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		<title><![CDATA[Testies - Nebenplays]]></title>
		<link>https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/</link>
		<description><![CDATA[Testies - https://topsiegfried.like-a-hurricane.de]]></description>
		<pubDate>Sun, 05 Apr 2026 17:51:30 +0000</pubDate>
		<generator>MyBB</generator>
		<item>
			<title><![CDATA[it's hard to stand on both feet!]]></title>
			<link>https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1836</link>
			<pubDate>Fri, 27 Jan 2023 00:56:36 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/member.php?action=profile&uid=330">Menoetius</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1836</guid>
			<description><![CDATA[<link href="https://fonts.googleapis.com/css2?family=Playfair+Display:wght@600&display=swap" rel="stylesheet">    <center><div style="font-size: 22px;font-family: 'Playfair Display', serif; text-transform: uppercase;">it’s hard to stand on both feet!</div>
<div style="margin-top: -5px;text-transform: uppercase; font-size: 9px; letter-spacing: 3px; line-height: 12px;font-family: 'Open Sans', sans-serif; margin-bottom: 8px;">
<span style="letter-spacing: 4px;text-transform: lowercase;">Alicja & Menoetius # 09.01.1NZK # Trainingsgelände der Himitsu</span> </div></center><br />
Er hatte nicht geschlafen. Kein einziges Auge hatte er auch nur länger als nötig in dieser Nacht geschlossen und sein Bett war noch immer in demselben Zustand, in welchem er es am vorherigen Morgen hinterlassen hatte, nachdem man ihn regelrecht aus jenem heraus geschmissen hatte, weil er schon wieder viel zu lange geschlafen hatte, weil es wohl schlichtweg kein dazwischen bei ihm gab. Entweder er schlief zu viel und zu lange oder gar nicht - so wie es heute der Fall war. Statt sich zu einer angemessenen Uhrzeit ins Bett zu legen, um am nächsten Morgen rechtzeitig aufzustehen, war es eine altbekannte Unruhe, von welcher Menoetius nie so recht sagen konnte, woher genau sie eigentlich kam, welche es ihm unmöglich machte, auch nur an Schlaf zu denken. Ja, es war bei weitem nicht das erste Mal, dass Menoetius sich mit einer plötzlichen Rastlosigkeit die Nacht um die Ohren schlug, bei welchem er im Nachhinein noch nicht einmal sagen konnte, was genau er währenddessen eigentlich gemacht hatte, und so überraschte es ihn auch nur wenig, dass er selbst Stunden später noch keinerlei Anzeichen von Müdigkeit zeigte. Eher im Gegenteil - er fühlte sich so wach und fit wie noch nie, auch wenn die Augenringe, welche davon zeugten, in was für einer Regelmäßigkeit er das hier tat, eine andere Sprache sprachen. Aber er war wach, voll konzentriert und hätte man ihn gefragt, ob er sich dazu in der Lage fühlte, ihre Nation vor dem größten Schrecken der Welt zu beschützen, hätte er dies in vollster Überzeugung bejaht. <br />
Ja, er mochte gerade einmal 15 (fast 16!) Jahre alt und noch mitten in der Ausbildung zu einem Agenten der Himitsu sein, doch dies änderte für Menoetius nichts daran, dass er bereits jetzt glaubte, eigenhändig einen Drachen töten zu können, wenn man es denn von ihm verlangte. Fragte man ihn, wäre er sogar der festen Überzeugung, dafür noch nicht einmal Bändigen zu müssen, doch… zum Glück kam niemand auf den Gedanken, diese Idee in seinem Kopf weiter anzufachen, und so war es an diesem noch viel zu frischen Morgen ein etwas anderer Impuls, welcher ihn in Richtung des Trainingsgeländes der Himitsu trieb. <br />
<br />
Eigentlich hatte er noch ein paar Stunden, bis das Training für seine Altersklasse begann, doch für jene glaubte er ohnehin schon viel zu fortgeschritten zu sein und so war es für ihn nur selbstverständlich, dass er bei den Älteren mitmachen durfte. Warum sollte er auch seine Zeit damit verschwenden, zum fünfzigsten Mal Feuerbögen zu üben, wenn er jene doch schon längst perfektioniert hatte und stattdessen viel besser direkt im Kampf mit jemand anderem trainieren konnte? Es machte keinen Sinn, dass man ihn weiterhin mit den anderen in seinem Alter trainieren ließ, wenn er doch ganz offensichtlich (zumindest in seinen Augen) schon viel weiter und besser als jene war. Wie sollte er dabei denn etwas lernen?! Mal abgesehen davon, dass das den anderen gegenüber auch nicht ganz fair war… Ja, ne, da gehörte er einfach nicht hin! Aber vielleicht erwartete man auch von ihm, dass er von selbst auf die Idee kam, jaha, das musste es sein! <br />
<br />
Mit einer Selbstverständlichkeit, die einen fast schon übersehen ließ, dass ein Großteil der zu dieser Uhrzeit trainierenden Himitsu Menoetius nicht nur um ein paar Zentimeter Höhe überragten, sondern auch deutlich breiter gebaut waren, bewegte der junge Feuerbändiger sich über das Trainingsgelände. Hier und da duellierten sich kontrolliert ein paar Feuerbändiger, ein paar übten bestimmte Griffe und andere übten wiederum vereinzelte Bändigungsfiguren, welche Menoetius glaubte, zuvor noch nicht einmal gesehen zu haben. Wie hypnotisiert beobachtete Menoetius einen älteren Feuerbändiger mit langem, zurückgebundenen schwarzen Haar dabei, wie er fast schon tanzend mit dem Feuer spielte, doch als er nur noch ein paar Schritte von ihm entfernt war und gerade dazu ansetzen wollte, jenen auf sich aufmerksam zu machen, damit er ihm am besten sofort auch beibringen konnte, was er da eigentlich machte, war es ein plötzliches Stechen in seiner Seite, welches ihn plötzlich zusammenfahren und ein paar Schritte zur Seite stolpern ließ. Ein erschrockener Laut entkam seinen Lippen, während seine Hände blind an seiner Seite, etwas über seiner Hüfte entlang tasteten. Er schwankte noch immer, als er einen Griff aus Eisen zwischen die Finger bekam und ohne großartig darüber nachzudenken an jenem zog, bis er das jetzt blutverschmierte Wurfmesser in seiner Hand hielt und nichts weiter zustande brachte, als ein: “<span style="color: green;" class="mycode_color">Scheiße, was?</span>” Dann verlor er auch noch das letzte bisschen Gleichgewicht, welches ihn auf den Beinen hielt, und segelte zu Boden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<link href="https://fonts.googleapis.com/css2?family=Playfair+Display:wght@600&display=swap" rel="stylesheet">    <center><div style="font-size: 22px;font-family: 'Playfair Display', serif; text-transform: uppercase;">it’s hard to stand on both feet!</div>
<div style="margin-top: -5px;text-transform: uppercase; font-size: 9px; letter-spacing: 3px; line-height: 12px;font-family: 'Open Sans', sans-serif; margin-bottom: 8px;">
<span style="letter-spacing: 4px;text-transform: lowercase;">Alicja & Menoetius # 09.01.1NZK # Trainingsgelände der Himitsu</span> </div></center><br />
Er hatte nicht geschlafen. Kein einziges Auge hatte er auch nur länger als nötig in dieser Nacht geschlossen und sein Bett war noch immer in demselben Zustand, in welchem er es am vorherigen Morgen hinterlassen hatte, nachdem man ihn regelrecht aus jenem heraus geschmissen hatte, weil er schon wieder viel zu lange geschlafen hatte, weil es wohl schlichtweg kein dazwischen bei ihm gab. Entweder er schlief zu viel und zu lange oder gar nicht - so wie es heute der Fall war. Statt sich zu einer angemessenen Uhrzeit ins Bett zu legen, um am nächsten Morgen rechtzeitig aufzustehen, war es eine altbekannte Unruhe, von welcher Menoetius nie so recht sagen konnte, woher genau sie eigentlich kam, welche es ihm unmöglich machte, auch nur an Schlaf zu denken. Ja, es war bei weitem nicht das erste Mal, dass Menoetius sich mit einer plötzlichen Rastlosigkeit die Nacht um die Ohren schlug, bei welchem er im Nachhinein noch nicht einmal sagen konnte, was genau er währenddessen eigentlich gemacht hatte, und so überraschte es ihn auch nur wenig, dass er selbst Stunden später noch keinerlei Anzeichen von Müdigkeit zeigte. Eher im Gegenteil - er fühlte sich so wach und fit wie noch nie, auch wenn die Augenringe, welche davon zeugten, in was für einer Regelmäßigkeit er das hier tat, eine andere Sprache sprachen. Aber er war wach, voll konzentriert und hätte man ihn gefragt, ob er sich dazu in der Lage fühlte, ihre Nation vor dem größten Schrecken der Welt zu beschützen, hätte er dies in vollster Überzeugung bejaht. <br />
Ja, er mochte gerade einmal 15 (fast 16!) Jahre alt und noch mitten in der Ausbildung zu einem Agenten der Himitsu sein, doch dies änderte für Menoetius nichts daran, dass er bereits jetzt glaubte, eigenhändig einen Drachen töten zu können, wenn man es denn von ihm verlangte. Fragte man ihn, wäre er sogar der festen Überzeugung, dafür noch nicht einmal Bändigen zu müssen, doch… zum Glück kam niemand auf den Gedanken, diese Idee in seinem Kopf weiter anzufachen, und so war es an diesem noch viel zu frischen Morgen ein etwas anderer Impuls, welcher ihn in Richtung des Trainingsgeländes der Himitsu trieb. <br />
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Eigentlich hatte er noch ein paar Stunden, bis das Training für seine Altersklasse begann, doch für jene glaubte er ohnehin schon viel zu fortgeschritten zu sein und so war es für ihn nur selbstverständlich, dass er bei den Älteren mitmachen durfte. Warum sollte er auch seine Zeit damit verschwenden, zum fünfzigsten Mal Feuerbögen zu üben, wenn er jene doch schon längst perfektioniert hatte und stattdessen viel besser direkt im Kampf mit jemand anderem trainieren konnte? Es machte keinen Sinn, dass man ihn weiterhin mit den anderen in seinem Alter trainieren ließ, wenn er doch ganz offensichtlich (zumindest in seinen Augen) schon viel weiter und besser als jene war. Wie sollte er dabei denn etwas lernen?! Mal abgesehen davon, dass das den anderen gegenüber auch nicht ganz fair war… Ja, ne, da gehörte er einfach nicht hin! Aber vielleicht erwartete man auch von ihm, dass er von selbst auf die Idee kam, jaha, das musste es sein! <br />
<br />
Mit einer Selbstverständlichkeit, die einen fast schon übersehen ließ, dass ein Großteil der zu dieser Uhrzeit trainierenden Himitsu Menoetius nicht nur um ein paar Zentimeter Höhe überragten, sondern auch deutlich breiter gebaut waren, bewegte der junge Feuerbändiger sich über das Trainingsgelände. Hier und da duellierten sich kontrolliert ein paar Feuerbändiger, ein paar übten bestimmte Griffe und andere übten wiederum vereinzelte Bändigungsfiguren, welche Menoetius glaubte, zuvor noch nicht einmal gesehen zu haben. Wie hypnotisiert beobachtete Menoetius einen älteren Feuerbändiger mit langem, zurückgebundenen schwarzen Haar dabei, wie er fast schon tanzend mit dem Feuer spielte, doch als er nur noch ein paar Schritte von ihm entfernt war und gerade dazu ansetzen wollte, jenen auf sich aufmerksam zu machen, damit er ihm am besten sofort auch beibringen konnte, was er da eigentlich machte, war es ein plötzliches Stechen in seiner Seite, welches ihn plötzlich zusammenfahren und ein paar Schritte zur Seite stolpern ließ. Ein erschrockener Laut entkam seinen Lippen, während seine Hände blind an seiner Seite, etwas über seiner Hüfte entlang tasteten. Er schwankte noch immer, als er einen Griff aus Eisen zwischen die Finger bekam und ohne großartig darüber nachzudenken an jenem zog, bis er das jetzt blutverschmierte Wurfmesser in seiner Hand hielt und nichts weiter zustande brachte, als ein: “<span style="color: green;" class="mycode_color">Scheiße, was?</span>” Dann verlor er auch noch das letzte bisschen Gleichgewicht, welches ihn auf den Beinen hielt, und segelte zu Boden.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[there’s harshness in the shape of our bones.]]></title>
			<link>https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1773</link>
			<pubDate>Mon, 12 Sep 2022 17:49:22 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/member.php?action=profile&uid=227">Rune</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1773</guid>
			<description><![CDATA[Rußschwarze Wolken verhingen den Horizont. Wie rote Adern brach das Licht der untergehenden Sonne in feinen Schlieren durch das Wolkendach. Als würde der heiße Kern eines Kohlestücks seine Oberfläche langsam zerbrechen und die lodernde Glut im Inneren des Pechschwarz freigeben. Als würde eine feine Naht über eine blutende Wunde gesetzt. Als würde sich ein Riss durch die Schale eines Eies zeichnen. Es war ein unheilvoller Himmel und damit wäre er in seiner Poetik schon beinahe pathetisch gewesen, wäre er nicht so unerträglich zynisch. Ein Sommergewitter dieser Dunkelheit war für die Feuernation zu früh im Jahr. Es war ungewöhnlich und in seiner kreischenden Dramatik dem Anlass beinahe angemessen. Kein Wunder, dass die noblen Hurensöhne im Palast sich von den Geistern auserkoren und berufen fühlten, wenn der Himmel so einen ereignisreichen Tag mit so außergewöhnlicher Drastik zeichnete. Heute war das Todesurteil für die Dienstmagd gefallen, die dem roten Salamander seinen Erben genommen hatte. Die Hinrichtung würde am Morgen stattfinden und Ares selbst würde im Agni Kai gegen das unschuldige Ding antreten. Eine Perversion und ein Ungleichgewicht der Kräfte sondergleichen, dafür dass elende Pisser sein kümmriges Glied doch nur ein weiteres Mal in seine Kindskönigin stecken musste, um erneut elendes Trara um seine erhoffte Nachfolge zu machen. Rune war nicht sentimental und auch nicht sonderlich empathisch, was den Verlust dieses Kindes betraf. Jedes Kind, das sich noch vor seiner Geburt dazu entschied, nicht Ares als Vater haben zu wollen, gewann in Runes Augen unwillkürlich an Reife und Weisheit. Attribute, mit denen sich wirklich nur die wenigsten brabbelnden Hosenscheißer schmücken konnten. Natürlich war das zynisch. Natürlich waren seine Gedanken verwerflich gegenüber dem Tod, den Rune doch eigentlich sehr in Ehren hielt. Aber die lechzende Trauer, die die Nation durchzogen hatte, wegen dem Verlust eines ungeborenen Kindes widerte Rune an. Wer weinte um die namenlosen Kinder, die in Gossen und Slums verkamen? Wie viele Tränen und wie viel Leid hatte es diese Nation, das Erdkönigreich und allen voran das Volk der Luftnomaden gekostet, damit die beiden aufgeblasenen royalen Sprösslinge es miteinander treiben konnten und die ganze Nation mit ihrem missglückten Verhütungsversuchen belästigen konnten? Rune war zornig und er empfand Mitgefühl für das dumme Mädchen, das der Rotznasenprinzessin Kräuter untergejubelt hatte, um sie vor der Besamung des Salamanders zu schützen. Sie würde für ihre Courage und für ihre Liebe zu der Prinzessin einen grausamen Preis zahlen. Etwas, das Rune eigentlich nicht zu verhindern gedachte, so sehr er doch die Tragik des jungen Mädchens erkennen konnte. Eigentlich hielt er sich aus den höfischen Narrereien und Grausamkeiten fein raus. Es war zu gefährlich, zu tollkühn, zu dumm. Eigentlich waren das für Rune gute Gründe nicht auch nur einen weiteren Gedanken an diese Angelegenheit zu verschwenden und vermutlich würde die Bitterkeit und Unmöglichkeit eines anderen Gedankens jede Überlegung überschwemmen, verdunkeln und vereiteln. Vermutlich war das so. Vermutlich und sogar mit größter Sicherheit war das Mädchen verloren, das doch im Grunde auch nur irgendein Mädchen war, das Rune hatte nicht retten können. Nur, dass es eben nicht so einfach war.<br />
Er stand im Schatten des großen Schiffes, das die lange Reise vom Erdkönigreich zum Hafen der Feuernation hinter sich gebracht hatte. Vor weniger als zwei Stunden hatte ihn ihre Nachricht erreicht – heimlich überbracht von zwei Boten, die vermutlich nicht wussten, welch heikle Verabredung sie überbrachten. Rune hatte ihre Schrift sofort erkannt. Die elegante Tintenzüge, die ihre feinen Finger zeichneten. Er glaubte ein Zittern in ihren Worten erkannt zu haben, aber er war zu den größten Interpretationen und Bedeutungsverhängungen geneigt, wenn es um Eurybia ging. Und vermutlich verkannte er sie stets. Doch Misstrauen und Zweifel hatte er nicht lang an ihrer Nachricht gehabt, so glaubte er nicht, dass er willig in eine Falle lief, noch, dass die Prinzessin diesen Zeitpunkt wählen würde. Er glaubte die wahre Verzweiflung, den Kummer und die Furcht, um ihre Halbschwester in der Nachricht erkannt zu haben und in der Hinsicht war Rune sehr wohl sentimental und bisweilen versucht empathisch. Er hatte nicht gezögert den Treffpunkt aufzusuchen. In dunkle Stoffe gehüllt und das Gesicht unter seiner Kapuze verborgen, ließ Rune sich von einer Wache unter Deck führen. Mit den bleichen Knöcheln klopfte der Blitzbändiger sacht zwei Mal gegen die hölzerne Tür, hinter Eurybia auf ihn wartete.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Rußschwarze Wolken verhingen den Horizont. Wie rote Adern brach das Licht der untergehenden Sonne in feinen Schlieren durch das Wolkendach. Als würde der heiße Kern eines Kohlestücks seine Oberfläche langsam zerbrechen und die lodernde Glut im Inneren des Pechschwarz freigeben. Als würde eine feine Naht über eine blutende Wunde gesetzt. Als würde sich ein Riss durch die Schale eines Eies zeichnen. Es war ein unheilvoller Himmel und damit wäre er in seiner Poetik schon beinahe pathetisch gewesen, wäre er nicht so unerträglich zynisch. Ein Sommergewitter dieser Dunkelheit war für die Feuernation zu früh im Jahr. Es war ungewöhnlich und in seiner kreischenden Dramatik dem Anlass beinahe angemessen. Kein Wunder, dass die noblen Hurensöhne im Palast sich von den Geistern auserkoren und berufen fühlten, wenn der Himmel so einen ereignisreichen Tag mit so außergewöhnlicher Drastik zeichnete. Heute war das Todesurteil für die Dienstmagd gefallen, die dem roten Salamander seinen Erben genommen hatte. Die Hinrichtung würde am Morgen stattfinden und Ares selbst würde im Agni Kai gegen das unschuldige Ding antreten. Eine Perversion und ein Ungleichgewicht der Kräfte sondergleichen, dafür dass elende Pisser sein kümmriges Glied doch nur ein weiteres Mal in seine Kindskönigin stecken musste, um erneut elendes Trara um seine erhoffte Nachfolge zu machen. Rune war nicht sentimental und auch nicht sonderlich empathisch, was den Verlust dieses Kindes betraf. Jedes Kind, das sich noch vor seiner Geburt dazu entschied, nicht Ares als Vater haben zu wollen, gewann in Runes Augen unwillkürlich an Reife und Weisheit. Attribute, mit denen sich wirklich nur die wenigsten brabbelnden Hosenscheißer schmücken konnten. Natürlich war das zynisch. Natürlich waren seine Gedanken verwerflich gegenüber dem Tod, den Rune doch eigentlich sehr in Ehren hielt. Aber die lechzende Trauer, die die Nation durchzogen hatte, wegen dem Verlust eines ungeborenen Kindes widerte Rune an. Wer weinte um die namenlosen Kinder, die in Gossen und Slums verkamen? Wie viele Tränen und wie viel Leid hatte es diese Nation, das Erdkönigreich und allen voran das Volk der Luftnomaden gekostet, damit die beiden aufgeblasenen royalen Sprösslinge es miteinander treiben konnten und die ganze Nation mit ihrem missglückten Verhütungsversuchen belästigen konnten? Rune war zornig und er empfand Mitgefühl für das dumme Mädchen, das der Rotznasenprinzessin Kräuter untergejubelt hatte, um sie vor der Besamung des Salamanders zu schützen. Sie würde für ihre Courage und für ihre Liebe zu der Prinzessin einen grausamen Preis zahlen. Etwas, das Rune eigentlich nicht zu verhindern gedachte, so sehr er doch die Tragik des jungen Mädchens erkennen konnte. Eigentlich hielt er sich aus den höfischen Narrereien und Grausamkeiten fein raus. Es war zu gefährlich, zu tollkühn, zu dumm. Eigentlich waren das für Rune gute Gründe nicht auch nur einen weiteren Gedanken an diese Angelegenheit zu verschwenden und vermutlich würde die Bitterkeit und Unmöglichkeit eines anderen Gedankens jede Überlegung überschwemmen, verdunkeln und vereiteln. Vermutlich war das so. Vermutlich und sogar mit größter Sicherheit war das Mädchen verloren, das doch im Grunde auch nur irgendein Mädchen war, das Rune hatte nicht retten können. Nur, dass es eben nicht so einfach war.<br />
