fire meet gasoline
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Gast
22.08.2021, 09:59
Krieg, Frieden, Krieg, Frieden, Krieg, Frieden. Es war eine seltsam schiefe Disharmonie, die durch Vahşets Kopf krächzte, während sie über das verblassende Hinkelkästchen hüpfte. Die Straße des kleinen Basars in diesem ärmlichen Viertel war wie ausgestorben. Die Menschen, die hier lebten und litten, hatten sich allesamt zu der Demonstration an der Mauer begeben. Hier hatte man viele Angehörige verloren. Brüder, Väter, Geliebte. Und die Armut, das Leid zogen sich brutal durch die Straßen. Es roch schlecht und überall war Müll auf den Boden verteilt. Kinder mussten mit Kreide dieses Hinkelkästchen auf den Boden gezeichnet haben. Was für ein fabelhaftes Spiel! Ehrlicher Enthusiasmus und Freude zeichnete sich in jedem Winkel ihrer Züge, als die Himitsu von einem Kästchen ins andere hüpfte. Sie drehte sich beim Springen, wechselte die Beine und flog über das Kreidespiel hinweg, um beim letzten Sprung in einem aufgeregten Lachen zu enden. Ihr Lachen hallte von den brüchigen Wänden bloß leise wieder, aber sie mochte die kleinen Echos. So fühlte es nicht so an als wäre sie komplett allein in dieser Straße. Sie verbeugte sich vor einem imaginären Publikum, um dann mit stolzem, geschmeidigem Schritt weiterzugehen. Normalerweise arbeitete Vahşet am Hof und hatte nichts im Unteren Ring zu suchen. Aber die Ausflüge hier hin waren immer fabelhaft. Sie fühlte sich hier viel freier als in der strengen, langweiligen Etikette am Hof. Hier dachten sich Kinder so brillante Spiele aus, während sie am Hof erwachsen spielten. Langweilig. Es war ihr also eine allzu willkommene Abwechslung, dass sie mit Ikharus den schweigenden Protest an der Ostmauer aufmischen sollte. Oder so ähnlich. Hatte sie sich nicht wirklich gemerkt, für die Details des Auftrags hatte sie Ikharus zuständig gemacht. Sie wusste nur, dass sie für irgendetwas bei dem Aufstand sorgen sollten. Dafür hatte sie sich in lumpige Kleidung begeben, in der man sie mit Leichtigkeit für eine stinknormale Bürgerin Ba Sing Ses halten könnte. Sie ging den leergefegten Basar weiter entlang und ließ es sich nicht nehmen die ein oder andere Vase von den Auslagetischen zu stoßen. Es gab einfach kein schöneres Geräusch für die Feuerbändigerin, wenn etwas klirrend in Scherben zerfiel. Herrlich. Egal, wie unachtsam Vahşet in diesem Moment als sie Chaos hinter sich stiftete durch die Straße ging, ihre Aufmerksamkeit war immer zu Hundertprozent in ihrer Kontrolle. Wenn sie eine Flasche von einem Stand nahm, um sie scheppernd auf den Boden fallen zu lassen, dann lauschte sie trotzdem nicht nur dem zerstörerischen Klang. Es war ihr siebter Sinn, ihr geheimes Talent, immer mitzubekommen, wenn ihr ein Schatten folgte. Aber darum musste sie sich ja überhaupt keine Sorgen machen, schließlich war sie sogar verabredet! Sie trat um die nächste Ecke, die sie mit Ikharus als Treffpunkt abgemacht hatte.
Mit baumelnden Beinen saß sie auf auf den verlassenen Gemüsewagen und wartete auf Ikharus. Der kleine Schönling mit dem verzogenen Grinsen und dem uncharmanten Charakter, den Vahşet ganz, ganz toll fand. Sie mochte Ikharus und sie liebte, dass sie ihm eine der fauligen Tomaten hinter ihr ins Gesicht werfen konnte, sobald er um die Ecke kam. Hier waren sie verabredet, um ein paar Straßen und Ecken weiter zu der Mahnwache zu gehen, wo einige Bewohner Ba Sing Ses den gefallenen Soldaten in den Kolonien gedachten. Sie spürte ein Kratzen im Nacken. Kleine Krallen, die sich langsam und vorsichtig über ihre Haut bewegten. Das Gesicht der Feuerbändigerin wurde instinktiv von einem breiten Lächeln erhellt als sie in ihre Kapuze griff und vorsichtig Chi Chi hervorholte. Der Chamäleonskorpion mit den irren Augen, die in jede Richtung blicken konnten und dem gefährlichen, giftigen Schwanz war zugleich das hässlichste und süßeste Wesen, das sie je gesehen hatte. Liebevoll hob sie ihn in ihre Hände und hielt Chi Chi direkt vor ihr Gesicht, wo die dunklen Augen ihm zugeneigt entgegen funkelten. „Naaaww, du hässliches, kleines Würmchen“, säuselte sie mit kindlich-hoher Stimme, wie so viele Menschen mit ihren Haustieren sprachen. Chi Chis lange Zunge sauste vor und tippte gegen Vahşets Nase, was ihr ein kleines Kichern entlockte. Bei Raava, wie sie dieses Viech in ihr Herz geschlossen hatte. Der gefährliche Schwanz des Chamäleonskorpions wickelte sich um ihr Handgelenk. So zeigte Chi Chi Zuneigung, da war sie sich sicher. „Wer hat dich lieb? Mami hat dich lieb!“ Sie küsste Chi Chi mehrfach auf das breite Maul, das immer irgendwie missmutig dreinblickte. Dann hörte sie Schritte. Vahşet blickte auf und während sie mit einer Hand Chi Chi zurück in ihre Kapuze beförderte, riss sie den anderen Arm freudig in die Höhe um Ikharus zu winken und dabei übers ganze Gesicht zu lächeln. „HUUHUU!“ größe
erscheinung
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11.09.2021, 09:38
« Zumal die Anordnung nicht wortwörtlich von ›ganz oben‹ kommen konnte, eher von Bauchnabelgegend, wenn der halbwüchsige Yusei sie gegeben hatte. »
Ikharus hasste Ba Sing Se mit jeder Faser seines Seins. Das hatte sich nur verschlimmert, seit er nach seinem letzten charmanten Aufenthalt in Capital City vom Mittleren Ring in den Unteren Ring versetzt worden war, denn auf alles, was nach Verbannung roch, nach Verbannung schmeckte und mit der Bezeichnung ›Anordnung von ganz oben‹ hübsch verpackt wurde, reagierte der gefallsüchtige Mann mit dem unkontrollierten Temperament leider nicht sonderlich gut. Zumal die Anordnung nicht wortwörtlich von ›ganz oben‹ kommen konnte, eher von Bauchnabelgegend, wenn der halbwüchsige Yusei sie gegeben hatte.Es spielte keine Rolle, dass er zwischen dem Gesindel im Unteren Ring eine besser auf ihn zugeschnittene Rolle einnahm, denn die einfacheren Leute waren ihm weniger abgeneigt und seine Arbeit nicht länger an die Etikette gebunden, mit der er sich sowieso schwer tat. Es spielte keine Rolle, weil es ums Prinzip ging: die Versetzung hatte ihn demütigen sollen, und das war auch gelungen. Wäre er nicht so ein Stehaufmännchen, hätte er die ganze Stadt angezündet, nur um alle wissen zu lassen, dass er schmollte, jaha. Aber zu ihrer aller Glück war jede seiner Launen war ebenso schnell vorbei, wie sie gekommen war, auch wenn der Groll in seinem Inneren bestehen blieb. Das äußerte sich darin, dass er sich an seiner Arbeit insgeheim erfreute, aber Ba Sing Se morgens beim Aufstehen schon verfluchte, und natürlich, dass er sich ausgiebigen Fantasien darüber hingab, wie er Yusei auf den Kopf spuckte, wenn er ihm das nächste Mal