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		<title><![CDATA[Testies - Miniplot #3: Meet My Monsters]]></title>
		<link>https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/</link>
		<description><![CDATA[Testies - https://topsiegfried.like-a-hurricane.de]]></description>
		<pubDate>Sun, 05 Apr 2026 15:06:31 +0000</pubDate>
		<generator>MyBB</generator>
		<item>
			<title><![CDATA[one of the ghost's mistakes]]></title>
			<link>https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1835</link>
			<pubDate>Fri, 24 Feb 2023 18:51:39 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/member.php?action=profile&uid=352">Azra</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1835</guid>
			<description><![CDATA[<link href="https://fonts.googleapis.com/css2?family=Playfair+Display:wght@600&display=swap" rel="stylesheet">    <center><div style="font-size: 22px;font-family: 'Playfair Display', serif; text-transform: uppercase;">you were one of the <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">ghost's</span> mistakes</div>
<div style="margin-top: -5px;text-transform: uppercase; font-size: 9px; letter-spacing: 3px; line-height: 12px;font-family: 'Open Sans', sans-serif; margin-bottom: 8px;">you crying, tragic waste of skin<br />
<span style="letter-spacing: 4px;text-transform: lowercase;">Palan & Azra # 11.06.1NZK # Ba Sing Se - Äußerer Ring - Zirkusgelände</span> </div></center><br />
Es hatte keinen einzigen Tag gegeben, an welchem Azra seine einstige Heimat vermisst hatte. Kein einziges Mal in den vergangenen Jahren hatte er an Ba Sing Se gedacht und es bedauert, sich von dem trügenden Glanz des Oberen Rings und dem Trubel einer Metropole wie dieser Stadt abgewendet zu haben - eher im Gegenteil. Er war glücklich gewesen. Zufrieden, zumindest bis zu einem gewissen Grad. Ihm hatte es nichts ausgemacht, fern ab jeglicher Zivilisation zu leben, lediglich mit einem kleinen Dörfchen in der Nähe. Er hatte die Stille genossen und die Einsamkeit allem vorgezogen, weil sie vor allem eines bedeutet hatte: Frieden. In dem alten, abgeschiedenen Anwesen seiner Familie schien selbst der Krieg so weit weg zu sein, dass er ihn vielleicht sogar hätte vergessen können, wenn ihn nicht jeder Schritt, jedes schwerfällige Nachziehen des Beines, wieder daran erinnert hätte, in was für eine Zerstörung ihre Nationen sich doch Tag für Tag stürzten. Es war bedauernswert. Nicht nur, weil Azra sich an manchen Tagen wünschte, wie so viele andere einfach die Augen davor verschließen zu können, was um sie herum geschah, sondern auch, weil die Menschen nicht lernten. Es war mehr als dreißig Jahre her, dass die Feuernation begonnen hatte, die westliche Küstenregion des Erdkönigreichs anzugreifen, doch in keinem dieser Jahre schien auch nur irgendwer verstanden zu haben, dass dieser Krieg sinnlos war. Auch wenn sie sich mittlerweile seit einigen Monaten in einer Art Waffenstillstand befanden, einem falschen Frieden, mehr nicht, konnte doch jeder von ihnen spüren, dass es nur noch eine Frage der sehr knapp bemessenen Zeit war, bis sie sich noch tiefer in die Zerstörung stürzen würden, als je zuvor.<br />
Wochen, Tage, Stunden - vielleicht waren es sogar nur noch ein paar wenige Minuten, die ihnen blieben, bis ihr vermeintlicher Frieden dem Erdboden gleich gemacht wurde. Es war schwer zu sagen und noch schwerer zu verhindern, auch wenn Azra hoffte, Khatos streitwütiges Gemüt während ihrer Ratssitzung ausreichend besänftigt zu haben, damit der General nicht eigenhändig auf die Idee kam, der Feuernation den Krieg zu erklären. Wenn nicht… hatte er es zumindest versucht. Aber um ehrlich zu sein hatte er allmählich auch die Nase voll davon, immer und immer wieder über den kommenden Krieg nachzudenken - schon gar nicht, wenn es ohnehin nicht in seiner Macht lag, jenen zu verhindern. Seit er nach Ba Sing Se zurückgekehrt war und mehr oder weniger freiwillig den Platz seines Vaters im Rat der Fünf eingenommen hatte, hatte es jedoch kein anderes Thema gegeben - umso mehr erhoffte er sich nun, da die Sonne untergegangen war und die meisten den Tag für beendet erklärt hatten, etwas Ablenkung. <br />
So voll wie es im Äußeren Ring war, sollte er diese mit Sicherheit bekommen, auch wenn er nicht anders konnte, als missmutig das Gesicht zu verziehen, als er aus dem überfüllten Zug mit seinem Gehstock nach draußen in die riesige Menschenmenge trat, die sich zum Eingang des Zirkusgeländes drängte. Hätte er gewusst, dass es dermaßen viele zu dem mysteriösen Nachtzirkus trieb, hätte er sich vielleicht doch eine andere Abendbeschäftigung gesucht. Aber jetzt war er hier. Zwar nicht ganz so verkleidet, wie viele der anderen Gäste, aber mit einer Maske im Gesicht, welche zumindest zum Teil verschleierte, wie sehr ihm dieser Trubel doch missfiel. Er konnte ja noch nicht einmal erkennen, wo genau er hingehen sollte, um zum Hauptzelt zu gelangen. Bahnte sich nur etwas verloren einen Weg zum Rand, wo ihn nicht jede zweite Person anstieß und beinahe umrempelte, weil er aus offensichtlichen Gründen nicht mit ihrem Tempo mithalten konnte. Aber auch dort war es schwierig, sich einen Überblick zu verschaffen und so ließ Azra seinen Blick nur einen Moment lang über seine Umgebung schweifen, ehe er mit leicht geducktem Kopf, fast schon so, als würde er es eigentlich gar nicht wollen, die Aufmerksamkeit der nächstbesten Person für sich zu gewinnen versuchte. <br />
“<span style="color: #BF941F;" class="mycode_color">Entschuldigung?</span>”, erklang seine Stimme in ihrem altbekannten, nasalen Ton, ehe sich ein leichtes Räuspern aus seiner Kehle zwang. “<span style="color: #BF941F;" class="mycode_color">Sie kennen nicht zufällig noch einen anderen Weg? Etwas… weniger voll, vielleicht?</span>” Dann war es ein vor Unbeholfenheit etwas schiefes Lächeln, welches über seine Lippen zuckte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<link href="https://fonts.googleapis.com/css2?family=Playfair+Display:wght@600&display=swap" rel="stylesheet">    <center><div style="font-size: 22px;font-family: 'Playfair Display', serif; text-transform: uppercase;">you were one of the <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">ghost's</span> mistakes</div>
<div style="margin-top: -5px;text-transform: uppercase; font-size: 9px; letter-spacing: 3px; line-height: 12px;font-family: 'Open Sans', sans-serif; margin-bottom: 8px;">you crying, tragic waste of skin<br />
<span style="letter-spacing: 4px;text-transform: lowercase;">Palan & Azra # 11.06.1NZK # Ba Sing Se - Äußerer Ring - Zirkusgelände</span> </div></center><br />
Es hatte keinen einzigen Tag gegeben, an welchem Azra seine einstige Heimat vermisst hatte. Kein einziges Mal in den vergangenen Jahren hatte er an Ba Sing Se gedacht und es bedauert, sich von dem trügenden Glanz des Oberen Rings und dem Trubel einer Metropole wie dieser Stadt abgewendet zu haben - eher im Gegenteil. Er war glücklich gewesen. Zufrieden, zumindest bis zu einem gewissen Grad. Ihm hatte es nichts ausgemacht, fern ab jeglicher Zivilisation zu leben, lediglich mit einem kleinen Dörfchen in der Nähe. Er hatte die Stille genossen und die Einsamkeit allem vorgezogen, weil sie vor allem eines bedeutet hatte: Frieden. In dem alten, abgeschiedenen Anwesen seiner Familie schien selbst der Krieg so weit weg zu sein, dass er ihn vielleicht sogar hätte vergessen können, wenn ihn nicht jeder Schritt, jedes schwerfällige Nachziehen des Beines, wieder daran erinnert hätte, in was für eine Zerstörung ihre Nationen sich doch Tag für Tag stürzten. Es war bedauernswert. Nicht nur, weil Azra sich an manchen Tagen wünschte, wie so viele andere einfach die Augen davor verschließen zu können, was um sie herum geschah, sondern auch, weil die Menschen nicht lernten. Es war mehr als dreißig Jahre her, dass die Feuernation begonnen hatte, die westliche Küstenregion des Erdkönigreichs anzugreifen, doch in keinem dieser Jahre schien auch nur irgendwer verstanden zu haben, dass dieser Krieg sinnlos war. Auch wenn sie sich mittlerweile seit einigen Monaten in einer Art Waffenstillstand befanden, einem falschen Frieden, mehr nicht, konnte doch jeder von ihnen spüren, dass es nur noch eine Frage der sehr knapp bemessenen Zeit war, bis sie sich noch tiefer in die Zerstörung stürzen würden, als je zuvor.<br />
Wochen, Tage, Stunden - vielleicht waren es sogar nur noch ein paar wenige Minuten, die ihnen blieben, bis ihr vermeintlicher Frieden dem Erdboden gleich gemacht wurde. Es war schwer zu sagen und noch schwerer zu verhindern, auch wenn Azra hoffte, Khatos streitwütiges Gemüt während ihrer Ratssitzung ausreichend besänftigt zu haben, damit der General nicht eigenhändig auf die Idee kam, der Feuernation den Krieg zu erklären. Wenn nicht… hatte er es zumindest versucht. Aber um ehrlich zu sein hatte er allmählich auch die Nase voll davon, immer und immer wieder über den kommenden Krieg nachzudenken - schon gar nicht, wenn es ohnehin nicht in seiner Macht lag, jenen zu verhindern. Seit er nach Ba Sing Se zurückgekehrt war und mehr oder weniger freiwillig den Platz seines Vaters im Rat der Fünf eingenommen hatte, hatte es jedoch kein anderes Thema gegeben - umso mehr erhoffte er sich nun, da die Sonne untergegangen war und die meisten den Tag für beendet erklärt hatten, etwas Ablenkung. <br />
So voll wie es im Äußeren Ring war, sollte er diese mit Sicherheit bekommen, auch wenn er nicht anders konnte, als missmutig das Gesicht zu verziehen, als er aus dem überfüllten Zug mit seinem Gehstock nach draußen in die riesige Menschenmenge trat, die sich zum Eingang des Zirkusgeländes drängte. Hätte er gewusst, dass es dermaßen viele zu dem mysteriösen Nachtzirkus trieb, hätte er sich vielleicht doch eine andere Abendbeschäftigung gesucht. Aber jetzt war er hier. Zwar nicht ganz so verkleidet, wie viele der anderen Gäste, aber mit einer Maske im Gesicht, welche zumindest zum Teil verschleierte, wie sehr ihm dieser Trubel doch missfiel. Er konnte ja noch nicht einmal erkennen, wo genau er hingehen sollte, um zum Hauptzelt zu gelangen. Bahnte sich nur etwas verloren einen Weg zum Rand, wo ihn nicht jede zweite Person anstieß und beinahe umrempelte, weil er aus offensichtlichen Gründen nicht mit ihrem Tempo mithalten konnte. Aber auch dort war es schwierig, sich einen Überblick zu verschaffen und so ließ Azra seinen Blick nur einen Moment lang über seine Umgebung schweifen, ehe er mit leicht geducktem Kopf, fast schon so, als würde er es eigentlich gar nicht wollen, die Aufmerksamkeit der nächstbesten Person für sich zu gewinnen versuchte. <br />