Er stand im Schatten des großen Schiffes, das die lange Reise vom Erdkönigreich zum Hafen der Feuernation hinter sich gebracht hatte. Vor weniger als zwei Stunden hatte ihn ihre Nachricht erreicht – heimlich überbracht von zwei Boten, die vermutlich nicht wussten, welch heikle Verabredung sie überbrachten. Rune hatte ihre Schrift sofort erkannt. Die elegante Tintenzüge, die ihre feinen Finger zeichneten. Er glaubte ein Zittern in ihren Worten erkannt zu haben, aber er war zu den größten Interpretationen und Bedeutungsverhängungen geneigt, wenn es um Eurybia ging. Und vermutlich verkannte er sie stets. Doch Misstrauen und Zweifel hatte er nicht lang an ihrer Nachricht gehabt, so glaubte er nicht, dass er willig in eine Falle lief, noch, dass die Prinzessin diesen Zeitpunkt wählen würde. Er glaubte die wahre Verzweiflung, den Kummer und die Furcht, um ihre Halbschwester in der Nachricht erkannt zu haben und in der Hinsicht war Rune sehr wohl sentimental und bisweilen versucht empathisch. Er hatte nicht gezögert den Treffpunkt aufzusuchen. In dunkle Stoffe gehüllt und das Gesicht unter seiner Kapuze verborgen, ließ Rune sich von einer Wache unter Deck führen. Mit den bleichen Knöcheln klopfte der Blitzbändiger sacht zwei Mal gegen die hölzerne Tür, hinter Eurybia auf ihn wartete.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[It has been said by the lights of the living and the dead]]></title>
			<link>https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1694</link>
			<pubDate>Tue, 24 May 2022 15:37:59 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/member.php?action=profile&uid=336">Fergus</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1694</guid>
			<description><![CDATA[<link href="https://fonts.googleapis.com/css2?family=Playfair+Display:wght@600&display=swap" rel="stylesheet">    <center><div style="font-size: 22px;font-family: 'Playfair Display', serif; text-transform: uppercase;">It has been said by the lights of the living and the dead</div>
<div style="margin-top: -5px;text-transform: uppercase; font-size: 9px; letter-spacing: 3px; line-height: 12px;font-family: 'Open Sans', sans-serif; margin-bottom: 8px;">Make your bed, even sinners go to drink the wine, break the bread<br />
<span style="letter-spacing: 4px;text-transform: lowercase;">Fergus & Hina # 02. Mai 1VZK # Capital Island — im Fischerdorf</span> </div></center><br />
Sich freimütig schlafen zu legen, fühlte sich an wie den Arm aus eigenem Antrieb ins weit aufgesperrte Maul eines geifernden Wolfshundes zu legen und ihn darum anzuflehen, fest zuzubeißen. Fergus brachte es nicht zustande; er strampelte dagegen an, weil er glaubte, er müsse nur lang genug wach bleiben, damit sein Kopf endlich begriff, dass er zu Hause war. Ja, solange er nicht schlief, konnte er an der vermeintlichen Realität festhalten, bis sie sich irgendwann echt anfühlen würde und nicht länger wie ein erträumtes Phantasiegebilde. Denn noch immer befürchtete er, nach dem Schlafen woanders aufzuwachen. Weit weg, zurückkatapultiert an einen Ort, den er nicht vermissen sollte und an den er sich doch besser erinnerte als an sein Ich, das er vor unzähligen Jahren wie Isoma und Hina auf Capital Island hinter sich gelassen hatte.<br />
Es war erst anderthalb Wochen her, dass man ihn zurück zu seiner Familie, oder das, was von jener übrig war, geschickt hatte. Es war zu wenig Zeit, um sich bereits eingewöhnt zu haben, und doch erwartete Fergus von sich etwas anderes. Sollte er nicht froh sein, wieder zu Hause zu sein? Froh, seine Tochter wieder in die Arme schließen zu können, wie als wäre nie irgendetwas gewesen? Auf gewisse Weise war er ja auch froh, aber vor allem war er verstört und seltsam erbost darüber, wie viel Zeit vergangen war und wie anders ihm die Welt erschien. Dabei war vieles wie früher: Seine Tochter lebte noch immer in dem Fischerhäuschen, in dem Fergus ebenfalls aufgewachsen war; sein bester Freund war bereits vor einem Jahr aus dem Krieg zurückgekehrt und dessen Mutter lebte auch immer noch, ganz zu Fergus’ Unbehagen (also, nicht dass er ihr den Tod wünschte, sondern weil er sich schon immer vor ihr gefürchtet hatte), und Bast hatte auch niemand den wohlverdienten Garaus gemacht. Am Tage fühlte sich die Welt für ihn fast normal an, er konnte raue Witze reißen, seine Arbeit verrichten und mit Arcane über den korinthenkackerischen Bast wettern — aber Nachts rückte all das in weite Ferne.<br />
<br />
Er vertraute nicht auf Wundermittel, aber nachdem er drei Nächte am Stück nicht ein einziges Auge zubekommen hatte und dann tagsüber beinahe auf dem Kahn weggepennt war, wandte sich Fergus doch voller Missmut an Lyssa, Arcanes Mutter, um sie drucksend wie ein Kind um irgendeine ihrer verrückten Teemischungen zu bitten oder was-auch-immer sie für notwendig hielt, damit er seine Arbeit würde verrichten können. Wichtig war ihm nur gewesen, dass es die Träume verjagte, auch wenn er damit nicht direkt rausrückte — eisern und zugleich rüde über das zu schweigen, was ihn quälte, und über alles andere raue Witze zu machen, fiel ihm leichter. Aber Arcanes Mutter hatte ihn nicht einmal dazu genötigt, sich zu erklären, sondern ihm eine Tinktur und die Anweisung mitgegeben, davon drei Tropfen vor dem Schlafen-gehen in seinen Tee zu geben. Was er auch getan hatte, nur dass es kein Tee gewesen war, sondern ein großzügiger Becher Rum, den er sich als Nachttrunk einverleibt hatte.<br />
Da er sich für hartgesotten hielt und die Nacht sich gerade erst wie eine zu warme Decke über das Land ausgebreitet hatte, trampelte er noch eine Weile vor sich hin blubbernd in ihrem Garten herum, starrte in die Holunderbüsche bis er sich wie von lapislazuli-farbenen Augen verfolgt fühlte und sich mit den Händen über das sonnengegerbte Gesicht fuhr. Im Fischerhäuschen war es schon vor einer Weile ruhig geworden und als er nach seiner Tochter sah, lag sie schlummernd wie eine weiße Taube in ihrer Kammer, weit und breit keine Schatten in Sicht, die ihr etwas anhaben könnten. Sie war sicher und er konnte schlafen, er durfte schlafen, er <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">musste</span>— Erstaunlich sanft schloss er die Tür zu Hinas Schlafkammer und schaffte er gerade so noch zu seinem eigenen, etwas abgeranzten Lager, bevor sein Bewusstsein bereits weggerissen wurde, weit hinaus aufs traumlose Meer.<br />
<br />
Es war noch immer dunkel, als ihn ausgerechnet das sanfte Rauschen des Meeres zurückholte, das ihn so abrupt in den Schlaf gezogen hatte. Seine Brust fühlte sich schwer, wie eingedrückt an, seine Nase war zu und er hatte so verrenkt auf der ergrauten Matte gelegen, eine Hand fest unter die Achsel geklemmt, dass seine Gliedmaßen knirschten, sobald er sich regte. Schmatzend und hustend drehte sich Fergus auf den Rücken, dann auf die andere Seite und röchelte erst mal auf den schwankenden Boden, bevor er sich den Schlaf, der wie Honig seine Augen verklebte, aus dem Gesicht rieb. Wie scheiße trocken die Luft im Erdkönigreich war; eine Welt aus Dreck, die seine Lunge mit mehr und mehr Schwarz füllte. Seine Gedanken schnellten vor und zurück, während seine Augen sich nur schwerlich öffnen ließen.<br />
Dann blinzelte er, die Schatten schälten sich einzeln, anthrazitfarbene Geister mit Händen und Mäulern, aus dem Dunkel hervor, wandelten sich nur nach und nach. Eine Kommode, ein Tisch, zwei Stühle, Kessel und Töpfe, ein einfaches, simples Zuhause. Er träumte. Es war, wie als würde er durch milchiges Glas in eine Welt schauen, in die er nicht länger gehörte. Sein Kopf kam nicht ganz hinterher, bis sich sein Blick aufklarte und er verstand: Er war ja zu Hause. Er war zu Hause und was ihn geweckt hatte war das Rauschen des Meeres, das durch die offene Tür drang, wie als wolle es ihn hinaus zu sich locken.<br />
Mit einem Mal war Fergus hellwach und schoss so schnell in die Höhe, dass sein Kreuz mit einem scharfen Schmerz protestierte. Die Tür war offen! Warum beim verseuchten Hodensack war die Tür offen? Er hatte sie verschlossen, oder nicht? Er schloss die Vordertür immer, behielt sie stets im Blick, wer wusste immerhin, was für Gestalten sich unter dem Deckmantel der Nacht Zugang verschaffen wollten … Nachbarn, Feinde, Monster — alles gleichermaßen unerwünscht. Vielleicht hatte er es diesmal, wegen dieser scheiß Tinktur, vergessen: Er wusste es nicht mehr, aber obwohl hinter der Tür nur ein herabfallender, wilder, süßduftender Garten und das Meer lagen, nach dem er sich so viele Jahre gesehnt hatte, kam ihm die leicht im aufkommenden Wind schwankende Haustür mit einem Mal wie das Omen aus einer brutalen Schauergeschichte vor.<br />
Trotz dass sich sein Körper noch an der Schwere des Schlafes abrackerte, zückte Fergus das Fischermesser, das er stets bei sich trug, und schlich auf die offene Tür zu. »Wer ist da??«, rief er barsch. Doch nichts und niemand außer das leise Quietschen der Türangeln antwortete ihm. Trotzdem hielt Fergus sein Messer angriffbereit vor sich. Machte ein, zwei Schritte nach vorn. Dann tastete er sich seitlich an dem Küchentisch vorbei, hin zu Hinas Tür, die … ebenfalls nur angelehnt war. Mit einem Ruck stieß er die Tür zur Kammer seiner Tochter gänzlich auf und erstickte fast an seinem eigenen, unfreiwilligen Schrei, als er ihr Lager entdeckte: Eine Pfütze Mondlicht fiel durch das hohe Fenster auf die zerwühlten Laken, doch von Hina war keine Spur.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<link href="https://fonts.googleapis.com/css2?family=Playfair+Display:wght@600&display=swap" rel="stylesheet">    <center><div style="font-size: 22px;font-family: 'Playfair Display', serif; text-transform: uppercase;">It has been said by the lights of the living and the dead</div>
<div style="margin-top: -5px;text-transform: uppercase; font-size: 9px; letter-spacing: 3px; line-height: 12px;font-family: 'Open Sans', sans-serif; margin-bottom: 8px;">Make your bed, even sinners go to drink the wine, break the bread<br />
<span style="letter-spacing: 4px;text-transform: lowercase;">Fergus & Hina # 02. Mai 1VZK # Capital Island — im Fischerdorf</span> </div></center><br />
Sich freimütig schlafen zu legen, fühlte sich an wie den Arm aus eigenem Antrieb ins weit aufgesperrte Maul eines geifernden Wolfshundes zu legen und ihn darum anzuflehen, fest zuzubeißen. Fergus brachte es nicht zustande; er strampelte dagegen an, weil er glaubte, er müsse nur lang genug wach bleiben, damit sein Kopf endlich begriff, dass er zu Hause war. Ja, solange er nicht schlief, konnte er an der vermeintlichen Realität festhalten, bis sie sich irgendwann echt anfühlen würde und nicht länger wie ein erträumtes Phantasiegebilde. Denn noch immer befürchtete er, nach dem Schlafen woanders aufzuwachen. Weit weg, zurückkatapultiert an einen Ort, den er nicht vermissen sollte und an den er sich doch besser erinnerte als an sein Ich, das er vor unzähligen Jahren wie Isoma und Hina auf Capital Island hinter sich gelassen hatte.<br />
Es war erst anderthalb Wochen her, dass man ihn zurück zu seiner Familie, oder das, was von jener übrig war, geschickt hatte. Es war zu wenig Zeit, um sich bereits eingewöhnt zu haben, und doch erwartete Fergus von sich etwas anderes. Sollte er nicht froh sein, wieder zu Hause zu sein? Froh, seine Tochter wieder in die Arme schließen zu können, wie als wäre nie irgendetwas gewesen? Auf gewisse Weise war er ja auch froh, aber vor allem war er verstört und seltsam erbost darüber, wie viel Zeit vergangen war und wie anders ihm die Welt erschien. Dabei war vieles wie früher: Seine Tochter lebte noch immer in dem Fischerhäuschen, in dem Fergus ebenfalls aufgewachsen war; sein bester Freund war bereits vor einem Jahr aus dem Krieg zurückgekehrt und dessen Mutter lebte auch immer noch, ganz zu Fergus’ Unbehagen (also, nicht dass er ihr den Tod wünschte, sondern weil er sich schon immer vor ihr gefürchtet hatte), und Bast hatte auch niemand den wohlverdienten Garaus gemacht. Am Tage fühlte sich die Welt für ihn fast normal an, er konnte raue Witze reißen, seine Arbeit verrichten und mit Arcane über den korinthenkackerischen Bast wettern — aber Nachts rückte all das in weite Ferne.<br />
<br />
Er vertraute nicht auf Wundermittel, aber nachdem er drei Nächte am Stück nicht ein einziges Auge zubekommen hatte und dann tagsüber beinahe auf dem Kahn weggepennt war, wandte sich Fergus doch voller Missmut an Lyssa, Arcanes Mutter, um sie drucksend wie ein Kind um irgendeine ihrer verrückten Teemischungen zu bitten oder was-auch-immer sie für notwendig hielt, damit er seine Arbeit würde verrichten können. Wichtig war ihm nur gewesen, dass es die Träume verjagte, auch wenn er damit nicht direkt rausrückte — eisern und zugleich rüde über das zu schweigen, was ihn quälte, und über alles andere raue Witze zu machen, fiel ihm leichter. Aber Arcanes Mutter hatte ihn nicht einmal dazu genötigt, sich zu erklären, sondern ihm eine Tinktur und die Anweisung mitgegeben, davon drei Tropfen vor dem Schlafen-gehen in seinen Tee zu geben. Was er auch getan hatte, nur dass es kein Tee gewesen war, sondern ein großzügiger Becher Rum, den er sich als Nachttrunk einverleibt hatte.<br />
Da er sich für hartgesotten hielt und die Nacht sich gerade erst wie eine zu warme Decke über das Land ausgebreitet hatte, trampelte er noch eine Weile vor sich hin blubbernd in ihrem Garten herum, starrte in die Holunderbüsche bis er sich wie von lapislazuli-farbenen Augen verfolgt fühlte und sich mit den Händen über das sonnengegerbte Gesicht fuhr. Im Fischerhäuschen war es schon vor einer Weile ruhig geworden und als er nach seiner Tochter sah, lag sie schlummernd wie eine weiße Taube in ihrer Kammer, weit und breit keine Schatten in Sicht, die ihr etwas anhaben könnten. Sie war sicher und er konnte schlafen, er durfte schlafen, er <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">musste</span>— Erstaunlich sanft schloss er die Tür zu Hinas Schlafkammer und schaffte er gerade so noch zu seinem eigenen, etwas abgeranzten Lager, bevor sein Bewusstsein bereits weggerissen wurde, weit hinaus aufs traumlose Meer.<br />
<br />
Es war noch immer dunkel, als ihn ausgerechnet das sanfte Rauschen des Meeres zurückholte, das ihn so abrupt in den Schlaf gezogen hatte. Seine Brust fühlte sich schwer, wie eingedrückt an, seine Nase war zu und er hatte so verrenkt auf der ergrauten Matte gelegen, eine Hand fest unter die Achsel geklemmt, dass seine Gliedmaßen knirschten, sobald er sich regte. Schmatzend und hustend drehte sich Fergus auf den Rücken, dann auf die andere Seite und röchelte erst mal auf den schwankenden Boden, bevor er sich den Schlaf, der wie Honig seine Augen verklebte, aus dem Gesicht rieb. Wie scheiße trocken die Luft im Erdkönigreich war; eine Welt aus Dreck, die seine Lunge mit mehr und mehr Schwarz füllte. Seine Gedanken schnellten vor und zurück, während seine Augen sich nur schwerlich öffnen ließen.<br />
Dann blinzelte er, die Schatten schälten sich einzeln, anthrazitfarbene Geister mit Händen und Mäulern, aus dem Dunkel hervor, wandelten sich nur nach und nach. Eine Kommode, ein Tisch, zwei Stühle, Kessel und Töpfe, ein einfaches, simples Zuhause. Er träumte. Es war, wie als würde er durch milchiges Glas in eine Welt schauen, in die er nicht länger gehörte. Sein Kopf kam nicht ganz hinterher, bis sich sein Blick aufklarte und er verstand: Er war ja zu Hause. Er war zu Hause und was ihn geweckt hatte war das Rauschen des Meeres, das durch die offene Tür drang, wie als wolle es ihn hinaus zu sich locken.<br />
Mit einem Mal war Fergus hellwach und schoss so schnell in die Höhe, dass sein Kreuz mit einem scharfen Schmerz protestierte. Die Tür war offen! Warum beim verseuchten Hodensack war die Tür offen? Er hatte sie verschlossen, oder nicht? Er schloss die Vordertür immer, behielt sie stets im Blick, wer wusste immerhin, was für Gestalten sich unter dem Deckmantel der Nacht Zugang verschaffen wollten … Nachbarn, Feinde, Monster — alles gleichermaßen unerwünscht. Vielleicht hatte er es diesmal, wegen dieser scheiß Tinktur, vergessen: Er wusste es nicht mehr, aber obwohl hinter der Tür nur ein herabfallender, wilder, süßduftender Garten und das Meer lagen, nach dem er sich so viele Jahre gesehnt hatte, kam ihm die leicht im aufkommenden Wind schwankende Haustür mit einem Mal wie das Omen aus einer brutalen Schauergeschichte vor.<br />
Trotz dass sich sein Körper noch an der Schwere des Schlafes abrackerte, zückte Fergus das Fischermesser, das er stets bei sich trug, und schlich auf die offene Tür zu. »Wer ist da??«, rief er barsch. Doch nichts und niemand außer das leise Quietschen der Türangeln antwortete ihm. Trotzdem hielt Fergus sein Messer angriffbereit vor sich. Machte ein, zwei Schritte nach vorn. Dann tastete er sich seitlich an dem Küchentisch vorbei, hin zu Hinas Tür, die … ebenfalls nur angelehnt war. Mit einem Ruck stieß er die Tür zur Kammer seiner Tochter gänzlich auf und erstickte fast an seinem eigenen, unfreiwilligen Schrei, als er ihr Lager entdeckte: Eine Pfütze Mondlicht fiel durch das hohe Fenster auf die zerwühlten Laken, doch von Hina war keine Spur.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Sailing on a ship in a bottle]]></title>
			<link>https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1693</link>
			<pubDate>Mon, 23 May 2022 19:19:47 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/member.php?action=profile&uid=325">Horiuno</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1693</guid>
			<description><![CDATA[<link href="https://fonts.googleapis.com/css2?family=Playfair+Display:wght@600&display=swap" rel="stylesheet">  <center><div style="font-size: 22px;font-family: 'Playfair Display', serif; text-transform: uppercase;">Everything you have earned is a ship</div>
<div style="margin-top: -5px;text-transform: uppercase; font-size: 9px; letter-spacing: 3px; line-height: 12px;font-family: 'Open Sans', sans-serif; margin-bottom: 8px;">With blue waves crashing into it<br />
But nothing can touch your happy thoughts anymore<br />
<span style="letter-spacing: 3px;text-transform: lowercase;">Horiuno & Fergus # 13. Mai 1VZK # Auf dem Meer # Umgebung von Capital City</span></div></center><br />
Auf und ab gingen die Wellen; eine wogende, blaugraue Masse, die mit dem Fischerboot machte, was es wollte und sich dieses nur von dem Wind streitig machen ließ, welcher sich immer wieder in dem dreckig-weißen Segel fing. Mit den Wellen hob und senkte sich auch das Deck, tanzte im Einklang und das ungeachtet der zwei Gestalten, die winzig waren im Vergleich zu den Untiefen, die sich unter ihren Füßen befanden. So weit, wie die Sonne über ihnen entfernt war, so tief musste es auch unter ihnen in die Finsternis gehen.<br />