gegenüberstand. Jaja, glücklich war er bei seiner Arbeit ganz bestimmt nicht, es sollte bloß keiner merken, dass er sich zwischen den finsteren Gestalten im Unteren Ring wohler fühlte, als zwischen den Spießbürgern im Mittleren. Aber so war es leider. Alle Sympathie für den rauen Ton im Unteren änderte jedoch nichts daran, dass er das Erdkönigreich noch immer verachtete und wenig für die Mentalitäten übrig hatte, mit denen sich die Menschen hier schmückten. Dabei war er ausgesprochen gut darin, sie zu imitieren, und seit sich die Stimmung in der Hauptstadt von unterschwellig brodelnd zu immer wieder hochkochend verändert hatte, genoss er seinen Job regelrecht. Wie viel von dem, was er tagtäglich anstellte, tatsächlich zu seiner Jobbeschreibung gehörte, war ihm so gesehen auch egal. Er hatte die Auflagen erhalten, sich unter die Menschen im Unteren Ring zu mischen — dazu gehörte seines Erachtens auch, ihre Stimmung aufzugreifen und zu spiegeln, power to the people und so. Denn in seinen Augen war es für die Feuernation nur von Vorteil, wenn sich die verarmte, vom Krieg gemarterte Bevölkerung gegen ihre Obrigkeit auflehnte — bedeutete dies nicht, dass das Königreich geschwächt wurde? Dass sie sich nicht länger im Krieg befanden, (in Ba Sing Se ja sowieso nicht, wer würde hier so was behaupten?) war ebenso irrelevant für Ikharus, wie sein eigenes Überleben. Er schätzte es nicht. Ein beachtlicher Teil seines Wesens erfreute sich an den aufgebrachten Stimmen, die in der Bevölkerung laut wurden, und der andere Teil wollte mit dem gefundenen Fressen zündeln. Yota beging einen Fehler damit, dass er die Zerstörungswut der ehemaligen Schwarzen Krähe unterschätzte. Doch viel schlimmer als das: er machte den Fehler, sich beim Verteilen der Mission sowohl unpräzise auszudrücken, als auch Ikharus, der allein bereits ein Verkehrshindernis der Extraklasse war, Vahset an die Seite zu stellen. Ikharus war es kaum gelungen, seine Begeisterung zu verbergen, sobald er davon erfahren hatte, und natürlich hatte er es deswegen nicht darauf angelegt, Yotas Aufgabenstellung, die Demonstration an der Ostmauer im Auge zu behalten, zu hinterfragen — nein, die aufklaffenden Lücken waren ihm nur recht und er scheute nicht davor zurück, die Ungenauigkeit des verdeckt in der Polizei stationierten Himitsus auszunutzen. Die erhaltenen Auflagen waren bereits bei der Anweisung mit seinen Fantasien von ein bisschen Chaos verschwommen, und als er sich schließlich durch die wie leergefegten Gassen des Unteren Rings begab (wer sich von den Bürgern nicht dem Protest anschloss, verkroch sich in den Häusern, schloss die Fenster und sperrte jeglichen Sinn für die Realität aus), hatte er schon gefühlt zig Szenarien durchgespielt, wie Vahset und er dem Protest den nötigen Kick verpassen könnten — wobei er im Auge behielt, dass sie selbst nicht als das enttarnt wurden, was sie waren. Was es schon deutlich schwerer machte, denn natürlich hätte er am liebsten ein Feuerchen gelegt oder die Masse dazu aufgerieben, die Statue Ken Shous zu fällen … Letzteres war vielleicht gar keine schlechte Idee. Warum nicht die Menge dazu bringen, aus dem stillen Protest eine Revolte zu machen? Nichts wäre lustiger, als zu beobachten, wie die Bewohner einer Nation sich gegeneinander wandten, während die Feuernation ihre Hände in Unschuld wusch. Derlei Gedanken hielten ihn auf Trab, und sorgten dafür, dass er an der Ecke des verlassenen Basars, an der er sich mit Vahset verabredet hatte, mit einem fiebrigen Grinsen auftauchte. Nicht einmal, dass sie ihr hässliches Schmusehaustier mitgebracht hatte, vermochte den Enthusiasmus zu schmälern. »Krass, hab dich lange nicht mehr so heruntergekommen gesehen, hätt dich ja fast nicht erkannt«, begrüßte er die Himitsu und musterte sie einen Augenblick, wie sie dort lässig auf dem Gemüsewagen saß. Dann packte er auch schon die Stäbe, mit denen man den Verkaufswagen transportierte, und fing an zu schieben. Den konnte man doch sicher noch gut gebrauchen … herkunft Ba Sing Se
stand Mittelschicht
alter 27 Jahre
gender Männlich
bändigung Feuer
beruf Agent
größe 1,78
erscheinung
Ikharus’ Äußeres wirkt auf seine Mitmenschen ebenso anziehend wie sein Inneres abstoßend; im Zusammenspiel formen seine provokante Natur, die scharfkantigen Züge seines Gesichts und der athletische Körper einen in sich verstrickten Mann, der ebenso oft auf Zuspruch wie auf Ablehnung stößt — je nachdem, wie dick das Fell seiner Mitmenschen tatsächlich ist (oder wie oberflächlich sie sind). Es lässt sich durchaus behaupten, dass der Feuerbändiger schön ist mit seinen hübschen mokkafarbene Augen, die dunkel wie ein schlammiges Moor mit besorgniserregender Tiefe sein können, oder aber hell wie mit Milch versetzter Schwarztee, glimmende Herausforderung im Blick.
Von seinen geschwungenen Lippen perlt so selten ein ehrliches Wort, dass man meinen könnte, sie sollten von Natur aus dunkel und böse aussehen — doch das tun sie nicht. Viel zu gern verziehen sie sich zu einem (zugegebenermaßen manchmal bissigen) Lächeln, das doch immer ein wenig verschmitzt aussieht, während ein wahres Lächeln, das seine Grübchen zum Vorschein und seine Augenfältchen zum Ausfächern bringen würde, es selten bis nie auf sein Gesicht schafft. Dafür zügelt er sich selbst zu sehr, ist zu verstrickt in alles Negative, das sich auch in seinen oft vor der Brust verschränkten Armen und dem energischen, ungeduldigen Gang widerspiegelt. Er ist ein Mann fahriger Natur, jegliche Lässigkeit ist erzwungen, vielmehr wirkt er verspannt, wie als würde er sich ständig gegen etwas stemmen, während er, entgegen jeglichen Sehnens nach Sanftheit, grob durch die Weltgeschichte marschiert. Wenn er frustriert ist, reibt er sich exzessiv den Nacken oder rauft sich die Haare, bis die (momentan) mittellangen Strähnen konfus von seinem Kopf abstehen. Den einstigen Dutt aus langem, seidig schwarzem Haar hat er als Himitsu zugunsten der Tarnung aufgegeben — ebenso wie er sich nicht länger in die typische Uniform des Militärs der Feuernation kleidet, sondern sich je nach Aufenthaltsort anpasst. Unter seiner Kleidung verbirgt der 1,78m hohe Feuerbändiger eine Brandnarbe am Sternum, die sein Halbbruder Aeneas ihm im Laufe einer Trainingseinheit zugefügt hat — kleinere wie größere Narben haben sich über die Kriegsjahre hinweg dazugesellt, jedoch nichts Langwieriges. Selbst davon, beim versehentlichen Feuerbändigen im nördlichen Lufttempel beinahe von Jhaans Himmelsbison zerquetscht worden zu sein, hat er sich erstaunlich gut erholt — er hat von der Gehirnerschütterung nur seelische Narben (aufgrund der Demütigung) davongetragen.