“<span style="color: #BF941F;" class="mycode_color">Entschuldigung?</span>”, erklang seine Stimme in ihrem altbekannten, nasalen Ton, ehe sich ein leichtes Räuspern aus seiner Kehle zwang. “<span style="color: #BF941F;" class="mycode_color">Sie kennen nicht zufällig noch einen anderen Weg? Etwas… weniger voll, vielleicht?</span>” Dann war es ein vor Unbeholfenheit etwas schiefes Lächeln, welches über seine Lippen zuckte.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Just another thing we don’t talk about]]></title>
			<link>https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1813</link>
			<pubDate>Fri, 18 Nov 2022 10:50:45 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/member.php?action=profile&uid=287">Katsukashi</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1813</guid>
			<description><![CDATA[<link href="https://fonts.googleapis.com/css2?family=Playfair+Display:wght@600&display=swap" rel="stylesheet">    <center><div style="font-size: 22px;font-family: 'Playfair Display', serif; text-transform: uppercase;">Just another thing we don’t talk about</div>
<div style="margin-top: -5px;text-transform: uppercase; font-size: 9px; letter-spacing: 3px; line-height: 12px;font-family: 'Open Sans', sans-serif; margin-bottom: 8px;"><span style="letter-spacing: 4px;text-transform: lowercase;">Katsukashi & Iona # 15.06.1NZK # Ba Sing Se - auf dem Zirkusgelände</span> </div></center><br />
Der Geruch der verbrannten Felder stach noch immer in seiner Nase und ließ ihn nicht ruhen. Unabschüttelbar hatte sich der schwelende Gestank des Feuers, das letzte Nacht auf dem Hof von Mieszkos Familie gewütet hatte, in ihn gebrannt; selbst zu baden, die Kleider zu waschen und in der trockenen Hitze draußen aufzuhängen hatte nichts verändert. Alles, was er riechen konnte, war Rauch, so als wären seine Sinne bei dem Brand verödet und unempfindlich für alles andere geworden. Auch innerlich fühlte er sich nicht ganz wie er selbst — aber zugegebenermaßen war das kein ganz so neues Empfinden. In den Jahren, die er seinen Lebensgefährten für tot gehalten hatte, hatte in ihm selbst eine Entfremdung stattgefunden, die auch jetzt noch anhielt. Sie war schwer zu ignorieren, noch schwerer war es jedoch, dieses Empfinden Mieszko zu erklären, sodass er das Thema wohlweislich totschwieg. Für den Erdbändiger war es bereits schwer genug, sich wieder in seiner Heimat zurechtzufinden, Kashi wollte ihn nicht noch stärker belasten.<br />
Die vorige Nacht war für sie beide eine Belastungsprobe gewesen, sowohl für jeden von ihnen selbst als auch für ihr Miteinander. Katsukashi, der es verlernt hatte, sich mit jemandem außer sich selbst auseinandersetzen zu müssen, hatte Mieszkos Hilfe bei der Behandlung seiner Prellung annehmen müssen, obwohl er mit aller Mühe versucht hatte, diese herunterzuspielen. Und Mieszko war es nicht erspart geblieben, zu zeigen, wie leicht aufrüttelbar er war, wie psychisch labil gar — der Krieg hatte eben doch zerstörerische Spuren an ihm hinterlassen.<br />
So schlimm die vorige Nacht jedoch gewesen war, war der darauffolgende Morgen schlimmer. Das Ausmaß an Zerstörung, das vom Feuer zurückgelassen worden war, überschritt selbst die Vermutungen, die Kashi in der Nacht noch angestellt hatte. Die nordöstlichen Gemüseanbauten waren komplett zerstört worden, selbst die südlichen Felder waren nicht gänzlich von den Flammen und vor allem dem Rauch verschont geblieben, sodass auch die Mais-Ernte der Bauern in der Schwebe stand. Wenigstens hatten von Kashis Alpakaschweine-Herde alle Tiere bis auf das Eine, das ihnen in den brüchigen Schuppen hinterher gelaufen war, überlebt — aber die Tiere waren verschreckt und orientierungslos, und er wagte es noch nicht, sie in diesem Zustand wieder hinaus auf die Weide zu führen. Stattdessen ließ er sie auf dem umzäunten Gebiet rund um die überdachten Stallungen ihre Kreise ziehen und packte bei Mieszkos Familie mit an, die sich darum kümmerte, die Überreste ihrer zerstörten Ernte zu sichten und bergen. Niemand traute sich an den in sich zusammengefallenen, verrußten Stall heran, der wie ein Mahnmal zwischen dem Haupthaus und den weitläufigen Feldern thronte. Bald würden sie auch ihn wiederaufbauen müssen, aber noch sorgte er kaum für mehr als frustriertes Schnaufen und Nackenkratzen. Nina schien nicht einmal in die Richtung des Stalls gucken zu können, was aber vielleicht auch daran lag, dass ihre Söhne letzte Nacht beinahe in jenem verreckt waren.<br />
<br />
Als das Licht schwand und sie schmale, nach Petroleum stinkende Laternen anzünden mussten, zog sich Kashi in die kleine Hütte zurück, in der er mit Mieszko lebte. Doch lang hielt er es in den vier Wänden, die hart und zäh seine Gedanken zurück in seinen Kopf drückten, sie schwer und untragbar machten, nicht aus. Vielleicht wäre ihm die Zeit weniger wie eine dunkle Flut vorgekommen, wenn Mieszko hier gewesen wäre, aber sein Partner hatte sich bereits vor ein paar Stunden auf den Weg in den Brunnen gemacht, wo er die ganze Nacht Tresen wischen und Gläser putzen und Söldner bedienen würde.<br />
Kashi war allein. Und eigentlich war er gern allein. Aber heute kam ihm jede verstreichende Minute wie angefüllt mit einer Litanei an Schuldzuweisungen und Ängsten vor. Genau wie letzte Nacht, als er nach dem Erlebten nur so getan hatte, als würde er schlafen, belastete sein Kopf ihn auch jetzt mit Gedanken wie: <i>Was, wenn Mieszko in dem Feld gestorben wäre? Was, wenn die Hütte dich begraben hätte? Was, wenn du das eigentlich gar nicht überlebt hast und nur noch ein Geist bist, der Mieszko heimsucht?</i><br />
Er musste raus. Er musste irgendwohin, wo er sich nicht selbst zerreißen konnte, und wenn doch, wo dieses Zerreißen keinen hörbaren Laut machte. Aber bevor er ging, wühlte er sich regelrecht manisch durch das Haus, klapperte die alten Verstecke ab, wie die Aufbewahrungsschublade unter der Sitzbank, das Loch in der Wand hinter dem handgewebten, verblichenen Alpakaschweinehaar-Teppich, auf der Suche nach den letzten ‘Sicherheitsvorräten’ an Alkohol, die er versteckt zu haben glaubte. Aber entweder hatte er sie schon, entgegen seiner Vorsätze, verbraucht oder Mieszko hatte sie entdeckt und entsorgt; schwer zu sagen. Seine letzte Hoffnung trieb ihn schließlich hinaus aus der Hütte, hin zu dem kleinen Beet, in dem er Beeren und Kräuter für den persönlichen Gebrauch anbaute — zögernd starrte er auf die schmalen Pflänzchen hinab, auf die trockenen Zweige und verblichenen Blätter, die dem prallen Sommer einfach nicht standhalten konnten… Dann ließ er sich auf die Knie sacken und grub das Beet mit den Pranken um, bis er mit den Fingerkuppen an etwas Hartes stieß. »… Vaatu sei Dank«, seufzte Kashi auf, als er die mit Erde beklebte Schnapsflasche hervorzog. Ohne sich die Mühe zu machen, die Erde vom Etikett zu entfernen, schraubte er den Deckel ab und nahm einen tiefen Schluck, dann noch einen, dann noch einen …<br />
Seit Mieszko zurückgekehrt war, hatte er sich ein striktes Trinkverbot auferlegt, und doch hatte er seine Notreserven nicht aufgegeben — und vor allem hatte er es nie geschafft, den kitzelnden Gedanken an sie aus seinem Kopf zu verbannen. Er hatte sich ein erneutes Trinkvergnügen natürlich anders vorgestellt: zelebrierender, weniger von einer grausamen, unbeschreiblichen Not getrieben. Aber trotzdessen fühlte er sich nicht schuldig, sondern vielmehr wie als würde er einen altbekannten Freund, der nach Zuhause roch, wieder in die Arme schließen. Wohlige Wärme breitete sich in ihm aus und es dauerte nicht lang, bis er, die Flasche in der Hand, die Hütte stapfend hinter sich ließ. Wenigstens besaß er noch genügend Schamgefühl in seinen Knochen, um nicht in den gleichen vier Wänden zu trinken, die Mieszko und ihm gehörten. Sowohl zu viele schlechte Gedanken als auch zu viel gutes Gefühl staute sich in der Hütte; er wollte es weder auf sich niederdrücken spüren, noch es verschmutzen, weshalb er leise brummend vor sich hin schwankend, die Flasche immer wieder an die Lippen hebend, den Hof verließ und stattdessen den Bahnhof ansteuerte, noch nicht ahnend, dass es ihn diesmal nicht in den Unteren Ring, sondern zu einer anderen Attraktion treiben würde.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<link href="https://fonts.googleapis.com/css2?family=Playfair+Display:wght@600&display=swap" rel="stylesheet">    <center><div style="font-size: 22px;font-family: 'Playfair Display', serif; text-transform: uppercase;">Just another thing we don’t talk about</div>
<div style="margin-top: -5px;text-transform: uppercase; font-size: 9px; letter-spacing: 3px; line-height: 12px;font-family: 'Open Sans', sans-serif; margin-bottom: 8px;"><span style="letter-spacing: 4px;text-transform: lowercase;">Katsukashi & Iona # 15.06.1NZK # Ba Sing Se - auf dem Zirkusgelände</span> </div></center><br />
Der Geruch der verbrannten Felder stach noch immer in seiner Nase und ließ ihn nicht ruhen. Unabschüttelbar hatte sich der schwelende Gestank des Feuers, das letzte Nacht auf dem Hof von Mieszkos Familie gewütet hatte, in ihn gebrannt; selbst zu baden, die Kleider zu waschen und in der trockenen Hitze draußen aufzuhängen hatte nichts verändert. Alles, was er riechen konnte, war Rauch, so als wären seine Sinne bei dem Brand verödet und unempfindlich für alles andere geworden. Auch innerlich fühlte er sich nicht ganz wie er selbst — aber zugegebenermaßen war das kein ganz so neues Empfinden. In den Jahren, die er seinen Lebensgefährten für tot gehalten hatte, hatte in ihm selbst eine Entfremdung stattgefunden, die auch jetzt noch anhielt. Sie war schwer zu ignorieren, noch schwerer war es jedoch, dieses Empfinden Mieszko zu erklären, sodass er das Thema wohlweislich totschwieg. Für den Erdbändiger war es bereits schwer genug, sich wieder in seiner Heimat zurechtzufinden, Kashi wollte ihn nicht noch stärker belasten.<br />
Die vorige Nacht war für sie beide eine Belastungsprobe gewesen, sowohl für jeden von ihnen selbst als auch für ihr Miteinander. Katsukashi, der es verlernt hatte, sich mit jemandem außer sich selbst auseinandersetzen zu müssen, hatte Mieszkos Hilfe bei der Behandlung seiner Prellung annehmen müssen, obwohl er mit aller Mühe versucht hatte, diese herunterzuspielen. Und Mieszko war es nicht erspart geblieben, zu zeigen, wie leicht aufrüttelbar er war, wie psychisch labil gar — der Krieg hatte eben doch zerstörerische Spuren an ihm hinterlassen.<br />