Die Fingernägel des Tätowierers bohrten sich in das Holz der Reling, an welcher er sich festklammerte, seit das Boot abgelegt hatte. Es war ein vertrautes, war ein fremdes Gefühl. Oft genug in den letzten Jahren hatten die braunen Augen vom Strand aus das Meer beobachtet, diese gewaltige Masse an Wasser, von dessen Existenz er in seiner Kindheit nichts geahnt hatte. Die Erinnerungen, die er mit dem ersten Mal, dass er das Meer gesehen hatte, verband, waren jedoch geprägt von Schmerz und Angst - und wurden gefolgt von einer Unendlichkeit, in der er im Bauch eines metallenen Monstrums gesessen hatte. Das Fischerboot war nicht vergleichbar damit; war weniger als das und so viel mehr als die kleinen Boote, mit denen man sich in seiner Heimat über das stille Sumpfwasser bewegte.<br />
Längst war der Steg, an dem Hina sich von ihnen verabschiedet hatte, nichts weiter als ein ferner Punkt am Horizont geworden; die blasse Frau von anderen Dingen — ein hübscher Käfer, das Flüstern der Geister, irgendetwas — fort gelockt worden und doch konnte er die geweiteten Augen nicht von der einzigen Konstante, der Landmasse in der Ferne, fortnehmen. Das Herz in seiner Brust klopfte wild, panisch, aufgeregt. Er wusste nicht, ob er zurück in sein heruntergekommenes Haus und sein Gesicht an der Schulter seines toten Lehrmeisters bergen oder sich in die tanzenden Fluten stürzen wollte. Dabei hatte er einen Zweck, ein Ziel hier an Bord; hatte nicht ohne Grund die Einladung des Fischers angenommen.<br />
Hinas Vater war ein Fremder. Jemand, der plötzlich im Dorf, in ihrem Leben aufgetaucht war und dachte, dass er dort einen Platz hatte, wo keiner mehr für ihn war. Seine Freundin mochte diesen Mann mit offenen Armen empfangen haben, doch der barfüßige Wasserbändiger empfand keinerlei dergleichen Vertrauen zu dem Fischer. Er wusste nicht, wer dieser war oder was er wirklich mit Hina vor hatte, doch Horiuno würde es nicht erlauben, dass irgendjemand ihr etwas antat. Was das für ihn bedeuten könnte, war ihm dabei einerlei. Der Gedanke daran weit draußen aus dem Meer, fern jeder anderen Menschenseele zu sein, alleine nur mit den wogenden Wellen und dem größeren Mann, dem der Krieg noch immer in den Augen stand, ließ die kleinen Härchen in seinem Nacken zu Berge stehen.<br />
Endlich blinzelte er, unterbrach die Bindung zur Landmasse, zum Dorf, zu Hina und drehte sich leicht, um Fergus über die Schulter hinweg mit noch immer geweiteten Augen anzusehen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<link href="https://fonts.googleapis.com/css2?family=Playfair+Display:wght@600&display=swap" rel="stylesheet">  <center><div style="font-size: 22px;font-family: 'Playfair Display', serif; text-transform: uppercase;">Everything you have earned is a ship</div>
<div style="margin-top: -5px;text-transform: uppercase; font-size: 9px; letter-spacing: 3px; line-height: 12px;font-family: 'Open Sans', sans-serif; margin-bottom: 8px;">With blue waves crashing into it<br />
But nothing can touch your happy thoughts anymore<br />
<span style="letter-spacing: 3px;text-transform: lowercase;">Horiuno & Fergus # 13. Mai 1VZK # Auf dem Meer # Umgebung von Capital City</span></div></center><br />
Auf und ab gingen die Wellen; eine wogende, blaugraue Masse, die mit dem Fischerboot machte, was es wollte und sich dieses nur von dem Wind streitig machen ließ, welcher sich immer wieder in dem dreckig-weißen Segel fing. Mit den Wellen hob und senkte sich auch das Deck, tanzte im Einklang und das ungeachtet der zwei Gestalten, die winzig waren im Vergleich zu den Untiefen, die sich unter ihren Füßen befanden. So weit, wie die Sonne über ihnen entfernt war, so tief musste es auch unter ihnen in die Finsternis gehen.<br />
Die Fingernägel des Tätowierers bohrten sich in das Holz der Reling, an welcher er sich festklammerte, seit das Boot abgelegt hatte. Es war ein vertrautes, war ein fremdes Gefühl. Oft genug in den letzten Jahren hatten die braunen Augen vom Strand aus das Meer beobachtet, diese gewaltige Masse an Wasser, von dessen Existenz er in seiner Kindheit nichts geahnt hatte. Die Erinnerungen, die er mit dem ersten Mal, dass er das Meer gesehen hatte, verband, waren jedoch geprägt von Schmerz und Angst - und wurden gefolgt von einer Unendlichkeit, in der er im Bauch eines metallenen Monstrums gesessen hatte. Das Fischerboot war nicht vergleichbar damit; war weniger als das und so viel mehr als die kleinen Boote, mit denen man sich in seiner Heimat über das stille Sumpfwasser bewegte.<br />
Längst war der Steg, an dem Hina sich von ihnen verabschiedet hatte, nichts weiter als ein ferner Punkt am Horizont geworden; die blasse Frau von anderen Dingen — ein hübscher Käfer, das Flüstern der Geister, irgendetwas — fort gelockt worden und doch konnte er die geweiteten Augen nicht von der einzigen Konstante, der Landmasse in der Ferne, fortnehmen. Das Herz in seiner Brust klopfte wild, panisch, aufgeregt. Er wusste nicht, ob er zurück in sein heruntergekommenes Haus und sein Gesicht an der Schulter seines toten Lehrmeisters bergen oder sich in die tanzenden Fluten stürzen wollte. Dabei hatte er einen Zweck, ein Ziel hier an Bord; hatte nicht ohne Grund die Einladung des Fischers angenommen.<br />
Hinas Vater war ein Fremder. Jemand, der plötzlich im Dorf, in ihrem Leben aufgetaucht war und dachte, dass er dort einen Platz hatte, wo keiner mehr für ihn war. Seine Freundin mochte diesen Mann mit offenen Armen empfangen haben, doch der barfüßige Wasserbändiger empfand keinerlei dergleichen Vertrauen zu dem Fischer. Er wusste nicht, wer dieser war oder was er wirklich mit Hina vor hatte, doch Horiuno würde es nicht erlauben, dass irgendjemand ihr etwas antat. Was das für ihn bedeuten könnte, war ihm dabei einerlei. Der Gedanke daran weit draußen aus dem Meer, fern jeder anderen Menschenseele zu sein, alleine nur mit den wogenden Wellen und dem größeren Mann, dem der Krieg noch immer in den Augen stand, ließ die kleinen Härchen in seinem Nacken zu Berge stehen.<br />
Endlich blinzelte er, unterbrach die Bindung zur Landmasse, zum Dorf, zu Hina und drehte sich leicht, um Fergus über die Schulter hinweg mit noch immer geweiteten Augen anzusehen.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[don't do it, it's not worth it]]></title>
			<link>https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1624</link>
			<pubDate>Tue, 12 Apr 2022 09:09:30 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/member.php?action=profile&uid=303">Lovis</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1624</guid>
			<description><![CDATA[In langen schwarzen Strähnen verteilte sich das Haar über seinen Rücken, und weil es genauso dunkel und seiden war wie das Gewand an seinem Leib, schimmerte seine Silhouette in dem matten Licht der Bergwerksleuchten so deutlich, dass er sogar in der Menge sofort auffiel. Zielstrebig lief Lovis auf ihn zu – oder zumindest versuchte er das. Keine zwei Schritte konnte er sich durch die Menge bahnen, ohne dass Jubel unter den Zuschauern aufbrannte und ihn weiter nach hinten trieb. Jetzt wieder. Lautes Grölen, Lachen und Schreien. Jeder Treffer im Kampfring wurde mit jubelndem Hurra gefeiert. Die Aufregung im Raum hielt die Leute unruhig und ließ sie sich enger um den Ring versammeln. Lovis‘ Arme waren dicht an seinen Körper gepresst, nur mit den Beinen fand er noch Platz. Am liebsten hätte er angefangen um sich zu treten. Es war eng, stickig und es stank nach Schweiß und Pisse. Hinzukam das alles umgebende Gewirr aus Stimmen.  Situationen wie diese hatte er jahrelang bewusst gemieden. Feste, Konzerte, sogar die Ausstellungen seiner eigenen Bilder – Lovis war nicht hingegangen. Heute aber musste er sagenhaftes Pech gehabt haben. Entweder das oder er war gestorben und in seiner persönlichen Hölle wieder aufgewacht. Und während Lovis überlegte welches von beiden es wohl eher war, schäumte die Kampfeslust unter zwei Zuschauern hinter ihm auf. Mit scharrenden Füßen und gesenktem Kopf, gingen sie sich gegenseitig an die Gurgel und schlugen sich mit Erdfäusten besinnungslos. Anders als den Hauptkampf weiter vorne, konnte Lovis das plötzliche Spektakel im Zuschauerbereich aus unmittelbarer Nähe mitansehen. Er blieb kurz stehen und bemerkte, dass auch die Leute um ihn herum auf den spontanen Kampf in ihren Reihen aufmerksam geworden waren. Die Aufmerksamkeit im Raum teilte sich immer weiter und Lovis fiel sofort auf, wie der Druck um ihn herum nachließ. Das war <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">die</span> Gelegenheit, um schneller wegzukommen, dachte er. Also wandte er sich um und lief durch die aufgebrochene Menge. Den Schwarzhaarigen mit dem Seidengewand hatte er aus den Augen verloren. Jetzt versuchte er ihn schnell wieder zu finden. Tatsächlich schaffte er das auch. Da stand er, noch immer mit dem Rücken zu Lovis gewandt, aber kaum mehr eine Armlänge entfernt. Lovis ging weiter auf ihn zu, der Kerl drehte sich plötzlich zu ihm um, und Lovis ging geradewegs an ihm vorbei... Das war nicht dieser Ezekiel. Ganz sicher nicht – außer natürlich, man hatte bei dessen Beschreibung ausgelassen, dass sein ganzes Gesicht tätowiert war und außerdem die obere Reihe seiner Schneidezähne fehlte. In dem Fall war das doch Ezekiel. Lovis aber würde dem nicht nochmal auf den Grund gehen. Gefallen hin oder her, wenn Khai diesen Typ unbedingt im Widerstand wollte, sollte sie selbst in dieses Loch kommen und ihn davon überzeugen. Ausgerechnet <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">ihn</span> an ihrer Stelle gehen zu lassen, war ohnehin eine dumme Idee gewesen; zumal er nicht einmal wusste, wie genau die Person aussah, nach der er suchen sollte. Nur eine vage Beschreibung hatte sie ihm mitgegeben. Sollte er es damit nochmal versuchen? War es das wirklich wert? Lovis überlegte kurz. Die Antwort war Nein. Schnell kämpfte sich der Erdbändiger raus aus der Menge. Das war deutlich einfacher als reinzukommen. In kürzester Zeit hatte er es auf die andere Seite geschafft, dort wo nur noch vereinzelt ein paar Schaulistige standen. „Scheiß auf diesen Ezekiel. Ich geh nachhause.“ brummte er. Er stopfte sich die Hände tiefer in die Hosentaschen und ging Richtung Ausgang.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[In langen schwarzen Strähnen verteilte sich das Haar über seinen Rücken, und weil es genauso dunkel und seiden war wie das Gewand an seinem Leib, schimmerte seine Silhouette in dem matten Licht der Bergwerksleuchten so deutlich, dass er sogar in der Menge sofort auffiel. Zielstrebig lief Lovis auf ihn zu – oder zumindest versuchte er das. Keine zwei Schritte konnte er sich durch die Menge bahnen, ohne dass Jubel unter den Zuschauern aufbrannte und ihn weiter nach hinten trieb. Jetzt wieder. Lautes Grölen, Lachen und Schreien. Jeder Treffer im Kampfring wurde mit jubelndem Hurra gefeiert. Die Aufregung im Raum hielt die Leute unruhig und ließ sie sich enger um den Ring versammeln. Lovis‘ Arme waren dicht an seinen Körper gepresst, nur mit den Beinen fand er noch Platz. Am liebsten hätte er angefangen um sich zu treten. Es war eng, stickig und es stank nach Schweiß und Pisse. Hinzukam das alles umgebende Gewirr aus Stimmen.  Situationen wie diese hatte er jahrelang bewusst gemieden. Feste, Konzerte, sogar die Ausstellungen seiner eigenen Bilder – Lovis war nicht hingegangen. Heute aber musste er sagenhaftes Pech gehabt haben. Entweder das oder er war gestorben und in seiner persönlichen Hölle wieder aufgewacht. Und während Lovis überlegte welches von beiden es wohl eher war, schäumte die Kampfeslust unter zwei Zuschauern hinter ihm auf. Mit scharrenden Füßen und gesenktem Kopf, gingen sie sich gegenseitig an die Gurgel und schlugen sich mit Erdfäusten besinnungslos. Anders als den Hauptkampf weiter vorne, konnte Lovis das plötzliche Spektakel im Zuschauerbereich aus unmittelbarer Nähe mitansehen. Er blieb kurz stehen und bemerkte, dass auch die Leute um ihn herum auf den spontanen Kampf in ihren Reihen aufmerksam geworden waren. Die Aufmerksamkeit im Raum teilte sich immer weiter und Lovis fiel sofort auf, wie der Druck um ihn herum nachließ. Das war <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">die</span> Gelegenheit, um schneller wegzukommen, dachte er. Also wandte er sich um und lief durch die aufgebrochene Menge. Den Schwarzhaarigen mit dem Seidengewand hatte er aus den Augen verloren. Jetzt versuchte er ihn schnell wieder zu finden. Tatsächlich schaffte er das auch. Da stand er, noch immer mit dem Rücken zu Lovis gewandt, aber kaum mehr eine Armlänge entfernt. Lovis ging weiter auf ihn zu, der Kerl drehte sich plötzlich zu ihm um, und Lovis ging geradewegs an ihm vorbei... Das war nicht dieser Ezekiel. Ganz sicher nicht – außer natürlich, man hatte bei dessen Beschreibung ausgelassen, dass sein ganzes Gesicht tätowiert war und außerdem die obere Reihe seiner Schneidezähne fehlte. In dem Fall war das doch Ezekiel. Lovis aber würde dem nicht nochmal auf den Grund gehen. Gefallen hin oder her, wenn Khai diesen Typ unbedingt im Widerstand wollte, sollte sie selbst in dieses Loch kommen und ihn davon überzeugen. Ausgerechnet <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">ihn</span> an ihrer Stelle gehen zu lassen, war ohnehin eine dumme Idee gewesen; zumal er nicht einmal wusste, wie genau die Person aussah, nach der er suchen sollte. Nur eine vage Beschreibung hatte sie ihm mitgegeben. Sollte er es damit nochmal versuchen? War es das wirklich wert? Lovis überlegte kurz. Die Antwort war Nein. Schnell kämpfte sich der Erdbändiger raus aus der Menge. Das war deutlich einfacher als reinzukommen. In kürzester Zeit hatte er es auf die andere Seite geschafft, dort wo nur noch vereinzelt ein paar Schaulistige standen. „Scheiß auf diesen Ezekiel. Ich geh nachhause.“ brummte er. Er stopfte sich die Hände tiefer in die Hosentaschen und ging Richtung Ausgang.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Knowledge will give you power, but character respect]]></title>
			<link>https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1589</link>
			<pubDate>Mon, 24 Jan 2022 17:32:29 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/member.php?action=profile&uid=179">Kenshin</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1589</guid>
			<description><![CDATA[<center><i style="font-family: times new romane; font-size: 26px; letter-spacing: 3px; line-height: 33px; text-transform: lowercase;">» Knowledge will give you power,<br />
but character respect «</i><br />
<font style="font-family: georgia; font-size: 7px; letter-spacing: 3px; text-transform: uppercase;">Sonntag, 28. Mai 1NZK; Mittags | Garnison der Feuernation<br></font></center><br />
Dass sein Aufenthalt in der Feuernation sich derart verlängern würde, hatte Kenshin anfänglich zwar nicht kommen sehen, letzten Endes aber störte er sich nicht wirklich daran, einen ausgedehnten Besuch in der Heimat genießen zu können. Es tat ihm gut; die Wärme der Stadt, altbekannte Gesichter und das Wissen, sich sowie seinen Stand nicht verstecken zu müssen. Häufiger schon hatte er sich daran gestört, dass er ein so gänzlich anderes Leben in Ba Sing Se führte, als welches er eigentlich gewohnt war - und dabei war der Himitsu grundlegend schon bescheidener Natur. Doch es brachte nichts; er wusste, dass es Opfer zu bringen galt, um seinen Zielen zu folgen, und um eines Tages vielleicht doch noch zu einem der Berater des Feuerlords steigen zu können, musste er alles in seiner Machtstehende tun. In diesem Falle war es, die Station der Himitsu innerhalb des Erdkönigreiches mit bestem Gewissen - und allem was dazu gehörte - zu leiten. Selbst, wenn er dafür einiges seines privaten Lebens aufopfern musste. Immerhin konnte er sich mittlerweile um den Stolz seines Vaters sicher sein; denn, auch wenn ihr Gespräch im vergangene Monat hitzig verlaufen war, wusste Kenshin inzwischen, woran er bei Yusei war. Zufriedener hatte er seinen Aufenthalt in Capital City genießen können und freute sich gar auf den heutigen, anstehenden Tagesordnungspunkt. <br />
<br />
Es hatte ihn eine Einladung erreicht, die an direkt mehrere, ehemals vom Militär ausgebildete Soldaten gesandt wurde, welche noch heute hoch im Ansehen der Nation standen; eine Standardprozedur, um damaligen Ausbildern Ehre zu erweisen oder Neuankömmlinge zu begrüßen. Gleichzeitig würde neben dem seichten Geplänkel auch die ein oder andere deutlich wichtigere Zusammenkunft stattfinden; an einer von ihnen sollte Kenshin unter anderem als erster Informant der Himitsu sprechen, um weitere Pläne für weitere Vorgehen zu schmieden. Yusei hatte dieser Veranstaltung abgesagt und nur mehr unterstrichen, wie sinnvoll es wäre, dass er es wäre, der dem seiner statt beiwohnen würde. So hatte der hochgewachsene Mann sich für diesen Tag in eine seiner feineren Geschmeide gehüllt. Gekleidet in den traditionellen Farben der Feuernation, trug Kenshin sein langes Haar in einem strengen Dutt; gehalten von einer güldenen Klammer. <br />
<br />
Seine Aufmerksamkeit, nachdem er sich inmitten einiger anderen auf dem Militärgelände eingefunden hatte, wanderte unweigerlich augenblicklich über den großen, geräumten Platz hinweg, der in ihm so einige erfolgreiche Erinnerungen wach rief. Die Zeit seiner Ausbildung konnte er sich nahezu lebhaft ins Gedächtnis rufen und wenngleich er sich auch an einige harte Tage entsandte, schätzte er sehr, bis wohin er es dank all dieser Anstrengungen geschafft hatte. Es grenzte doch schließlich an ein Wunder, dass der damals verwaiste Straßenjunge mit den gebrandmarkten Händen sich zu einem kampferfahrenen Mann in solch verhältnismäßig hoher Position befand. Dankbar breitete sich ein stilles Schmunzeln auf Kenshins Miene aus, ehe er seinen Weg fortsetzte, um sich in einem der Garnisongebäude einzufinden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<center><i style="font-family: times new romane; font-size: 26px; letter-spacing: 3px; line-height: 33px; text-transform: lowercase;">» Knowledge will give you power,<br />
but character respect «</i><br />
<font style="font-family: georgia; font-size: 7px; letter-spacing: 3px; text-transform: uppercase;">Sonntag, 28. Mai 1NZK; Mittags | Garnison der Feuernation<br></font></center><br />
Dass sein Aufenthalt in der Feuernation sich derart verlängern würde, hatte Kenshin anfänglich zwar nicht kommen sehen, letzten Endes aber störte er sich nicht wirklich daran, einen ausgedehnten Besuch in der Heimat genießen zu können. Es tat ihm gut; die Wärme der Stadt, altbekannte Gesichter und das Wissen, sich sowie seinen Stand nicht verstecken zu müssen. Häufiger schon hatte er sich daran gestört, dass er ein so gänzlich anderes Leben in Ba Sing Se führte, als welches er eigentlich gewohnt war - und dabei war der Himitsu grundlegend schon bescheidener Natur. Doch es brachte nichts; er wusste, dass es Opfer zu bringen galt, um seinen Zielen zu folgen, und um eines Tages vielleicht doch noch zu einem der Berater des Feuerlords steigen zu können, musste er alles in seiner Machtstehende tun. In diesem Falle war es, die Station der Himitsu innerhalb des Erdkönigreiches mit bestem Gewissen - und allem was dazu gehörte - zu leiten. Selbst, wenn er dafür einiges seines privaten Lebens aufopfern musste. Immerhin konnte er sich mittlerweile um den Stolz seines Vaters sicher sein; denn, auch wenn ihr Gespräch im vergangene Monat hitzig verlaufen war, wusste Kenshin inzwischen, woran er bei Yusei war. Zufriedener hatte er seinen Aufenthalt in Capital City genießen können und freute sich gar auf den heutigen, anstehenden Tagesordnungspunkt. <br />