gespielt von Chulia
(Name als Pronomen)
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Gast
21.11.2021, 13:33
« Lächelnd griff Vahşet nach ihrem lumpigen Rock und neigte züchtig ihr Kinn, als wolle sie vor dem Kompliment knicksen. Stattdessen ließ sie Ikharus ungeniert unter ihren Rock gucken und präsentierte dabei den Dolch, den sie sich an den Oberschenkel gegurtet hatte. »
Es brauchte nicht viel Fantasie, um sich denken zu können, dass Ikharus und Vahşet eine explosive Mischung waren. Davon war Vahşet zumindest überzeugt. Er war ein notorischer Querulant und sie - zumindest nach dem Gutachten gewisser Himitsu Vorgesetzter - ein aggressiver Trottel. Da lag es doch auf der Hand, dass sie gemeinsam aus dem Ruder liefen und ein gefährliches Chaos an Kopflosigkeit, Übermut und Groteske ergaben. Für die Dunkelhaarige war dies zumindest fürchterlich offensichtlich gewesen als sie erfahren hatte, dass sie mit Ikharus die Demonstration auskundschaften sollte. Und weil es für sie so offensichtlich war, ging sie geflissentlich davon aus, dass es doch genau das war, was von den beiden gewollt wurde. Austicken. Den Rahmen sprengen. Die Grenzen und Regeln menschlicher Angemessenheit überschreiten und ein Spektakel veranstalten. Allein die Vorstellung ließ die Finger der Feuerbändigerin aufgeregt kribbeln. Es war lange her, dass sie zuletzt über die Strenge geschlagen war und für die einstige Kriminelle war es als wolle das Schicksal ihre Sucht nach Eskalation nach einer kleinen Ewigkeit endlich stillen. Am Hof musste sie die Etikette hervorkramen, die zu frühen Jugendtagen gelernt hatte als sie am Hof von Thabor gearbeitet und gelitten hatte. Sie konnte schon freundlich lächeln, Unterwürfigkeit heucheln und den blasierten Affen am Hof den Arsch hinterher tragen. Das war nicht schwer. Jeder Vollidiot konnte das. Aber die Feuerbändigerin hasste es. Sie hasste jede Sekunde, die sie in dem potthässlichen Palast verbrachte, der nach Dreck und Rosen stank, in Gold und Grün protzte und in dem die Leute sich in eintöniger Langweiligkeit zu übertrumpfen versuchten. Es fühlte sich wie eine Strafe an, dass ausgerechnet sie in die blasierte Gesellschaft geschickt worden war und Ikharus das Glück zugefallen war sich im Unteren herumzutreiben. Zwischen Widerlingen, Scheusalen, armen Kreaturen, verlorenen Existenzen und dem letzten Abschaum hatte sich die Feuerbändigerin immer wohl gefühlt. In vielerlei Hinsicht waren diese Leute, zu denen sie zweifellos selbst zählte, für sie sehr viel berechenbarer. Anders als die Lackaffen am Hof, die hinter lächelnden Lippen, Worte wie Hurensohn verschluckten, wenn sie angemessen waren und stattdessen ein Geheimnis lüfteten, um sich zu rächen. Vahşet hatte diese Spielchen in den vergangenen Wochen oft beobachtet. Es wurde sich ins Gesicht gelächelt und ein Kompliment gemacht, während die Hände hinter dem Rücken schon einen Strick knüpften oder darauf warteten jemand in ein Tief zu schubsen. Dabei kamen sich die feinen Affen meist sehr schlau und durchtrieben vor, maskierten geschickt wie träge und beschissen ihr Leben und wie feige und erbärmlich ihr Wesen war. Vahşet hatte lieber zehn Feinde, die ihr die Knochen brechen wollten als auch nur einen Freund, der schon Informationen und Geheimnisse über sie sammelte, nur für den Fall sie hintergehen zu wollen. Es war seltsam wie die Leute da oben sich gaben. Es war irgendwie auch ein bisschen peinlich. Anders als Ikharus. Der war nicht nur hinter vorgehaltener Hand ein Arschloch, nein, der trug seine Unausstehlichkeit ganz offen heraus und Vahşet fand den kleinen Scheißer fabelhaft. Sie haushaltete mit dieser Zuneigung auch nicht sonderlich geheim, sondern hausierte damit gern herum solange kein Yusei mit erhobener Hand ihrem Hinterkopf drohen könnte. Und als Ikharus um die Ecke trat und sie mit einem Grinsen begrüßte, breitete sich ein entzücktes Lächeln auf ihrem Gesicht aus. Krass, hab dich lange nicht mehr so heruntergekommen gesehen, hätt dich ja fast nicht erkannt. Lächelnd griff Vahşet nach ihrem lumpigen Rock und neigte züchtig ihr Kinn, als wolle sie vor dem Kompliment knicksen. Stattdessen ließ sie Ikharus ungeniert unter ihren Rock gucken und präsentierte dabei den Dolch, den sie sich an den Oberschenkel gegurtet hatte. „Und du schaust so hässlich aus wie immer!“, flötete sie mit honigsüßer Stimme als hätte sie ihm gerade das schönste Kompliment gemacht. Chi Chi gab ein gurgelndes Fauchen von sich, was sicherlich Zustimmung bedeutete. Der süße, kleine Chamäleonskorpion hatte genauso wie die Himitsu einen Narren an dem anderem gefressen und kroch nur zu gerne in seine Ärmel und Hosenbeine, weil Ikharus sich dann so herrlich beschwerte. Er war einfach ein toller Typ! Ein Freund, ein Zuckerstück. Er hatte nach den Stäben des Gemüsewagens gegriffen und das Holz unter ihrem Po machte einen Ruck, sodass der Wagen sich nun auf die Räder stützte und langsam losrollte. Wie eine Königin fühlte sie sich als Ikharus begann sie durch die Gasse zu schieben. Aber wie eine Königin benehmen, wollte sie sich nicht. Auch Chi Chi hatte das sichere Versteck der Kapuze bereits verlassen und kletterte über das alte Gemüse. Vahşet bog den Rücken über die Bank und hing so kopfüber mit dem gelenkigen Oberkörper, um ihren Schiebeknecht anlächeln zu können. „Hast du mich vermisst?“ größe
erscheinung
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06.01.2022, 19:54
Er hinterfragte nicht, was Yota sich dabei gedacht hatte, Ikharus und Vahset gemeinsam mit einer Mission zu betrauen. Trotzdem gelang es ihm, seinen ergrauten Vorgesetzten dafür innerlich als dumm zu betiteln. Wenn er dachte, Ikharus könne Vahset unter Kontrolle haben oder dass sich ihr beiderseitiger Hang zu Chaos gegenseitig ausmerzte, hatte er sich eindeutig verkalkuliert. Denn Ikharus versuchte nicht einmal, Vahset zu kontrollieren. Es war ganz und gar nicht in seinem Interesse, sie an die Leine zu legen, zumal er sich auch ziemlich sicher war, dass allein der Versuch schlecht für ihn enden würde. Eher tickten sie gemeinsam aus, was diesen Tag automatisch zu einem der besten Tage machte, den er in letzter Zeit gehabt hatte. Zumindest glaubte er das noch; was sollte denn schief gehen? Bisher waren sie nichts als euphorisch, grinsten einander an wie kurz vorm Zuckerschock stehende Kinder; oder eben wie angriffslustige Feuerbändiger, die es leid waren, den Kopf unten zu halten.