So schlimm die vorige Nacht jedoch gewesen war, war der darauffolgende Morgen schlimmer. Das Ausmaß an Zerstörung, das vom Feuer zurückgelassen worden war, überschritt selbst die Vermutungen, die Kashi in der Nacht noch angestellt hatte. Die nordöstlichen Gemüseanbauten waren komplett zerstört worden, selbst die südlichen Felder waren nicht gänzlich von den Flammen und vor allem dem Rauch verschont geblieben, sodass auch die Mais-Ernte der Bauern in der Schwebe stand. Wenigstens hatten von Kashis Alpakaschweine-Herde alle Tiere bis auf das Eine, das ihnen in den brüchigen Schuppen hinterher gelaufen war, überlebt — aber die Tiere waren verschreckt und orientierungslos, und er wagte es noch nicht, sie in diesem Zustand wieder hinaus auf die Weide zu führen. Stattdessen ließ er sie auf dem umzäunten Gebiet rund um die überdachten Stallungen ihre Kreise ziehen und packte bei Mieszkos Familie mit an, die sich darum kümmerte, die Überreste ihrer zerstörten Ernte zu sichten und bergen. Niemand traute sich an den in sich zusammengefallenen, verrußten Stall heran, der wie ein Mahnmal zwischen dem Haupthaus und den weitläufigen Feldern thronte. Bald würden sie auch ihn wiederaufbauen müssen, aber noch sorgte er kaum für mehr als frustriertes Schnaufen und Nackenkratzen. Nina schien nicht einmal in die Richtung des Stalls gucken zu können, was aber vielleicht auch daran lag, dass ihre Söhne letzte Nacht beinahe in jenem verreckt waren.<br />
<br />
Als das Licht schwand und sie schmale, nach Petroleum stinkende Laternen anzünden mussten, zog sich Kashi in die kleine Hütte zurück, in der er mit Mieszko lebte. Doch lang hielt er es in den vier Wänden, die hart und zäh seine Gedanken zurück in seinen Kopf drückten, sie schwer und untragbar machten, nicht aus. Vielleicht wäre ihm die Zeit weniger wie eine dunkle Flut vorgekommen, wenn Mieszko hier gewesen wäre, aber sein Partner hatte sich bereits vor ein paar Stunden auf den Weg in den Brunnen gemacht, wo er die ganze Nacht Tresen wischen und Gläser putzen und Söldner bedienen würde.<br />
Kashi war allein. Und eigentlich war er gern allein. Aber heute kam ihm jede verstreichende Minute wie angefüllt mit einer Litanei an Schuldzuweisungen und Ängsten vor. Genau wie letzte Nacht, als er nach dem Erlebten nur so getan hatte, als würde er schlafen, belastete sein Kopf ihn auch jetzt mit Gedanken wie: <i>Was, wenn Mieszko in dem Feld gestorben wäre? Was, wenn die Hütte dich begraben hätte? Was, wenn du das eigentlich gar nicht überlebt hast und nur noch ein Geist bist, der Mieszko heimsucht?</i><br />
Er musste raus. Er musste irgendwohin, wo er sich nicht selbst zerreißen konnte, und wenn doch, wo dieses Zerreißen keinen hörbaren Laut machte. Aber bevor er ging, wühlte er sich regelrecht manisch durch das Haus, klapperte die alten Verstecke ab, wie die Aufbewahrungsschublade unter der Sitzbank, das Loch in der Wand hinter dem handgewebten, verblichenen Alpakaschweinehaar-Teppich, auf der Suche nach den letzten ‘Sicherheitsvorräten’ an Alkohol, die er versteckt zu haben glaubte. Aber entweder hatte er sie schon, entgegen seiner Vorsätze, verbraucht oder Mieszko hatte sie entdeckt und entsorgt; schwer zu sagen. Seine letzte Hoffnung trieb ihn schließlich hinaus aus der Hütte, hin zu dem kleinen Beet, in dem er Beeren und Kräuter für den persönlichen Gebrauch anbaute — zögernd starrte er auf die schmalen Pflänzchen hinab, auf die trockenen Zweige und verblichenen Blätter, die dem prallen Sommer einfach nicht standhalten konnten… Dann ließ er sich auf die Knie sacken und grub das Beet mit den Pranken um, bis er mit den Fingerkuppen an etwas Hartes stieß. »… Vaatu sei Dank«, seufzte Kashi auf, als er die mit Erde beklebte Schnapsflasche hervorzog. Ohne sich die Mühe zu machen, die Erde vom Etikett zu entfernen, schraubte er den Deckel ab und nahm einen tiefen Schluck, dann noch einen, dann noch einen …<br />
Seit Mieszko zurückgekehrt war, hatte er sich ein striktes Trinkverbot auferlegt, und doch hatte er seine Notreserven nicht aufgegeben — und vor allem hatte er es nie geschafft, den kitzelnden Gedanken an sie aus seinem Kopf zu verbannen. Er hatte sich ein erneutes Trinkvergnügen natürlich anders vorgestellt: zelebrierender, weniger von einer grausamen, unbeschreiblichen Not getrieben. Aber trotzdessen fühlte er sich nicht schuldig, sondern vielmehr wie als würde er einen altbekannten Freund, der nach Zuhause roch, wieder in die Arme schließen. Wohlige Wärme breitete sich in ihm aus und es dauerte nicht lang, bis er, die Flasche in der Hand, die Hütte stapfend hinter sich ließ. Wenigstens besaß er noch genügend Schamgefühl in seinen Knochen, um nicht in den gleichen vier Wänden zu trinken, die Mieszko und ihm gehörten. Sowohl zu viele schlechte Gedanken als auch zu viel gutes Gefühl staute sich in der Hütte; er wollte es weder auf sich niederdrücken spüren, noch es verschmutzen, weshalb er leise brummend vor sich hin schwankend, die Flasche immer wieder an die Lippen hebend, den Hof verließ und stattdessen den Bahnhof ansteuerte, noch nicht ahnend, dass es ihn diesmal nicht in den Unteren Ring, sondern zu einer anderen Attraktion treiben würde.]]></content:encoded>
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			<title><![CDATA[She dosen’t like me – She´s not that stupid]]></title>
			<link>https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1812</link>
			<pubDate>Tue, 15 Nov 2022 13:23:30 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/member.php?action=profile&uid=253">Brusk</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1812</guid>
			<description><![CDATA[Bunte Lichter. Fremde Düfte. Dumpfes Gelächter. Brusk knallte seinen Krug auf den Tisch und stieß ein gedehntes Rülpsen aus. Das Gelächter der Männer der Runde wurde lauter, sogar der Hüne konnte sich ein debiles Schmunzeln nicht verkneifen. Die Preise waren unverschämt, das Bier fantastisch und dank eines vorangegangenen Diebeszuges sogar erschwinglich, so waren heute schon mehrere Krüge seine Kehle hinuntergeflossen. Sein Alkoholkonsum war seit Jahren als kritisch zu betrachten. Es gab Zeiten, da riss er sich am Riemen, versuchte seinen Verstand klar zu halten und dann gab es andere Zeiten… Zeiten in denen er wollte, dass die Bilder in seinem Kopf verschwanden. Wenn Gemälde nass wurden, verliefen ihre Farben, die Kunstwerke verschwammen und wurden irgendwann unkenntlich. Ähnliches bewirkte Alkohol, allerdings mit einem starken Kontrast: Wenn die Wirkung des Bieres verklang, kehrten die Bilder zurück. <br />
Über Jahre waren die Bilder in seinem Kopf diejenigen seiner Familie gewesen, die brennenden Wägen, die Schreie seiner Eltern, dass Brüllen der Banditen. Jetzt, einige Zeit nach seiner Reise nach Capital City, waren das Album des Horrors weiter herangewachsen. War es noch zu beginn die Falschheit des Adels gewesen die ihn verstörte, saß ihm das tragische Ende einer jungen Frau noch immer tief in den Knochen. Shallan. Den Namen der Zofe hatte er nicht vergessen. Ein entsetzliches Ende eines jungen Wesens, darauffolgende Anfeindungen, Drohungen und eine überstürzte Flucht. Brusk war Gewalt gewohnt, auch war stets der Tod der treuste Gefährte seiner Reisen gewesen und doch war die Brutalität die an der Zofe ausgeübt wurde ein befremdliches Maß gewesen. Er konnte nicht einmal beziffern, was genau ihn verstörte. Das Wissen, dass mit Eurybia eine Schwester den Todeskampf beobachten musste? Die Tatsache, sein Denken über die vermeintliche Kultiviertheit des Adels nichts mehr war als ein hirnrissiger Irrtum? Oder beklemmte ihm nach wie vor die lähmende Verstörtheit die auf der Rückreise jedem Passagier heimgesucht hatte? Eines war klar: Seine Begeisterung für Prunk und Glanz war gewichen. Ishar war seine einzige Verbindung zum Palast, wäre die Freundschaft der Männer nicht so eng, so würde Brusk nicht einmal für den Prinzen selbst in die Rolle des Carls zurückkehren. <br />
<I>Carl…</i> Im Zelt herrschte feuchtwarme, stickige Luft doch trotzdem stellten sich die Härchen auf seinem Arm auf. <b>“Noch ein Bier mein Lieber?“</b> Eine zarte Hand mit langen Nägeln legte sich auf seine Schulter. Eine Frau im grotesk bunten Kleid, an den Wimpern geklebte Federn und einem Dekolleté welches dem Nachtzirkus vielleicht allein als Attraktion genügt hätte, lächelte ihm entgegen. Brusk, dessen Augen nun die Größe von Handtellern annahmen, räusperte sich beim Anblick der Bedienung. <b>“Ach alsooo…“</b> Gerade war er im Begriff, seinen Arm um die Taille der exotischen Frau zu legen, da kicherte diese, griff nach seiner Hand und führte sie sanft zurück auf die Tischplatte. <b>“Na na. Schauen ja, aber nicht anfassen.“</b> Sie zwinkerte ihm zu, ergriff die Krüge auf dem Tisch und drehte ihm mit einem <b>“Dein Bier kommt sofort.“</b> den Rücken zu, bevor sie mit kreisenden Hüften in der Menge verschwand. So lange er konnte, stierte er ihrem Hintern nach, bevor er seufzend seinen Kopf in den Nacken warf und zu den farbenfrohen Lampions über ihm hinaufblickte. Das hämische Gelächter der anderen Anwesenden ignorierte er dabei geflissentlich. Sogar das Flirten war seit seiner Rückkehr aus der Feuernation nicht mehr das Gleiche. <br />
<br />
Es waren die wenigsten Frauen, die noch etwas in ihm auslösten. Noch weniger von ihnen gelang es, ihn langwierig zu fesseln. Stiegen sie auf seine Avancen ein, verloren sie rapide ihren Reiz, reagierten sie mit spielerischer Ablehnung, wurde sein Jagdeifer nicht geweckt. Kam er einer Dame doch einmal Näher, dann war es nicht sie, die seine Gedanken beherrschte, sondern seine Sehnsucht nach dem feurigen orangerotem Haar Elysandres. Er dachte an ihre spitze Zunge, ihr Lachen, den blitzenden Zorn in ihren grünen Augen die ihn mehr als einmal an Ort und Stelle zu erdolchen versuchten. Ach verdammt, wem machte er etwas vor? Er dachte beinahe jede Nacht an ihre Hand, die am Ballabend seine Kronjuwelen ergriff und schmerzhaft fest zudrückte. Klar, der ziehende Schmerz war sicherlich nicht das, was er sich für eine leidenschaftliche Nacht herbeisehnte und doch wäre er bereit, seinen gesamten spärlichen Besitz für eine Augenblickliche Rückkehr in diesem Moment aufzugeben. Scheiße, Elysandre könnte vielleicht die erste Frau in seinem Leben sein die nicht mit ihm verwandt war und die er trotzdem beinahe täglich vermisste. Die verdammte Feuernation hatte ihn vergiftet.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Bunte Lichter. Fremde Düfte. Dumpfes Gelächter. Brusk knallte seinen Krug auf den Tisch und stieß ein gedehntes Rülpsen aus. Das Gelächter der Männer der Runde wurde lauter, sogar der Hüne konnte sich ein debiles Schmunzeln nicht verkneifen. Die Preise waren unverschämt, das Bier fantastisch und dank eines vorangegangenen Diebeszuges sogar erschwinglich, so waren heute schon mehrere Krüge seine Kehle hinuntergeflossen. Sein Alkoholkonsum war seit Jahren als kritisch zu betrachten. Es gab Zeiten, da riss er sich am Riemen, versuchte seinen Verstand klar zu halten und dann gab es andere Zeiten… Zeiten in denen er wollte, dass die Bilder in seinem Kopf verschwanden. Wenn Gemälde nass wurden, verliefen ihre Farben, die Kunstwerke verschwammen und wurden irgendwann unkenntlich. Ähnliches bewirkte Alkohol, allerdings mit einem starken Kontrast: Wenn die Wirkung des Bieres verklang, kehrten die Bilder zurück. <br />