<br />
Es hatte ihn eine Einladung erreicht, die an direkt mehrere, ehemals vom Militär ausgebildete Soldaten gesandt wurde, welche noch heute hoch im Ansehen der Nation standen; eine Standardprozedur, um damaligen Ausbildern Ehre zu erweisen oder Neuankömmlinge zu begrüßen. Gleichzeitig würde neben dem seichten Geplänkel auch die ein oder andere deutlich wichtigere Zusammenkunft stattfinden; an einer von ihnen sollte Kenshin unter anderem als erster Informant der Himitsu sprechen, um weitere Pläne für weitere Vorgehen zu schmieden. Yusei hatte dieser Veranstaltung abgesagt und nur mehr unterstrichen, wie sinnvoll es wäre, dass er es wäre, der dem seiner statt beiwohnen würde. So hatte der hochgewachsene Mann sich für diesen Tag in eine seiner feineren Geschmeide gehüllt. Gekleidet in den traditionellen Farben der Feuernation, trug Kenshin sein langes Haar in einem strengen Dutt; gehalten von einer güldenen Klammer. <br />
<br />
Seine Aufmerksamkeit, nachdem er sich inmitten einiger anderen auf dem Militärgelände eingefunden hatte, wanderte unweigerlich augenblicklich über den großen, geräumten Platz hinweg, der in ihm so einige erfolgreiche Erinnerungen wach rief. Die Zeit seiner Ausbildung konnte er sich nahezu lebhaft ins Gedächtnis rufen und wenngleich er sich auch an einige harte Tage entsandte, schätzte er sehr, bis wohin er es dank all dieser Anstrengungen geschafft hatte. Es grenzte doch schließlich an ein Wunder, dass der damals verwaiste Straßenjunge mit den gebrandmarkten Händen sich zu einem kampferfahrenen Mann in solch verhältnismäßig hoher Position befand. Dankbar breitete sich ein stilles Schmunzeln auf Kenshins Miene aus, ehe er seinen Weg fortsetzte, um sich in einem der Garnisongebäude einzufinden.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[We'll never be those Kids again]]></title>
			<link>https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1588</link>
			<pubDate>Mon, 24 Jan 2022 14:07:04 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/member.php?action=profile&uid=314">Athos</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1588</guid>
			<description><![CDATA[Dieser nach Hirschelefantenscheiße stinkende Sohn einer verlodderten Hurenmutter. Schnell fegten Athos Schritte über den sandigen Boden hinweg, feine Körnchen knirschten unter seinen Schuhen, während er suchend durch die Straßen ging. Aufmerksam scannte er sämtliche Gesichter derjenigen Menschen ab, die ihm entgegenkamen. Wo versteckte sich dieser beschissene Drecksbock? Die Wut, die in ihm loderte, war ihm schon von Meilen in seiner düsteren Miene anzuerkennen, eine Ader an seiner Schläfe pulsierte heftig. War er der letzte Mensch mit etwas Verstand? Besaß Ba Sing Se nur einen Haufen degenerierte Pisser oder hatte er das zweifellose Talent, genau diese Hohlmeisen anzuziehen? Er wusste es nicht, er wusste nur: Jemand würde ihm seine Wut büßen müssen. Tatsächlich hatte dieser Jemand sogar einen Namen: Zion der geistlose Hurenbock! Ein Mann, dem man die Idiotie bereits in meilenweiter Entfernung ansehen konnte. Er hielt sich für klug, war ein wortreicher Redner und ein Lügenbaron. Er schwärmte von einer besseren Welt, behauptete dem Adel anzugehören und das Ken-Shou unrechtmäßig seinen Platz eingenommen hatte. Da es im Königshaus keinen Platz mehr für ihn gab, war er nun ein bekannter Saatenhändler mit weitreichenden Kontakten zu vielen Landhöfen. Höfe, die Abnehmer von brauchbaren Sklaven für die Feldarbeit waren… Athos war dem Pisser auf dem Leim gegangen. Nur durch Zufall war ihm zu Ohren gekommen, dass Zion versuchte, einen Berater Ken-Shous persönlich einen Deal vorzuschlagen. Dieser Berater war bekannt für einen exquisiten Frauengeschmack, Damen mit auffälligen Haarprachten, so munkelte man. Zufällig hatte Athos eine solche Frau in seinem Verlies und Zion war sie ins Auge gefallen. Regel Nr. 1: Keine Deals mit dem Adel oder deren Anhängsel so profitreich sie auch zu sein schienen. Diese Regel stand in etwas so weit oben, wie keine Ware aus dem mittleren und oberen Ring zu beschaffen. Dies bedeutete Gefahr, eine undefinierbare Gefahr, die Athos nicht bereit war einzugehen. Raava sei Dank war Zion ein Idiot und hatte diese Idee unter anderem an Ravic weitergetragen. Ravic war zu feige, den Kerl aufzuhalten, aber er war klug genug seinen Boss zu unterrichten. Guter Kerl. <br />
Nun musste Athos ihn finden und zur Rede stellen, bevor dieser zum Bahnhof gelangte und in den Oberen Ring fuhr um den Berater zu erreichen. Rede stellen bedeutete auch, dass er den Mistkerl nicht unangespitzt in den Boden rammen oder ihn bei lebendigen Leibe die Haut vom Knochen trennen konnte. Für solche Jobs engagierte er sowieso lieber Mephisto, mal sehen, vielleicht würde er seinem Geschäftspartner diese Freude noch gönnen, selbst dann noch, wenn Zion dachte, er könnte sich in Sicherheit wiegen. Er brachte gesamte Gruppe in Gefahr, mit dem Gedanken, dass ein solcher Gefährder lebendig durch die Welt stiefelte, konnte Athos nicht leben. <br />
Hektisch sah er sich um. Dann erkannte er ihn! Ein dürrer, zu kurz geratener Mann, schütteres Haar, an manchen Stellen kahl, besonders im hinteren Bereich. Hier versuchte der Nichtbändiger verzweifelt die verbliebenden Zotteln drüber zu kämmen, was alles nur noch viel alberner erscheinen ließ. Zion bog ab, sein Weg führte ihn zwischen zwei Hausfassaden die zwei Hauptwege miteinander verband. <b>“Hab ich dich du Lump…“</b> Athos Worte klangen gepresst, schlichtweg weil er die Zähne fest aufeinander gedrückt hielt. Sodann beschleunigte er seine Schritte und huschte dem Mann nach. <br />
<br />
Der Schall des Schlages wurde von den Hauswänden zurückgeprallt, daraufhin folgte ein leidend-jammernd klingendes <i>“Au!“</i> Athos hatte Zion mit voller Wucht die flache Hand auf den Schädel geschlagen, die kahle Stelle färbte sich sofort knallrot und erinnerte an einen schweren Sonnenbrand. Der Mann drehte sich um, bittere Tränchen des Schmerzes wuchsen in seinen unteren Lidern, bevor er sein Gegenüber ganz plötzlich erkannte und das blanke Entsetzen in seiner Mimik erwuchs. Zion wich zurück, hob beschwichtigend die Hände. <i>“Oh! Hi, Athos… hehehe… womit kann ich… was kann ich für dich... AAAAAH!“</i> Gerade versuchte er noch eine Frage vor sich hinzustammeln, da verlor er auch schon den Boden unter den Füßen. Mit spielender Leichtigkeit hatte der Menschenhändler den Spargeltarzan am Leinenhemd gepackt und in die Höhe gezerrt. <b>“Zion! Du verfickter kleiner Bastard…“</b> Im Versuch, seine wütende Stimme im Zaum zu halten, spuckte Athos seinem Gegenüber versehentlich in die Visage, war ihm allerdings auch herzlich egal. <b>“Was hast du dir dabei gedacht, eh?  Sabotierst du kleiner Pisser meine Arbeit? Wolltest dich in den Palast einschmeicheln oder was? Mh? Wolltest du deine speckigen Haare unter einem Krönchen vergraben während ich mit den Konsequenzen deiner strunzdummen Entscheidungen zu kämpfen habe?“</b> Schwungvoll presste er den Leib des kleineren Mannes gegen die Hauswand. Dieser wimmerte atemlos, der Stoß hatte ihm die Luft aus den Lungen gepresst. <i>“Es ist… ich habe nicht… Athos! Man, wir sind doch Kumpels! Mein Boss, Alter… Entspann dich. Wäre ja nicht so, als hätte ich dich dort dann vergessen… ehehehe“</i> Athos schnaubte. Er sollte Zion töten. Hier und jetzt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Dieser nach Hirschelefantenscheiße stinkende Sohn einer verlodderten Hurenmutter. Schnell fegten Athos Schritte über den sandigen Boden hinweg, feine Körnchen knirschten unter seinen Schuhen, während er suchend durch die Straßen ging. Aufmerksam scannte er sämtliche Gesichter derjenigen Menschen ab, die ihm entgegenkamen. Wo versteckte sich dieser beschissene Drecksbock? Die Wut, die in ihm loderte, war ihm schon von Meilen in seiner düsteren Miene anzuerkennen, eine Ader an seiner Schläfe pulsierte heftig. War er der letzte Mensch mit etwas Verstand? Besaß Ba Sing Se nur einen Haufen degenerierte Pisser oder hatte er das zweifellose Talent, genau diese Hohlmeisen anzuziehen? Er wusste es nicht, er wusste nur: Jemand würde ihm seine Wut büßen müssen. Tatsächlich hatte dieser Jemand sogar einen Namen: Zion der geistlose Hurenbock! Ein Mann, dem man die Idiotie bereits in meilenweiter Entfernung ansehen konnte. Er hielt sich für klug, war ein wortreicher Redner und ein Lügenbaron. Er schwärmte von einer besseren Welt, behauptete dem Adel anzugehören und das Ken-Shou unrechtmäßig seinen Platz eingenommen hatte. Da es im Königshaus keinen Platz mehr für ihn gab, war er nun ein bekannter Saatenhändler mit weitreichenden Kontakten zu vielen Landhöfen. Höfe, die Abnehmer von brauchbaren Sklaven für die Feldarbeit waren… Athos war dem Pisser auf dem Leim gegangen. Nur durch Zufall war ihm zu Ohren gekommen, dass Zion versuchte, einen Berater Ken-Shous persönlich einen Deal vorzuschlagen. Dieser Berater war bekannt für einen exquisiten Frauengeschmack, Damen mit auffälligen Haarprachten, so munkelte man. Zufällig hatte Athos eine solche Frau in seinem Verlies und Zion war sie ins Auge gefallen. Regel Nr. 1: Keine Deals mit dem Adel oder deren Anhängsel so profitreich sie auch zu sein schienen. Diese Regel stand in etwas so weit oben, wie keine Ware aus dem mittleren und oberen Ring zu beschaffen. Dies bedeutete Gefahr, eine undefinierbare Gefahr, die Athos nicht bereit war einzugehen. Raava sei Dank war Zion ein Idiot und hatte diese Idee unter anderem an Ravic weitergetragen. Ravic war zu feige, den Kerl aufzuhalten, aber er war klug genug seinen Boss zu unterrichten. Guter Kerl. <br />
Nun musste Athos ihn finden und zur Rede stellen, bevor dieser zum Bahnhof gelangte und in den Oberen Ring fuhr um den Berater zu erreichen. Rede stellen bedeutete auch, dass er den Mistkerl nicht unangespitzt in den Boden rammen oder ihn bei lebendigen Leibe die Haut vom Knochen trennen konnte. Für solche Jobs engagierte er sowieso lieber Mephisto, mal sehen, vielleicht würde er seinem Geschäftspartner diese Freude noch gönnen, selbst dann noch, wenn Zion dachte, er könnte sich in Sicherheit wiegen. Er brachte gesamte Gruppe in Gefahr, mit dem Gedanken, dass ein solcher Gefährder lebendig durch die Welt stiefelte, konnte Athos nicht leben. <br />
Hektisch sah er sich um. Dann erkannte er ihn! Ein dürrer, zu kurz geratener Mann, schütteres Haar, an manchen Stellen kahl, besonders im hinteren Bereich. Hier versuchte der Nichtbändiger verzweifelt die verbliebenden Zotteln drüber zu kämmen, was alles nur noch viel alberner erscheinen ließ. Zion bog ab, sein Weg führte ihn zwischen zwei Hausfassaden die zwei Hauptwege miteinander verband. <b>“Hab ich dich du Lump…“</b> Athos Worte klangen gepresst, schlichtweg weil er die Zähne fest aufeinander gedrückt hielt. Sodann beschleunigte er seine Schritte und huschte dem Mann nach. <br />
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Der Schall des Schlages wurde von den Hauswänden zurückgeprallt, daraufhin folgte ein leidend-jammernd klingendes <i>“Au!“</i> Athos hatte Zion mit voller Wucht die flache Hand auf den Schädel geschlagen, die kahle Stelle färbte sich sofort knallrot und erinnerte an einen schweren Sonnenbrand. Der Mann drehte sich um, bittere Tränchen des Schmerzes wuchsen in seinen unteren Lidern, bevor er sein Gegenüber ganz plötzlich erkannte und das blanke Entsetzen in seiner Mimik erwuchs. Zion wich zurück, hob beschwichtigend die Hände. <i>“Oh! Hi, Athos… hehehe… womit kann ich… was kann ich für dich... AAAAAH!“</i> Gerade versuchte er noch eine Frage vor sich hinzustammeln, da verlor er auch schon den Boden unter den Füßen. Mit spielender Leichtigkeit hatte der Menschenhändler den Spargeltarzan am Leinenhemd gepackt und in die Höhe gezerrt. <b>“Zion! Du verfickter kleiner Bastard…“</b> Im Versuch, seine wütende Stimme im Zaum zu halten, spuckte Athos seinem Gegenüber versehentlich in die Visage, war ihm allerdings auch herzlich egal. <b>“Was hast du dir dabei gedacht, eh?  Sabotierst du kleiner Pisser meine Arbeit? Wolltest dich in den Palast einschmeicheln oder was? Mh? Wolltest du deine speckigen Haare unter einem Krönchen vergraben während ich mit den Konsequenzen deiner strunzdummen Entscheidungen zu kämpfen habe?“</b> Schwungvoll presste er den Leib des kleineren Mannes gegen die Hauswand. Dieser wimmerte atemlos, der Stoß hatte ihm die Luft aus den Lungen gepresst. <i>“Es ist… ich habe nicht… Athos! Man, wir sind doch Kumpels! Mein Boss, Alter… Entspann dich. Wäre ja nicht so, als hätte ich dich dort dann vergessen… ehehehe“</i> Athos schnaubte. Er sollte Zion töten. Hier und jetzt.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[camouflage so I can feed the lie that I'm composed]]></title>
			<link>https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1587</link>
			<pubDate>Sun, 23 Jan 2022 04:20:40 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/member.php?action=profile&uid=157">Soraya</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1587</guid>
			<description><![CDATA[<center><h3>Numb in your chest when you close the blinds</h3><h1>Repose in time</h1><h3>And you tell yourself you're fine</h3><h4>kiko + soraya ; auf der rundreise durch die feuernation ; beginnend mit den abendstunden</h4><div style="display: flex; width: 100%; justify-content: space-between;"><img src="https://i.imgur.com/LujreBU.png"> <img src="https://i.imgur.com/iaCfgG7.png">  <img src="https://i.imgur.com/o67TQPk.png">  <img src="https://i.imgur.com/gF7QIJo.png">  <img src="https://i.imgur.com/9W82WiV.png"></div></center><br />
Geradezu rhythmisch klackerten die Räder der Kutsche, ihr Gestell aus geschwärztem Eisen stimmte gelegentlich mit einem Knarren ein, während die Hufen der Drachenelche unablässig vorantrabten. Still schob die Prinzessin die Samtvorhänge beiseite, um sich mit einem Blick nach draußen Abwechslung von der tristen Lektüre in ihrem Schoß zu verschaffen. Die Szenerie, die am Fenster vorbeizog, war jedoch kaum spannender: Felder, Bäume und gelegentlich ein See, dann in der Ferne die hohen Vulkane, wie man sie gewohnt war, zu sehen. Kurzgesagt, es war die gleiche Art Umgebung, die sie auch vor ein paar Stunden schon durchquert hatten – nur mittlerweile im ausgrauenden Abendrot statt hellem Tageslicht. Soraya entwich ein Seufzer, während sie ihr Kinn auf ihrer Hand abstützte. Schon heute Morgen waren sie in einer benachbarten Stadt losgefahren, nachdem sie dort am Tag zuvor zunächst einer Schule einen Besuch abgestattet hatten und anschließend bei den Statthaltern zum Abendmahl eingeladen waren. Man hatte sie mit offenen Armen, Schwallen an Lob und Preis und Haufenweise Präsenten empfangen. Das war überraschend, hatte Soraya doch wirklich nicht mit diesem hohen Maß an Positivität ihr gegenüber gerechnet. Als sie Ares den Vorschlag für eine Rundreise durch die Nation vor etwas über einer Woche unterbreitet hatte, hatte dieser erst nach ausgiebiger Rücksprache mit Feuerlord Zosin zugestimmt, und auch dann nur unter der Bedingung, dass sie quasi ein ganzer Hofstaat an Soldaten zum Garanten ihrer Sicherheit begleitete. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass im ersten Monat nach ihrer Ankunft bereits einige Attentate auf die Prinzessin versucht worden waren, war es durchaus nachvollziehbar, mit solcher Vorsicht zu agieren. Umso besser fühlte es sich nun an, von den Menschen, deren Städte sie besucht hatte, geradewegs angehimmelt worden zu sein. <br />
Soraya war jedoch bei weitem nicht die Einzige, die von ihnen mit Bewunderung überhäuft worden war. Ihr Blick schwankte fort von der vorbeiziehenden Umgebung und fand den jungen Mann, der auf seinem Reittier mit aufmerksamem Blick nach vorn neben ihrer Kutsche her ritt. Das Licht der untergehenden Sonne illuminierte sein markantes Profil, ließ seinen sonst kühl-blassen Teint wärmer erscheinen. Sein Anblick erinnerte sie an die Marmorstatuen, die im Rosengarten des erdköniglichen Palasts standen, daran, wie sie als kleines Mädchen auf ihre ernsten Gesichter gestarrt hatte, sich still fragend, ob es tatsächlich Menschen gab, die so aussahen, oder sie nur das Ergebnis der Fantasie eines vergangenen Hofkünstlers waren. Als sie Kiko zum ersten Mal getroffen hatte, beim Abendmahl im Anwesen am Abend nach ihrer Hochzeit, hatte sie die Antwort dazu gelernt. Und wie er so mit seiner ernsten Mimik in perfekt kerzengerade Haltung auf dem trabenden Reittier saß, die Zügel locker mit einer Hand haltend, fühlte sie sich darin ein weiteres Mal bestätigt. Kiko war explizit von Ares dazu beauftragt worden, Soraya auf der royalen Rundreise zu begleiten – und zu beschützen. Als wäre das Dutzend an Wachen nicht ausreichend zum Bewahren ihrer Sicherheit. Aber die Prinzessin wusste es besser, als ihren Gatten in Frage zu stellen, und war sich ebenso darüber bewusst, dass sein Neffe ein besonderes und vor allem seltenes Maß an Vertrauen von ihm genoss. Sein <i>Neffe</i> … seit der Hochzeit war Kiko wohl auf gewisse Weise auch <i>ihr</i> Neffe. Sie, <i>seine Tante</i>. Diese Tatsache fühlte sich besonders seltsam an, wenn man bedachte, dass der Leutnant beinahe zehn Jahre älter war als sie selbst. Damit war er allerdings immer noch um weitere zehn Jahre näher an ihrem eigenen Alter dran, als es ihr Ehemann war. Ares war genau doppelt so alt, wie sie es war. Und so reif Soraya sich auch verhielt … so war es doch hin und wieder eindeutig, dass sie in zwei völlig verschiedenen Generationen geboren waren. Er hatte quasi ein ganzes Leben gelebt, bevor sie einander angetraut worden waren. Hatte die Welt bereist, Herrscher der anderen Nationen kommen und gehen sehen, hatte in Kriegen gekämpft, die die Prinzessin nur aus Geschichtsschriftrollen und Erzählungen kannte. Währenddessen hatte sie ihre zarten 18 Jahre ausschließlich in ihrem heimischen Palast verbracht. Bis auf wenige Ausnahmen eingesperrt in ihrem goldenen Käfig. Umso aufregender war damit auch ihre aktuelle Rundreise – denn war sie auch schwer bewacht, so reiste sie doch mehr oder weniger allein durch diese Nation, die sie vor ihrer Ehe nie auch nur hatte besuchen dürfen. Nicht einmal Shallan war dabei, sie war von Ares bereits am Hofe eingeplant gewesen, als der Vorschlag zur Rundreise aufgekommen war. Die Mägde, die sie stattdessen begleiteten, waren selbstverständlich kein Vergleich zu ihrer liebsten Zofe, doch Sorayas Bitte, dass Shallan doch für ihr Geleit von ihren geplanten Aufgaben von Ares befreit würde, hatte er nicht gestatten wollen. So war die Rose sogar ganz erfreut darüber gewesen, dass der Drache Kiko als Begleitung auserwählt hatte. Nicht, weil sie sich ohne ihn unsicher fühlen würde – viel mehr, weil er neben den anderen Leibgarden vermutlich bei weitem der angenehmste Zeitgenosse war. Ihre Bekanntschaft war nicht tiefgreifender als die mit anderen Adligen am Feuerhof, doch seine Gegenwart war ihr bei weitem lieber als bei den restlichen Militärsmännern, wie General Yusei oder General Rida, oder, ohje, dem absolut seltsamen Sylas.<br />
<br />