Zurückhaltung lag nicht in Ikharus’ Natur, und so sehr sein Vater und später seine Vorgesetzten im Militär es versucht hatten, war es niemandem gelungen, ihm jene anzuerziehen. Die einzige Person, von der er wusste, dass sie ihn noch überbot wenn es ums Eskalieren ging, begrüßte ihn erst mal mit einem absolut unkeuschen Heben des Rockes; nicht, um ihn mit ihrer Unterwäsche zu verschrecken, sondern um ihm ihre Bewaffnung zu demonstrieren. »Netter Dolch — aber nächstes Mal kann ich auf ‘n Blick auf deinen Pelz verzichten«, schnarrte er, ohne dass sich das Grinsen jedoch von seinem Gesicht wegbewegte. Vahset belohnte ihn dafür mit einem hauseigenen Kompliment für sein Aussehen, das er mit einem Schnauben quittierte. »… jahrelange Übung macht’s möglich.« Mit hässlich meinte sie bestimmt nur, dass er eine Klamotte am Leibe trug, die so zerlumpt war, dass er im Unteren nicht auffiel. Schick machen musste man sich für einen Aufstand ja nicht. Dass sie sein Gesicht gemeint haben könnte, kam für ihn jedenfalls nicht infrage, denn dahingehend war er mit gottgleichen Genen gesegnet worden: seine leibliche Mutter, wer auch immer sie sein mochte, musste wahrlich schön gewesen sein, denn sein Vater sah eher aus, wie als habe man sein Gesicht einmal zu oft in Säure getunkt. Rote, wurzlige Nase, unfreundliche Augen und ein Mund wie von einer stumpfen Axt geschlagener Holzscheit. Der Mann war sogar noch hässlicher als Rida. Zum Glück hatten die Geister diesen Kelch an Ikharus vorbeiziehen lassen. Vahset musste er aber auch nicht unter die Nase reiben, wie überaus schön er war, die wusste das auch so — anders konnte man doch kaum erklären, warum sie sich ausgerechnet so vom Wagen hängen lassen musste, dass sie ihn gut im Blick behalten konnte. Für einen Moment hielt Ikharus nach ihrem Gräuelhaustier Ausschau, aber der (das?) Chamöleonskorpion kraxelte irgendwo hinter ihm über das holpernde und polternde Gemüse. Trotzdem wurde ihm etwas unbehaglich dabei zumute, das Tier nicht im Blick zu haben. Bei ihrem letzten Aufeinandertreffen hatte es seine schleimige kleine und überaus flinke Zunge nämlich in sein Ohr schnellen lassen — eine Erfahrung, die ihn seither bis in seine Albträume verfolgte und selbst schlimmer für ihn wog als der Traum, in dem er einem ganz bestimmten Luftbändiger, an den er heute wahrlich nicht denken wollte, die Kehle durchschnitt. Hast du mich vermisst? »Vielleicht«, antwortete Ikharus vage, nicht halb so sehr dazu verlockt, Vahset mit der Zuneigung, die er zugegebenermaßen für sie empfand, zu überschütten. Stattdessen hob er leicht die Augenbrauen und pustete ihr einmal ins Gesicht. »Wenn du mir weiter in der Fresse rumhängst, vermisst du gleich was.« Ein Auge. Ein Nasenloch. Irgendwas ließe sich bestimmt ankokeln, wenn sie es zu weit trieb. Nur dass er ja wollte, dass sie dies tat. Sie hatte sich nur gefälligst auf ein anderes Ziel als ihn zu konzentrieren. Es dauerte nicht lang, bis das eigentliche Ziel ihrer Mission in Sicht kam — auf den immer leerer werdenden Straßen zeichnete sich zwischen den Gebäuden ein huckeliger, hinab zur Ostmauer führender Weg aus notdürftigen Feldsteinen. Gedämpft konnte man bereits Rufe vernehmen, halbgare Sprechchöre, denn selbst ein friedlicher Aufstand überlebte nicht ohne seine abgeklatschten Phrasen, die mantra-artig wiederholt wurden. Bevor die Menge jedoch mehr als in Form von Nadelkopf großen Köpfen sichtbar werden konnte, hielt Ikharus mit dem Gemüsewagen an und senkte leicht die Stimme, um sich beinahe vertrauensvoll an Vahset zu wenden. »Hier ist der Plan«, er ließ die Stäbe los und trat beiseite, dem Wagen erst eine Musterung und dann einen leichten Tritt verpassend. Er rollte ein paar Zentimeter, was ihm sagte, dass er mit ein wenig mehr Schwung sicherlich einfach in die Menge rasen würde … mehr musste er gar nicht wissen, sondern krempelte prompt seine Arme hoch. »Ich zünd den Wagen an und du schreist wie am Spieß … geht klar?« Kaum gesagt, trat er rückwärts hinter den Wagen, bereit, diesen nicht nur anzuzünden, sondern ihm auch einen kräftigen Schub zu geben, sodass er mitten in die Menge hinein raste. War doch total die gute Idee — in seinen Augen, in denen es aufgeregt und ein bisschen makaber funkelte, war es das jedenfalls. »Das wird ein echtes Spektakel!« herkunft Ba Sing Se
stand Mittelschicht
alter 27 Jahre
gender Männlich
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größe 1,78
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Ikharus’ Äußeres wirkt auf seine Mitmenschen ebenso anziehend wie sein Inneres abstoßend; im Zusammenspiel formen seine provokante Natur, die scharfkantigen Züge seines Gesichts und der athletische Körper einen in sich verstrickten Mann, der ebenso oft auf Zuspruch wie auf Ablehnung stößt — je nachdem, wie dick das Fell seiner Mitmenschen tatsächlich ist (oder wie oberflächlich sie sind). Es lässt sich durchaus behaupten, dass der Feuerbändiger schön ist mit seinen hübschen mokkafarbene Augen, die dunkel wie ein schlammiges Moor mit besorgniserregender Tiefe sein können, oder aber hell wie mit Milch versetzter Schwarztee, glimmende Herausforderung im Blick.
Von seinen geschwungenen Lippen perlt so selten ein ehrliches Wort, dass man meinen könnte, sie sollten von Natur aus dunkel und böse aussehen — doch das tun sie nicht. Viel zu gern verziehen sie sich zu einem (zugegebenermaßen manchmal bissigen) Lächeln, das doch immer ein wenig verschmitzt aussieht, während ein wahres Lächeln, das seine Grübchen zum Vorschein und seine Augenfältchen zum Ausfächern bringen würde, es selten bis nie auf sein Gesicht schafft. Dafür zügelt er sich selbst zu sehr, ist zu verstrickt in alles Negative, das sich auch in seinen oft vor der Brust verschränkten Armen und dem energischen, ungeduldigen Gang widerspiegelt. Er ist ein Mann fahriger Natur, jegliche Lässigkeit ist erzwungen, vielmehr wirkt er verspannt, wie als würde er sich ständig gegen etwas stemmen, während er, entgegen jeglichen Sehnens nach Sanftheit, grob durch die Weltgeschichte marschiert. Wenn er frustriert ist, reibt er sich exzessiv den Nacken oder rauft sich die Haare, bis die (momentan) mittellangen Strähnen konfus von seinem Kopf abstehen. Den einstigen Dutt aus langem, seidig schwarzem Haar hat er als Himitsu zugunsten der Tarnung aufgegeben — ebenso wie er sich nicht länger in die typische Uniform des Militärs der Feuernation kleidet, sondern sich je nach Aufenthaltsort anpasst. Unter seiner Kleidung verbirgt der 1,78m hohe Feuerbändiger eine Brandnarbe am Sternum, die sein Halbbruder Aeneas ihm im Laufe einer Trainingseinheit zugefügt hat — kleinere wie größere Narben haben sich über die Kriegsjahre hinweg dazugesellt, jedoch nichts Langwieriges. Selbst davon, beim versehentlichen Feuerbändigen im nördlichen Lufttempel beinahe von Jhaans Himmelsbison zerquetscht worden zu sein, hat er sich erstaunlich gut erholt — er hat von der Gehirnerschütterung nur seelische Narben (aufgrund der Demütigung) davongetragen.