Über Jahre waren die Bilder in seinem Kopf diejenigen seiner Familie gewesen, die brennenden Wägen, die Schreie seiner Eltern, dass Brüllen der Banditen. Jetzt, einige Zeit nach seiner Reise nach Capital City, waren das Album des Horrors weiter herangewachsen. War es noch zu beginn die Falschheit des Adels gewesen die ihn verstörte, saß ihm das tragische Ende einer jungen Frau noch immer tief in den Knochen. Shallan. Den Namen der Zofe hatte er nicht vergessen. Ein entsetzliches Ende eines jungen Wesens, darauffolgende Anfeindungen, Drohungen und eine überstürzte Flucht. Brusk war Gewalt gewohnt, auch war stets der Tod der treuste Gefährte seiner Reisen gewesen und doch war die Brutalität die an der Zofe ausgeübt wurde ein befremdliches Maß gewesen. Er konnte nicht einmal beziffern, was genau ihn verstörte. Das Wissen, dass mit Eurybia eine Schwester den Todeskampf beobachten musste? Die Tatsache, sein Denken über die vermeintliche Kultiviertheit des Adels nichts mehr war als ein hirnrissiger Irrtum? Oder beklemmte ihm nach wie vor die lähmende Verstörtheit die auf der Rückreise jedem Passagier heimgesucht hatte? Eines war klar: Seine Begeisterung für Prunk und Glanz war gewichen. Ishar war seine einzige Verbindung zum Palast, wäre die Freundschaft der Männer nicht so eng, so würde Brusk nicht einmal für den Prinzen selbst in die Rolle des Carls zurückkehren. <br />
<I>Carl…</i> Im Zelt herrschte feuchtwarme, stickige Luft doch trotzdem stellten sich die Härchen auf seinem Arm auf. <b>“Noch ein Bier mein Lieber?“</b> Eine zarte Hand mit langen Nägeln legte sich auf seine Schulter. Eine Frau im grotesk bunten Kleid, an den Wimpern geklebte Federn und einem Dekolleté welches dem Nachtzirkus vielleicht allein als Attraktion genügt hätte, lächelte ihm entgegen. Brusk, dessen Augen nun die Größe von Handtellern annahmen, räusperte sich beim Anblick der Bedienung. <b>“Ach alsooo…“</b> Gerade war er im Begriff, seinen Arm um die Taille der exotischen Frau zu legen, da kicherte diese, griff nach seiner Hand und führte sie sanft zurück auf die Tischplatte. <b>“Na na. Schauen ja, aber nicht anfassen.“</b> Sie zwinkerte ihm zu, ergriff die Krüge auf dem Tisch und drehte ihm mit einem <b>“Dein Bier kommt sofort.“</b> den Rücken zu, bevor sie mit kreisenden Hüften in der Menge verschwand. So lange er konnte, stierte er ihrem Hintern nach, bevor er seufzend seinen Kopf in den Nacken warf und zu den farbenfrohen Lampions über ihm hinaufblickte. Das hämische Gelächter der anderen Anwesenden ignorierte er dabei geflissentlich. Sogar das Flirten war seit seiner Rückkehr aus der Feuernation nicht mehr das Gleiche. <br />
<br />
Es waren die wenigsten Frauen, die noch etwas in ihm auslösten. Noch weniger von ihnen gelang es, ihn langwierig zu fesseln. Stiegen sie auf seine Avancen ein, verloren sie rapide ihren Reiz, reagierten sie mit spielerischer Ablehnung, wurde sein Jagdeifer nicht geweckt. Kam er einer Dame doch einmal Näher, dann war es nicht sie, die seine Gedanken beherrschte, sondern seine Sehnsucht nach dem feurigen orangerotem Haar Elysandres. Er dachte an ihre spitze Zunge, ihr Lachen, den blitzenden Zorn in ihren grünen Augen die ihn mehr als einmal an Ort und Stelle zu erdolchen versuchten. Ach verdammt, wem machte er etwas vor? Er dachte beinahe jede Nacht an ihre Hand, die am Ballabend seine Kronjuwelen ergriff und schmerzhaft fest zudrückte. Klar, der ziehende Schmerz war sicherlich nicht das, was er sich für eine leidenschaftliche Nacht herbeisehnte und doch wäre er bereit, seinen gesamten spärlichen Besitz für eine Augenblickliche Rückkehr in diesem Moment aufzugeben. Scheiße, Elysandre könnte vielleicht die erste Frau in seinem Leben sein die nicht mit ihm verwandt war und die er trotzdem beinahe täglich vermisste. Die verdammte Feuernation hatte ihn vergiftet.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[a little lost, a lot found]]></title>
			<link>https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1810</link>
			<pubDate>Fri, 11 Nov 2022 13:43:49 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/member.php?action=profile&uid=0">Yura</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1810</guid>
			<description><![CDATA[<div style="text-align: justify;" class="mycode_align">Einen Schritt nach dem anderen machte die Wasserbändigerin unter dem schützenden Blick des Mondes. Ihre schwarzen Haare fielen offen über ihre Schultern und ihren Rücken. Die Locken wippten bei jeder Bewegung leicht hin und her. Ein dunkelroter Mantel bedeckte ihre restliche Kleidung, doch war diese ebenso unauffällig wie die der meisten Gäste des Zirkus. Versteckt unter dem Stoff waren zwei Wassergürtel.<br />
Sie mochte keine Menschenmengen. Es gab zu viel was ihre Aufmerksamkeit strapazierte. Überall waren Stimmen um sie herum, kleine Gesprächsfetzen die an ihre Ohren drangen. Blicke die ihr zugeworfen wurden und zu viele Schritte um herauszuhören, wann sich ihr jemand näherte. Es war fast schon zu viel für sie. War sie es nicht wirklich gewohnt. Selbst an den besten Tagen kamen nicht ansatzweise genug Leute ins Restaurant um sie zu beunruhigen oder zu irritieren. Und genau deswegen mied sie so etwas wie diesen Zirkus, sofern sie konnte.<br />
Leider war genau dies ihr dieses Mal nicht vergönnt. Es trieben sich hier viele andere Menschen herum. Genau das war es, was sie eigentlich vertreiben sollte. Jedoch war es ironischerweise auch genau der Grund warum sie hier war.<br<br />
Denn es gab selten ein Event bei dem sich so viele verschiedene Menschengruppen, die Reichen sowie die Armen, einfach vermischen konnten. Vor allem nicht gesteuert und überwacht von der royalen Wache. Es würde ihr eine Chance geben Informationen zu sammeln, ohne das sie dabei viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen würde. Neben den ganzen Schaustellern und anderen Kuriositäten interessierte sich niemand für eine Dame vom südlichen Wasserstamm. Ein zusätzlicher Vorteil den sie sonst nicht geniessen konnte.<br />
So schlenderte sie durch die Mengen. Dabei ließ sie sich mehr von den umliegenden Strömungen der Besucher tragen, als das sie bewusst irgendwohin steuerte. Sie konzentrierte sich auf die umliegenden Gesprächsfetzen, versuchte rauszufiltern was vielleicht von Interesse sein könnte. Prüfend huschte auch der Blick der blauen Iriden über die Menge um sie herum. Falls jemand von höherem Stand wirklich heute hier war, dann wollte sie ihn nicht einfach so übersehen. Schließlich könnte genau so jemand die richtige Spur zu den Männern sein, die sie suchte. Oder zu einer anderen Gelegenheit.<br />
Die Nachtluft war angenehm kühl. Ein ganz leichter Wind zog zwischen den Zelten umher, trug dabei die Gerüche verschiedenster kulinarischer Güter zu neugierigen Besuchern. Gelächter, Musik und in der Ferne auch einige Schreie drangen an ihre Ohren. Leicht irritiert von Letzterem zog sie ihre Brauen etwas zusammen, bevor sie aktiv begann auf diese zuzusteuern.<br />
Niemand um sie herum schien wirklich besorgt oder in Panik zu sein. Es gab keinen der versuchte vor etwas wegzurennen. Egal was diese Schreie also verursachte, es konnte keine wirkliche Gefahr darstellen. Und dennoch waren die Schreie erfüllt von Angst. Etwas, dass sie anlockte.<br />
Nach ein paar Momenten blieb sie vor einem Spukhaus stehen. Einige Jugendliche verließen es gerade, wobei einem der Jungen gegen den Arm geboxt wurde und sie dann lachten.<br />
Yura schnaubte wenig beeindruckt und verschränkte die Arme vor ihrem Oberkörper. Das war sehr viel weniger interessant als vermutet. Weswegen sie sich schon nach wenigen weiteren Momenten wieder abwandte. Was würden sie wohl dort drinnen nutzen um einen zu erschrecken? Kreaturen die man nutzte um ungehorsame Kinder in ihr Bett zu schicken? Oder beschmutzte man gar den Ruf der Geister? Ein leichtes Kopfschütteln folgte, bevor sie sich komplett von diesem Teil entfernte und recht gedankenverloren durch die Reihen der Zelte schritt. Sie wollte einfach nur noch weg, dorthin wo sie die Schreie ignorieren konnte. Denn je länger sie anhielten, desto mehr erinnerten sie Yura an Dinge, die sie sich nicht in Erinnerung rufen wollte.<br />
Kurz schloss sie die Augen, zwang sich etwas ruhiger zu atmen. Machte ihrem Körper klar, dass sie sicher war. Ehe sie die Augenlider wieder hob und sich umsah. Etwas irritiert stellte sie fest, dass sie keine Ahnung mehr hatte wo genau sie sich befand. Und eigenartigerweise schien sie auch nicht mehr in den Hauptströmen der Besucher zu sein. Zwischen den vielen kleineren Zelten bewegten sich weitaus weniger Menschen umher, als vor ein paar Momenten noch. Leicht legte sie den Kopf schief und sah sich um. Stehen zu bleiben wagte sie jedoch nicht.<br></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div style="text-align: justify;" class="mycode_align">Einen Schritt nach dem anderen machte die Wasserbändigerin unter dem schützenden Blick des Mondes. Ihre schwarzen Haare fielen offen über ihre Schultern und ihren Rücken. Die Locken wippten bei jeder Bewegung leicht hin und her. Ein dunkelroter Mantel bedeckte ihre restliche Kleidung, doch war diese ebenso unauffällig wie die der meisten Gäste des Zirkus. Versteckt unter dem Stoff waren zwei Wassergürtel.<br />
Sie mochte keine Menschenmengen. Es gab zu viel was ihre Aufmerksamkeit strapazierte. Überall waren Stimmen um sie herum, kleine Gesprächsfetzen die an ihre Ohren drangen. Blicke die ihr zugeworfen wurden und zu viele Schritte um herauszuhören, wann sich ihr jemand näherte. Es war fast schon zu viel für sie. War sie es nicht wirklich gewohnt. Selbst an den besten Tagen kamen nicht ansatzweise genug Leute ins Restaurant um sie zu beunruhigen oder zu irritieren. Und genau deswegen mied sie so etwas wie diesen Zirkus, sofern sie konnte.<br />
Leider war genau dies ihr dieses Mal nicht vergönnt. Es trieben sich hier viele andere Menschen herum. Genau das war es, was sie eigentlich vertreiben sollte. Jedoch war es ironischerweise auch genau der Grund warum sie hier war.<br<br />
Denn es gab selten ein Event bei dem sich so viele verschiedene Menschengruppen, die Reichen sowie die Armen, einfach vermischen konnten. Vor allem nicht gesteuert und überwacht von der royalen Wache. Es würde ihr eine Chance geben Informationen zu sammeln, ohne das sie dabei viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen würde. Neben den ganzen Schaustellern und anderen Kuriositäten interessierte sich niemand für eine Dame vom südlichen Wasserstamm. Ein zusätzlicher Vorteil den sie sonst nicht geniessen konnte.<br />