Soraya war tief in ihre Gedanken versunken, der Blick noch immer aus dem Fenster in Kikos Richtung gerichtet, dessen Gestalt langsam im kriechenden Dunkel des späten Abends verblasste. Eigentlich wären sie wohl noch einige Stunden weitergereist, hatten Feuerbändigende doch den Vorteil, ihren Weg immerzu mit Flammen erhellt halten zu können. Die nächste Ortschaft würden sie vorm Morgengrauen nicht erreichen, hatte man ihr gesagt, bevor sie aufgebrochen waren. Gerade waren sie wohl irgendwo im Nirgendwo. <br />
Doch als ihre Augen langsam, aber sicher hinter ihren Lidern verschwanden, ihr Geist eingelullt vom andauernden Rhythmus des Reisens, wurde die Prinzessin von plötzlichem lautem Geschrei aufgeschreckt. Als sie zwischen Irritation und Schreck wieder nach draußen sah, war die Nacht nicht länger dunkel. Feuer erhellte sie. Tosendes Gebrüll hatte das Klackern der Räder abgelöst. Hinter ihr ein lautes Krachen, helle Schreie, ein reißendes Geräusch. Die Holzkutsche der Mägde? Sorayas Herz raste, während sie versuchte, irgendetwas genauer zu erkennen und in ihrem wirren Bewusstsein zu ordnen, was geschah und was sie tun sollte – doch all das wurde unterbrochen, als plötzlich die Tür ihrer Kutsche aufgerissen wurde …<br />
<br />
<div style="display: flex; width: 100%; justify-content: space-between;"><img src="https://i.imgur.com/9W82WiV.png"> <img src="https://i.imgur.com/iaCfgG7.png">  <img src="https://i.imgur.com/3c7yVRx.png">  <img src="https://i.imgur.com/gF7QIJo.png">  <img src="https://i.imgur.com/LujreBU.png"></div>
<h4></h4><center><h3>at least we could say that we died being traveled</h3><h1>Cultured and flattered</h1><h3>But what does it matter</h3></center>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<center><h3>Numb in your chest when you close the blinds</h3><h1>Repose in time</h1><h3>And you tell yourself you're fine</h3><h4>kiko + soraya ; auf der rundreise durch die feuernation ; beginnend mit den abendstunden</h4><div style="display: flex; width: 100%; justify-content: space-between;"><img src="https://i.imgur.com/LujreBU.png"> <img src="https://i.imgur.com/iaCfgG7.png">  <img src="https://i.imgur.com/o67TQPk.png">  <img src="https://i.imgur.com/gF7QIJo.png">  <img src="https://i.imgur.com/9W82WiV.png"></div></center><br />
Geradezu rhythmisch klackerten die Räder der Kutsche, ihr Gestell aus geschwärztem Eisen stimmte gelegentlich mit einem Knarren ein, während die Hufen der Drachenelche unablässig vorantrabten. Still schob die Prinzessin die Samtvorhänge beiseite, um sich mit einem Blick nach draußen Abwechslung von der tristen Lektüre in ihrem Schoß zu verschaffen. Die Szenerie, die am Fenster vorbeizog, war jedoch kaum spannender: Felder, Bäume und gelegentlich ein See, dann in der Ferne die hohen Vulkane, wie man sie gewohnt war, zu sehen. Kurzgesagt, es war die gleiche Art Umgebung, die sie auch vor ein paar Stunden schon durchquert hatten – nur mittlerweile im ausgrauenden Abendrot statt hellem Tageslicht. Soraya entwich ein Seufzer, während sie ihr Kinn auf ihrer Hand abstützte. Schon heute Morgen waren sie in einer benachbarten Stadt losgefahren, nachdem sie dort am Tag zuvor zunächst einer Schule einen Besuch abgestattet hatten und anschließend bei den Statthaltern zum Abendmahl eingeladen waren. Man hatte sie mit offenen Armen, Schwallen an Lob und Preis und Haufenweise Präsenten empfangen. Das war überraschend, hatte Soraya doch wirklich nicht mit diesem hohen Maß an Positivität ihr gegenüber gerechnet. Als sie Ares den Vorschlag für eine Rundreise durch die Nation vor etwas über einer Woche unterbreitet hatte, hatte dieser erst nach ausgiebiger Rücksprache mit Feuerlord Zosin zugestimmt, und auch dann nur unter der Bedingung, dass sie quasi ein ganzer Hofstaat an Soldaten zum Garanten ihrer Sicherheit begleitete. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass im ersten Monat nach ihrer Ankunft bereits einige Attentate auf die Prinzessin versucht worden waren, war es durchaus nachvollziehbar, mit solcher Vorsicht zu agieren. Umso besser fühlte es sich nun an, von den Menschen, deren Städte sie besucht hatte, geradewegs angehimmelt worden zu sein. <br />
Soraya war jedoch bei weitem nicht die Einzige, die von ihnen mit Bewunderung überhäuft worden war. Ihr Blick schwankte fort von der vorbeiziehenden Umgebung und fand den jungen Mann, der auf seinem Reittier mit aufmerksamem Blick nach vorn neben ihrer Kutsche her ritt. Das Licht der untergehenden Sonne illuminierte sein markantes Profil, ließ seinen sonst kühl-blassen Teint wärmer erscheinen. Sein Anblick erinnerte sie an die Marmorstatuen, die im Rosengarten des erdköniglichen Palasts standen, daran, wie sie als kleines Mädchen auf ihre ernsten Gesichter gestarrt hatte, sich still fragend, ob es tatsächlich Menschen gab, die so aussahen, oder sie nur das Ergebnis der Fantasie eines vergangenen Hofkünstlers waren. Als sie Kiko zum ersten Mal getroffen hatte, beim Abendmahl im Anwesen am Abend nach ihrer Hochzeit, hatte sie die Antwort dazu gelernt. Und wie er so mit seiner ernsten Mimik in perfekt kerzengerade Haltung auf dem trabenden Reittier saß, die Zügel locker mit einer Hand haltend, fühlte sie sich darin ein weiteres Mal bestätigt. Kiko war explizit von Ares dazu beauftragt worden, Soraya auf der royalen Rundreise zu begleiten – und zu beschützen. Als wäre das Dutzend an Wachen nicht ausreichend zum Bewahren ihrer Sicherheit. Aber die Prinzessin wusste es besser, als ihren Gatten in Frage zu stellen, und war sich ebenso darüber bewusst, dass sein Neffe ein besonderes und vor allem seltenes Maß an Vertrauen von ihm genoss. Sein <i>Neffe</i> … seit der Hochzeit war Kiko wohl auf gewisse Weise auch <i>ihr</i> Neffe. Sie, <i>seine Tante</i>. Diese Tatsache fühlte sich besonders seltsam an, wenn man bedachte, dass der Leutnant beinahe zehn Jahre älter war als sie selbst. Damit war er allerdings immer noch um weitere zehn Jahre näher an ihrem eigenen Alter dran, als es ihr Ehemann war. Ares war genau doppelt so alt, wie sie es war. Und so reif Soraya sich auch verhielt … so war es doch hin und wieder eindeutig, dass sie in zwei völlig verschiedenen Generationen geboren waren. Er hatte quasi ein ganzes Leben gelebt, bevor sie einander angetraut worden waren. Hatte die Welt bereist, Herrscher der anderen Nationen kommen und gehen sehen, hatte in Kriegen gekämpft, die die Prinzessin nur aus Geschichtsschriftrollen und Erzählungen kannte. Währenddessen hatte sie ihre zarten 18 Jahre ausschließlich in ihrem heimischen Palast verbracht. Bis auf wenige Ausnahmen eingesperrt in ihrem goldenen Käfig. Umso aufregender war damit auch ihre aktuelle Rundreise – denn war sie auch schwer bewacht, so reiste sie doch mehr oder weniger allein durch diese Nation, die sie vor ihrer Ehe nie auch nur hatte besuchen dürfen. Nicht einmal Shallan war dabei, sie war von Ares bereits am Hofe eingeplant gewesen, als der Vorschlag zur Rundreise aufgekommen war. Die Mägde, die sie stattdessen begleiteten, waren selbstverständlich kein Vergleich zu ihrer liebsten Zofe, doch Sorayas Bitte, dass Shallan doch für ihr Geleit von ihren geplanten Aufgaben von Ares befreit würde, hatte er nicht gestatten wollen. So war die Rose sogar ganz erfreut darüber gewesen, dass der Drache Kiko als Begleitung auserwählt hatte. Nicht, weil sie sich ohne ihn unsicher fühlen würde – viel mehr, weil er neben den anderen Leibgarden vermutlich bei weitem der angenehmste Zeitgenosse war. Ihre Bekanntschaft war nicht tiefgreifender als die mit anderen Adligen am Feuerhof, doch seine Gegenwart war ihr bei weitem lieber als bei den restlichen Militärsmännern, wie General Yusei oder General Rida, oder, ohje, dem absolut seltsamen Sylas.<br />
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Soraya war tief in ihre Gedanken versunken, der Blick noch immer aus dem Fenster in Kikos Richtung gerichtet, dessen Gestalt langsam im kriechenden Dunkel des späten Abends verblasste. Eigentlich wären sie wohl noch einige Stunden weitergereist, hatten Feuerbändigende doch den Vorteil, ihren Weg immerzu mit Flammen erhellt halten zu können. Die nächste Ortschaft würden sie vorm Morgengrauen nicht erreichen, hatte man ihr gesagt, bevor sie aufgebrochen waren. Gerade waren sie wohl irgendwo im Nirgendwo. <br />
Doch als ihre Augen langsam, aber sicher hinter ihren Lidern verschwanden, ihr Geist eingelullt vom andauernden Rhythmus des Reisens, wurde die Prinzessin von plötzlichem lautem Geschrei aufgeschreckt. Als sie zwischen Irritation und Schreck wieder nach draußen sah, war die Nacht nicht länger dunkel. Feuer erhellte sie. Tosendes Gebrüll hatte das Klackern der Räder abgelöst. Hinter ihr ein lautes Krachen, helle Schreie, ein reißendes Geräusch. Die Holzkutsche der Mägde? Sorayas Herz raste, während sie versuchte, irgendetwas genauer zu erkennen und in ihrem wirren Bewusstsein zu ordnen, was geschah und was sie tun sollte – doch all das wurde unterbrochen, als plötzlich die Tür ihrer Kutsche aufgerissen wurde …<br />
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<div style="display: flex; width: 100%; justify-content: space-between;"><img src="https://i.imgur.com/9W82WiV.png"> <img src="https://i.imgur.com/iaCfgG7.png">  <img src="https://i.imgur.com/3c7yVRx.png">  <img src="https://i.imgur.com/gF7QIJo.png">  <img src="https://i.imgur.com/LujreBU.png"></div>
<h4></h4><center><h3>at least we could say that we died being traveled</h3><h1>Cultured and flattered</h1><h3>But what does it matter</h3></center>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[homesick and not sure where home is]]></title>
			<link>https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1586</link>
			<pubDate>Thu, 20 Jan 2022 17:36:24 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/member.php?action=profile&uid=186">Nevin</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1586</guid>
			<description><![CDATA[Die warmen Monate rückten näher und näher. Schon jetzt hatte die Sonne Nevins Haut dunkler gezeichnet und ihr die kränkliche Blässe genommen. Es war allerdings nicht nur die leichte Bräune, die Nevin insgesamt ein wenig gesünder erscheinen ließ. Ein wenig mehr nach Mensch, ein wenig mehr nach Leben. Man musste sicherlich auch dazu sagen, dass eine Steigerung zu dem Zustand, in dem Brusk sie aufgesammelt hatte, auch nicht allzu schwer war. Aber die Verfilzungen waren aus ihren Locken gekämmt, die blauen Flecken und Blessuren waren verblasst und der abgemagerte Körper hatte bestimmt ein paar Pfund zugelegt. Das war ihrem Bruder zu verdanken, der in den letzten Wochen dafür gesorgt hatte, dass sie warme Mahlzeiten bekam und sich hin und wieder wusch. Er tat ihr gut, aber es war ein Fehlglaube, wenn man dachte, dass das Aufeinandertreffen der beiden Geschwister ihrer beider Leben gänzlich zum Besseren wendete. Im Grunde waren Brusk und Nevin zwei Fremde. Sie sahen in einander die Kinder, die sie einmal gewesen waren, aber sie kannten die Geschichten nicht, die sie in den letzten fast zwei Jahrzehnten geprägt und verändert hatten. Sie waren auch nicht gut darin miteinander zu sprechen. Nevin schwieg sorgfältig über jede Frage zu ihrer Vergangenheit und Brusk verschloss sich ihr. Einmal hatte sie sogar gedacht, ob sie vielleicht nur aus einem familiären Pflichtgefühl zueinander hielten. Brusk hatte ihr angeboten, dass sie mit in das brüchige Haus ziehen könnte, in dem er und seine Freunde lebten. Nevin hatte abgelehnt. Unstet wie sie geworden war, konnte sie sich nicht an solche Verpflichtungen binden und sie scheute die Menschen, die mit ihm unter einem Dach lebten. Die meiste Zeit, wenn sie zu Besuch war, ging sie ihnen aus dem Weg. Sie sprach kein Wort mit ihnen und wenn der breite Kerl mit dem vernarbten Gesicht, um die Ecke kam, versteckte sie sich im Schatten ihres Bruders. Bei den anderen Männern nahm sie direkt reißaus. Die Frauen konnte sie tolerieren, aber sie reagierte scheu und abweisend auf jede Frage, zuckte zusammen, wenn sie eine Geste nicht einordnen konnte und wich jedem Annäherungsversuch aus. Sie fühlte sich gefangen in dem Haus, unbeweglich und eingeengt. Da war ein kleines Mädchen mit kahl geschorenem Schädel. Nevin und sie hatten sich einmal im Hinterhof eine geschlagene Viertelstunde schweigend angestarrt und als sie dem Mädchen dann doch den Rücken gekehrt und zu einer Gasse davon geflitzt war, hatte sie geglaubt den Schmerz in ihren Augen erkannt zu haben. Den Schmerz einer verlorenen Heimat, einer verlorenen Familie. <br />
<br />
Nevin war eine verschrobene Einzelgängerin geworden und das war ihr nicht unbedingt klar. Schließlich sehnte sie sich nach Liebe, nach Heimat, nach Freundschaft und Zuneigung, nach jemanden, für den sie eine Bedeutung hatte. Aber das Leben hatte sie unbeholfen und distanziert gemacht. Sie baute auf die Nostalgie einer vergangenen Zeit, wünschte sich ein Leben zwischen Sandstein und Orangenbäumen zurück, dass ihr gewaltsam entrissen worden war. Und diese Träumerei machte sie irgendwie unfähig dazu in ihrer Gegenwart anzukommen. <br />
<br />
Der Himmel war wolkenlos. Die Luft im unteren Ring war trocken und roch nach Staub. Hier und da wuchs Grün zwischen den Rissen und Brüchen in Gemäuern und Pflasterstein. Leichtfüßig lief Nevin neben ihrem Bruder und hatte die Hände im Rücken verschränkt. Sie war barfuß, trug das gleiche zerschlissene Leinenkleid, das sie seit Wochen so gern mochte, obwohl der Saum schon ganz verdreckt und zerrissen war. Darüber eine lange Weste, die an sich vollkommen unnütz gegen Wind und Kälte, aber herrlich große Taschen hatte, in denen Nevin allerlei Schnickschnack und Krempel mit sich herumtrug. „Wir müssen noch ein Stück“, erklärte sie leise, während sie sich durch die Leute hindurch schoben, die im Unteren ihr alltägliches Treiben verfolgten. Nevin Brusk versprochen ihm ihr kleines Zuhause zu zeigen. Den schiefen, eingebrochenen Dachboden, den sie so gern mochte. Leicht neigte sie den Kopf zur Seite und sah zu ihrem Bruder hoch. Ein unsicheres, fragendes Lächeln warf sie ihm entgegen. Sie war nicht gut darin. Im Umgang mit ihm. Sie wusste schlicht nicht, wie. Sie wusste nicht, wie sie Brusk ansehen sollte ohne jedes Mal an den Tag zu denken, an dem sie ihre Familie verloren hatte. Sie wusste nicht, wie sie Brusk ansehen sollte ohne an all den Schmerz und die Einsamkeit zu denken. Sie wusste nicht, wie sie Brusk ansehen sollte und in dem großen Fremden ihren Bruder wiederfinden konnte. Sie wusste es einfach nicht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Die warmen Monate rückten näher und näher. Schon jetzt hatte die Sonne Nevins Haut dunkler gezeichnet und ihr die kränkliche Blässe genommen. Es war allerdings nicht nur die leichte Bräune, die Nevin insgesamt ein wenig gesünder erscheinen ließ. Ein wenig mehr nach Mensch, ein wenig mehr nach Leben. Man musste sicherlich auch dazu sagen, dass eine Steigerung zu dem Zustand, in dem Brusk sie aufgesammelt hatte, auch nicht allzu schwer war. Aber die Verfilzungen waren aus ihren Locken gekämmt, die blauen Flecken und Blessuren waren verblasst und der abgemagerte Körper hatte bestimmt ein paar Pfund zugelegt. Das war ihrem Bruder zu verdanken, der in den letzten Wochen dafür gesorgt hatte, dass sie warme Mahlzeiten bekam und sich hin und wieder wusch. Er tat ihr gut, aber es war ein Fehlglaube, wenn man dachte, dass das Aufeinandertreffen der beiden Geschwister ihrer beider Leben gänzlich zum Besseren wendete. Im Grunde waren Brusk und Nevin zwei Fremde. Sie sahen in einander die Kinder, die sie einmal gewesen waren, aber sie kannten die Geschichten nicht, die sie in den letzten fast zwei Jahrzehnten geprägt und verändert hatten. Sie waren auch nicht gut darin miteinander zu sprechen. Nevin schwieg sorgfältig über jede Frage zu ihrer Vergangenheit und Brusk verschloss sich ihr. Einmal hatte sie sogar gedacht, ob sie vielleicht nur aus einem familiären Pflichtgefühl zueinander hielten. Brusk hatte ihr angeboten, dass sie mit in das brüchige Haus ziehen könnte, in dem er und seine Freunde lebten. Nevin hatte abgelehnt. Unstet wie sie geworden war, konnte sie sich nicht an solche Verpflichtungen binden und sie scheute die Menschen, die mit ihm unter einem Dach lebten. Die meiste Zeit, wenn sie zu Besuch war, ging sie ihnen aus dem Weg. Sie sprach kein Wort mit ihnen und wenn der breite Kerl mit dem vernarbten Gesicht, um die Ecke kam, versteckte sie sich im Schatten ihres Bruders. Bei den anderen Männern nahm sie direkt reißaus. Die Frauen konnte sie tolerieren, aber sie reagierte scheu und abweisend auf jede Frage, zuckte zusammen, wenn sie eine Geste nicht einordnen konnte und wich jedem Annäherungsversuch aus. Sie fühlte sich gefangen in dem Haus, unbeweglich und eingeengt. Da war ein kleines Mädchen mit kahl geschorenem Schädel. Nevin und sie hatten sich einmal im Hinterhof eine geschlagene Viertelstunde schweigend angestarrt und als sie dem Mädchen dann doch den Rücken gekehrt und zu einer Gasse davon geflitzt war, hatte sie geglaubt den Schmerz in ihren Augen erkannt zu haben. Den Schmerz einer verlorenen Heimat, einer verlorenen Familie. <br />
<br />
Nevin war eine verschrobene Einzelgängerin geworden und das war ihr nicht unbedingt klar. Schließlich sehnte sie sich nach Liebe, nach Heimat, nach Freundschaft und Zuneigung, nach jemanden, für den sie eine Bedeutung hatte. Aber das Leben hatte sie unbeholfen und distanziert gemacht. Sie baute auf die Nostalgie einer vergangenen Zeit, wünschte sich ein Leben zwischen Sandstein und Orangenbäumen zurück, dass ihr gewaltsam entrissen worden war. Und diese Träumerei machte sie irgendwie unfähig dazu in ihrer Gegenwart anzukommen. <br />
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Der Himmel war wolkenlos. Die Luft im unteren Ring war trocken und roch nach Staub. Hier und da wuchs Grün zwischen den Rissen und Brüchen in Gemäuern und Pflasterstein. Leichtfüßig lief Nevin neben ihrem Bruder und hatte die Hände im Rücken verschränkt. Sie war barfuß, trug das gleiche zerschlissene Leinenkleid, das sie seit Wochen so gern mochte, obwohl der Saum schon ganz verdreckt und zerrissen war. Darüber eine lange Weste, die an sich vollkommen unnütz gegen Wind und Kälte, aber herrlich große Taschen hatte, in denen Nevin allerlei Schnickschnack und Krempel mit sich herumtrug. „Wir müssen noch ein Stück“, erklärte sie leise, während sie sich durch die Leute hindurch schoben, die im Unteren ihr alltägliches Treiben verfolgten. Nevin Brusk versprochen ihm ihr kleines Zuhause zu zeigen. Den schiefen, eingebrochenen Dachboden, den sie so gern mochte. Leicht neigte sie den Kopf zur Seite und sah zu ihrem Bruder hoch. Ein unsicheres, fragendes Lächeln warf sie ihm entgegen. Sie war nicht gut darin. Im Umgang mit ihm. Sie wusste schlicht nicht, wie. Sie wusste nicht, wie sie Brusk ansehen sollte ohne jedes Mal an den Tag zu denken, an dem sie ihre Familie verloren hatte. Sie wusste nicht, wie sie Brusk ansehen sollte ohne an all den Schmerz und die Einsamkeit zu denken. Sie wusste nicht, wie sie Brusk ansehen sollte und in dem großen Fremden ihren Bruder wiederfinden konnte. Sie wusste es einfach nicht.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Only dead fish go with the flow]]></title>
			<link>https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1557</link>
			<pubDate>Sat, 18 Dec 2021 15:38:12 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/member.php?action=profile&uid=253">Brusk</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1557</guid>
