegen aufgehört hatte, zu existieren – sie war durchaus nach wie vor da, vermutlich sogar stärker denn je, nur versteckter und mit der größten Menge an Abscheu für niemand geringeren als … sich selbst. Auf Aphelions Frage hin, ob sie sich denn sicher sei, dass es sich um eine Ehre handele, weil Legenden doch bekanntermaßen oft sehr langweilige Gesprächspartner mit keinem anderen Thema als ihrem eigenen Ruhm waren, verzog Zhira die Lippen also vom höflichen Lächeln zu einem schiefen Schmunzeln. Einerseits, weil es sich unfassbar komisch anfühlte, von ihm mit einem „Euch“ adressiert zu werden. Andererseits, weil sie diesen Grad an gewissermaßen selbstkritischen Humor nicht wirklich erwartet hatte – und er mit seiner Aussage dennoch vollkommen richtig lag. Allein an dieser Tafel hätte Zhira in mindestens vier verschiedene Richtungen auf einen Mann zeigen können, der die fleischgewordene Bestätigung dafür war. Um mit ihrem Blick nicht gerade genau das zu tun, sah sie still schmunzelnd für einen Moment auf ihren Schoß, in dem zur Vorbereitung auf das Mahl ihre Serviette ausbreitete. Ihre Augen fanden zurück zu Aphelion, während er weitersprach. „Aber es ist mir eine Ehre, neben Euch sitzen zu dürfen.“ - fast noch lachhafter, als seine Aussage davor, was sich durch ein unweigerliches Zucken der linken Augenbraue im Gesicht der Brünette ausdrückte. „Wie geht es Euch?“ Endlich. Eine unverfängliche Frage … zumindest, wenn man sie so oberflächlich beantwortete, wie sie gestellt worden war. Und natürlich tat Zhira genau das, während die Bediensteten wie eifrige Ameisen die opulenten Gerichte auf den Tisch vor ihnen brachten. „Mir geht es gut, ich danke Euch. Wie könnte es auch anders sein, mit einer solchen“ – sie gestikulierte leicht zu den dampfenden Speisen vor ihnen, die ihr insgeheim über deren Ausmaß die Übelkeit in den Magen trieben – „Varietät an Köstlichkeiten.“ Eigentlich war es viel zu viel Essen für die Menge an Menschen, die anwesend waren. Nur die Vorstellung, wie viele hungernde Bürgerinnen und Bürger man damit versorgen konnte, war geradewegs obszön. Insbesondere, wenn man bedachte, dass die (sicherlich exorbitante) Menge an Resten eher noch an fett gefütterten die royalen Haustiere gehen würde als an die armen Seelen, die am anderen Ende der Stadt am Hungerstuch nagten. Doch nichts davon fand auch nur Ausdruck in Zhiras Ausstrahlung. Nein, in diesem Kreise musste sie die schützende Ignoranz vorgeben, die von ihrer Position erwartet wurde. „Und wie geht es Euch?“, stellte sie dann die floskelartige Gegenfrage, „Ich muss sagen, ich bin überrascht, dass Ihr allein hier seid.“ Und um klarzustellen, dass sie nicht etwa eine Frauenbekanntschaft als Begleitung erwartet hatte, fügte sie leicht lächelnd hinzu: „Ohne Astraea.“ herkunft Capital City
stand Oberschicht
alter 29 Jahre
gender Weiblich
bändigung Feuer
beruf Inhaberin
größe 1,69
erscheinung
169cm - lockiges, dunkelbraunes Haar - unter den dunklen, beinahe schwarzen Augen zeichnen sich meist Augenringe ab - schlanke, schmale Statur - olivfarbene Haut - lächelt selten - kleidet sich tendenziell in weinroten und auberginefarbenen, wenig geschmückten Kleidern
gespielt von Elle
(sie/ihre)
◇
weißer Drache
03.03.2022, 14:56
Es hatte mal eine Zeit gegeben, zu welcher sie sich keinerlei Gedanken darüber hätten machen müssen, welche Worte sie an den jeweils anderen richteten. Eine Zeit, zu welcher das viel zu höfliche “Euch” nicht nur absurd hochgestochen in ihren Ohren geklungen (wobei es das zumindest für Aphelion auch immer noch tat), sondern ihnen auch so fern gelegen hatte, dass sie nicht einmal einen Gedanken daran verschwendet hätten. Dass es heute mit solch einer Selbstverständlichkeit über ihre Lippen fiel, fühlte sich nicht nur an, als wäre ihre Kindheit irgendwo im bedeutungslosen Nichts ihrer Erinnerungen verkommen, sondern ließ es auch so erscheinen, als wären es ganze Jahrhunderte, welche seitdem vergangen waren. Sie waren nicht mehr die Kinder, welche in dem riesigen Anwesen von Runes Familie Verstecken spielten, geschweige denn besaßen sie noch ihre Unbeschwertheit von damals. Die Zeit hatte ihnen Narben auf Haut und Seele gezeichnet und die kindliche Jugend in ihren Gesichtern mit einem erschreckenden Ernst ersetzt. Aphelion konnte noch nicht einmal sagen, wann genau es dazu gekommen war; wann sie aufgehört hatten, sich mit solch belanglosen Spielen die Zeit zu vertreiben und wann man ihnen so viel Verantwortung auferlegt hatte, dass sie nicht nur einmal damit zu kämpfen hatten, eben jene auch tragen zu können. Er wusste nur, dass der absurde Wunsch, eben jener Verantwortung gerecht werden zu können; ja, sogar noch viel mehr als diese zu tragen, sich mit den Jahren, in welchen er immer deutlicher zu spüren bekommen hatte, wie die meisten ihn und seine Familie aufgrund seines Äußeren behandelten, immer mehr in ihm verfestigt hatte. So sehr, dass er nicht einmal davor zurück geschreckt hatte, eines der wohl mächtigsten Wesen ihrer Welt zu töten, um die Ehre seiner Familie wieder herzustellen. Weißer Drache, nannte man ihn voller Ehrfurcht und Respekt, als wäre dieser Titel kein Beweis für die Grausamkeit, welche sich auch von seinem sonst so sanften Gemüt nicht abstreiten ließ. Das Blut klebte auf ewig an seinen Händen und ließ sich auch nicht von der Abscheu, sich selbst gegenüber, und Schuld, welche durch seinen Körper pulsierte, nicht von jenen waschen.