So schlenderte sie durch die Mengen. Dabei ließ sie sich mehr von den umliegenden Strömungen der Besucher tragen, als das sie bewusst irgendwohin steuerte. Sie konzentrierte sich auf die umliegenden Gesprächsfetzen, versuchte rauszufiltern was vielleicht von Interesse sein könnte. Prüfend huschte auch der Blick der blauen Iriden über die Menge um sie herum. Falls jemand von höherem Stand wirklich heute hier war, dann wollte sie ihn nicht einfach so übersehen. Schließlich könnte genau so jemand die richtige Spur zu den Männern sein, die sie suchte. Oder zu einer anderen Gelegenheit.<br />
Die Nachtluft war angenehm kühl. Ein ganz leichter Wind zog zwischen den Zelten umher, trug dabei die Gerüche verschiedenster kulinarischer Güter zu neugierigen Besuchern. Gelächter, Musik und in der Ferne auch einige Schreie drangen an ihre Ohren. Leicht irritiert von Letzterem zog sie ihre Brauen etwas zusammen, bevor sie aktiv begann auf diese zuzusteuern.<br />
Niemand um sie herum schien wirklich besorgt oder in Panik zu sein. Es gab keinen der versuchte vor etwas wegzurennen. Egal was diese Schreie also verursachte, es konnte keine wirkliche Gefahr darstellen. Und dennoch waren die Schreie erfüllt von Angst. Etwas, dass sie anlockte.<br />
Nach ein paar Momenten blieb sie vor einem Spukhaus stehen. Einige Jugendliche verließen es gerade, wobei einem der Jungen gegen den Arm geboxt wurde und sie dann lachten.<br />
Yura schnaubte wenig beeindruckt und verschränkte die Arme vor ihrem Oberkörper. Das war sehr viel weniger interessant als vermutet. Weswegen sie sich schon nach wenigen weiteren Momenten wieder abwandte. Was würden sie wohl dort drinnen nutzen um einen zu erschrecken? Kreaturen die man nutzte um ungehorsame Kinder in ihr Bett zu schicken? Oder beschmutzte man gar den Ruf der Geister? Ein leichtes Kopfschütteln folgte, bevor sie sich komplett von diesem Teil entfernte und recht gedankenverloren durch die Reihen der Zelte schritt. Sie wollte einfach nur noch weg, dorthin wo sie die Schreie ignorieren konnte. Denn je länger sie anhielten, desto mehr erinnerten sie Yura an Dinge, die sie sich nicht in Erinnerung rufen wollte.<br />
Kurz schloss sie die Augen, zwang sich etwas ruhiger zu atmen. Machte ihrem Körper klar, dass sie sicher war. Ehe sie die Augenlider wieder hob und sich umsah. Etwas irritiert stellte sie fest, dass sie keine Ahnung mehr hatte wo genau sie sich befand. Und eigenartigerweise schien sie auch nicht mehr in den Hauptströmen der Besucher zu sein. Zwischen den vielen kleineren Zelten bewegten sich weitaus weniger Menschen umher, als vor ein paar Momenten noch. Leicht legte sie den Kopf schief und sah sich um. Stehen zu bleiben wagte sie jedoch nicht.<br></div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Everyday I'm on my worst behavior]]></title>
			<link>https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1809</link>
			<pubDate>Tue, 08 Nov 2022 15:43:52 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/member.php?action=profile&uid=260">Pios</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1809</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b"><span style="color: red;" class="mycode_color">// TW: Clowns</span></span><br />
<br />
Für so manchen Besucher mochte es witzlos sein, allein einen Zirkus zu besuchen, anstatt mit Freunden oder Familien die unterschiedlichsten Attraktionen zu besuchen - Pios hingegen bevorzugte es. Mit Revali oder einem von seinen vielen Geschwisterkindern als Klotz am Bein, könnte er den Nachtzirkus doch gar nicht genießen! Er ließ sich zwar sonst auch nicht von zwielichtigen Machenschaften (die waren es nämlich, die ihm am meisten Freude bereiteten) durch irgendeine Begleitung abhalten, aber wenn es nicht die <i>richtige Person</i> an seiner Seite war, konnte das durchaus unangenehm werden. Immerhin war er immer noch von Natur aus jemand, der andere ungern in seine neuesten Geschäfte einweihte. Da zählte natürlich auch Revali hinzu, der sie ihm sowieso nur versaut hätte.<br />
Das Geschäft, das im Laufe seines gestrigen Besuches auf dem Nachtzirkus bereits gedanklich Form angenommen hatte, war denkbar einfach: Pios wollte den Nachtzirkus besitzen. Aber er wollte ihn natürlich nicht kaufen, sondern ihn klauen. Wo fing man an, wenn man einen Zirkus klauen wollte? Richtig, man machte sich mit der Umgebung vertraut, freundete sich mit einem Statisten an, verführte einen Clown und machte sich, während jener das High des Akts wegschlummerte, an dessen Garderobe zu schaffen.<br />
So weit war Pios bereits gekommen, bevor der Nachtzirkus auch nur seine Pforten öffnete. Als die Veranstaltung in Gang kam und ein reger Besucherstrom das Zirkusgelände füllte, war er somit, grausig geschminkt wie ein finsterer Clown, gekleidet in gestreifte Hosen, eine hässlich violette Perücke und ein ausgebeultes, unmöglich tailliertes Hemd mit aufgebauschten Ärmeln und Rüschen an den Säumen, bereit den zweiten Teil seines Plans umzusetzen.<br />
Erst mischte er sich unter die Besucher, erschreckte ein paar Kinder mit seinem gruseligen Gehampel und wich den anderen Clowns aus, falls jene doch noch erkannten, dass er eben nicht einer von ihnen war. Während im himmelshohen Zelt, das das Zentrum des Zirkus' bildete, die Hauptveranstaltung begann, schlich er sich ohne großartig beachtet zu werden davon. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er keinerlei Möglichkeit gehabt, sich in dem Privatzelt des Maestros umzusehen, weil jener ganz dem Anschein nach ein Stubenhocker war und jenes nur verließ, wenn er im Hauptzelt gebraucht wurde.<br />
Das hieß, dass Pios ein gutes Zeitfenster von fünfundvierzig Minuten blieb, in dem er sich hoffentlich ungestört würde umsehen können. Was er zu finden hoffte, war ihm selbst nicht so klar. Eigentumspapiere wären hilfreich, aber sicher, ob er so etwas finden würde, war er sich nicht. Er würde schon wissen, was ihm in die Hände spielen würde, sobald er es fand.<br />
Sich Zugang zu dem Zelt zu verschaffen war erstaunlich einfach - es war nur lose zugeknüpft, niemand erwartete wohl, dass jemand die abgelegeneren Zelte aufsuchen würde, wenn die restlichen Attraktionen doch so viel interessanter waren. Nun, für den Clown waren sie das nicht.<br />
Eilig begann er das Zelt zu durchstöbern und nahm in all der Eile nicht einmal wahr, dass sich draußen etwas regte ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b"><span style="color: red;" class="mycode_color">// TW: Clowns</span></span><br />
<br />
Für so manchen Besucher mochte es witzlos sein, allein einen Zirkus zu besuchen, anstatt mit Freunden oder Familien die unterschiedlichsten Attraktionen zu besuchen - Pios hingegen bevorzugte es. Mit Revali oder einem von seinen vielen Geschwisterkindern als Klotz am Bein, könnte er den Nachtzirkus doch gar nicht genießen! Er ließ sich zwar sonst auch nicht von zwielichtigen Machenschaften (die waren es nämlich, die ihm am meisten Freude bereiteten) durch irgendeine Begleitung abhalten, aber wenn es nicht die <i>richtige Person</i> an seiner Seite war, konnte das durchaus unangenehm werden. Immerhin war er immer noch von Natur aus jemand, der andere ungern in seine neuesten Geschäfte einweihte. Da zählte natürlich auch Revali hinzu, der sie ihm sowieso nur versaut hätte.<br />
Das Geschäft, das im Laufe seines gestrigen Besuches auf dem Nachtzirkus bereits gedanklich Form angenommen hatte, war denkbar einfach: Pios wollte den Nachtzirkus besitzen. Aber er wollte ihn natürlich nicht kaufen, sondern ihn klauen. Wo fing man an, wenn man einen Zirkus klauen wollte? Richtig, man machte sich mit der Umgebung vertraut, freundete sich mit einem Statisten an, verführte einen Clown und machte sich, während jener das High des Akts wegschlummerte, an dessen Garderobe zu schaffen.<br />
So weit war Pios bereits gekommen, bevor der Nachtzirkus auch nur seine Pforten öffnete. Als die Veranstaltung in Gang kam und ein reger Besucherstrom das Zirkusgelände füllte, war er somit, grausig geschminkt wie ein finsterer Clown, gekleidet in gestreifte Hosen, eine hässlich violette Perücke und ein ausgebeultes, unmöglich tailliertes Hemd mit aufgebauschten Ärmeln und Rüschen an den Säumen, bereit den zweiten Teil seines Plans umzusetzen.<br />
Erst mischte er sich unter die Besucher, erschreckte ein paar Kinder mit seinem gruseligen Gehampel und wich den anderen Clowns aus, falls jene doch noch erkannten, dass er eben nicht einer von ihnen war. Während im himmelshohen Zelt, das das Zentrum des Zirkus' bildete, die Hauptveranstaltung begann, schlich er sich ohne großartig beachtet zu werden davon. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er keinerlei Möglichkeit gehabt, sich in dem Privatzelt des Maestros umzusehen, weil jener ganz dem Anschein nach ein Stubenhocker war und jenes nur verließ, wenn er im Hauptzelt gebraucht wurde.<br />
Das hieß, dass Pios ein gutes Zeitfenster von fünfundvierzig Minuten blieb, in dem er sich hoffentlich ungestört würde umsehen können. Was er zu finden hoffte, war ihm selbst nicht so klar. Eigentumspapiere wären hilfreich, aber sicher, ob er so etwas finden würde, war er sich nicht. Er würde schon wissen, was ihm in die Hände spielen würde, sobald er es fand.<br />
Sich Zugang zu dem Zelt zu verschaffen war erstaunlich einfach - es war nur lose zugeknüpft, niemand erwartete wohl, dass jemand die abgelegeneren Zelte aufsuchen würde, wenn die restlichen Attraktionen doch so viel interessanter waren. Nun, für den Clown waren sie das nicht.<br />
Eilig begann er das Zelt zu durchstöbern und nahm in all der Eile nicht einmal wahr, dass sich draußen etwas regte ...]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Puppet Without Strings]]></title>
			<link>https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1799</link>
			<pubDate>Sun, 06 Nov 2022 23:56:25 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/member.php?action=profile&uid=325">Horiuno</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1799</guid>