			<description><![CDATA[Schweiß rann von seiner Haut, wusch den Schmutz mit sich und zog damit eine feine Spur auf seinen Arm entlang. Die Luft im Gedränge der vielen Menschen war stickig, staubig, abgestanden und der Duft ganz sicher nicht als „blumig“ zu betrachten. Die Schaulustigen drängten sich dicht an dicht, die Kräftigen unter ihnen stießen mit ihren breiten Schultern die Schwächeren von sich, um sich ein wenig Freiraum zu verschaffen. Die zarteren Leiber, meist die junger Burschen, die sich aus Neugier nach vorne gedrängt hatten, flogen unkontrolliert in alle Richtungen. Ein Knabe, sichtlich gestresst und mit puderroten Backen knallte ungewollte gegen Brusks rechte Körperhälfte und hielt sich, wohl aus Angst zu Boden zu stürzen, an dessen Arm fest. Das mürrische Knurren, welches sodann der Kehle des Nichtbändigers entrann, war laut genug, um das Stimmengewirr in seinem direkten Umfeld verstummen zu lassen. <b>“Hast du keine Augen im Kopf? Zieh ab oder ich mach dir Beine!“</b> Grolle der Hüne und sah den deutlich jüngeren Knaben mit zornig verengten Augen an. Dieser blickte ihn starr und reglos entgegen, den Arm des Hünen noch immer mit beiden dürren Händen fest umklammert. <b>“Hörst du schlecht? Oder soll ich dich in die Arena werfen, mh?“</b> Brusk beugte seinen Oberkörper herab, so dass seine düstere Miene direkt auf die verstörte halbe Portion herabblickte. <b>“Mitnichten!“</b> Piepste es, stimmbrüchig klingend, aus dem Jungen heraus. Sofort ließ er von seinem Rettungsanker ab und quetschte sich, so gut und schnell er konnte, durch die Menge, um möglichst rasch aus dem Blickfeld des Kriminellen zu verschwinden. Brusk grinste triumphierend, verschränkte selbstzufrieden die Arme vor der breiten Brust und verpasste bei dieser Bewegung seinem Stehnachbarn ganz „versehentlich“ mit seinem Ellenbogen einen groben Stoß in die Flanke. Hach. Zack. Platz zum Atmen. Wie schön, wenn man nicht den gleichen zwergenwuchs durchlitt, sondern die meisten Schädel ganz bequem überragen konnte. So. Jetzt wieder zu den wichtigen Dingen des Abends: Seinen Wetten und den Kämpfen.<br />
<br />
<b>“Warte!“</b> Tief, rau, laut schallte die Stimme des Riesen durch die Menge. Einige Menschen drehten sich irritiert zu ihm um, wohl fragend, wen genau er ansprach. Er sprach niemanden an. Niemanden konkretes. <b>“Wo ist die Kleine?“</b> Wild mit dem Armen rudernd verpasste Brusk, den zuvor schon misshandelten Stehnachbarn noch einen Kinnharken. Dieser quietschte erschrocken und schmerzverzerrt auf. <b>“Die Kleine, die Erdbändigerin?! Die ist doch gerade…!“</b> Der Kampf war gerade im vollen Gange gewesen als der fremde Bursche ihn angerempelt, umklammert und abgelenkt hatte. <i>“Sie hat verloren!“</i> Rief ihn sein Stehnachbar zu. Seine Stimme klang erstickt, ein Blick auf seine Visage verriet warum: Leidend hielt sich der Kerl, mit schmerzlich schimmernden Augen, die Hand vor die blutende Nase. Whups, was für ein armer Tropf, die Aufregung in der Arena verursachte ihm wohl Nasenbluten. Naja. Keine Zeit für Mitleid – oder Schuldgefühle- es gab wichtigere Themen<b>“Verloren?“</b> Brusk konnte nicht fassen. Sie sah klein, zierlich aber eben auch sehr entschlossen aus. Optisch hatte nicht viel für sie gesprochen, aber sein Bauchgefühl… verdammt! Er hatte auf sein Bauchgefühl gehört und… verloren? <b>“FUCK!“</b> Wütend donnerte der Nichtbändiger seine Faust gegen das Geländer, dass konnte doch nicht wahr sein! Wenn diese kleine Mistkrücke nicht in der Lage war, einen Kampf anständig zu absolvieren, warum zum Donner trat sie überhaupt an. <b>“DAS IST BETRUG!“</b> Rief der Betrüger, ruderte erneut die Arme und sorgte so dafür, dass sämtliche Menschen um ihn herum so gut sie konnten zurückwichen. Niemand schien scharf auf blutende Nasen zu ein. <br />
<br />
Hektisch sah der Kriminelle sich um. Das ging doch nicht mit rechten Dingen zu! Sein Bauchgefühl täuschte ihn nie! Nie! Okay. Manchmal schon. Aber nicht mehr als zwei Mal die Woche. Sein Bauchgefühl hatte bis zu diesem Freitag schon zwei Mal versagt. Alles andere widersprach also der Statistik. Nein. Nein. Jemand verarschte ihn. Fragte sich nur: Wer? Der Wettleiter? Der Kampfrichter? Oder… DIE KLEINE! Gerade als er seinen Kopf mehrfach hin und her bewegt hatte, um einen Schuldigen zu suchen, sah er, wie eine klein wirkende Gestalt in den hinteren Teil der Arena huschte. Er direkt hinterher…]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Schweiß rann von seiner Haut, wusch den Schmutz mit sich und zog damit eine feine Spur auf seinen Arm entlang. Die Luft im Gedränge der vielen Menschen war stickig, staubig, abgestanden und der Duft ganz sicher nicht als „blumig“ zu betrachten. Die Schaulustigen drängten sich dicht an dicht, die Kräftigen unter ihnen stießen mit ihren breiten Schultern die Schwächeren von sich, um sich ein wenig Freiraum zu verschaffen. Die zarteren Leiber, meist die junger Burschen, die sich aus Neugier nach vorne gedrängt hatten, flogen unkontrolliert in alle Richtungen. Ein Knabe, sichtlich gestresst und mit puderroten Backen knallte ungewollte gegen Brusks rechte Körperhälfte und hielt sich, wohl aus Angst zu Boden zu stürzen, an dessen Arm fest. Das mürrische Knurren, welches sodann der Kehle des Nichtbändigers entrann, war laut genug, um das Stimmengewirr in seinem direkten Umfeld verstummen zu lassen. <b>“Hast du keine Augen im Kopf? Zieh ab oder ich mach dir Beine!“</b> Grolle der Hüne und sah den deutlich jüngeren Knaben mit zornig verengten Augen an. Dieser blickte ihn starr und reglos entgegen, den Arm des Hünen noch immer mit beiden dürren Händen fest umklammert. <b>“Hörst du schlecht? Oder soll ich dich in die Arena werfen, mh?“</b> Brusk beugte seinen Oberkörper herab, so dass seine düstere Miene direkt auf die verstörte halbe Portion herabblickte. <b>“Mitnichten!“</b> Piepste es, stimmbrüchig klingend, aus dem Jungen heraus. Sofort ließ er von seinem Rettungsanker ab und quetschte sich, so gut und schnell er konnte, durch die Menge, um möglichst rasch aus dem Blickfeld des Kriminellen zu verschwinden. Brusk grinste triumphierend, verschränkte selbstzufrieden die Arme vor der breiten Brust und verpasste bei dieser Bewegung seinem Stehnachbarn ganz „versehentlich“ mit seinem Ellenbogen einen groben Stoß in die Flanke. Hach. Zack. Platz zum Atmen. Wie schön, wenn man nicht den gleichen zwergenwuchs durchlitt, sondern die meisten Schädel ganz bequem überragen konnte. So. Jetzt wieder zu den wichtigen Dingen des Abends: Seinen Wetten und den Kämpfen.<br />
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<b>“Warte!“</b> Tief, rau, laut schallte die Stimme des Riesen durch die Menge. Einige Menschen drehten sich irritiert zu ihm um, wohl fragend, wen genau er ansprach. Er sprach niemanden an. Niemanden konkretes. <b>“Wo ist die Kleine?“</b> Wild mit dem Armen rudernd verpasste Brusk, den zuvor schon misshandelten Stehnachbarn noch einen Kinnharken. Dieser quietschte erschrocken und schmerzverzerrt auf. <b>“Die Kleine, die Erdbändigerin?! Die ist doch gerade…!“</b> Der Kampf war gerade im vollen Gange gewesen als der fremde Bursche ihn angerempelt, umklammert und abgelenkt hatte. <i>“Sie hat verloren!“</i> Rief ihn sein Stehnachbar zu. Seine Stimme klang erstickt, ein Blick auf seine Visage verriet warum: Leidend hielt sich der Kerl, mit schmerzlich schimmernden Augen, die Hand vor die blutende Nase. Whups, was für ein armer Tropf, die Aufregung in der Arena verursachte ihm wohl Nasenbluten. Naja. Keine Zeit für Mitleid – oder Schuldgefühle- es gab wichtigere Themen<b>“Verloren?“</b> Brusk konnte nicht fassen. Sie sah klein, zierlich aber eben auch sehr entschlossen aus. Optisch hatte nicht viel für sie gesprochen, aber sein Bauchgefühl… verdammt! Er hatte auf sein Bauchgefühl gehört und… verloren? <b>“FUCK!“</b> Wütend donnerte der Nichtbändiger seine Faust gegen das Geländer, dass konnte doch nicht wahr sein! Wenn diese kleine Mistkrücke nicht in der Lage war, einen Kampf anständig zu absolvieren, warum zum Donner trat sie überhaupt an. <b>“DAS IST BETRUG!“</b> Rief der Betrüger, ruderte erneut die Arme und sorgte so dafür, dass sämtliche Menschen um ihn herum so gut sie konnten zurückwichen. Niemand schien scharf auf blutende Nasen zu ein. <br />
<br />
Hektisch sah der Kriminelle sich um. Das ging doch nicht mit rechten Dingen zu! Sein Bauchgefühl täuschte ihn nie! Nie! Okay. Manchmal schon. Aber nicht mehr als zwei Mal die Woche. Sein Bauchgefühl hatte bis zu diesem Freitag schon zwei Mal versagt. Alles andere widersprach also der Statistik. Nein. Nein. Jemand verarschte ihn. Fragte sich nur: Wer? Der Wettleiter? Der Kampfrichter? Oder… DIE KLEINE! Gerade als er seinen Kopf mehrfach hin und her bewegt hatte, um einen Schuldigen zu suchen, sah er, wie eine klein wirkende Gestalt in den hinteren Teil der Arena huschte. Er direkt hinterher…]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[The heart grows brutal from feeding on fantasies]]></title>
			<link>https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1556</link>
			<pubDate>Fri, 17 Dec 2021 16:45:10 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/member.php?action=profile&uid=316">Nepenthe</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1556</guid>
			<description><![CDATA[<link href="https://fonts.googleapis.com/css2?family=Playfair+Display:wght@600&display=swap" rel="stylesheet">    <center><div style="font-size: 22px;font-family: 'Playfair Display', serif; text-transform: uppercase;">The heart grows brutal</div>
<div style="margin-top: -5px;text-transform: uppercase; font-size: 9px; letter-spacing: 3px; line-height: 12px;font-family: 'Open Sans', sans-serif; margin-bottom: 8px;">from feeding on fantasies<br />
<span style="letter-spacing: 4px;text-transform: lowercase;">Nepenthe & Mieszko # 14.05.1NZK # Unterer Ring - Im Großen Brunnen # mitten in der Nacht/früh am Morgen, wie man’s sieht</span> </div></center><br />
Das knusprige Licht der Öllampen kämpfte gegen den Nebel an, der sich in feuchten Schwaden um den Großen Brunnen legte. Die provisorisch aufgestellten Bänke und Tische, allesamt in einem ramponierten Zustand, voller Kerben und Dellen, die von gezogenen Messern bei eskalierten Kartenspielen und auf den Tisch geknallten Humpen herrührten, waren nur noch vereinzelt besetzt. Es waren immer die gleichen Gesichter, die sich bis in den frühen Morgen über ihre Getränke oder zerfledderte Karten beugten; unzufrieden mit den Füßen scharrende Söldner, rastlos zuckende Blicke — aber niemand hier erwartete, um diese Uhrzeit noch einen neuen Auftrag zu bekommen. Geschweige denn, dass sich ein Krimineller direkt vor ihre Nase verirrte. Nein, pflanzte man sich erst einmal im Brunnen an einen Tisch, über dem das Zelttuch im Nachtwind rastlos knatterte, blieb man dort auch kleben. So lange, bis die Beine sich wie Pudding anfühlten, die Wangen feuerrot vom Alkohol waren und man entweder sein Geld bei einem peinlich ernsten Kartenspiel verloren hatte oder bis man nicht mehr den Boden seines Humpens erreichte, sondern einen Rest zurückließ, während man wie ein Baum im Wald erst leise und dann mit einem mächtigen <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Buff</span> von seinem Stuhl sackte.<br />
Nepsi war eines der bekannteren Gesichter; nur dass sie sich nicht über ein alkoholisches Getränk beugte, sondern über ein Glas Litschilimonade hinweg blinzelte. Von ihrem Platz aus, der absichtlich so weit wie möglich von der Bar und dem dahinter werkelnden Barmann entfernt lag, hatte sie alles gut im Blick. Hinter ihr befand sich nichts außer ein fest in den Boden gerammter Pfahl, der eine Ecke eines rechtwinkligen Zelttuchs über ihre Köpfe gespannt hielt. Mit dem Rücken zur Wand, könnte man sagen, nur dass die Wand leicht zu entfernen wäre. Also war sie kein in die Ecke gedrängtes Tier, sondern in einer außerordentlich praktischen Position, in der ihr nichts entging. Weder das bebende Knie des Söldners mit der Hasenscharte zwei Tische weiter, dessen Augen nichts mehr erfassten, sondern in sich gekehrt waren — verloren in Gedanken, die nicht einmal Nepsi berühren konnte —, noch das Klimpern von Münzen, als an der Bank direkt vor der Bar ein Kartenspiel schlecht für jemanden ausging. Grimmig, dieses Geräusch, als der Bärtige mit den blutunterlaufenen Augen sein Geld über den unebenen Tisch schob und dann abrupt aufstand, mit einem unverständlichen Fluch seinen Humpen ergriff und wegstolperte. Hin zur Bar, wo er sich umständlich über den Tresen lehnte und »noch ‘n … ‘sgleiche« verlangte.<br />
Sie verfolgte ihn schon eine Weile mit geschärftem Blick, ohne dass er sich dessen bewusst war. Als sie den Brunnen betreten und ihre Limo bestellt hatte, hatte sie vielleicht der ein oder andere gemustert, sah man ihren von der Kindheit noch runden Cherubswangen an, wie jung sie sein musste — aber nachdem Felen, ein besoffener Hehler, für sie gebürgt hatte, indem er ihr Haar zerzauste und großzügig ihre Limonade für sie bezahlte, war die Musterung zu Ende gewesen. Der Barmann warf ihr immer mal einen Blick zu, wie als würde er sich fragen, wann ihre Eltern vorbeischneien und sie auf ihr Zimmer schicken würden, aber sie tat so, als würde sie das nicht bemerken. Er war auch nur eine krumme Nase von vielen, wenn auch eine ihr unbekannte.<br />
Eine Weile war sie zwischen den Tischen entlangspaziert, aber seit zwei Limonaden verschwamm sie im Hintergrund. Zu aufgedreht, um in das Hauptquartier zurückzukehren, in dem vermutlich eine stille Kammer auf sie wartete, deren Wände leicht bebten, jedesmal, wenn Brusk im Schlaf Bäume niedersäbelte, und doch zu erschöpft vom Tag, um großartig Theater zu machen. Ihre Handflächen kribbelten. Felen taumelte irgendwann nach Hause, sagte nicht mal Tschüss, als habe er ihre Existenz schon wieder vergessen, und Nepsi tätschelte in ihrer ausgebeulten Jacke Furzis Rüssel, während sie sich ein Opfer aussuchte. Der Bärtige mit den tiefliegenden Augen war ein leichtes Ziel — seit Stunden verlor er sein Geld bei Kartenspielen und begann immer verzweifelter zu trinken. Was zur Hölle war es, was Menschen auf dem Grund eines tiefen Humpens zu finden glaubten? So, wie er manchmal in sein Getränk stierte, erwog es den Anschein, als sei er auf der Suche nach etwas. Er warf den Kopf in den Nacken, leerte seinen Becher, wie als würde er dieses Etwas schlucken wollen … oder eher <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">müssen</span>.<br />
Seine Münzen waren ihr egal, sonst hätte sie ihn wohl nur zu einem Spiel herausfordern müssen, um es ihm ohne Probleme abzuluchsen: einerseits weil man sie leicht unterschätzte, und andererseits weil sie eine Lüge, insbesondere bei jemandem, der zu betrunken für mehr als ein halbgares Pokerface war, tausend Meilen gegen den Wind roch. Stattdessen war es sein Ledermantel, der ihm beinahe bis zu den Knöcheln ging, der es ihr angetan hatte. Er würde sich fantastisch an ihr machen. Der Mantel gehörte ihr, sie musste nur noch den Mann aus ihm raus kriegen, der ihn fälschlicherweise für sein Eigentum handelte.<br />
Sobald er sich also umständlich, ohne sich noch großartig unter Kontrolle zu haben, auf dem Tresen abstützte und dem Barmann im Laufe seiner gelallten Bestellung beinahe mit dem Finger in der Nase bohrte, verließ Nepsi ihren Platz am Zeltpfahl und tänzelte näher. Die Hand, die den Rüssel der schlummernden Furzkanone in ihrer Jacke getätschelt hatte, strich über den hölzernen Rand des Bartresens, fand den Arm des Besoffenen. Ohne Schwierigkeiten hob sie jenen an und legte ihn sich über die Schulter, »Opiii, wie viel hast du denn gesoffen«, zwitscherte sie freundlich, »komm, ich bring dich nach Hause.«<br />
<br />
<span style="font-size: x-small;" class="mycode_size">// trash.</span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<link href="https://fonts.googleapis.com/css2?family=Playfair+Display:wght@600&display=swap" rel="stylesheet">    <center><div style="font-size: 22px;font-family: 'Playfair Display', serif; text-transform: uppercase;">The heart grows brutal</div>
<div style="margin-top: -5px;text-transform: uppercase; font-size: 9px; letter-spacing: 3px; line-height: 12px;font-family: 'Open Sans', sans-serif; margin-bottom: 8px;">from feeding on fantasies<br />
<span style="letter-spacing: 4px;text-transform: lowercase;">Nepenthe & Mieszko # 14.05.1NZK # Unterer Ring - Im Großen Brunnen # mitten in der Nacht/früh am Morgen, wie man’s sieht</span> </div></center><br />
Das knusprige Licht der Öllampen kämpfte gegen den Nebel an, der sich in feuchten Schwaden um den Großen Brunnen legte. Die provisorisch aufgestellten Bänke und Tische, allesamt in einem ramponierten Zustand, voller Kerben und Dellen, die von gezogenen Messern bei eskalierten Kartenspielen und auf den Tisch geknallten Humpen herrührten, waren nur noch vereinzelt besetzt. Es waren immer die gleichen Gesichter, die sich bis in den frühen Morgen über ihre Getränke oder zerfledderte Karten beugten; unzufrieden mit den Füßen scharrende Söldner, rastlos zuckende Blicke — aber niemand hier erwartete, um diese Uhrzeit noch einen neuen Auftrag zu bekommen. Geschweige denn, dass sich ein Krimineller direkt vor ihre Nase verirrte. Nein, pflanzte man sich erst einmal im Brunnen an einen Tisch, über dem das Zelttuch im Nachtwind rastlos knatterte, blieb man dort auch kleben. So lange, bis die Beine sich wie Pudding anfühlten, die Wangen feuerrot vom Alkohol waren und man entweder sein Geld bei einem peinlich ernsten Kartenspiel verloren hatte oder bis man nicht mehr den Boden seines Humpens erreichte, sondern einen Rest zurückließ, während man wie ein Baum im Wald erst leise und dann mit einem mächtigen <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Buff</span> von seinem Stuhl sackte.<br />
Nepsi war eines der bekannteren Gesichter; nur dass sie sich nicht über ein alkoholisches Getränk beugte, sondern über ein Glas Litschilimonade hinweg blinzelte. Von ihrem Platz aus, der absichtlich so weit wie möglich von der Bar und dem dahinter werkelnden Barmann entfernt lag, hatte sie alles gut im Blick. Hinter ihr befand sich nichts außer ein fest in den Boden gerammter Pfahl, der eine Ecke eines rechtwinkligen Zelttuchs über ihre Köpfe gespannt hielt. Mit dem Rücken zur Wand, könnte man sagen, nur dass die Wand leicht zu entfernen wäre. Also war sie kein in die Ecke gedrängtes Tier, sondern in einer außerordentlich praktischen Position, in der ihr nichts entging. Weder das bebende Knie des Söldners mit der Hasenscharte zwei Tische weiter, dessen Augen nichts mehr erfassten, sondern in sich gekehrt waren — verloren in Gedanken, die nicht einmal Nepsi berühren konnte —, noch das Klimpern von Münzen, als an der Bank direkt vor der Bar ein Kartenspiel schlecht für jemanden ausging. Grimmig, dieses Geräusch, als der Bärtige mit den blutunterlaufenen Augen sein Geld über den unebenen Tisch schob und dann abrupt aufstand, mit einem unverständlichen Fluch seinen Humpen ergriff und wegstolperte. Hin zur Bar, wo er sich umständlich über den Tresen lehnte und »noch ‘n … ‘sgleiche« verlangte.<br />