gespielt von Chulia
(Name als Pronomen)
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11.01.2022, 20:22
Vahşet hasste Ba Sing Se. Sie hasste den Palast und jeden der piekfeinen Hurensöhne, der dort über den marmornen Boden stolzierte. Sie hasste das Volk des Erdkönigreichs und sie hasste, dass sie gezwungen worden war ihre Heimat zu verlassen, um hier zu spionieren und ein kleines Duckdich zu mimen. Es war viel unentladener Zorn in. Scherbensprengend und splitternd, eine Energie, die tosend und destruktiv in ihrer Brust brodelte. Wie Laava. Es kam ihr wie ein zuckersüßes Geschenk der Geister vor, dass sie und Ikharus nun mit einer Aufgabe vertraut waren, die ihr erlaubt dem Brennen und Jucken unter ihren Fingernägeln nachzugeben. Vor dem anderen Himitsu scheute sie sich nicht die fratzenartige Groteske ihres Wesens zu präsentieren. Vielleicht weil sie Ikharus nicht fürchtete, vielleicht weil sie ihn mochte. Ohne Scham hatte sie den Rock gehoben und ihren hübschen Dolch gezeigt, der sich eng an das muskulöse Bein schmiegte. Vielleicht war es das erste Mal, dass der hübsche Junge zwischen die Beine einer Frau sehen durfte. Vermutlich sogar, denn anstatt sich zu bedanken einen schielenden Blick auf die Goldgrube zwischen ihren Schenkeln werfen zu dürfen, bat er sie ein nächstes Mal darauf verzichten zu dürfen. So interpretierte sie seine Worte, als Bitte. Vahşet kicherte vergnügt und musterte das Grinsen auf seinen Lippen. Es sah aus wie eine spottende Narbe. Sie mochte das. Sie mochte das mokante Lächeln in seinem süßen, süßen Gesicht. „Ich werd versuchen deine jungfräuliche Scheu in Zukunft mehr zu respektieren“, schwor sie ihm feierlich mit dem Ernst eines Kleinkindes, das erklärte es hätte keine heimlich Süßigkeiten verspeist, während ihm ein Bonbon noch an der Backe klebte. Sie ließ den Rock fallen und schlug die Beine übereinander, um dann vergnügt zu lächeln als Ikharus sich mit einem Schnauben für ihr Kompliment bedankte.
Ruckelnd schob Ikharus den Wagen über das Kopfsteinpflaster. Es fühlte sich lustig an, wie das Rattern der Räder über dem ungelenken Boden in ihrem Körper vibrierte. Sie hing über dem Gemüsewagen und beobachtete den anderen kopfüber. Das kurze, dunkle Haar wippte und flatterte. Vahşet war ziemlich zufrieden und fand es wunderschön so durch die Gegend gefrachtet zu werden wie billige Ware, während sie ihren lieben Freund beobachten konnte. Ob er sie vermisst hatte. Vielleicht. Als ob. Er hatte doch hier auch niemanden. Er war doch genauso einsam wie sie! Genauso verloren und fehl an diesem scheußlichen, hässlich-grünen Ort wie sie. Ihre Augen wurden groß als hätten diese zwei kleinen Silben sie verunsichert und dann musste sie blinzeln, weil ihr lästiger Atem ins Gesicht wehte. Ikharus hatte ihr ins Gesicht gepustet. Es war als würde sein warmer Atem die spielerische Albernheit aus ihrem Gesicht wischen. Ihre Züge waren augenblicklich aufmerksam, bargen eine lauernde Ruhe als sie ihn ansah und seinen Worten lauschte. Es war zu lang. Dieser Augenblick, in dem sie Ikharus einfach ansah ohne irgendeine eindeutige Reaktion zu zeigen. In den dunklen Augen war vielleicht die Abwägung zu erkennen, ob sie ihn zur Vorsicht mahnen sollte oder ihm direkt ins Gesicht sprang, um die Fingernägel in seine Stirn zu bohren. Man drohte ihr nicht. Nicht im Spaß und auch Ikharus durfte das nicht. Sie fixierte ihn, bohrte den dunklen Blick durch ihn hindurch bis sich ihr Mund zu einer theatralen Schmolllippe verzog. Sie legte ihre Zeigefinger an die äußeren Augenwinkel und zeichnete zwei Schlieren nach, die wie Tränen über ihre Wangen zum Kinn rannen - nur, dass da keine Tränen waren und es auch keinen Sinn ergab, schließlich hing Vashet immer noch kopfüber. Ihre Fingerspitzen bohrten sich tief in ihre Haut als sie ihre Kehle erreichte und ahmten langsam, zäh eine Schnittbewegung nach. Dann lächelte sie, grotesk und verzogen. Das Schmollen und das Starren waren aus ihrem Gesicht verschwunden. Sie setzte sich schwungvoll auf. „Droh mir noch einmal und ich bring dich um, Ikharus.“ Ihre Beine baumelten spielerisch von dem Wagen auf und ab, während sie den Kopf leicht über den Nacken drehte. Der Himmel war wunderschön. Blau und strahlend. Er war hier so wunderschön wie in der Feuernation. Obwohl hier alles hässlich war und obwohl hier nichts wie in ihrer Heimat funktioniert. Nicht nach ihren Spielregeln. „Oh, schau!“ Sie hob den Arm und deutete auf einen Vogel, der seinen Flügel gehoben hatte, um sein Gefieder zu putzen. Er saß in der Dachrinne eines schiefen Hauses in seinem Nest. Unter seinem gehobenen Flügel konnte man die müden Köpfe seiner Kinder sehen, die wohl sonst unter dem Gefieder geschützt waren. Vahşet schloss ihre Faust und blickte wieder selig drein. „Boom“, flüsterte sie und die kleine Drohung verflog sich in ihrem Gemüt als wäre sie nie existent gewesen. Wechselhaft und von einem neuen Sinneseindruck verflogen. Es verstrich nicht mehr viel Zeit und sie hatten den Hang erreicht, an dessen Fuß der Pöbel pöbelte, denn was sollte er sonst tun. Es klang scheußlich in Vahşets Ohren und so war sie ganz froh, dass Ikharus nicht lang fackelte und ihr seinen Plan erklärte. Er wollte den Wagen anzünden, während sie drin saß und sie dann in die protestierende Menge sausen lassen. Es war ein knochenbrechender, idiotischer Plan, der innerhalb weniger Sekunden einen Tumult auslösen würde und den oder anderen vermutlich grob verletzen würde. Es war ein wunderbarer Plan. Vahşets Augen glimmten auf und sie nickte eifrig. Es war eine tolle Idee und viel effizienter als sich unter das Volk zu mischen und flüsternd zu versuchen die Stimmung zu bearbeiten. Yota würde stolz auf die beiden sein. Stolz und zufrieden. „Das klingt fabelhaft, aber…“ Ikharus war hinter den Wagen getreten und Vahşet musste sich ein wenig vorbeugen, um einen gammelnden Kohlkopf zur Seite zu schieben. Die zirkulierenden Augen von Chi Chi trafen sie und die Feuerbändigerin hob das Tier sanft in ihre Hände, um sich dann zu Ikharus zu recken. „du musst in der Zeit auf Chi Chi aufpassen.“ Sie setzte ihm das süße Tierchen auf die Schulter und blickte zufrieden drein. Perfekt. Und dann war sie auch schon bereit. größe
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08.05.2022, 15:26
»Ja ja, lass mir meine Jungfräulichkeit, die hebe ich mir für meine Zukünftige auf«, stimmte Ikharus ihr mit einem keuschen Seufzen zu, ungeachtet der Tatsache, dass Vahset vermutlich der einzige Mensch auf Erden war, der ihn als ‘jungfräulich’ wie auch ‘scheu’ beschreiben würde. Der Gedanke, sie könnte ihn mit dem Heben ihres Rockes zu Untaten verführen wollen, war aber auch zu absurd. Ebenso absurd wie die Vorstellung, ihm könnte der Busch zwischen ihren Beinen gefallen.