			<description><![CDATA[Was wollte er hier? Was tat er hier? Er wusste es nicht; er wusste nicht, was ihn dazu getrieben hatte diesen Ort heimzusuchen, sich unter die Menschen zu mischen, die sich in großer Anzahl hier tümmelten. Denn das war es doch, was er eigentlich hasste: Andere Menschen. Nicht in der Allgemeinheit, nicht jeden einzelnen von ihnen, gab es doch auch einige Personen, die sein Herz fliegen, flattern, rasen ließen, aber in der Masse. Massen an Leibern, an Körpern, an anderen Personen, die Lärm machten und ihn beim vorbei drängen gegen seinen Willen berührten und ihn anwiderten. Trotzdem war er hier; die Augen weit aufgerissen, ein ständiges Gefühl von Ekel im Magen und von irgendwoher die feinen Klänge einer Shamisen in seinen Ohren. Er konnte nicht sagen, wie lange er dem Klang schon folgte; es war nicht der Grund gewesen, aus dem er sich ursprünglich hierher begeben hatte, so viel stand fest, doch alles andere? Horiuno wusste nicht mehr wann er zum nächtlichen Zirkus aufgebrochen war, wusste nicht seit wie vielen Minuten oder Stunden er der Shamisen folgte und sie trotzdem nicht zu finden schien. Stets blieb sie gleich weit entfernt, ganz gleich wie weit er lief oder in welche Richtung. Als würde sie sich gleichzeitig bewegen; vor ihm davon laufen, in dem selben Tempo in dem auch er lief, bis er vollkommen die Orientierung verloren hatte. Wo war er her gekommen? Wo sollte er hin gehen? Die Shamisen klang inzwischen als würde sie aus jeder Richtung gleichzeitig kommen, leise, weit entfernt, aber doch allgegenwärtig. <br />
Der fahrige Blick des Wasserbändigers wanderte umher. Strich über die Zeltwände, über die Gesichter anderer Menschen - waren es Menschen? - und das größte aller Zelte, dem Sternenhimmel über ihnen allen. Alles wirkte seltsam, fremd; noch seltsamer als die Feuernation auf ihne gewirkt hatte, als er in diese gekommen war. Inzwischen war der Großteil des feurigen Alltags zur Gewohnheit geworden, auch wenn er sie noch immer zu Teilen nicht verstand oder sich ein Teil von ihm sogar aktiv dagegen sträubte; gegen all die Regeln, die irgendjemand der Bevölkerung auferlegte und an die sich doch kaum einer hielt, obwohl immer wieder gepredigt wurde, dass man das zu tun hatte. Aber all das wirkte an diesem Platz fast genauso weit entfernt wie das Zupfen des Instruments. Alles war hier merkwürdig.<br />
Deswegen war er gekommen. Um sich die Kuriositäten des Nachtzirkuses anzusehen. Sich inspirieren zu lassen für seine Werke, auf das er diese vielleicht irgendwann auf die Haut irgendeines Kunden bannen konnte oder ganz vielleicht sogar auf seine eigene, denn es gab noch genug Flecken am Leib des Tätowierers, die er erreichen konnte und die bisher frei von seinen Farben waren. Oder vielleicht Inspiration für eine Puppe? Eine, die nicht gänzlich der Wirklichkeit entsprach; die befreit war von der Aussage, dass er nur das schuf, was wirklich existierte, denn nichts von diesem Zirkus fühlte sich absolut echt an. Nicht einmal er selbst. Er fühlte sich falsch, formlos, körperlos an - allein und fern seiner beiden Anker, seiner Stützen. Doch wenn Hina oder Gamarash sich irgendwo an diesem Ort aufhalten sollten, dann wusste er nicht wo. Vielleicht würde er zu einem von ihnen beiden finden, wenn er einfach weiter der Musik folgte oder vielleicht würden sie ihn finden; es war schließlich nicht ungewöhnlich, dass das passierte. Die Geister lenkten in der einen oder anderen Form ihre Wege und sorgten immer wieder dafür, dass Hina und er sich auf ihren nächtlichen Wanderungen begegneten. Und sie hatten dafür gesorgt, dass Gamarash überhaupt erst den Weg zu ihm gefunden hatte. Sie könnten, würden es wieder tun oder vielleicht würden sie ihn stattdessen mit einer anderen Person zusammenstoßen lassen. Jemand neues, fremdes. Jemand bekanntes, wenn auch nicht unbedingt gemochtes. <br />
Der Wasserbändiger drehte sich einmal, zweimal um die eigene Achse. Nicht in einer fließenden Bewegung, sondern als hätte man versucht eine Marionette dazu zu bringen sich um sich selbst zu drehen, ohne dabei ihre Fäden zu verheddern. Kurz fiel sein Kopf auf die Seite, dann richtete er sich wieder auf und die Schritte des Mannes führten ihn weiter zwischen den Zelten und Körpern entlang, ein Teil der Kuriositäten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Was wollte er hier? Was tat er hier? Er wusste es nicht; er wusste nicht, was ihn dazu getrieben hatte diesen Ort heimzusuchen, sich unter die Menschen zu mischen, die sich in großer Anzahl hier tümmelten. Denn das war es doch, was er eigentlich hasste: Andere Menschen. Nicht in der Allgemeinheit, nicht jeden einzelnen von ihnen, gab es doch auch einige Personen, die sein Herz fliegen, flattern, rasen ließen, aber in der Masse. Massen an Leibern, an Körpern, an anderen Personen, die Lärm machten und ihn beim vorbei drängen gegen seinen Willen berührten und ihn anwiderten. Trotzdem war er hier; die Augen weit aufgerissen, ein ständiges Gefühl von Ekel im Magen und von irgendwoher die feinen Klänge einer Shamisen in seinen Ohren. Er konnte nicht sagen, wie lange er dem Klang schon folgte; es war nicht der Grund gewesen, aus dem er sich ursprünglich hierher begeben hatte, so viel stand fest, doch alles andere? Horiuno wusste nicht mehr wann er zum nächtlichen Zirkus aufgebrochen war, wusste nicht seit wie vielen Minuten oder Stunden er der Shamisen folgte und sie trotzdem nicht zu finden schien. Stets blieb sie gleich weit entfernt, ganz gleich wie weit er lief oder in welche Richtung. Als würde sie sich gleichzeitig bewegen; vor ihm davon laufen, in dem selben Tempo in dem auch er lief, bis er vollkommen die Orientierung verloren hatte. Wo war er her gekommen? Wo sollte er hin gehen? Die Shamisen klang inzwischen als würde sie aus jeder Richtung gleichzeitig kommen, leise, weit entfernt, aber doch allgegenwärtig. <br />
Der fahrige Blick des Wasserbändigers wanderte umher. Strich über die Zeltwände, über die Gesichter anderer Menschen - waren es Menschen? - und das größte aller Zelte, dem Sternenhimmel über ihnen allen. Alles wirkte seltsam, fremd; noch seltsamer als die Feuernation auf ihne gewirkt hatte, als er in diese gekommen war. Inzwischen war der Großteil des feurigen Alltags zur Gewohnheit geworden, auch wenn er sie noch immer zu Teilen nicht verstand oder sich ein Teil von ihm sogar aktiv dagegen sträubte; gegen all die Regeln, die irgendjemand der Bevölkerung auferlegte und an die sich doch kaum einer hielt, obwohl immer wieder gepredigt wurde, dass man das zu tun hatte. Aber all das wirkte an diesem Platz fast genauso weit entfernt wie das Zupfen des Instruments. Alles war hier merkwürdig.<br />
Deswegen war er gekommen. Um sich die Kuriositäten des Nachtzirkuses anzusehen. Sich inspirieren zu lassen für seine Werke, auf das er diese vielleicht irgendwann auf die Haut irgendeines Kunden bannen konnte oder ganz vielleicht sogar auf seine eigene, denn es gab noch genug Flecken am Leib des Tätowierers, die er erreichen konnte und die bisher frei von seinen Farben waren. Oder vielleicht Inspiration für eine Puppe? Eine, die nicht gänzlich der Wirklichkeit entsprach; die befreit war von der Aussage, dass er nur das schuf, was wirklich existierte, denn nichts von diesem Zirkus fühlte sich absolut echt an. Nicht einmal er selbst. Er fühlte sich falsch, formlos, körperlos an - allein und fern seiner beiden Anker, seiner Stützen. Doch wenn Hina oder Gamarash sich irgendwo an diesem Ort aufhalten sollten, dann wusste er nicht wo. Vielleicht würde er zu einem von ihnen beiden finden, wenn er einfach weiter der Musik folgte oder vielleicht würden sie ihn finden; es war schließlich nicht ungewöhnlich, dass das passierte. Die Geister lenkten in der einen oder anderen Form ihre Wege und sorgten immer wieder dafür, dass Hina und er sich auf ihren nächtlichen Wanderungen begegneten. Und sie hatten dafür gesorgt, dass Gamarash überhaupt erst den Weg zu ihm gefunden hatte. Sie könnten, würden es wieder tun oder vielleicht würden sie ihn stattdessen mit einer anderen Person zusammenstoßen lassen. Jemand neues, fremdes. Jemand bekanntes, wenn auch nicht unbedingt gemochtes. <br />
Der Wasserbändiger drehte sich einmal, zweimal um die eigene Achse. Nicht in einer fließenden Bewegung, sondern als hätte man versucht eine Marionette dazu zu bringen sich um sich selbst zu drehen, ohne dabei ihre Fäden zu verheddern. Kurz fiel sein Kopf auf die Seite, dann richtete er sich wieder auf und die Schritte des Mannes führten ihn weiter zwischen den Zelten und Körpern entlang, ein Teil der Kuriositäten.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[You take the things you love and tear them apart]]></title>
			<link>https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1798</link>
			<pubDate>Sun, 06 Nov 2022 22:11:31 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/member.php?action=profile&uid=224">Eurybia</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1798</guid>
			<description><![CDATA[<link href="https://fonts.googleapis.com/css2?family=Playfair+Display:wght@600&display=swap" rel="stylesheet">    <center><div style="font-size: 22px;font-family: 'Playfair Display', serif; text-transform: uppercase;">You do this, you do.</div>
<div style="margin-top: -5px;text-transform: uppercase; font-size: 9px; letter-spacing: 3px; line-height: 12px;font-family: 'Open Sans', sans-serif; margin-bottom: 8px;">You take the things you love<br />
and tear them apart.<br />
<span style="letter-spacing: 4px;text-transform: lowercase;">Eurybia & Elysandre # 16.06.1NZK # Ba Sing Se - Äußerer Ring - Zirkusgelände</span> </div></center><br />
Ihr fehlte der Zugang zu der Sprache, die es ihr ermöglicht hätte, über das zu reden, was in Capital City geschehen war. Je mehr Zeit sich zwischen ihrer Abreise aus der Feuernation und ihrer Wiederankunft im Erdkönigreich ausbreitete, desto kleiner wurde sogar das Zeitfenster, in dem Eurybia noch hätte darüber reden können. Als ihr Zorn und ihre Trauer um Shallan noch frisch gewesen waren, hätte sie eine Menge zu sagen gehabt aber so gut wie nie den Mund aufbekommen. Und jetzt, da ein jeder um sie herum beflissentlich so tat, als sei ihre Halbschwester nicht vor ihren Augen ermordet worden, war sie zwar bereit, darüber zu reden, wusste aber nicht, <i>was</i> sie sagen sollte. Denn jedes Wort wäre unnütz; und zu beschreiben, was weiterhin in ihr wütete, erforderte das Offenbaren einer Empfindsamkeit, das sie weder sich selbst noch anderen gegenüber rechtfertigen konnte.<br />
Was brachte es ihr, über Shallan zu reden, nun, da sie tot war? Was brachte es, die Ungerechtigkeit aufzuzeigen, wenn doch nichts gegen sie auszurichten war? In keiner Sprache der Welt gab es genug Worte, die Eurybias Hilflosigkeit würden ausdrücken, geschweige denn merzen können. Weder was ihr gesagt wurde, noch was sie selbst über die Lippen brachte, besaß Gewicht. Es war gewichtslos, fruchtlos, sinnlos. Also schwieg sie sich in eine Abgeschiedenheit hinein, die ihr ein Gefühl von Unberührbarkeit vermittelte. Wenigstens war sie in dieser emotionalen Isolation sicher, mochte sie auch nur eine dämliche Illusion sein.<br />