Sie verfolgte ihn schon eine Weile mit geschärftem Blick, ohne dass er sich dessen bewusst war. Als sie den Brunnen betreten und ihre Limo bestellt hatte, hatte sie vielleicht der ein oder andere gemustert, sah man ihren von der Kindheit noch runden Cherubswangen an, wie jung sie sein musste — aber nachdem Felen, ein besoffener Hehler, für sie gebürgt hatte, indem er ihr Haar zerzauste und großzügig ihre Limonade für sie bezahlte, war die Musterung zu Ende gewesen. Der Barmann warf ihr immer mal einen Blick zu, wie als würde er sich fragen, wann ihre Eltern vorbeischneien und sie auf ihr Zimmer schicken würden, aber sie tat so, als würde sie das nicht bemerken. Er war auch nur eine krumme Nase von vielen, wenn auch eine ihr unbekannte.<br />
Eine Weile war sie zwischen den Tischen entlangspaziert, aber seit zwei Limonaden verschwamm sie im Hintergrund. Zu aufgedreht, um in das Hauptquartier zurückzukehren, in dem vermutlich eine stille Kammer auf sie wartete, deren Wände leicht bebten, jedesmal, wenn Brusk im Schlaf Bäume niedersäbelte, und doch zu erschöpft vom Tag, um großartig Theater zu machen. Ihre Handflächen kribbelten. Felen taumelte irgendwann nach Hause, sagte nicht mal Tschüss, als habe er ihre Existenz schon wieder vergessen, und Nepsi tätschelte in ihrer ausgebeulten Jacke Furzis Rüssel, während sie sich ein Opfer aussuchte. Der Bärtige mit den tiefliegenden Augen war ein leichtes Ziel — seit Stunden verlor er sein Geld bei Kartenspielen und begann immer verzweifelter zu trinken. Was zur Hölle war es, was Menschen auf dem Grund eines tiefen Humpens zu finden glaubten? So, wie er manchmal in sein Getränk stierte, erwog es den Anschein, als sei er auf der Suche nach etwas. Er warf den Kopf in den Nacken, leerte seinen Becher, wie als würde er dieses Etwas schlucken wollen … oder eher <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">müssen</span>.<br />
Seine Münzen waren ihr egal, sonst hätte sie ihn wohl nur zu einem Spiel herausfordern müssen, um es ihm ohne Probleme abzuluchsen: einerseits weil man sie leicht unterschätzte, und andererseits weil sie eine Lüge, insbesondere bei jemandem, der zu betrunken für mehr als ein halbgares Pokerface war, tausend Meilen gegen den Wind roch. Stattdessen war es sein Ledermantel, der ihm beinahe bis zu den Knöcheln ging, der es ihr angetan hatte. Er würde sich fantastisch an ihr machen. Der Mantel gehörte ihr, sie musste nur noch den Mann aus ihm raus kriegen, der ihn fälschlicherweise für sein Eigentum handelte.<br />
Sobald er sich also umständlich, ohne sich noch großartig unter Kontrolle zu haben, auf dem Tresen abstützte und dem Barmann im Laufe seiner gelallten Bestellung beinahe mit dem Finger in der Nase bohrte, verließ Nepsi ihren Platz am Zeltpfahl und tänzelte näher. Die Hand, die den Rüssel der schlummernden Furzkanone in ihrer Jacke getätschelt hatte, strich über den hölzernen Rand des Bartresens, fand den Arm des Besoffenen. Ohne Schwierigkeiten hob sie jenen an und legte ihn sich über die Schulter, »Opiii, wie viel hast du denn gesoffen«, zwitscherte sie freundlich, »komm, ich bring dich nach Hause.«<br />
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<span style="font-size: x-small;" class="mycode_size">// trash.</span>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[I will not kill you – I will break you!]]></title>
			<link>https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1552</link>
			<pubDate>Mon, 13 Dec 2021 12:01:33 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/member.php?action=profile&uid=314">Athos</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1552</guid>
			<description><![CDATA[Die Sonne war auf dem Weg in absehbarer Zeit hinterm Horizont zu verschwinden. Langsam und gemächlich wurde die Natur um das einsame Landhaus in ein hübsches, warmes orangerotes Licht getaucht. Eine laue, sanfte Brise flog über die freie Ebene hinfort, wog die einzelnen Halme mit sich und trug den beruhigenden Klang der rauschenden Wellen mit sich. Ein wundervoll idyllisches Fleckchen Erde und wäre dieses Landhaus nicht einfach nur ein Stück verfallene Ruine, so würde sogar Athos dem Ambiente etwas abgewinnen können. Doch was er sah, war eine Reihe an maroden Holz und baufälliges Gebälk. Alles weit unter seinem Niveau, dies verstand sich ja hoffentlich von selbst. <br />
<br />
Im Gebäude selbst war ein heilloses Durcheinander entstanden. Sofort nach dem Eintreffen der dreiköpfigen Menschenhändlergruppe schien Pollux geahnt zu haben, dass die Anwesenheit der Männer nichts Gutes bedeuten konnte. Mit Händen und Füßen hatte sich der Bursche zur Wehr gesetzt und versuchte mit allem ihm zur Verfügung stehenden Mitteln die Eindringlinge von sich fern zu halten. Lang dauerte dieses Spiel jedoch nicht. Schnell konnte ihn einer von Athos Männern überwältigen und mit einem gezielten Schlag auf den Hinterkopf außer Gefecht setzen. Es war immer wieder erstaunlich, wie friedlich so eine Bewusstlosigkeit aussehen konnte. Der Erdbändiger grinste selbstgefällig in sich hinein bei diesem Gedanken: Tosendes Geschrei, fliegende Tonschalen und zack! Allumfassende stille und das lieblich frivole Zwitschern sorgenloser Vögelchen im Hintergrund. <br />
Auch wenn Pollux Wehrhaftigkeit schnell als ‚Problem‘ beseitigt werden konnte, war nicht alles nach Plan verlaufen. Kastor hatte ihn zwei Menschen versprochen. Einen Kerl, der sich wunderbar für die Feldarbeit eignen sollte – Dank der Erntesaison war Pollux sofort und angesehen verkauft worden – und eine, angeblich recht ansehnliche junge Frau. Nevin. Von eben dieser fehlte jeder Spur. Da sich neben all dem Gerümpel aber auch Habseligkeiten befanden, die eindeutig einer Frau zuzuordnen waren, entschied sich Athos, Kastor noch eine Chance einzuräumen. Mit dem bewusstlosen Körper Pollux war die vergitterte Ladefläche der Kutsche sowieso schon ausreichend gefüllt. Die Männer hatten entschieden, den Knaben direkt bei seinem neuen Besitzer abzuliefern und anschließend Nevin diese zu pferchen, bis man entschied, für welche Arbeiten sie geeignet war. Athos würde auf, in dieser Zeit auf sie warten. Bis zum Rückkehr der Kutsche wurde er die Trulla schon in Schach halten können, darüber verschwendete er nicht im Ansatz eine Sorge. <br />
<br />
Lässig stand der Mann, den seine Mitarbeiter nur „Boss“ nannten, direkt im Eingangsbereich des verfallenen Gebäudes, wenige Schritte von der Tür entfernt. Gelangweilt schob er mit den Füßen die Tonscheiben umher bastelte so ein kleines Mosaikbild, was blieb ihm sonst als Zeitvertreib? Aus seinem Mundwinkel ragte eine halbverglommene Zigarette. Es würde bald dunkel werden, deshalb hegte er die Hoffnung, dass das Weibsbild in den nächsten Minuten auftauchen müsste, wenn sie nicht in der Nacht von Raubtieren angefallen werden wollte. Vorausgesetzt sie existierte, falls nicht, würde Kastor in seinem Leben wohl nie wieder ein solch erleichtertes Lächeln zeigen, wie in dem Moment, als er mit Athos den Verkauf der Seelen von Pollux und Nevin mit einen Handschlag besiegelte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Die Sonne war auf dem Weg in absehbarer Zeit hinterm Horizont zu verschwinden. Langsam und gemächlich wurde die Natur um das einsame Landhaus in ein hübsches, warmes orangerotes Licht getaucht. Eine laue, sanfte Brise flog über die freie Ebene hinfort, wog die einzelnen Halme mit sich und trug den beruhigenden Klang der rauschenden Wellen mit sich. Ein wundervoll idyllisches Fleckchen Erde und wäre dieses Landhaus nicht einfach nur ein Stück verfallene Ruine, so würde sogar Athos dem Ambiente etwas abgewinnen können. Doch was er sah, war eine Reihe an maroden Holz und baufälliges Gebälk. Alles weit unter seinem Niveau, dies verstand sich ja hoffentlich von selbst. <br />
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Im Gebäude selbst war ein heilloses Durcheinander entstanden. Sofort nach dem Eintreffen der dreiköpfigen Menschenhändlergruppe schien Pollux geahnt zu haben, dass die Anwesenheit der Männer nichts Gutes bedeuten konnte. Mit Händen und Füßen hatte sich der Bursche zur Wehr gesetzt und versuchte mit allem ihm zur Verfügung stehenden Mitteln die Eindringlinge von sich fern zu halten. Lang dauerte dieses Spiel jedoch nicht. Schnell konnte ihn einer von Athos Männern überwältigen und mit einem gezielten Schlag auf den Hinterkopf außer Gefecht setzen. Es war immer wieder erstaunlich, wie friedlich so eine Bewusstlosigkeit aussehen konnte. Der Erdbändiger grinste selbstgefällig in sich hinein bei diesem Gedanken: Tosendes Geschrei, fliegende Tonschalen und zack! Allumfassende stille und das lieblich frivole Zwitschern sorgenloser Vögelchen im Hintergrund. <br />
Auch wenn Pollux Wehrhaftigkeit schnell als ‚Problem‘ beseitigt werden konnte, war nicht alles nach Plan verlaufen. Kastor hatte ihn zwei Menschen versprochen. Einen Kerl, der sich wunderbar für die Feldarbeit eignen sollte – Dank der Erntesaison war Pollux sofort und angesehen verkauft worden – und eine, angeblich recht ansehnliche junge Frau. Nevin. Von eben dieser fehlte jeder Spur. Da sich neben all dem Gerümpel aber auch Habseligkeiten befanden, die eindeutig einer Frau zuzuordnen waren, entschied sich Athos, Kastor noch eine Chance einzuräumen. Mit dem bewusstlosen Körper Pollux war die vergitterte Ladefläche der Kutsche sowieso schon ausreichend gefüllt. Die Männer hatten entschieden, den Knaben direkt bei seinem neuen Besitzer abzuliefern und anschließend Nevin diese zu pferchen, bis man entschied, für welche Arbeiten sie geeignet war. Athos würde auf, in dieser Zeit auf sie warten. Bis zum Rückkehr der Kutsche wurde er die Trulla schon in Schach halten können, darüber verschwendete er nicht im Ansatz eine Sorge. <br />
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Lässig stand der Mann, den seine Mitarbeiter nur „Boss“ nannten, direkt im Eingangsbereich des verfallenen Gebäudes, wenige Schritte von der Tür entfernt. Gelangweilt schob er mit den Füßen die Tonscheiben umher bastelte so ein kleines Mosaikbild, was blieb ihm sonst als Zeitvertreib? Aus seinem Mundwinkel ragte eine halbverglommene Zigarette. Es würde bald dunkel werden, deshalb hegte er die Hoffnung, dass das Weibsbild in den nächsten Minuten auftauchen müsste, wenn sie nicht in der Nacht von Raubtieren angefallen werden wollte. Vorausgesetzt sie existierte, falls nicht, würde Kastor in seinem Leben wohl nie wieder ein solch erleichtertes Lächeln zeigen, wie in dem Moment, als er mit Athos den Verkauf der Seelen von Pollux und Nevin mit einen Handschlag besiegelte.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[color my life with the chaos of trouble]]></title>
			<link>https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1461</link>
			<pubDate>Wed, 27 Oct 2021 17:23:38 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/member.php?action=profile&uid=186">Nevin</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1461</guid>
			<description><![CDATA[Zerbrechlichkeiten. Nevin hatte einen Hang zu den fragilen, zerbrechlichen und kaputten Dingen. Sie sammelte allerlei Nippes und Schrott, hatte im unteren Ring mehrere Verstecke mit Zeug, das sie über die letzten Monate zusammengetragen hatte und die für sie von irgendeiner Bedeutung waren. Verlorene Gegenstände, kaputte Dinge und manchmal einfach nur irgendwelche Seltsamkeiten, die ihr über den Weg liefen. Irgendetwas faszinierte sie daran. Als die alte Ursel gestorben war, hatte Nevin aus ihren Vorräten an Plunder und Zeugs ein kleines Denkmal an der Ecke gebaut, wo die unfreundliche Frau mit den gammelnden Zähnen über Jahre gesessen hatte. Eine kleine Freundlichkeit, die Nevin ihr zu Lebzeiten nicht hatte entgegenbringen können, denn eigentlich hatte sie Ursel nicht leiden können. Aber dass die Frau, die für Nevin so sehr zu dem Stadtbild gehörte und Grund war, weshalb sie immer wieder ihre Ecke vermieden hatte, einfach starb und von der Welt vergessen wurde, war für sie unerträglich. Nevin vergaß nicht, niemals. Und sie hing verzweifelt an diesen seltsamen Dingen, die ihren Alltag strukturierte und für andere nur schwer Sinn ergaben. Sie war an keinem Beruf dieser Welt interessiert, aber sie hatte sich andere Dinge zur Aufgabe gemacht, die sie akribisch und detailverliebt verfolgte.<br />
 <br />
Wenn man Nevin so sah, würde man sie nur schwer als eitel oder geschmackvoll bezeichnen können, aber sie hatte durchaus eine engmaschige Vorstellung davon und ein schöngeistiges Naturell, das vielleicht einfach nicht so sehr hinein passen wollte. Sie trug wilde Blumen in den zerzausten Locken. Manche in zarter Blüte, manche verwelkt und manche nicht mehr als ein Blatt oder ein Stengel, die sich noch im dunklen Haar verfingen. Das helle Leinenkleid mit dem zerschlissenen, schmutzigen Saum hing an ihr herunter wie ein Sack und verbarg nur spärlich, die viel zu dürren Gliedmaßen der Streunerin. Seit sie ihren Bruder wiedergefunden hatte und dieser Acht darauf gab, dass sie zumindest hin und wieder eine richtige Mahlzeit bekam, spannte sich ihre Haut nicht mehr ganz so eng bloß über die Knochen. Sie hatte zugenommen, aber gesund und stark war ihr Körper doch nicht. In den Sommermonaten roch sie nach dem Staub der Straßen und die Sonne zeichnete die ungesunde Haut dunkler. Sie lief barfuß, immer barfuß und immer mit demselben Ausdruck vorsichtigen Misstrauens in den dunklen Augen. Nevin sah nicht aus wie eine der Heldinnen der Geschichten, die sie als kleines Mädchen so gern gehört hatte. Da war nichts edles, vornehmliches an ihr. Viel eher ähnelte sie dem kauzigen Waldschrat aus den Schreckensgeschichten, die Kinder davor warnen sollte vom Wanderweg abzukommen. Oder vielleicht einem dieser nymphenhaften Traumgestalten aus den Märchen ihrer Mutter, die nur in rätselhaften Singsang sprachen. Die Wahrheit lag vermutlich dazwischen und im Grunde war ihre verwahrloste Gestalt unauffällig, keinen zweiten Blick wert. Sie gehörte zu den Unsichtbaren dieser Welt, den Vergessenen. Den tragischen Schicksalen des unteren Rings, die irgendwann endeten und keinerlei Beachtung fanden. Nevin suchte nicht nach Geltung und unter dem Mantel der Ungesehenen, fühlte sie sich geschützt und sicher. Aber sie fühlte sich auch verantwortlich. Für all die Dinge, die nicht gesehen wurden. Für die Unsichtbaren, für die Vergessenen. Für die kaputten Dinge und das Zerbrechliche.<br />
<br />
Im unteren Ring wimmelte und tummelte es sich vor lauter Dingen, die nicht ganz intakt waren. Vieles davon konnte man sammeln. So war Nevin stolze Besitzerin eines Beutels voller Scherben. Andere Dinge mussten an eine andere Stelle gebracht werden und wieder andere konnten sich nicht fortbewegen. Vornehmlich waren das Risse und Brüche in Häuserwänden und Mauern. Die alten Gebäude würden oft brüchig. Manchmal durchzogen sie bloß feine Linien, manchmal riesige Brüche wie klaffende Wunden. Und genau diese kleinen und großen Zerbrechlichkeiten hatte Nevin sich zur Aufgabe gemacht. Sie malte über diese Stellen etwas Schönes. Kitschige Wandbilder von feinen Blumen, buntem Farbgewirr und fragilen Mustern. Manchmal waren es nur winzig kleine Bilder, manchmal bemalte sie ganze Wände in tagelanger Feinarbeit. Sie machte aus dem Kaputten wieder etwas Schönes. Das hatte natürlich seine ganz eigene Poesie, die in vielerlei Augen lächerlich und albern erscheinen mochte, aber Nevin so etwas wichtig. Ihr lagen diese Dinge nah am Herzen. Und es war <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">ihre</span> Aufgabe, die Risse des Unteren zu schmücken. Zuerst hatte sie gedacht, dass es ein Zufall war als sie eine Erweiterung bei einem ihrer Bilder gesehen hatte. Dann war es ihr immer und immer wieder aufgefallen, dass jemand zu einem Pinsel griff und die Stellen, die sie verschönerte mit eigener Handschrift weiter versah. Vielleicht hätte sie darüber ärgerlich sein sollen, aber sie war es nicht. Vielmehr war es für Nevin zu einem Spiel geworden. Zu einer seltsamem Gespräch über Formen und Farben. Und als sie nun in dem violetten Licht der Dämmerung zu der Mauer spazierte, die sie mit einem kleinen Bild versehen hatte, war sie sogar ein klein wenig aufgeregt. Ob schon genug Zeit verstrichen war, um eine Antwort zu erhalten oder ob sie bloß auf ihr eigen Gemaltes blicken würde.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Zerbrechlichkeiten. Nevin hatte einen Hang zu den fragilen, zerbrechlichen und kaputten Dingen. Sie sammelte allerlei Nippes und Schrott, hatte im unteren Ring mehrere Verstecke mit Zeug, das sie über die letzten Monate zusammengetragen hatte und die für sie von irgendeiner Bedeutung waren. Verlorene Gegenstände, kaputte Dinge und manchmal einfach nur irgendwelche Seltsamkeiten, die ihr über den Weg liefen. Irgendetwas faszinierte sie daran. Als die alte Ursel gestorben war, hatte Nevin aus ihren Vorräten an Plunder und Zeugs ein kleines Denkmal an der Ecke gebaut, wo die unfreundliche Frau mit den gammelnden Zähnen über Jahre gesessen hatte. Eine kleine Freundlichkeit, die Nevin ihr zu Lebzeiten nicht hatte entgegenbringen können, denn eigentlich hatte sie Ursel nicht leiden können. Aber dass die Frau, die für Nevin so sehr zu dem Stadtbild gehörte und Grund war, weshalb sie immer wieder ihre Ecke vermieden hatte, einfach starb und von der Welt vergessen wurde, war für sie unerträglich. Nevin vergaß nicht, niemals. Und sie hing verzweifelt an diesen seltsamen Dingen, die ihren Alltag strukturierte und für andere nur schwer Sinn ergaben. Sie war an keinem Beruf dieser Welt interessiert, aber sie hatte sich andere Dinge zur Aufgabe gemacht, die sie akribisch und detailverliebt verfolgte.<br />
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Wenn man Nevin so sah, würde man sie nur schwer als eitel oder geschmackvoll bezeichnen können, aber sie hatte durchaus eine engmaschige Vorstellung davon und ein schöngeistiges Naturell, das vielleicht einfach nicht so sehr hinein passen wollte. Sie trug wilde Blumen in den zerzausten Locken. Manche in zarter Blüte, manche verwelkt und manche nicht mehr als ein Blatt oder ein Stengel, die sich noch im dunklen Haar verfingen. Das helle Leinenkleid mit dem zerschlissenen, schmutzigen Saum hing an ihr herunter wie ein Sack und verbarg nur spärlich, die viel zu dürren Gliedmaßen der Streunerin. Seit sie ihren Bruder wiedergefunden hatte und dieser Acht darauf gab, dass sie zumindest hin und wieder eine richtige Mahlzeit bekam, spannte sich ihre Haut nicht mehr ganz so eng bloß über die Knochen. Sie hatte zugenommen, aber gesund und stark war ihr Körper doch nicht. In den Sommermonaten roch sie nach dem Staub der Straßen und die Sonne zeichnete die ungesunde Haut dunkler. Sie lief barfuß, immer barfuß und immer mit demselben Ausdruck vorsichtigen Misstrauens in den dunklen Augen. Nevin sah nicht aus wie eine der Heldinnen der Geschichten, die sie als kleines Mädchen so gern gehört hatte. Da war nichts edles, vornehmliches an ihr. Viel eher ähnelte sie dem kauzigen Waldschrat aus den Schreckensgeschichten, die Kinder davor warnen sollte vom Wanderweg abzukommen. Oder vielleicht einem dieser nymphenhaften Traumgestalten aus den Märchen ihrer Mutter, die nur in rätselhaften Singsang sprachen. Die Wahrheit lag vermutlich dazwischen und im Grunde war ihre verwahrloste Gestalt unauffällig, keinen zweiten Blick wert. Sie gehörte zu den Unsichtbaren dieser Welt, den Vergessenen. Den tragischen Schicksalen des unteren Rings, die irgendwann endeten und keinerlei Beachtung fanden. Nevin suchte nicht nach Geltung und unter dem Mantel der Ungesehenen, fühlte sie sich geschützt und sicher. Aber sie fühlte sich auch verantwortlich. Für all die Dinge, die nicht gesehen wurden. Für die Unsichtbaren, für die Vergessenen. Für die kaputten Dinge und das Zerbrechliche.<br />