Ihre Drohungen empfand er als durchaus faszinierender — vor allem, dass er nicht einschätzen konnte, ob sie noch witzelte oder Ernst machte. Das aufmerksam geneigte Kinn, der plötzliche Ernst und ihr Innehalten ließen ihn jedoch vermuten, dass er durchaus ein Zehchen zu weit über eine unsichtbare Linie geschoben hatte. Ikharus hatte es selten mit Menschen zu tun, deren Launen noch entzündlicher waren als seine eigenen. Vahset vermochte ihn in der Hinsicht noch zu übertreffen, wessen er sich durchaus bewusst war. Dennoch trieb er es natürlich auch bei ihr gern über die Grenzen, wollte austesten, wie weit er gehen durfte, bevor sich ihr aneinander aufschwingendes Spiel zum Gegenteil verkehrte. Und natürlich wollte er wissen, wie das überhaupt aussehen würde. Denn letzten Endes spielte es keine Rolle, wie sehr er sich selbst in Vahset erkannte, wie vertraut ihm ihr knisternder Zorn war und wie lieb er ihr von Extremen auseinandergerissenes Wesen gewonnen hatte: Er konnte dennoch nicht auf den Boden ihres Seins gucken. Er wusste nicht, wie tief ihre Provokationen reichten, ob sie überhaupt (wie bei ihm) in einem Sumpf endeten, geschweigedenn ob ihm aus diesem Sumpf, sollte er jemals dorthin gelangen, nicht etwas entgegenstarrte, mit dem er nicht umzugehen wüsste. Er sollte sich in Vorsicht vor diesen Differenzen üben, zugleich … war Ikharus nicht für seine Vorsicht bekannt. Wenn er es wäre, wären Vahset und er aber auch kein so überaus gutes Team. Eines, das sich im Geplänkel wie im Streit ausgezeichnet ergänzte. Seine Mundwinkel zuckten, als sie mit ihren Fingern unsichtbare Tränen über ihre Wangen zeichnete, und dann schnaubte er milde auf, weil sie doch tatsächlich auf seine ‘Drohung’ mit einer eigenen reagierte. Aber er preschte nicht weiter vorwärts, zumal Vahset auch nicht genauer darauf einging, sondern sich alsbald von einem Vogelnest ablenken ließ. Halbherzig folgte Ikharus ihrem Blick, aber mehr als ein trockenes »Spannend« kam nicht über seine Lippen. Mit schnellen Schritten näherten sich die beiden Himitsu mit ihrem Gemüsekarren dem echten Beginn ihrer Mission, und Ikharus begann sich so langsam richtig zu freuen. Es kribbelte ihm in den Fingern, endlich richtig loszulegen, aber bevor es so weit war, musste erst einmal der Plan etabliert werden. Und sobald der Plan etabliert war, zwang ihm Vahset auch schon ihr grässliches Haustier auf. Nur mit Mühe gelang es Ikharus bei ihrer Bedingung eine angeekelte Grimasse zu unterbinden (er hatte einmal erlebt, wie Vahset einem Idioten, der ständig wegen der Kreatur die Nase gekräuselt und sich abfällig über sie geäußert hatte, die Nasenspitze abgeschnitten hatte), auch wenn seine Schultern deutlich angespannt waren. Ihm wurde nur noch unwohler zumute, als Chi Chi sich prompt in den Kragen seines lumpigen Gewands verkroch; so nah an dem Giftstachel zu sein, würde wohl den feuerfestesten Bändiger zum Schwitzen bringen. Aber es war ein Preis, den er zu zahlen bereit war, wenn es nur hieß, dass er ein bisschen Chaos würde stiften können. Mit einem Händeklatschen wies Ikharus Vahset wortlos an, Position einzunehmen, und sah sich zur gleichen Zeit unauffällig um — die Luft war rein, niemand beobachtete sie, wobei er zur Sicherheit auch den Blick hob und sicherging, dass die Fenster der Gebäude, zwischen denen sie sich positioniert hatten, nicht mit neugierigen Gaffern besetzt waren. Als er sich sicher war, dass sie keine Probleme bekommen würden (jedenfalls keine, die sie nicht haben wollten), rieb er seine kribbelnden Fingerspitzen über die Knopfreihe seines Wams, pustete dann auf jene, wie als würde er sie für eine Fingerspitzengefühl erfordernde Kunstfertigkeit vorbereiten. Dann begann er mit schnellen Bewegungen seine Formationen auszuführen, woraufhin Flammen erst über seine Haut leckten, vertraut und willkommen, und dann ohne großes Federlesen auf den leeren Gemüsewagen übersprangen. Das alte Holz war so morsch, dass es den Flammen nur wenig entgegensetzen zu hatte, jedoch auch angefeuchtet genug von den letzten regnerischen Nächten, sodass Vahset keinerlei Gefahr lief, wie eine angezündete Fackel oder gar vollkommen verkohlt in die Menschenmenge zu rollen. Trotzdem verlor Ikharus keine Zeit, sondern stieß nur ein eiliges »sehen uns unten« hervor, bevor er dem Karren einen beherzten Tritt gab. Ruckartig schnellte der Karren vorwärts und Ikharus starrte dem lauten Spektakel ein paar Sekunden hinterher, bevor er sich besann und im neunzig Grad Winkel zu ihrem Ausgangspunkt davonsprintete. Zwei, drei Gassen brachte er hinter sich, bevor er wieder nach rechts einschlug und aus einer anderen Richtung als der brennende Karre die Demonstranten ansteuerte. Bereits von weitem konnte er Vahsets gellendes Geschrei hören, das zauberhaft von den Geräuschen einer Massenpanik untermalt wurde. Dort, wo der Gemüsewagen die holprige Straße heruntergebrettert war, hatte sich eine Lücke aus beiseite gesprungenen Demonstranten gebildet. Die wenigen, die schreiben konnten und Schilder mit knackigen Sprüchen angefertigt hatten, hatten diese im Chaos fallen lassen, sodass sie nun im allgemeinen Tohuwabohu in den Dreck getrampelt wurden. Ikharus hatte noch nie so viele Menschen gesehen, von denen nicht eine einzige Person zu wissen schien, was zu tun war — wie kopflose Mäusehühner rannten sie entweder davon, während nur eine Handvoll Männer versuchte, das Feuer (mein Feuer, wie Ikharus befriedigt dachte) zu löschen. Ikharus hätte sich stundenlang daran ergötzen können, wäre gar am liebsten auf die unerklimmbare Stadtmauer geklettert, um sich das Theater von hoch oben anzusehen. Stattdessen drängelte er sich jedoch außer Atem zwischen den Demonstranten hindurch und füllte seine Lunge mit so viel Luft wie er nur konnte. Dann brüllte er: »Ich hab sie gesehen! Verdammte Feuerbändiger! In unserer Stadt! Ich hab sie gesehen …« Köpfe ruckten zu ihm herum, manche verängstigt, andere (wie erhofft) aufgerieben, und dann tauschten einige Männer Blicke miteinander aus, fragten: »Von wo?« nickten einander dann, nachdem Ikharus in irgendeine ungefähre Richtung gedeutet hatte, zu und marschierten als aufgebrachte Vorhut davon. herkunft Ba Sing Se
stand Mittelschicht
alter 27 Jahre
gender Männlich
bändigung Feuer
beruf Agent
größe 1,78
erscheinung
Ikharus’ Äußeres wirkt auf seine Mitmenschen ebenso anziehend wie sein Inneres abstoßend; im Zusammenspiel formen seine provokante Natur, die scharfkantigen Züge seines Gesichts und der athletische Körper einen in sich verstrickten Mann, der ebenso oft auf Zuspruch wie auf Ablehnung stößt — je nachdem, wie dick das Fell seiner Mitmenschen tatsächlich ist (oder wie oberflächlich sie sind). Es lässt sich durchaus behaupten, dass der Feuerbändiger schön ist mit seinen hübschen mokkafarbene Augen, die dunkel wie ein schlammiges Moor mit besorgniserregender Tiefe sein können, oder aber hell wie mit Milch versetzter Schwarztee, glimmende Herausforderung im Blick.