Seit sie wieder in den Palast eingezogen waren und sie sich von Elysandre hatte verabschieden müssen, die zurück auf ihr eigenes Anwesen im Oberen Ring gezogen war, wusste Eurybia überhaupt nichts mit sich oder ihrer Zeit anzufangen. Im Gegensatz zu den schlauchenden Tagen ihrer Rundreise, die mit Banketten, Feierlichkeiten und Hofpolitik-lastigen Plappereien vollgestopft gewesen waren, bestanden ihre Tage im Palast Ken Shous aus einer tödlichen Leere. Sie war nicht einmal in ihre Hochzeitsvorbereitungen involviert, vermutlich weil man befürchtete, sie könne sie doch noch sabotieren … wahrscheinlicher war natürlich, dass man sie nicht in ihrer Trauerzeit stören wollte.<br />
Bis zu einem gewissen Grad war die Prinzessin von Omashu dankbar dafür — sie hatte kein Interesse daran, die Zurschauführung ihrer Ehe auch noch zu zelebrieren. Es könnte ihr kaum egaler sein, was an dem Tag geschah. Wenn es nach ihr ginge, wäre sie am liebsten gar nicht anwesend. Weder psychisch noch physisch — letzteres wäre schwerer zu bewerkstelligen, aber wenigstens ersteres ließe sich vielleicht mit einem passenden Mittel einrichten. Alternativ stellte sie sich vor, wie angenehm es wohl wäre, die Hochzeit zu verschlafen und nie wieder aufzuwachen. Nicht zu sterben, sie hatte kein Interesse am Tod, war auch nicht versucht, dem Abhilfe zu schaffen; sie wollte nur eine Weile nicht … denken. Nicht denken. Was für eine utopische Vorstellung das war.<br />
Sie konnte nicht <i>nicht</i> denken, auch wenn sie sich redliche Mühe gab, sich nicht mit ihrem eigenen Leben auseinandersetzen zu müssen. Eigentlich hatte sie sich immerhin mit allem abgefunden. Insbesondere seit sie all ihre Gefühle an Shallans Hinrichtung verbraucht hatte, war sie bereit, nichts mehr zu fühlen. Es wäre eine angenehme Abwechslung zu dem, was sie seit Jahren bereits pflegte zu tun: einfach nur so zu tun, als würde sie nichts fühlen, obwohl das natürlich nicht ganz der Wahrheit entsprach.<br />
Jetzt jedoch war sie in einer seltsamen Blase gefangen; in einem Vakuum, in dem nichts, was sie tat, eine Rolle spielte.<br />
<br />
Ob das der Grund war, warum Elysandre sie letzten Endes dazu überredet hatte, sie zu besuchen? Und dass sie dann entschlossen für sie beide entschied, dass sie einen Ausflug unternehmen würden, für den sie sich in Kleider hüllen mussten, die — man konnte es nicht anders sagen — ihren wahren Stand verschleierten?<br />
Skeptisch hatte Eurybia zwar nicht zugestimmt, aber sich auch nicht gewehrt. Sie konnte lediglich nicht nachvollziehen, warum Elysandre derart erpicht darauf war, mit der Eisenbahn den Oberen Ring zu verlassen — etwas, das die Prinzessin seit ihrer Ankunft in Ba Sing Se noch nie getan hatte. Ihr war bisher nur der Obere Ring gezeigt worden, und sie war zu beschäftigt damit gewesen, sich im Palast zu langweilen und Omashu zu vermissen, um sich zu bemühen, irgendetwas anderes sehen zu dürfen.<br />
Bei anbrechender Nacht und in die einfachen Kleider mittelständischer Frauen gekleidet — gut verarbeitet aber nicht halb so ausstaffiert und luxuriös wie die Gewänder, die sie sonst trugen — und mit hübsch geformten Masken auf den Nasen, die ihre Augen und die Stirn bedeckten, nur die Mundpartie ausließen, ließ Elysandre ihnen eine Kutsche kommen, die sie zum Bahnhof brachte, wo sie sich einfach unter die Menschen mischten. Die Rothaarige kümmerte sich fachmännisch darum, dass man sie nicht an der Weiterfahrt hinderte, und dann, dass sie sich unter die Menschen mischten. Menschen, die Eurybia noch nie gesehen hatte, die aber wiederum ihnen auch keinen zweiten Blick schenkten; was eindeutig anders gewesen wäre, wenn sie nicht derart ‘verkleidet’ gewesen wären. Also wenn es sich um einen offiziellen Besuch des Königshauses im Äußeren Ring gehandelt hätte.<br />
Die Fahrt über blieb Eurybia schweigsam, starrte hinaus und sah doch nur das Innere des Waggons in dem Fenster gespiegelt. Erst, als sie zusammen mit einem ungehörig massigen Strom an Menschen am Bahnhof ausstiegen und sie mit ihren Schuhen direkt als Erstes in einer Pfütze landete, öffnete sie den Mund, um leise und schwer auszuatmen. »Erinner mich noch mal … <i>Warum</i> hältst du es für so unerlässlich, diesen Nachtzirkus zu besuchen?«]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<link href="https://fonts.googleapis.com/css2?family=Playfair+Display:wght@600&display=swap" rel="stylesheet">    <center><div style="font-size: 22px;font-family: 'Playfair Display', serif; text-transform: uppercase;">You do this, you do.</div>
<div style="margin-top: -5px;text-transform: uppercase; font-size: 9px; letter-spacing: 3px; line-height: 12px;font-family: 'Open Sans', sans-serif; margin-bottom: 8px;">You take the things you love<br />
and tear them apart.<br />
<span style="letter-spacing: 4px;text-transform: lowercase;">Eurybia & Elysandre # 16.06.1NZK # Ba Sing Se - Äußerer Ring - Zirkusgelände</span> </div></center><br />
Ihr fehlte der Zugang zu der Sprache, die es ihr ermöglicht hätte, über das zu reden, was in Capital City geschehen war. Je mehr Zeit sich zwischen ihrer Abreise aus der Feuernation und ihrer Wiederankunft im Erdkönigreich ausbreitete, desto kleiner wurde sogar das Zeitfenster, in dem Eurybia noch hätte darüber reden können. Als ihr Zorn und ihre Trauer um Shallan noch frisch gewesen waren, hätte sie eine Menge zu sagen gehabt aber so gut wie nie den Mund aufbekommen. Und jetzt, da ein jeder um sie herum beflissentlich so tat, als sei ihre Halbschwester nicht vor ihren Augen ermordet worden, war sie zwar bereit, darüber zu reden, wusste aber nicht, <i>was</i> sie sagen sollte. Denn jedes Wort wäre unnütz; und zu beschreiben, was weiterhin in ihr wütete, erforderte das Offenbaren einer Empfindsamkeit, das sie weder sich selbst noch anderen gegenüber rechtfertigen konnte.<br />
Was brachte es ihr, über Shallan zu reden, nun, da sie tot war? Was brachte es, die Ungerechtigkeit aufzuzeigen, wenn doch nichts gegen sie auszurichten war? In keiner Sprache der Welt gab es genug Worte, die Eurybias Hilflosigkeit würden ausdrücken, geschweige denn merzen können. Weder was ihr gesagt wurde, noch was sie selbst über die Lippen brachte, besaß Gewicht. Es war gewichtslos, fruchtlos, sinnlos. Also schwieg sie sich in eine Abgeschiedenheit hinein, die ihr ein Gefühl von Unberührbarkeit vermittelte. Wenigstens war sie in dieser emotionalen Isolation sicher, mochte sie auch nur eine dämliche Illusion sein.<br />
Seit sie wieder in den Palast eingezogen waren und sie sich von Elysandre hatte verabschieden müssen, die zurück auf ihr eigenes Anwesen im Oberen Ring gezogen war, wusste Eurybia überhaupt nichts mit sich oder ihrer Zeit anzufangen. Im Gegensatz zu den schlauchenden Tagen ihrer Rundreise, die mit Banketten, Feierlichkeiten und Hofpolitik-lastigen Plappereien vollgestopft gewesen waren, bestanden ihre Tage im Palast Ken Shous aus einer tödlichen Leere. Sie war nicht einmal in ihre Hochzeitsvorbereitungen involviert, vermutlich weil man befürchtete, sie könne sie doch noch sabotieren … wahrscheinlicher war natürlich, dass man sie nicht in ihrer Trauerzeit stören wollte.<br />
Bis zu einem gewissen Grad war die Prinzessin von Omashu dankbar dafür — sie hatte kein Interesse daran, die Zurschauführung ihrer Ehe auch noch zu zelebrieren. Es könnte ihr kaum egaler sein, was an dem Tag geschah. Wenn es nach ihr ginge, wäre sie am liebsten gar nicht anwesend. Weder psychisch noch physisch — letzteres wäre schwerer zu bewerkstelligen, aber wenigstens ersteres ließe sich vielleicht mit einem passenden Mittel einrichten. Alternativ stellte sie sich vor, wie angenehm es wohl wäre, die Hochzeit zu verschlafen und nie wieder aufzuwachen. Nicht zu sterben, sie hatte kein Interesse am Tod, war auch nicht versucht, dem Abhilfe zu schaffen; sie wollte nur eine Weile nicht … denken. Nicht denken. Was für eine utopische Vorstellung das war.<br />
Sie konnte nicht <i>nicht</i> denken, auch wenn sie sich redliche Mühe gab, sich nicht mit ihrem eigenen Leben auseinandersetzen zu müssen. Eigentlich hatte sie sich immerhin mit allem abgefunden. Insbesondere seit sie all ihre Gefühle an Shallans Hinrichtung verbraucht hatte, war sie bereit, nichts mehr zu fühlen. Es wäre eine angenehme Abwechslung zu dem, was sie seit Jahren bereits pflegte zu tun: einfach nur so zu tun, als würde sie nichts fühlen, obwohl das natürlich nicht ganz der Wahrheit entsprach.<br />
Jetzt jedoch war sie in einer seltsamen Blase gefangen; in einem Vakuum, in dem nichts, was sie tat, eine Rolle spielte.<br />
<br />
Ob das der Grund war, warum Elysandre sie letzten Endes dazu überredet hatte, sie zu besuchen? Und dass sie dann entschlossen für sie beide entschied, dass sie einen Ausflug unternehmen würden, für den sie sich in Kleider hüllen mussten, die — man konnte es nicht anders sagen — ihren wahren Stand verschleierten?<br />
Skeptisch hatte Eurybia zwar nicht zugestimmt, aber sich auch nicht gewehrt. Sie konnte lediglich nicht nachvollziehen, warum Elysandre derart erpicht darauf war, mit der Eisenbahn den Oberen Ring zu verlassen — etwas, das die Prinzessin seit ihrer Ankunft in Ba Sing Se noch nie getan hatte. Ihr war bisher nur der Obere Ring gezeigt worden, und sie war zu beschäftigt damit gewesen, sich im Palast zu langweilen und Omashu zu vermissen, um sich zu bemühen, irgendetwas anderes sehen zu dürfen.<br />
Bei anbrechender Nacht und in die einfachen Kleider mittelständischer Frauen gekleidet — gut verarbeitet aber nicht halb so ausstaffiert und luxuriös wie die Gewänder, die sie sonst trugen — und mit hübsch geformten Masken auf den Nasen, die ihre Augen und die Stirn bedeckten, nur die Mundpartie ausließen, ließ Elysandre ihnen eine Kutsche kommen, die sie zum Bahnhof brachte, wo sie sich einfach unter die Menschen mischten. Die Rothaarige kümmerte sich fachmännisch darum, dass man sie nicht an der Weiterfahrt hinderte, und dann, dass sie sich unter die Menschen mischten. Menschen, die Eurybia noch nie gesehen hatte, die aber wiederum ihnen auch keinen zweiten Blick schenkten; was eindeutig anders gewesen wäre, wenn sie nicht derart ‘verkleidet’ gewesen wären. Also wenn es sich um einen offiziellen Besuch des Königshauses im Äußeren Ring gehandelt hätte.<br />
Die Fahrt über blieb Eurybia schweigsam, starrte hinaus und sah doch nur das Innere des Waggons in dem Fenster gespiegelt. Erst, als sie zusammen mit einem ungehörig massigen Strom an Menschen am Bahnhof ausstiegen und sie mit ihren Schuhen direkt als Erstes in einer Pfütze landete, öffnete sie den Mund, um leise und schwer auszuatmen. »Erinner mich noch mal … <i>Warum</i> hältst du es für so unerlässlich, diesen Nachtzirkus zu besuchen?«]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[The Beauty and the beast]]></title>