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Im unteren Ring wimmelte und tummelte es sich vor lauter Dingen, die nicht ganz intakt waren. Vieles davon konnte man sammeln. So war Nevin stolze Besitzerin eines Beutels voller Scherben. Andere Dinge mussten an eine andere Stelle gebracht werden und wieder andere konnten sich nicht fortbewegen. Vornehmlich waren das Risse und Brüche in Häuserwänden und Mauern. Die alten Gebäude würden oft brüchig. Manchmal durchzogen sie bloß feine Linien, manchmal riesige Brüche wie klaffende Wunden. Und genau diese kleinen und großen Zerbrechlichkeiten hatte Nevin sich zur Aufgabe gemacht. Sie malte über diese Stellen etwas Schönes. Kitschige Wandbilder von feinen Blumen, buntem Farbgewirr und fragilen Mustern. Manchmal waren es nur winzig kleine Bilder, manchmal bemalte sie ganze Wände in tagelanger Feinarbeit. Sie machte aus dem Kaputten wieder etwas Schönes. Das hatte natürlich seine ganz eigene Poesie, die in vielerlei Augen lächerlich und albern erscheinen mochte, aber Nevin so etwas wichtig. Ihr lagen diese Dinge nah am Herzen. Und es war <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">ihre</span> Aufgabe, die Risse des Unteren zu schmücken. Zuerst hatte sie gedacht, dass es ein Zufall war als sie eine Erweiterung bei einem ihrer Bilder gesehen hatte. Dann war es ihr immer und immer wieder aufgefallen, dass jemand zu einem Pinsel griff und die Stellen, die sie verschönerte mit eigener Handschrift weiter versah. Vielleicht hätte sie darüber ärgerlich sein sollen, aber sie war es nicht. Vielmehr war es für Nevin zu einem Spiel geworden. Zu einer seltsamem Gespräch über Formen und Farben. Und als sie nun in dem violetten Licht der Dämmerung zu der Mauer spazierte, die sie mit einem kleinen Bild versehen hatte, war sie sogar ein klein wenig aufgeregt. Ob schon genug Zeit verstrichen war, um eine Antwort zu erhalten oder ob sie bloß auf ihr eigen Gemaltes blicken würde.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Sie tanzt alleine]]></title>
			<link>https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1435</link>
			<pubDate>Sat, 02 Oct 2021 21:31:58 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/member.php?action=profile&uid=295">Ashrak</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1435</guid>
			<description><![CDATA[Laut ging es in der Kneipe her. An unzähligen Tischen sammelten sich noch mehr Gesichter, vor ihnen Krüge voller Bier und anderer Getränke, die die Sinne benebelten. Eine Kakophonie aus Stimmen - grölend wie wispernd - füllte die Luft. Es war fast betäubend. Schier unmöglich irgendwelchen Gesprächen zu lauschen, die nicht sowieso so laut geführt wurden, dass jeder sie hören konnte. Sie boten selten irgendeinen Wert. Allerdings war er gerade auch nicht im Dienst. Das Bier vor seiner Nase, geschweige denn die fünf davor, hätte er sich sonst definitiv nicht erlaubt. Nein, dieser Abend war ganz alleine zu seinem Vergnügen außerhalb der Aufgaben als Dai Li. Das seine Gesellschaft trotzdem rein aus Mitgliedern dieser bestand war eher Teil davon, als ein Hindernis.<br />
Die Handvoll an jungen Männern hatte erst kürzlich ihre Ausbildung abgeschlossen und waren zu vollwertigen Mitgliedern des Geheimdienstes geworden. Das gehörte, selbst bei einer Gruppe wie ihnen, natürlich gefeiert. Genauso selbstverständlich hatte man dazu eine offene Einladung an die älteren Mitglieder ausgesprochen. Ashrak war vollkommen klar, dass sie dabei nicht damit gerechnet hatten, dass ausgerechnet er mitkommen würde. Unter anderen Umständen hätte man ihn nicht eingeladen. Das tat kaum einer. Im Grunde nur Kuranosuke, dieser dafür aber bereits von Anfang an. Dafür mieden ihn seine gleichgestellten Kollegen viel zu sehr - und den Jüngeren war das natürlich genauso wenig entgangen, wie die Dinge, die man über ihn hinter hervor gehaltener Hand flüsterte. Sie mochten zu Elite-Bändigern ausgebildet worden, vollwertige Dai Li sein, aber sie waren auch noch immer jung. Kein Wunder, dass sie sich vor ihm fürchteten. Jedes Mal, wenn er nach seinem Krug griff, konnte er aus den Augenwinkeln bemerken, wie der Mann neben ihm sich anspannte. Es erheiterte ihn. Dabei musste er ihnen anerkennen, dass sie es nach einigen Krügen Bier scheinbar geschafft hatten sich trotzdem genug Mut anzutrinken, um sich trotz seiner Anwesenheit mittlerweile angeregt zu unterhalten. Auf der anderen Seite ödete ihn das Gespräch an und selbst das Zucken seines Sitznachbarn verlor langsam seinen Reiz.<br />
Er löste seine Aufmerksamkeit von seiner Tischgesellschaft und ließ stattdessen den Blick aus beinahe schwarzen Pupillen über den Rest der Menschen im Raum wandern. Versuchte irgendetwas interessantes in den Gesprächen der Anderen aufzuschnappen. Kein Glück, was das anging. Nichts als belangloses Zeug. Zumindest bei dem, was er hören konnte. Hier und dort entdeckte er einen Tisch, an dem sich die Münder der Menschen bewegten, doch er hatte keine Chance auszumachen, was genau sie sagten. Enttäuschend. Der Lavabändiger griff nach seinem Krug, kümmerte sich gar nicht mehr um die Reaktionen an seinem eigenen Tisch, und kippte den Rest herunter. Als er ihn wieder absetzte, wurde sein Blick von einer Bewegung im Raum gefangen. Für ein paar Momente blieb er mit den Augen an der Frau hängen. Er erhob sich von seinem Platz, nahm nur am Rande belustigt wahr, wie seine jungen Kollegen ihn mit großen Augen ansahen wie das Hasenreh den Jäger.<br />
Kurze Zeit später stellte er sich in den Weg der kleinen Frau mit den Braids, die ihr über die Schultern fielen. Sommersprossen sprenkelten ihre Wangen wie Punkte den Marienkäfer. Die Luft war schwer mit dem Geruch nach Schweiß, doch er glaubte für einen Moment etwas erdiges, merkwürdig vertrautes aus ihrer Richtung zu riechen. Er hatte keine Ahnung, wohin sie gehen wollte oder woher sie kam; ob irgendjemand auf sie wartete. Er wollte, dass sie bei ihm blieb. "Ich will dich auf ein Getränk einladen."]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Laut ging es in der Kneipe her. An unzähligen Tischen sammelten sich noch mehr Gesichter, vor ihnen Krüge voller Bier und anderer Getränke, die die Sinne benebelten. Eine Kakophonie aus Stimmen - grölend wie wispernd - füllte die Luft. Es war fast betäubend. Schier unmöglich irgendwelchen Gesprächen zu lauschen, die nicht sowieso so laut geführt wurden, dass jeder sie hören konnte. Sie boten selten irgendeinen Wert. Allerdings war er gerade auch nicht im Dienst. Das Bier vor seiner Nase, geschweige denn die fünf davor, hätte er sich sonst definitiv nicht erlaubt. Nein, dieser Abend war ganz alleine zu seinem Vergnügen außerhalb der Aufgaben als Dai Li. Das seine Gesellschaft trotzdem rein aus Mitgliedern dieser bestand war eher Teil davon, als ein Hindernis.<br />
Die Handvoll an jungen Männern hatte erst kürzlich ihre Ausbildung abgeschlossen und waren zu vollwertigen Mitgliedern des Geheimdienstes geworden. Das gehörte, selbst bei einer Gruppe wie ihnen, natürlich gefeiert. Genauso selbstverständlich hatte man dazu eine offene Einladung an die älteren Mitglieder ausgesprochen. Ashrak war vollkommen klar, dass sie dabei nicht damit gerechnet hatten, dass ausgerechnet er mitkommen würde. Unter anderen Umständen hätte man ihn nicht eingeladen. Das tat kaum einer. Im Grunde nur Kuranosuke, dieser dafür aber bereits von Anfang an. Dafür mieden ihn seine gleichgestellten Kollegen viel zu sehr - und den Jüngeren war das natürlich genauso wenig entgangen, wie die Dinge, die man über ihn hinter hervor gehaltener Hand flüsterte. Sie mochten zu Elite-Bändigern ausgebildet worden, vollwertige Dai Li sein, aber sie waren auch noch immer jung. Kein Wunder, dass sie sich vor ihm fürchteten. Jedes Mal, wenn er nach seinem Krug griff, konnte er aus den Augenwinkeln bemerken, wie der Mann neben ihm sich anspannte. Es erheiterte ihn. Dabei musste er ihnen anerkennen, dass sie es nach einigen Krügen Bier scheinbar geschafft hatten sich trotzdem genug Mut anzutrinken, um sich trotz seiner Anwesenheit mittlerweile angeregt zu unterhalten. Auf der anderen Seite ödete ihn das Gespräch an und selbst das Zucken seines Sitznachbarn verlor langsam seinen Reiz.<br />
Er löste seine Aufmerksamkeit von seiner Tischgesellschaft und ließ stattdessen den Blick aus beinahe schwarzen Pupillen über den Rest der Menschen im Raum wandern. Versuchte irgendetwas interessantes in den Gesprächen der Anderen aufzuschnappen. Kein Glück, was das anging. Nichts als belangloses Zeug. Zumindest bei dem, was er hören konnte. Hier und dort entdeckte er einen Tisch, an dem sich die Münder der Menschen bewegten, doch er hatte keine Chance auszumachen, was genau sie sagten. Enttäuschend. Der Lavabändiger griff nach seinem Krug, kümmerte sich gar nicht mehr um die Reaktionen an seinem eigenen Tisch, und kippte den Rest herunter. Als er ihn wieder absetzte, wurde sein Blick von einer Bewegung im Raum gefangen. Für ein paar Momente blieb er mit den Augen an der Frau hängen. Er erhob sich von seinem Platz, nahm nur am Rande belustigt wahr, wie seine jungen Kollegen ihn mit großen Augen ansahen wie das Hasenreh den Jäger.<br />
Kurze Zeit später stellte er sich in den Weg der kleinen Frau mit den Braids, die ihr über die Schultern fielen. Sommersprossen sprenkelten ihre Wangen wie Punkte den Marienkäfer. Die Luft war schwer mit dem Geruch nach Schweiß, doch er glaubte für einen Moment etwas erdiges, merkwürdig vertrautes aus ihrer Richtung zu riechen. Er hatte keine Ahnung, wohin sie gehen wollte oder woher sie kam; ob irgendjemand auf sie wartete. Er wollte, dass sie bei ihm blieb. "Ich will dich auf ein Getränk einladen."]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[you're my worst and favorite nightmare]]></title>
			<link>https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1433</link>
			<pubDate>Sat, 02 Oct 2021 15:04:58 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/member.php?action=profile&uid=212">Elio</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://topsiegfried.like-a-hurricane.de/showthread.php?tid=1433</guid>
			<description><![CDATA[Ruhelos. Elio hatte sich nie gut zurücklehnen können und einem Tag dabei zusehen können, wie er sinnlos verstrich. Es fiel ihm zumeist sogar schwer stillzusitzen, wenn er aus irgendwelchen Gründen dazu verdonnert war. Woher diese Unruhe kam, die seinen Geist quälte, vermochte der Blutbändiger nicht zu sagen, so glaubte er durchaus, dass sie tiefere Gründe hatten. Aber er ließ für sich selbst die Begründung gelten, dass ihm seine Zeit schlicht zu kostbar war, um sie zu verschwenden. Lieber stürzte er sich in seine Arbeit, sein Training oder kurzweiligere Beschäftigungen, statt dazu verdammt zu sein eines Tages zu diesen elenden Tagträumern zu gehören oder sich an den Straßenrändern mit einem Freund zu treffen, um Pai-Sho zu spielen. Das war tatsächlich eine Schreckensvorstellung für ihn. Das Alltägliche, die Routine. Elio suchte nach mehr. Er strebte nach Ruhm und Anerkennung, danach, dass sein Name nicht vergessen würde, wenn er irgendwann nicht mehr auf dieser Erde verblieb. Aber so zielstrebig und fokussiert er oft wirken mochte, sein Lebenslauf allein verliert aufgrund der zahllosen Kapitel, dass er keine wirkliche Idee davon hatte, was genau er erreichen wollte. Ruhm und Ehre. Das waren große Begriffe und Elio wusste, was er sich davon erhoffte. Aber er wusste auch, dass sie unzählige Gesichter trugen. Er wollte unfassbar vermögend sein, wollte nie wieder einem anderen dienen als dem Geld, aber hinter der stoischen Miene waren diese Gedanken kein strukturierter Plan und das gab ihm ein seltsames Gefühl von Sinnlosigkeit. Obwohl er nicht glaubte, dass er nach einem Sinn oder einer Aufgabe suchte. Es war seltsam. Elio war rastlos. Getrieben von irgendetwas, dass er nicht zu benennen vermochte und ihm auf den Geist ging. Er verabscheute Dinge, die ihm ein Rätsel blieben. Umso schlimmer, wenn er sich selbst nicht einschätzen konnte. An manchen Tagen reagierte er kaum auf dieses seltsame, drängende Gefühl der Unruhe. Aber heute saß sie ihm Nacken, festgekrallt und nervtötend.<br />
Er tigerte nun seit einer Weile über den Basar, in der Hoffnung irgendetwas zu finden, dass ihn von diesem Gefühl befreite. Häufig begegnete er unter den Händlern Leute, die er aus seinen Zeiten zu See noch kannte. Offene Rechnungen begleichen oder alten Freund- und Feindschaften ein wenig Leben einzuhauchen, klang nach etwas, das dem trüben Tag einen Sinn geben könnte. Er hatte heute keine Aufträge, keine Kämpfe in der Arena und keine Verabredung. So hatte er vorsorglich diesen Tag freigelegt, da er in der Nacht für seinen letzten Auftraggeber eine kleine Konfrontation erledigt hatte. Es hatte aber nicht ansatzweise so viel Zeit gekostet, da der Mann bereits nach wenigen Sekunden schmerzerfüllter Schreie, das gesagt hatte, worauf Elio hinausgewollt hatte. Er streckte die Finger seiner Rechten aus, als würde er eine plötzliche Spannung füllen und ballte sie dann zur Faust. Die beringten Finger lösten sich wieder und der Blutbändiger vertrieb die Gedanken.<br />
Der Basar leuchteten in unterschiedlichen Farben. Sandfarbene Wände waren mit Pflanzen geschmückt und über den Straßenständen waren bunte Tücher gespannt. Körbe und Töpfe waren gefüllt mit allerlei Krempel. Fremde Düfte von Gewürzen und Speisen mischten sich mit der warmen Luft Ba Sing Ses. Eine Gruppe Bauchtänzerin hatte sich mit Gesang und Tamburin unter die Leute gemischt. Jedes Mal, wenn Elio die Glocken um ihre Gelenke spielerisch läuten hörte, machte er einen Schritt zur Seite - so war er den hübschen Augenaufschlägen nicht genug unterlegen, um die diebischen Finger nicht zu bemerken. Männer saßen hinter Kohlebecken und drehten gefächerte Spieße. Es roch nach Koriander und Minze. Und obwohl um ihn herum Trubel herrschte, konnte Elio nichts von dem bohrendem Kopfschmerz ablenken. Mit seinem alltäglich-übellaunigen Ausdruck schritt er über den Basar. Er trug eine schmuckvolle Tunika, die tief ausgeschnitten, die zahllosen Talismane und Ketten offenbarte. Sein Haar war erst frisch geflochten und mit goldenen Ringen versehen. An seiner Seite gingen die beiden Wölfe. Kiyoshi wie immer ein wenig voran, während Blümchen - der Wolf dessen Namen Elio niemals laut aussprach - wie immer eng an sein Bein geschmiegt lief. Er konnte die Sonne in seinem Nacken spüren. Sein Blick glitt über eine Schmuckauslage und kurz ließ er eine Goldkette durch seine Finger gleiten, bevor er sie auch zur Seite legte und sich wieder störrisch in Bewegung setzte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Ruhelos. Elio hatte sich nie gut zurücklehnen können und einem Tag dabei zusehen können, wie er sinnlos verstrich. Es fiel ihm zumeist sogar schwer stillzusitzen, wenn er aus irgendwelchen Gründen dazu verdonnert war. Woher diese Unruhe kam, die seinen Geist quälte, vermochte der Blutbändiger nicht zu sagen, so glaubte er durchaus, dass sie tiefere Gründe hatten. Aber er ließ für sich selbst die Begründung gelten, dass ihm seine Zeit schlicht zu kostbar war, um sie zu verschwenden. Lieber stürzte er sich in seine Arbeit, sein Training oder kurzweiligere Beschäftigungen, statt dazu verdammt zu sein eines Tages zu diesen elenden Tagträumern zu gehören oder sich an den Straßenrändern mit einem Freund zu treffen, um Pai-Sho zu spielen. Das war tatsächlich eine Schreckensvorstellung für ihn. Das Alltägliche, die Routine. Elio suchte nach mehr. Er strebte nach Ruhm und Anerkennung, danach, dass sein Name nicht vergessen würde, wenn er irgendwann nicht mehr auf dieser Erde verblieb. Aber so zielstrebig und fokussiert er oft wirken mochte, sein Lebenslauf allein verliert aufgrund der zahllosen Kapitel, dass er keine wirkliche Idee davon hatte, was genau er erreichen wollte. Ruhm und Ehre. Das waren große Begriffe und Elio wusste, was er sich davon erhoffte. Aber er wusste auch, dass sie unzählige Gesichter trugen. Er wollte unfassbar vermögend sein, wollte nie wieder einem anderen dienen als dem Geld, aber hinter der stoischen Miene waren diese Gedanken kein strukturierter Plan und das gab ihm ein seltsames Gefühl von Sinnlosigkeit. Obwohl er nicht glaubte, dass er nach einem Sinn oder einer Aufgabe suchte. Es war seltsam. Elio war rastlos. Getrieben von irgendetwas, dass er nicht zu benennen vermochte und ihm auf den Geist ging. Er verabscheute Dinge, die ihm ein Rätsel blieben. Umso schlimmer, wenn er sich selbst nicht einschätzen konnte. An manchen Tagen reagierte er kaum auf dieses seltsame, drängende Gefühl der Unruhe. Aber heute saß sie ihm Nacken, festgekrallt und nervtötend.<br />
Er tigerte nun seit einer Weile über den Basar, in der Hoffnung irgendetwas zu finden, dass ihn von diesem Gefühl befreite. Häufig begegnete er unter den Händlern Leute, die er aus seinen Zeiten zu See noch kannte. Offene Rechnungen begleichen oder alten Freund- und Feindschaften ein wenig Leben einzuhauchen, klang nach etwas, das dem trüben Tag einen Sinn geben könnte. Er hatte heute keine Aufträge, keine Kämpfe in der Arena und keine Verabredung. So hatte er vorsorglich diesen Tag freigelegt, da er in der Nacht für seinen letzten Auftraggeber eine kleine Konfrontation erledigt hatte. Es hatte aber nicht ansatzweise so viel Zeit gekostet, da der Mann bereits nach wenigen Sekunden schmerzerfüllter Schreie, das gesagt hatte, worauf Elio hinausgewollt hatte. Er streckte die Finger seiner Rechten aus, als würde er eine plötzliche Spannung füllen und ballte sie dann zur Faust. Die beringten Finger lösten sich wieder und der Blutbändiger vertrieb die Gedanken.<br />
Der Basar leuchteten in unterschiedlichen Farben. Sandfarbene Wände waren mit Pflanzen geschmückt und über den Straßenständen waren bunte Tücher gespannt. Körbe und Töpfe waren gefüllt mit allerlei Krempel. Fremde Düfte von Gewürzen und Speisen mischten sich mit der warmen Luft Ba Sing Ses. Eine Gruppe Bauchtänzerin hatte sich mit Gesang und Tamburin unter die Leute gemischt. Jedes Mal, wenn Elio die Glocken um ihre Gelenke spielerisch läuten hörte, machte er einen Schritt zur Seite - so war er den hübschen Augenaufschlägen nicht genug unterlegen, um die diebischen Finger nicht zu bemerken. Männer saßen hinter Kohlebecken und drehten gefächerte Spieße. Es roch nach Koriander und Minze. Und obwohl um ihn herum Trubel herrschte, konnte Elio nichts von dem bohrendem Kopfschmerz ablenken. Mit seinem alltäglich-übellaunigen Ausdruck schritt er über den Basar. Er trug eine schmuckvolle Tunika, die tief ausgeschnitten, die zahllosen Talismane und Ketten offenbarte. Sein Haar war erst frisch geflochten und mit goldenen Ringen versehen. An seiner Seite gingen die beiden Wölfe. Kiyoshi wie immer ein wenig voran, während Blümchen - der Wolf dessen Namen Elio niemals laut aussprach - wie immer eng an sein Bein geschmiegt lief. Er konnte die Sonne in seinem Nacken spüren. Sein Blick glitt über eine Schmuckauslage und kurz ließ er eine Goldkette durch seine Finger gleiten, bevor er sie auch zur Seite legte und sich wieder störrisch in Bewegung setzte.]]></content:encoded>
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