Absurd. Es war absurd, wie sehr er sich vor ein paar Jahren noch danach gesehnt hatte, dass man ihm endlich genügend Anerkennung zollen würde, um ihn auch nur einmal zu solch angeblich bedeutenden Feierlichkeiten wie der heutigen einzuladen - nur damit er innerhalb von kürzester Zeit realisierte, wie sehr er alles an diesen Festen verabscheute. Die flachen Gespräche, das falsche Lächeln, welches sie alle so perfekt eingeprobt hatten, die kläglichen Versuche, eine ausgelassene Stimmung unter den Gästen zu verbreiten, als wäre ihnen alle nicht bewusst, dass sie auf dem seidenen Faden zwischen Frieden und Krieg balancierten… Wusste man, wie wenig Gefallen Aphelion an all dem fand, war es auch kein Wunder, dass er meistens der erste war, der ging, sobald es angebracht war und auch jetzt versuchte er gedanklich bereits auszumachen, wie lange er diese Maskerade noch ertragen musste. Dabei machte Zhiras Gesellschaft es deutlich angenehmer, als es sonst der Fall gewesen wäre - zugleich machte ihr Anblick ihm jedoch nur noch bewusster, wie sehr sie beide sich in den vergangenen Jahren doch verändert hatten. Und wie sehr er sich zu den Tagen zurück wünschte, an welchen sein größtes Problem darin bestanden hatte, dass seine kindliche Verliebtheit offensichtlich nicht auf Gegenseitigkeit beruht hatte. Floskeln über Floskeln. Es sollte niemanden überraschen, dass ihr Gespräch trotz ihrer vergangenen Freundschaft nicht wirklich an Tiefe gewann. An einem Ort wie diesem schienen solche Unterhaltungen schlichtweg keinen Platz zu finden. Selbst wenn man seine Schwester, deren Fehlen Zhira auch nicht unbemerkt blieb, ebenfalls eingeladen hätte, hätten die beiden Geschwister höchstens tuschelnd die Köpfe zusammen gesteckt, anstatt sich über Dinge zu unterhalten, die tatsächlich Bedeutung hatten. “Es fühlt sich auch etwas seltsam an”, ohne seine Schwester hier zu sein, wo sie doch sonst Schulter an Schulter zusammen klebten, als wäre eine Existenz ohne den jeweils anderen an ihrer direkten Seite schier unmöglich. Dabei trennten die Weiten der Meere sie mittlerweile öfter und länger voneinander, als dass sie sich tatsächlich mal sahen. “Leider ist Astraea heute verhindert”, was eine nette Umschreibung dafür war, dass man sie im Grunde nicht eingeladen hatte. herkunft Capital City
stand Adel
alter 34 Jahre
gender Männlich
bändigung Feuer
beruf Admiral
größe 1,95
erscheinung
Es war nicht unbedingt immer das schneeweiße Haar, welches ihm länglich etwas über die Schultern fiel, oder die goldenen Augen, die einen den Blick auf Aphelion richten ließen, denn auch ohne diese fiel der junge Admiral mit seiner Größe von ganzen 1,95m auf. Noch dazu kam eine recht breitgebaute und muskulöse Statur, die in Kombination mit der Größe wohl einschüchternd wirken konnte. Auch das Gesicht wirkte auf den ersten Blick eher grimmig, dabei genügte nur ein genauer Blick in seine Augen, um zu erkennen, wie er sich tatsächlich fühlte. Und spätestens, wenn er lächelte, war es schwer, ernsthaft Angst vor ihm zu haben, war es doch ein äußerst warmes Lächeln, bei welchem sich sogar ein paar Grübchen in seinen Wangen bildeten.
gespielt von Alex
(sie/ihre) |