			<link>https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1790</link>
			<pubDate>Sun, 30 Oct 2022 13:19:59 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/member.php?action=profile&uid=319">Pandora</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1790</guid>
			<description><![CDATA[Ein abstraktes Farbenspiel spiegelte sich in den ozeanblauen Augen der jungen Adeligen. Fasziniert, mit kindlich geweitetem Blick, wandte sie ihren Kopf von einem Blickfang zum nächsten, wobei sie immer wieder ein vergnügtes <b>“Oh schau mal!“</b> Ausstieß und mit dem Finger auf irgendetwas neues deutete. Der Arm ihrer anderen Hand hielt den ihres Vaters eng umschlungen, an welchen sie in regelmäßigen Abständen ihre Wange schmiegte. Der Kerl, der mit seiner strengen Miene, dem schwarz-grau melierten Haar, dem langen Spitzbart und den tiefen Furchen auf seiner Stirn optisch nicht ferner zu seiner Tochter sein könnte, agierte derweil mit unerschütterlicher Ruhe auf die Ausrufe seines quirligen Nachwuchses. <i>“Ja Pandora, ich sehe den Mann auf den Stelzen, sehr beeindruckend... Nein. Ich könnte darauf sicherlich nicht stehen… Ja. Mutter würde ich dies auch zutrauen… Nein Pandora, wir werden dir jetzt nicht solche Stelzen kaufen… Nein, ich glaube nicht, dass Ares sich über dieses Geschenk freuen würde… Erzähle Kiko erst einmal davon, bevor du ihn auf so etwas zwingen möchtest… … Ja Pandora, die Frau dort läuft auf ihren Händen… Bitte probiere das jetzt nicht aus…“</I> Die letzten Worte wurden von einem kleinen Lachen begleitet, während er die Hand seiner Tochter fester an sich zog, wohl nur, um ganz sicher zu sein. <br />
Hach. Es war schön ihren Vater an diesem Tag an ihrer Seite zu haben, seit sie im Palast von Capital City lebte, sah sie ihn nur noch selten. Dazu kam, dass seine seltenen Anreisen meist nur dem Zweck dienten, seine neusten Schiffe zu präsentieren. Wenn Torryn sich seiner Arbeit widmete, dann war die Welt um ihm herum ganz schnell vergessen, so auch seine kleine Pandora. Heute jedoch hatte Torryn Besserung gelobt, der heutige Tag sollte ganz ihr gehören. Sie würden eine schöne Zeit auf diesem schaurig fantastischen Gelände verbringen, sie würden sich eine Attraktion nach der anderen ansehen und eine fremde Süßigkeit nach der anderen probieren. Schon jetzt hatte Panda so viele verschiedene gesüßte Früchte und bunte Gebäcke in sich hineingestopft, dass ihr Bauch sich ganz rund anfühlte. Bald bekäme sie wohl furchtbare Bauchschmerzen… dieser Gedankengang löste ein aufgeregtes quieken in ihr aus. Oh wenn ihre Mutter das erfahren würde!<br />
Vergnügt summend mischte die Frau mit dem markanten <a href="https://i.pinimg.com/564x/a4/cb/77/a4cb772134d3d9aa8b82eb0187d5495d.jpg" target="_blank" rel="noopener" class="mycode_url">Kleid</a> und fremdartigen Haar kleine Hüpfer zwischen ihren Schritten. <b>“Ach Vater! Es gibt so vieles was ich dir erzählen kann! Es ist unglaublich wie herzlich ich hier aufgenommen wurde. Du hättest Ares Gesicht sehen müssen!“</b> Sie kicherte vergnügt. <b>“Er wirkte, als wäre ihm ein Geist erschienen, so überrumpelt war er von meiner Ankunft, ich habe gesehen, dass er am liebsten vor glück schreiend aufgesprungen wäre. Oh und Sylas, du weißt schon, die Wache die immer so gruselig schaut… “</b> Sie redete und redete und bemerkte zunächst gar nicht, wie ihr Erzeuger seinen Kopf abwandte. <i>“Ist das…?“</i> Er blieb abrupt stehen und sah in Richtung eines Greisen der gerade wild mit einem Krückstock gestikulierte und sich offenbar lautstark über den Anblick einer bärtigen Frau echauffierte. <i>“Meister Toshi persönlich! Das gibt es ja nicht!“</i> Torryn zog seinen Arm aus der Umschlingung seiner Tochter. <B>“Oh nein! Vater... bleib hier!“</b> Hilflos zerrte die Blondine an den Arm des breitschultrigen Geschäftsmannes, der nur noch Augen für den alten Konstruktionsarchitekturmeisters zu haben schien. <i>“Nur ganz kurz… Meister Toshi! Meister TOSHI!... Äh…“</i> Ohne seinem Spross einen direkten Blick zu schenken, legte er seine Hände auf ihre Schultern und schob sie von sich in die Richtung eines anderen Mannes welchen er – wenn überhaupt - nur aus den Augenwinkeln hatte wahrnehmen können. <i>“Achtet auf sie, ich bin bald zurück.“</i> Dann ließ er die sichtlich echauffierte Blondine los und drängte sich durch das Getümmel eilend durch das Getümmel welches von Augenblick zu Augenblick dichter zu werden schien. <b>“"Vater? VATER!?"</b> Wütend stampfte sie mit ihrem Fuß auf den Boden, eine einzelne Locke löste sich aus ihrem kompliziert geflochtenen Zopf und fiel ihr in die Stirn. Das war ja mal wieder typisch. Ja, Panda wusste, dass ihr Vater sie liebte. Er trug sie auf Händen und behandelte sie wie eine Prinzessin... Doch wehe dem, er witterte eine Chance seine Werft mit noch fähigeren Menschen als sowieso schon auszustatten. <b>"Du bist so gemein! So so gemein! Manno…"</b>Sichtbar beleidigt blies die Blondine die bleichen Bäckchen auf, verschränkte die grotesk dünnen Ärmchen vor der Brust und regte mit einem hörbaren "hmpf!" das adelige weißgepuderte Stupsnäschen in die Höhe. <b>"Nun denn, so sei es! Wir benötigen Vater nicht um Spaß zu haben, ihr begleitet mich doch sicherlich zur Wahrsa... Oh..."</b> Während sie sprach, wandte sie sich der vermeintlichen Wache zu, derer ihr Vater sie zur weiteren Verantwortung weitergereicht hatte. Dummerweise war dies keine Wache, es war nicht einmal ein Diener, es war... Ja... Was war es denn?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Ein abstraktes Farbenspiel spiegelte sich in den ozeanblauen Augen der jungen Adeligen. Fasziniert, mit kindlich geweitetem Blick, wandte sie ihren Kopf von einem Blickfang zum nächsten, wobei sie immer wieder ein vergnügtes <b>“Oh schau mal!“</b> Ausstieß und mit dem Finger auf irgendetwas neues deutete. Der Arm ihrer anderen Hand hielt den ihres Vaters eng umschlungen, an welchen sie in regelmäßigen Abständen ihre Wange schmiegte. Der Kerl, der mit seiner strengen Miene, dem schwarz-grau melierten Haar, dem langen Spitzbart und den tiefen Furchen auf seiner Stirn optisch nicht ferner zu seiner Tochter sein könnte, agierte derweil mit unerschütterlicher Ruhe auf die Ausrufe seines quirligen Nachwuchses. <i>“Ja Pandora, ich sehe den Mann auf den Stelzen, sehr beeindruckend... Nein. Ich könnte darauf sicherlich nicht stehen… Ja. Mutter würde ich dies auch zutrauen… Nein Pandora, wir werden dir jetzt nicht solche Stelzen kaufen… Nein, ich glaube nicht, dass Ares sich über dieses Geschenk freuen würde… Erzähle Kiko erst einmal davon, bevor du ihn auf so etwas zwingen möchtest… … Ja Pandora, die Frau dort läuft auf ihren Händen… Bitte probiere das jetzt nicht aus…“</I> Die letzten Worte wurden von einem kleinen Lachen begleitet, während er die Hand seiner Tochter fester an sich zog, wohl nur, um ganz sicher zu sein. <br />
Hach. Es war schön ihren Vater an diesem Tag an ihrer Seite zu haben, seit sie im Palast von Capital City lebte, sah sie ihn nur noch selten. Dazu kam, dass seine seltenen Anreisen meist nur dem Zweck dienten, seine neusten Schiffe zu präsentieren. Wenn Torryn sich seiner Arbeit widmete, dann war die Welt um ihm herum ganz schnell vergessen, so auch seine kleine Pandora. Heute jedoch hatte Torryn Besserung gelobt, der heutige Tag sollte ganz ihr gehören. Sie würden eine schöne Zeit auf diesem schaurig fantastischen Gelände verbringen, sie würden sich eine Attraktion nach der anderen ansehen und eine fremde Süßigkeit nach der anderen probieren. Schon jetzt hatte Panda so viele verschiedene gesüßte Früchte und bunte Gebäcke in sich hineingestopft, dass ihr Bauch sich ganz rund anfühlte. Bald bekäme sie wohl furchtbare Bauchschmerzen… dieser Gedankengang löste ein aufgeregtes quieken in ihr aus. Oh wenn ihre Mutter das erfahren würde!<br />
Vergnügt summend mischte die Frau mit dem markanten <a href="https://i.pinimg.com/564x/a4/cb/77/a4cb772134d3d9aa8b82eb0187d5495d.jpg" target="_blank" rel="noopener" class="mycode_url">Kleid</a> und fremdartigen Haar kleine Hüpfer zwischen ihren Schritten. <b>“Ach Vater! Es gibt so vieles was ich dir erzählen kann! Es ist unglaublich wie herzlich ich hier aufgenommen wurde. Du hättest Ares Gesicht sehen müssen!“</b> Sie kicherte vergnügt. <b>“Er wirkte, als wäre ihm ein Geist erschienen, so überrumpelt war er von meiner Ankunft, ich habe gesehen, dass er am liebsten vor glück schreiend aufgesprungen wäre. Oh und Sylas, du weißt schon, die Wache die immer so gruselig schaut… “</b> Sie redete und redete und bemerkte zunächst gar nicht, wie ihr Erzeuger seinen Kopf abwandte. <i>“Ist das…?“</i> Er blieb abrupt stehen und sah in Richtung eines Greisen der gerade wild mit einem Krückstock gestikulierte und sich offenbar lautstark über den Anblick einer bärtigen Frau echauffierte. <i>“Meister Toshi persönlich! Das gibt es ja nicht!“</i> Torryn zog seinen Arm aus der Umschlingung seiner Tochter. <B>“Oh nein! Vater... bleib hier!“</b> Hilflos zerrte die Blondine an den Arm des breitschultrigen Geschäftsmannes, der nur noch Augen für den alten Konstruktionsarchitekturmeisters zu haben schien. <i>“Nur ganz kurz… Meister Toshi! Meister TOSHI!... Äh…“</i> Ohne seinem Spross einen direkten Blick zu schenken, legte er seine Hände auf ihre Schultern und schob sie von sich in die Richtung eines anderen Mannes welchen er – wenn überhaupt - nur aus den Augenwinkeln hatte wahrnehmen können. <i>“Achtet auf sie, ich bin bald zurück.“</i> Dann ließ er die sichtlich echauffierte Blondine los und drängte sich durch das Getümmel eilend durch das Getümmel welches von Augenblick zu Augenblick dichter zu werden schien. <b>“"Vater? VATER!?"</b> Wütend stampfte sie mit ihrem Fuß auf den Boden, eine einzelne Locke löste sich aus ihrem kompliziert geflochtenen Zopf und fiel ihr in die Stirn. Das war ja mal wieder typisch. Ja, Panda wusste, dass ihr Vater sie liebte. Er trug sie auf Händen und behandelte sie wie eine Prinzessin... Doch wehe dem, er witterte eine Chance seine Werft mit noch fähigeren Menschen als sowieso schon auszustatten. <b>"Du bist so gemein! So so gemein! Manno…"</b>Sichtbar beleidigt blies die Blondine die bleichen Bäckchen auf, verschränkte die grotesk dünnen Ärmchen vor der Brust und regte mit einem hörbaren "hmpf!" das adelige weißgepuderte Stupsnäschen in die Höhe. <b>"Nun denn, so sei es! Wir benötigen Vater nicht um Spaß zu haben, ihr begleitet mich doch sicherlich zur Wahrsa... Oh..."</b> Während sie sprach, wandte sie sich der vermeintlichen Wache zu, derer ihr Vater sie zur weiteren Verantwortung weitergereicht hatte. Dummerweise war dies keine Wache, es war nicht einmal ein Diener, es war... Ja... Was war es denn?]]></content:encoded>
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