Von seinen geschwungenen Lippen perlt so selten ein ehrliches Wort, dass man meinen könnte, sie sollten von Natur aus dunkel und böse aussehen — doch das tun sie nicht. Viel zu gern verziehen sie sich zu einem (zugegebenermaßen manchmal bissigen) Lächeln, das doch immer ein wenig verschmitzt aussieht, während ein wahres Lächeln, das seine Grübchen zum Vorschein und seine Augenfältchen zum Ausfächern bringen würde, es selten bis nie auf sein Gesicht schafft. Dafür zügelt er sich selbst zu sehr, ist zu verstrickt in alles Negative, das sich auch in seinen oft vor der Brust verschränkten Armen und dem energischen, ungeduldigen Gang widerspiegelt. Er ist ein Mann fahriger Natur, jegliche Lässigkeit ist erzwungen, vielmehr wirkt er verspannt, wie als würde er sich ständig gegen etwas stemmen, während er, entgegen jeglichen Sehnens nach Sanftheit, grob durch die Weltgeschichte marschiert. Wenn er frustriert ist, reibt er sich exzessiv den Nacken oder rauft sich die Haare, bis die (momentan) mittellangen Strähnen konfus von seinem Kopf abstehen. Den einstigen Dutt aus langem, seidig schwarzem Haar hat er als Himitsu zugunsten der Tarnung aufgegeben — ebenso wie er sich nicht länger in die typische Uniform des Militärs der Feuernation kleidet, sondern sich je nach Aufenthaltsort anpasst. Unter seiner Kleidung verbirgt der 1,78m hohe Feuerbändiger eine Brandnarbe am Sternum, die sein Halbbruder Aeneas ihm im Laufe einer Trainingseinheit zugefügt hat — kleinere wie größere Narben haben sich über die Kriegsjahre hinweg dazugesellt, jedoch nichts Langwieriges. Selbst davon, beim versehentlichen Feuerbändigen im nördlichen Lufttempel beinahe von Jhaans Himmelsbison zerquetscht worden zu sein, hat er sich erstaunlich gut erholt — er hat von der Gehirnerschütterung nur seelische Narben (aufgrund der Demütigung) davongetragen.
gespielt von Chulia
(Name als Pronomen)
◇
Gast
08.07.2022, 11:22
Sanft legte sie sich Zeige- und Mittelfinger an die Lippen, drückte einen Kuss an die raue Haut, um die Hand dann theatral nach Chi Chi auszustrecken. Das süße Goldstück hatte es sich bereits in dem Kragen von Ikharus bequem gemacht und war unter den Schichten des Stoffs abgetaucht. Liebevoll lag Vahşets Blick für einen Moment auf dem Schwanz ihres kleinen Lieblings, der sich um Ikharus Hals kringelte. „Auf Wiedersehen“, hauchte sie, so warm und weich wie geschmolzene Schokolade klang ihre Stimme und sie hatte die Worte sicherlich nicht an ihren Kameraden gerichtet, nur an ihre Chi Chi. Ersterer war aber brav und quittierte die Fürsorgearbeit, die sie ihm ausgelastet hatte, weder mit einem spottenden Spruch noch mit einer Fratze. Dabei konnte sie sich denken, dass es in Ikharus juckte und zwickte - schließlich war er nicht besonders dafür bekannt, sich zügeln zu können, sondern viel eher für sein blutiges Schandmaul, das er in jede einzelne Gelegenheit schlug, die sich ihm bot. Aber jetzt hielt er sich zurück und das war nicht nur brav, es war auch schlau. Denn ein gehässiges Wort gegenüber ihren Chamäleonskorpion zu richten, war eine grundsätzlich ausgesprochen dumme Idee. Chi Chi war Vahşets rotes Tuch. Und wenn die Feuerbändigerin erst einmal rot sah, dann nicht pastellig Rosa-Rot oder dumpfes, schweres Blutrot. Wenn sie Rot sah, dann war es gleißend und brennend auf der Netzhaut und in ihrem ganzen Körper. Dann fraß es sich durch Adern und Venen, durch jeden Muskel und in ihr Herz. Dann riss in ihr etwas so heftig, dass sie keinerlei Kontrolle über sich behalten konnte. Aber ihre Muskeln mussten nicht zu zittern beginnen, ihr Blick keinem Wahn verfallen, nichts davon, denn Ikharus kannte sie dafür gut genug. Er klatschte in die Hände und in dem schallenden Geräusch klang an die Anweisung mit, dass sie sich bereit machen sollte. Sie lächelte ihn an, zuckersüß und so lieb als könne sie kein Wässerchen trüben, um es sich dann im dem Wagen bequem zu machen.
Und innerhalb eines Sekundenschlags wurde das ächzende Holz entflammt und rauchiges Knistern fuhr durch die Adern des alten Wagens. Gerade warf sie einen letzten lachenden Blick über ihre Schulter zu Ikharus als er dem Wagen einen Schubser verpasste und er den Hang hinab zu rollen begann. Der Wind schlug ihr entgegen, Rauch züngelte, Feuer knisterte. Für einen kleinen Moment verfiel sie dem wunderschönen Anblick um sie herum. Ihr Gesicht wog sich von einer Seite zur anderen, ihr Blick glitt über die vielen Zungen des Feuers. Ein Lächeln spannte sie atemlos über ihre Lippen und sie streckte die Hände vorsichtig nach den Flammen aus bis sie ihr liebevoll über die Haut leckten. Das Gefühl war so angenehm und vertraut. Kurz bändigte sie die Flammen, um sie wachsen zu lassen - das Feuer weiter in die Höhe zu strecken. Der glühende Blick wurde von einem Glucksen unterbrochen, als der Wagen über einen Stein holperte und Vahşet ein Stück in die Höhe rutschte, um dann unsanft auf dem Po zu landen. Als wäre sie erwischt worden sah sich kurz um und konnte Ikharus Schatten rennen sehen. Sie hatte kaum zehn Meter des Hangs hinter sich gebracht, erst dann viel ihr ihr eigentlicher Auftrag wieder ein. „Oh je“, schmipfte sie sich kurz aus, um dann klagevoll und gellend zu schreien. Mal nach Hilfe und mal einfach ein langgezogenes Kreischen. Sie schrie und schrie, während der Wagen in die protestierende Masse bretterte und die Flammen immer größer wurden. Sie schrie. Sie schrie und gerade als sich das Schreien beinahe ekstatisch durch ihren Körper echote und sie genüsslich die Augen geschlossen hatte, brach die Achse des Wagen und der brennende Gemüsekarren überschlug sich. Vahşet knallte auf den Boden und glühende Holzbretter und brennende Splitter sprühten in den verschreckten Pöbel. Bemüht ungelenk war die Feuerbändigerin, die genug Stürze hinter sich hatte, um sich eigentlich ansprechend aufzufangen, auf dem Boden aufgekommen. Sofort spürte sie zwei Hände an ihrer Schulter und eine besorgte Stimme drang an ihr Ohr. „Bist du in Ordnung?“, fragte ein junger Mann mit krummer Nase. Mit dicken Krokodilstränen im Blick sah Vahşet zu ihm auf und schüttelte den Kopf, kläglich verzog sich ihr Mund zu einer Schmolllippe und die ersten Tränen brannten über ihre Wangen. Da vernahm sie Ikharus Stimme, rau und zündelnd, verkündete er Feuerbändiger gesehen zu haben. Hier in dieser gottverdammten Stadt. Ein Raunen und Grummeln ging durch die Reihen. Irgendwo erklang ein verschreckter Schluckauf. „Feuerbändiger?“, echote Vahşet und sah zu Ikharus auf. So hilfsbedürftig und kläglich wie sie sich auf dem Boden krümmte, dürfte er sie noch nie gesehen haben. „Ich hatte Angst um mein Leben“, jammerte sie los und zog die wässrige Rotze hoch, die an ihre Oberlippe tropfte. „Was machen Feuerbändiger in unsere Stadt?!“ Lauter noch als zuvor weinte sie und schon griffen die aufdringlichen Hände an ihre Arme und zogen sie auf die Beine. „Shhh shhh“, säuselte Krummnase tröstlich und wagte doch tatsächlich ihr über den Kopf zu streicheln. Kurz gefror ihr Gesicht, dann lächelte sie unwohl und konzentrierte lieber auf ihr nervtötendes Heulen. „Wir sind hier nicht sicher.. Nicht mal in Ba Sing Se.. Wir sind nicht sicher..“, schluchzte sie weiter und hinter ihr wurde das Grummeln lauter. Entweder packte man Kerle an ihrem Sack oder bei ihrer Ehre, wenn man sie in Bewegung setzen wollte. So rückständig sie Feuernation in vielerlei Hinsicht war, so fest war in ihr entsprechend das starre Bild veranktert, so hilflose Ladys wie sie beschützen musste. größe
erscheinung
◇
girlbossing 2 close 2 the sun
01.09.2022, 15:35
Nicht einen einzigen Augenblick lang hatte er wahrhaft Angst um Vahset. Dabei war ihr Geschrei so bestialisch und voller Panik, dass man meinen sollte, sie würde tatsächlich bei lebendigem Leibe verbrannt werden. Doch je lauter sie schrie, desto wilder sang das Blut in Ikharus’ Adern. Er liebte das Drama, die Theatralik, die einem auf köstlichste Art und Weise durch Mark und Bein ging; und wenn Vahset in einer Sache gut war, dann darin, eine preiswürdige Aufführung hinzulegen. Ja, Ikharus nahm sich sogar vor, sie später dafür zu loben, selbst wenn er nicht ein gutes Wort verlieren konnte, ohne in Sarkasmus und Hohn abzudriften — Ehre gebührte seiner Kollegin dennoch, immerhin bewies sie in diesem Augenblick, dass sie, seiner wertvollen Meinung nach, die einzige fähige Himitsu war, die er kannte.
Ikharus bahnte sich einen Weg durch die Menge zu Vahset hindurch, deren Gesicht das Abbild verheulter Perfektion darstellte. Niemand würde auf die Idee kommen, dass sie die Flammen selbst noch in die Höhe gebändigt hatte; niemand würde ihr unterstellen, hierfür verantwortlich zu sein. Und damit auch auf Ikharus keinerlei Verdacht fiel, schloss er sogleich zu ihr auf und hockte sich neben ihre erbärmlich am Boden gekrümmte Gestalt. Feuerbändiger … in Ba Sing Se … Angst um ihr Leben hätte sie gehabt; Ikharus verkniff sich das Glucksen, das seine Kehle hinaufstieg im letzten Moment, indem er es in ein gequältes Krächzen umwandelte. »Ein unschuldiges Mädchen einfach anzuzünden … diese Bestien«, keuchte er. Bestialisch war vor allem der Krampf, bei diesen Worten nicht euphorisch auszusehen. Ihm trat vor Anstrengung sogar fiebrige Nässe in die Augen, ja ja, sollten sie nur denken, dass er ebenfalls flennte. Fest presste er die Lippen aufeinander und drängte dann den Mann, der sich aufopferungsvoll dem heulenden Gör zugewandt hatte, beiseite, um Vahset aufzuhelfen. »Kannst du laufen, Mädchen?« Oh, er war sich sicher, dass es ihr überhaupt nicht gefallen würde, sich auf ihn zu stützen, aber er hoffte, dass sie sich, ebenso wie auf das Kopftätscheln des Fremden, darauf im Namen des Schauspiels einlassen würde. »Das hier ist immer noch Ba Sing Se, die sicherste Stadt der Welt. Aber es wird Zeit—«, er hob absichtlich seine Stimme, die vor Aufregung zitterte, »es wird Zeit, dass wir diese Unruhestifter ein für allemal verjagen!« Trockenes, zustimmendes Gemurmel breitete sich in der Menge aus. Selbst der Kopftätschler straffte die Schultern, sodass seine teigige Brust sich anspannte. »Dafür muss man sie erst mal finden, die Dreckigen—« »Ich kenn einen, der wohnt nur paar Straßen entfernt von hier, bei Kümmel um’s Eck—« Während erhitzte Diskussionen ausbrachen, nutzte Ikharus die Gunst des Augenblicks und zog Vahset mit sich. »Wie wär’s noch eine Stufe heißer?«, wisperte er ihr ins Ohr, sich in scheinbarer Besorgnis zu ihr beugend, »Ich kenn da einen Laden, der eine Renovierung vertragen könnte …« Er konnte nur noch schwer verbergen, dass es ihm in den Fingern juckte, noch mehr zu zündeln. Ginge es nach ihm, könnte die ganze Stadt in Flammen aufgehen, während sie im Chaos tanzten und tanzten und tanzten, bis ihnen die Füße bluteten. herkunft Ba Sing Se
stand Mittelschicht
alter 27 Jahre
gender Männlich
bändigung Feuer
beruf Agent
größe 1,78
erscheinung
Ikharus’ Äußeres wirkt auf seine Mitmenschen ebenso anziehend wie sein Inneres abstoßend; im Zusammenspiel formen seine provokante Natur, die scharfkantigen Züge seines Gesichts und der athletische Körper einen in sich verstrickten Mann, der ebenso oft auf Zuspruch wie auf Ablehnung stößt — je nachdem, wie dick das Fell seiner Mitmenschen tatsächlich ist (oder wie oberflächlich sie sind). Es lässt sich durchaus behaupten, dass der Feuerbändiger schön ist mit seinen hübschen mokkafarbene Augen, die dunkel wie ein schlammiges Moor mit besorgniserregender Tiefe sein können, oder aber hell wie mit Milch versetzter Schwarztee, glimmende Herausforderung im Blick.
Von seinen geschwungenen Lippen perlt so selten ein ehrliches Wort, dass man meinen könnte, sie sollten von Natur aus dunkel und böse aussehen — doch das tun sie nicht. Viel zu gern verziehen sie sich zu einem (zugegebenermaßen manchmal bissigen) Lächeln, das doch immer ein wenig verschmitzt aussieht, während ein wahres Lächeln, das seine Grübchen zum Vorschein und seine Augenfältchen zum Ausfächern bringen würde, es selten bis nie auf sein Gesicht schafft. Dafür zügelt er sich selbst zu sehr, ist zu verstrickt in alles Negative, das sich auch in seinen oft vor der Brust verschränkten Armen und dem energischen, ungeduldigen Gang widerspiegelt. Er ist ein Mann fahriger Natur, jegliche Lässigkeit ist erzwungen, vielmehr wirkt er verspannt, wie als würde er sich ständig gegen etwas stemmen, während er, entgegen jeglichen Sehnens nach Sanftheit, grob durch die Weltgeschichte marschiert. Wenn er frustriert ist, reibt er sich exzessiv den Nacken oder rauft sich die Haare, bis die (momentan) mittellangen Strähnen konfus von seinem Kopf abstehen. Den einstigen Dutt aus langem, seidig schwarzem Haar hat er als Himitsu zugunsten der Tarnung aufgegeben — ebenso wie er sich nicht länger in die typische Uniform des Militärs der Feuernation kleidet, sondern sich je nach Aufenthaltsort anpasst. Unter seiner Kleidung verbirgt der 1,78m hohe Feuerbändiger eine Brandnarbe am Sternum, die sein Halbbruder Aeneas ihm im Laufe einer Trainingseinheit zugefügt hat — kleinere wie größere Narben haben sich über die Kriegsjahre hinweg dazugesellt, jedoch nichts Langwieriges. Selbst davon, beim versehentlichen Feuerbändigen im nördlichen Lufttempel beinahe von Jhaans Himmelsbison zerquetscht worden zu sein, hat er sich erstaunlich gut erholt — er hat von der Gehirnerschütterung nur seelische Narben (aufgrund der Demütigung) davongetragen.
gespielt von Chulia
(Name als Pronomen) |